Leica 10x42 Trinovid vs. Ultravid

#1
Hallo,

wie angekündigt ein paar Infos zum Vergleich der Leicas. Letzte Woche habe ich sie am Tage im Freiland bei bedecktem Wetter getestet. Die Eindrücke, die ich in Bezug auf die im genannten Thread beschriebenen Gläser 7x42 mitteilte, haben sich dabei auch bei den 10x42ern bestätigt.

Beim Blick in das Ästegewirr einer schattigen Hecke zeigte sich das Bild des Ultravid als minimal heller und schärfer. Einzelheiten wie Rindenoberflächen, Blätter u.ä. waren im Ultravid deutlicher zu erkennen. Der Kontrast erscheint im Ultravid geringfügig stärker. Wie schon seinerzeit geschrieben, konnte man dennoch mit dem Trinovid letztlich alles erkennen, was man im Ultravid sah, dies aber mit gewissermaßen mehr Anstrengung. Ein Vergleich der Farbabbildung beim Schauen in entlaubte dürre Äste direkt vor fahl bewöltem Himmel zeigte, dass das Ultravid weniger Fehler aufwies. Nur am Rand des Sehfeldes - bei ca. ein Fünftel seines Durchmessers - waren Farbsäume sichtbar. Im Trinovid waren diese Fehler bereits schwach in der Bildmitte zu sehen mit entsprechender Verstärkung dieses Effekts zum Bildfeldrand, ebenso übrigens wie beim 10x und 8x32 Trinovid. Das 10x50 Trinovid verhält sich in diesem Punkt übrigens wie das neue Ultravid. Hier werden diese Gläser wohl von keinem anderen Fabrikat übertroffen - auch nicht von der noch ca. 300 Euro teueren Konkurrenz aus Tirol.

Am Rande sei noch folgendes erwähnt. Beim Ausprobieren der verschiedenen Ultravids ist mir beim Drehen der neuen Augenmuscheln aufgefallen, dass sich der Widerstand dabei von Glas zu Glas unterschied. Bei einem Ultravid zeigte sich diese unterschiedlich feste Einstellung sogar im Vergleich von rechter zu linker Seite. Keine Ahnung, ob diese Beobachtung Zufall ist, aber vielleicht achtet ihr einmal auf diesen Punkt und berichtet ggf. hier einmal über eure Erfahrungen damit.

In Sachen Robustheit der Verarbeitung und Solidität wirken die Trinovids auf mich vertrauenserweckender. Crashtests konnten aber leider nicht durchgeführt werden <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> .

Was ich bei den 10x42 Gläsern von Leica nicht recht einsehen kann, ist ihr im Vergleich zu den 10x32 und 10x50 Ferngläsern dieser Marke kleineres Sehfeld. Auch wenn es Zeiss, Nikon und Swarovski bei ihren 10x40/42ern nicht besser machen. Etwas mehr Sehfeld darf es für meinen Geschmack schon sein.

Viele Grüße

Steve
 
#2
Hallo Steve,

da ich sowohl ein Trinovid 10x32 BA als auch das neue Ultravid 10x42 BR habe, sowohl ein Trinovid 8x32 BN und 12x50 BA als auch ein Swarovski SLC 7x42 und SLC 10x50 besaß und darüber hinaus generell auf diesem Gebiet ganz gut informiert bin, kann ich aus eigener Erfahrung auch etwas dazu sagen.

Vorausschicken möchte ich noch, daß man sich darüber im klaren sein muß, daß die zum Vergleich herangezogenen Trinovid-Ferngläser bereits (ähnlich wie die vergleichbaren Swarovski- und Zeiss-Ferngläser) ein sehr hohes Qualitätsniveau recht nahe der Grenze sowohl des technisch Machbaren als auch des vom menschlichen Auge Unterscheidbaren bieten. Es wäre daher eine falsche Erwartungshaltung, daß mit neuen Modellen wie den Ultravids noch ein großer Schritt vorwärts möglich wäre. Daß jedoch optisch noch in Nuancen Steigerungen erzielbar sind und andere Kriterien wie Gewicht und Handhabung eher Spielräume für Verbesserungen bieten, darf man annehmen und wird sich auch zeigen.

Alle neuen Ultravid-Modelle sind mit Ausnahme des Ultravids 10x42 (mit neu gerechneten Okularen) bezüglich der optischen Konstruktion mit den entsprechenden Trinovid-Modellen absolut baugleich, so daß hinsichtlich der Schärfe, des Schärfeabfalls zum Rand, der Farbsäume, der Verzeichnung und des Gesichtsfeldes gar kein Unterschied bestehen kann. Nur der Kontrast in dunkleren Bereichen des Gesichtsfeldes kann bei den Ultravids eventuell (nämlich bei Vorhandensein von Gegenlicht oder sehr hellen Bildpartien) etwas besser sein, weil zusätzlich eingebaute bzw. verbesserte interne Streulichtblenden sowie die höhere Transparenz aufgrund der verbesserten Vergütung und Prismenverspiegelung das Streulicht weiter reduzieren. Nur beim U 10x42 mit neu gerechneten Okularen sind im Vergleich zum T 10x42 weitere Unterschiede feststellbar: Die m. E. wesentliche Verbesserung ist ein etwas größerer Pupillenabstand von 15,8 mm, der Brillenträgern die Sicht über das volle Gesichtsfeld erleichtert (über den Pupillenabstand beim T 10x42 liegen mir keine Zahlen vor, aber ich schätze, daß er bei 13 mm liegen dürfte, was ein bißchen knapp für Brillenträger ist). Ferner wurde bei den neuen Okularen die Verzeichnung reduziert, was aber den Globuseffekt beim Schwenken des Fernglases ein wenig vergrößert, jedoch nur so wenig, daß ich ihn noch nicht als störend empfinde. Die geringere Verzeichnung ist bei feststehendem (= während des Betrachtens nicht geschwenktem) Fernglas deutlich als Verbesserung wahrzunehmen. Da sicher die Beobachtung mit ruhendem Glas weit häufiger als die mit geschwenktem Glas ist (Verfolgung bewegter Motive, z.B. beim Pferderennen), halte ich diese Änderung für unter dem Strich positiv. Es gibt aber auch einen Wermutstropfen. Leider hat die neue Okularkonstruktion den Astigmatismus im Randbereich etwas erhöht: Tangentiale Strukturen außerhalb von ca. 75% Bildhöhe sind jetzt etwas weniger scharf. Bei terrestrischer Beobachtung wird das nicht sehr ins Gewicht fallen, aber wer bei astronomischer Beobachtung im Randbereich punktförmige Sterne erwartet, dürfte diese Änderung bedauern. In einem weiten zentralen Bereich des Gesichtsfeldes schlägt aber die höhere Transparanz in Verbindung mit höherem Kontrast durch und bereitet dem Besitzer des U 10x42 große Freude, erst recht, wenn er Brillenträger ist.

Deine Feststellung, daß beim U 10x42 weniger Farbsäume als beim T 10x42 zu sehen seien, kann ich nicht bestätigen, und aufgrund der beim U und T identischen Objektivkonstruktion scheint mir das sehr unwahrscheinlich (Farbsäume haben in der Regel, wenn auch nicht immer, ihre Hauptursache in den Objektiven und nicht in den Okularen). Deine weitere Aussage, daß das T 10x42 bereits in der Bildmitte Farbsäume zeige, muß auf einem Irrtum beruhen oder andere Ursachen haben. Denn wenn das Fernglas nicht dezentriert ist, darf und kann es in der Mitte gar keine Farbsäume zeigen, weil der Farblängsfehler bei den hier vorliegenden geringen Vergrößerungen noch keine Rolle spielen kann und der Farbquerfehler in der Mitte prinzipbedingt überhaupt nicht existiert! Ich vermute, daß Du Brillenträger bist, weil ein von Dir beobachteter Farbfehler eigentlich (bei nicht defektem Fernglas) nur entweder dadurch im Zentrum des Gesichtsfeldes entstanden sein kann, daß Du die Brille (vielleicht wegen des kleineren Pupillenabstandes beim T 10x42) fester gegen das Okular pressen mußtest und dadurch das Brillenglas nicht mehr zur optischen Achse zentriert war und so wie ein zwischengeschalterer Prismenkeil einen Farbsaum produziert hat, oder gar Deine Augenpupille nicht zur Austrittspupille des Fernglases zentriert war. Falls Du gar eine Gleitsichtbrille tragen solltest, wäre die Wahrscheinlichkeit, auf diese Weise Farbsäume auch in der Bildmitte hervorzurufen, sogar noch größer. Da ich selbst eine Gleitsichtbrille (ca. -5 dpt für den Fernbereich im Zentrum des Brillenglases, auf ca. -3,5 dpt nach unten für den Nahbereich abfallend) trage, kenne ich den Effekt sehr gut, der die Punktschärfe störend verschlechtert, wenn das Brillenglas so ans Okular gedrückt wird, daß die optische Achse nicht durch den optimal für die Ferne korrigierten Bereich des Brillenglases verläuft und/oder nicht mit der Augenachse fluchtet. Dieser Effekt tritt besonders gern auf, wenn man zenitnah mit nach hinten verkipptem Kopf beobachtet.

Was das T 10x32 betrifft, so muß ich Deiner Aussage bezüglich dessen Randschärfe entschieden widersprechen. Zumindest mein Trinovid 10x32 BA ist hinsichtlich der Randschärfe das absolut beste Fernglas, das ich je vor Augen hatte. Weder mein U 10x42 noch mein T 12x50 noch meine beiden Swarovski SLC 7x42 und 10x50 waren so scharf im Randbereich. Natürlich ist die „Lichtstärke“ des 10x32 deutlich erkennbar derjenigen aller anderen genannten Gläser unterlegen, und das war ja auch der Grund, warum ich mir alle die anderen Gläser nacheinander zusätzlich angeschafft hatte und nun sogar das U 10x42 durch ein U 10x50 oder U 12x50 ersetzen will (daher steht es hier im Forum unter "Biete" für 1200 Euro zum Verkauf). Ich glaube nicht, daß mein Trinovid 10x32 BA ein „Ausnahme“-Fernglas ist, denn es ist nicht unter vielen selektiert, sondern ein ganz normales Modell aus der Serie, und die Serienstreuung hinsichtlich der optischen Eigenschaften ist bei Leica sehr, sehr klein.

An den neuen Augenmuscheln konnte ich bei meinem U 10x42 keinen Unterschied zwischen links und rechts feststellen. Die Drehfassung mit drei rastenden Einstellpositionen ist bei meinem Exemplar eher etwas schwergängig (wenn ich die Okulare verstelle, weil meine Frau ohne Brille durchschaut, ich aber mit Brille beobachtet habe, verstellt sich wegen dieser Schwergängigkeit immer die Augenweite, wenn ich das Okular an der Fernglashäfte verdrehe, die ich nicht mit der anderen Hand festhalte; allerdings ist das deswegen nicht schlimm, weil meine Frau ohnehin eine kleinere Augenweite für sich einstellen muß). Welche Friktion bei der Okularverstellung optimal ist, ist sicher Geschmackssache, denn wenn's etwas schwerer geht, kann es sich auch weniger leicht ungewollt verstellen.

Bezüglich der Robustheit und Verarbeitung teile ich Deine Meinung ebenfalls nicht. Ich wüßte nicht, was mir am Ultravid weniger gut verarbeitet oder weniger solide vorkommen sollte. Die Tatsache, daß das Ultravid dank der schlankeren Silhouette wesentlich eleganter (graziler) wirkt und sich ergonomischer in die Hand schmiegt (das ist ein mir vor allem für längere Beobachtung wichtiger Vorteil, mit dem der in dieser Hinsicht bisherige Favorit Nikon 10x42 HG DCF mindestens erreicht, wenn nicht noch übertroffen wurde) sowie das merklich geringere Gewicht aufgrund der Materialien Magnesium fürs Gehäuse und Titan für die Mittelachse kann durchaus subjektiv den Eindruck hervorrufen, daß es weniger stabil sein müsse. Wer aber die Festigkeitswerte von Magnesium (denke bitte an Magnesiumfelgen!) und Titan kennt, wird diesem Trugschluß nicht aufsitzen. Die auf der Festigkeit der unter der Gummiarmierung versteckten Metallteile basierende Robustheit anhand der dafür irelevanten Gummiummantelung zu beurteilen, erscheint mir zumindest fragwürdig, und eine auf keinerlei Beweis gestützte Vermutung gehört nicht als Qualitätskriterium in eine Beurteilung.

Zuletzt weist Du auf das gegenüber den 10x32- und 10x50-Gläsern – auch von Leica – kleinere Gesichtsfeld hin. Das hat auch mich nicht so ganz gefreut (obwohl das T 10x42 ebenso wie das U 10x42 exakt soviel wie Zeiss und Swarovski und mehr als Nikon bietet). Aber es ist mir klar, daß aufgrund des herstellerseits aus Marketinggründen definierten Forderungskatalogs dieser Fernglasklasse kein größeres Sehfeld möglich ist: Die 10x42-Gläser sollen allen, die gern ein möglichst kompaktes und leichtgewichtiges Glas (wie ein 10x32) und zugleich ein dennoch möglichst lichtstarkes Glas (wie ein 10x50) haben wollen, einen optimalen Kompromiß bieten. In der Tat liegen die 10x42 in Gewicht und Volumen dem 10x32 sehr viel näher als dem 10x50, aber in der Lichtstärke umgekehrt dem 10x50 sehr viel näher! Und das geht halt nur, wenn man die relativ voluminösen und schwergewichtigen Prismen nicht zu groß macht. Ich vermute (kann es aber nicht belegen), daß man – auch aus Kostenründen – für das 10x42 dieselben Prismen wie für das 10x32 einsetzt. Da aber objektivseitig der Strahlenkegel bei 42 mm Öffungsdurchmesser weiter ist, führt dieselbe Prismengröße bei gleichem Gesichtsfeld zu einer Vignettierung, die man nur durch Verkleinerung der Gesichtsfeldblende vermeiden kann.

Wer ein 10x42, egal ob Trinovid oder Ultravid, ob von Leica, Swarovski oder Zeiss, als ein sehr leistungsfähiges „Universalglas“ mit der Mobiliät eines 10x32 und einer nahe an das 10x50 heranreichenden Lichtstärke betrachtet, muß und wird dieses etwas kleinere Gesichtsfeld gern akzeptieren, zumal es immer noch das Kriterium eines echten Weitwinkelfernglases erfüllt, weil der scheinbare Gesichtswinkel über 60° liegt.

Ich möchte abschließend noch mein persönliches Fazit zum Leica Ultravid 10x42 BR mitteilen:

1. Schärfe in weitem Bereich ums Zentrum exzellent, außerhalb etwa 75% speziell für tangentiale Strukturen erkennbar abfallend. Wenn man bedenkt, daß auch das menschliche Auge mit wachsendem Winkel zur optischen Achse (sogar noch erheblich stärker) im Auflösungsvermögen abfällt und man daher für beste Detailerkennbarkeit ohnehin den kritrisch betrachteten Gegenstand in die Mitte des Gesichtsfeldes holt, kann man damit leben.

2. Kontrast aufgrund des infolge höherer Transparenz und effektiverer Streulichtblenden geringeren Streulichts auf dem bisher besten Niveau aller mir bekannten Hochleistungsferngläser.

3. Streulicht und Reflexe bei Gegenlicht geringer als bei jedem anderen mir bekannten Fernglas, ein Erfold der höheren Transmission und optimierter interner Blenden.

4. Verzeichnung ebenfalls optimal korrigiert, also so wenig, daß man sie (nicht zuletzt auch wegen des kreisförmig und nicht rechteckig wie beim Foto begrenzten Gesichtsfeldes) praktisch nicht mehr wahrnimmt, aber noch ausreichend kissenförmig, um den nun etwas stärkeren Globuseffekt beim Schwenken des Fernglases noch nicht störend groß werden zu lassen.

5. Einblickverhalten auch für Brillenträger sehr gut. Der noch etwas größere Pupillenabstand bei den Swarovski-Ferngläsern war mir schon etwas zu groß, so daß ich bei optimaler Betrachtung zwischen Okular und Brillenglas keinen mehr Kontakt hatte, was das ruhige Halten des relativ zum Kopf „frei schwebenden“ Fernglases erschwert.

6. Naheinstellung und Überhub sind sehr gut bzw. bei Bedarf nachjustierbar. Eine Naheinstellung bis 2,95 m ist auch für Naturfreunde, die Kleintiere (Vögel, Mäuse, Schmetterlinge, Eidechsen usw.) aus kürzerer Distanz betrachten wollen, interessant. Meines Wissens kommt man nur mit dem Swarovski EL 10x42 noch ein wenig näher ran (ca. 2,5 m). Der Überhub ist mit ca. -3,5 bis -4 dpt für mich nicht ganz ausreichend, um ohne Brille (-5 dpt) auf unendlich scharfstellen zu können. Aber man kann den Überhub im Werk noch um einige Dioptrien vergrößern lassen, wobei dann am anderen Ende die Nahgrenze um einige 10 cm länger werden kann.

7. Ergonomie absolut perfekt. Griffigkeit insgesamt und Bedienbarkeit der Fokussierwalze ohne und mit Handschuhen, bei trockenen und nassen Händen sehr gut. Gewicht schon ganz nahe an dem des Trinovids 10x32, obwohl die Öffnungsfläche um 72% größer ist und die effektive Lichtstärke aufgrund der gesteigerten Transparenz wahrscheinlich fast 80% höher liegt. Und auch die Größe übertrifft die des 10x32 nur wenig, was um so mehr zählt, als die Trinovid-Gläser schon immer Weltmeister in der Kompaktheit waren. Sehr gut finde ich die neuen Objektivschutz-Gummiklappen (wie sie die Swarovski-Gläser schon länger haben, also gut kopiert). Mißlungen ist dagegen der Okularschutzdeckel, der zu hoch ist und nicht richtig auf den konischen Okularfassungen sitzt (immer ein bißchen schief und nie richtig fest!). Der Okulardeckel am Trinovid ist eindeutig besser. Der kleine Wulst als Daumenauflage bringt zwar objektiv gesehen nicht viel, vermittelt aber ein Gefühl, das Fernglas sicherer zu halten, und er ist ergonomisch richtig angeordnet (was man von den Swarovski-Gläsern, die ich besaß, nicht sagen kann).

8. Mechanische Robustheit bleibt auch bei mir ohne Bewertung, da eine Prüfung nur durch Belastung bis an die Zerstörungsgrenze möglich wäre und ich mein Ultravid dafür nicht opfern möchte. Aber rein äußerlich erkenne ich nichts, was mich an bester Stabilität und Langlebigkeit zweifeln ließe. Das Wissen um die Festigkeit der Materialien Magnesium und Titan gibt mir weiteres Vertrauen, und schließlich weiß ich auch die 30-Jahre-Garantie von Leica sehr zu schätzen.

9. Der einzige erhebliche Minuspunkt: Es fehlt auch bei diesem Leica-Glas ein Gewinde oder eine vergleichbar einfache Befestigungsmöglichkeit an einem Stativ. Das hartnäckige Beharren Leicas am einmal eingeschlagenen (Holz-)Weg über das unhandlich große Brettchen mit Gummiriemen als Stativplatte könnte damit erklärbar sein, daß man fürchet, mit einer Änderung indirekt einzugestehen, daß die bisherige Stativbefestigung Murks war.

Obwohl ich mein neues Ultravid 10x42 BR hier im Forum zum Verkauf anbiete (um mir das Ultravid 10x52 BR als logische Ergänzung zu meinem Trinovid 10x32 BA zu kaufen), habe ich mich bemüht, es hier sehr kritisch zu beurteilen und auch seine Schwächen nicht zu verschweigen. Ich hoffe, es wird allen helfen, die mit einem der neuen Ultravids liebäugeln und noch überlegen, ob der Mehrpreis gegenüber dem entsprechenden Trinovid gerechtfertigt ist.

MfG Walter E. Schön
 
#3
Hallo Walter,

ich wusste nicht, dass Du als Verkäufer des 10x42 Ultravid persönlich Betroffener bist, da ich den Astro-Markt nur selten verfolge. Es ist aber trotzdem schön, dass Du uns bei dieser Gelegenheit an deinen Erfahrungen mit dem neuen Fernglas einmal reichlich teilhaben lässt.

Noch ein paar Anmerkungen.

Zitat:

"Was das T 10x32 betrifft, so muß ich Deiner Aussage bezüglich dessen Randschärfe entschieden widersprechen."

Ich habe nichts über die Randschärfe des 10x32 Trinovid ausgesagt. Verwechselst du meinen Beitrag mit einem anderen?

Zum Thema Farbsäume. Ich habe mit und ohne Brille (keine Gleitsichtgläser) geschaut. Beim 10x42 Trinovid BN waren leichte Farbsäume im Zentralbereich sichtbar. Ich spreche hier natürlich nur von einem violetten Hauch bei einem Motiv mit maximalem Kontrast und am Dunst gestreutem Licht aufgrund diesiger Witterung - meinem Härtetest in Sachen Farbsäume, dem kaum ein Fernglas standhält. Das Trinovid befindet sich hier aber in guter Gesellschaft. Swarovski El 10x42 zeigt z.B. zentral noch stärkere Farbsäume. Das Gleiche gilt auch für verschiedene SLC Modelle und Zeiss Victory. Ich glaube nicht, dass diese Beobachtung etwas mit der Art die Brille anzusetzen zu tun hat. Jedenfalls erstaunlich, dass Farbsäume beim Ultravid und beim 10x50 Trinovid mittig nicht zu beobachten waren. Ich schlage dir vor, meinen Test - die Bedingungen habe ich ja geschildert - einmal nachzuvollziehen, evtl. noch mit einem zweiten vielleicht jüngeren Beobachter, da das Sehen ja oft auch vom Lebensalter beeinflusst wird. Ich will aber auch nicht ausschließen, dass es innerhalb der Baureihe BN Änderungen (Glassorten?) gegeben hat, die sich hier vielleicht auswirken. Mein Trinovid war jedenfalls ein älteres Vorführgerät.

Steve
 
#4
Hallo Steve,

mein Widerspruch galt Deinem folgenden Satz, in dem zwar das Wort „Randschärfe“ nicht explizit auftaucht, sondern der sich auf die zuvor beschriebenen Farbsäume bezieht, die aber auch die Randschärfe herabsetzen:

(Zitat, fette Hervorhebung durch mich)

„Im Trinovid waren diese Fehler bereits schwach in der Bildmitte zu sehen mit entsprechender Verstärkung dieses Effekts zum Bildfeldrand, ebenso übrigens wie beim 10x und 8x32 Trinovid.“

(Zitatende)

Ich kann nur wiederholen, daß ich an meinem Trinovid 10x32 BA, also dem Vorgänger des jetzigen Modells, das sich nur durch eine etwas weitere Nahgrenze (2,6 m statt jetzt 2,1 m) und eine nicht ganz so harte Vergütung der Außenflächen vom aktuellen 10x32 BN unterscheidet, nur eine minimale Unschärfe am Bildfeldrand und auch nur minimale Farbsäume in diesem Bereich feststellen konnte. Ich habe noch durch kein anderes Fernglas geschaut, das auch am Rand so scharf war.

Auch was die Farbsäume in der Gesichtsfeldmitte betrifft, kommt für mich bei einem einwandfrei justierten Fernglas hoher Qualität als Ursache noch immer nur ein relativ zur Austrittspupille bzw. zur optischen Achse dezentriertes Brillenglas oder/und Auge in Frage (mit Gesichtsfeldmitte meine ich nicht nur den dimensionslosen mathematischen Mittelpunkt, sondern auch darum herum einen Bereich von vielleicht 20 bis 30% Radius relativ zum Radius des Gesichtsfeldes). Übrigens kann auch eine nicht exakt auf den richtigen Abstand der Augenachsen eingestellte Fernglas-Knickbrücke zur Dezentrierung mindestens eines Auges führen. Ich bedaure deshalb, daß heutzutage kaum noch ein Fernglas eine entsprechende Skala hat, nach der man den einmal für den Fernbereich sorgfältig ermittelten Achsenabstand immer wieder schnell einstellen kann. Mir ist natürlich klar, daß man den Abstand für den Nahbereich wegen der nötigen Konvergenz ein wenig verkleinern muß, aber das ist kein triftiges Argument gegen eine solche Einstellskala.

Schade, daß Du am anderen Ende Deutschlands bist, denn sonst würde ich gern einfach mal mit Dir gemeinsam die verschiedenen Ferngläser testen und dabei Dein 10x32 Ba/BN? mit meinen 10x32 BA vergleichen. Zum Nachvollziehen Deines Tests und zum Schreiben neuer Beiträge werde ich wohl frühestens im Januar kommen, da ich noch viel vor Weihnachten zu erledigen haben und auch ein paar Tage verreist sein werde.

Schöne Feiertage und ein gutes neues Jahr!

Walter E. Schön

 

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