Luftspalt Achromat – genaue Position der Linsen zueinander wichtig? | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Luftspalt Achromat – genaue Position der Linsen zueinander wichtig?

FrankFu

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Hallo Zusammen,

Inzwischen haben sich einige ältere Refraktoren bei uns eingefunden und bei dem einen oder anderen musste auch mal nach Jahren in irgendwelchen muffigen Kellern oder Dachböden ordentlich geputzt werden. Dabei ist mir bei dem ein oder anderen Gerät aufgefallen, dass hier wohl schon an der Objektivfassung "gearbeitet" wurde, es also sichtbare Zeichen gibt, dass schon jemand vor mir die beiden Linsen des Luftspalt Achromaten aus der Fassung rausgenommen hat.

Jetzt will ich es aber genau wissen, weil ich meine, es ab und an schon mal in Foren gelesen zu haben, dass man sich die Position der Linsen zueinander markieren soll und stelle mal die Frage hier im Board und hoffe auf Erleuchtung durch anwesende Experten:
Ist es bei einem Luftspalt Achromaten, wie ich ihn typischer Weise in meinen älteren 60mm Refraktoren vorfinde, überhaupt von Bedeutung, wie die beiden Linsen zueinander ausgerichtet sind?

Und ja, mir ist klar, dass man diese nicht irgendwie zusammenpuzzelt, sondern wir gehen davon aus, dass der Achromat (2-Linsen-System) richtig zusammengesetzt ist. Die Frage ist, macht es einen Unterschied, ob ich eine der Linsen jetzt um x° im oder gegen den Uhrzeigersinn drehe?

Bisher sind mir an den Linsen ehrlich gesagt keine "werksseitigen" Markierungen aufgefallen und auch die Abstandhalter scheinen sich nicht unbedingt in der Stärke zu unterscheiden...habe aber ehrlich gesagt, auch noch nie nachgemessen, da ich diese natürlich nicht verändern / verlieren will. Daher stellt sich mir die Frage, wie das bei der Produktion sichergestellt werden sollte, dass die beiden Linsen in der exakt richtigen Position zueinander montiert werden...bin aber auch kein Fertigungsingenieur ;) ...hab da aber ein Bild im Kopf mit einer zu der damaligen Zeit ziemlich manuellen Montage eines solchen Refraktors in Japan...und da werden halt die beiden Linsen aufeinander gelegt :LOL: Vielleicht liege ich aber ja auch damit völlig falsch;)

Und wenn es so sein sollte, dass die Position wichtig ist...wie würde ich das überprüfen können, ob das nicht vor mir schon mal jemand "verdreht" hat ? Ronchi-Test? Oder auf Farbfehler testen? Sind ja alles f/15 oder noch langsamer...

Vielen Dank für Eure Hilfe, freue mich auf Erleuchtung...trotz Internetrecherche bin ich da bisher nicht zu einer Erkenntnis gekommen.

Beste Grüße und klare Nächte
Frank
 

Optikus

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Moin,

je höher die Qualität des Refraktors, desto sensibler die Justage. Da der Luftspalt die "dritte Linse" des Objektivs ist spielt er für die Korrektur durchaus eine Rolle. Da auch die beste Linse niemals vollkommen zentrisch und rund ist werden die Objektive beim Zusammensetzen normalerweise markiert, so dass erkennbar ist, wie sie zusammengehören. Die Objektive werden gerade bei manueller Montage eingemessen, dafür gibt es entsprechende Messaufbauten. Wie gesagt, bei Billigware die vom CNC-Roboter zusammengedrechselt werden verzichtet man vielleicht darauf, aber vor ein paar Jahrzehnten war der Billigheimer-Effekt noch nicht so ausgeprägt.

Wenn Dich das im Detail interessiert -> Wolfgang Rohr.

CS
Jörg
 

UwePilz

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Wolfgang Rohr selbst macht nichts mehr. Seine Internetseiten und sein Forum sind nach wie vor einsehbar.

Klassisch wurde der Abstand mit Zinn-Stückchen eingestellt. Durch sanften bis mittleren Druck auf diese stellen kann man Korrekturen im Mirkometerbereich vornehmen. Man muss aber vorher wissen, auf welchen Luftspalt das Instrument gerechnet wurde.

Eine Hilfe dabei kann das Optik-Buch von Harrie Rutten sein. Dort drinnen sind Entwurfsformeln für Achromate vorgestellt. Natürlich hat man dann sofort das nächste Problem und muss schätzen, welche Gläser wohl benutzt wurden. Auf jeden Fall bekommt man eine Vorstellung von der Größe des Luftspalts. Unter 1mm, vermute ich.
 

FrankFu

Mitglied
Lieber Jörg, lieber Uwe,

Vielen Dank für Eure Beiträge. Die Webseite von Wolfgang Rohr habe ich mir angeschaut und auch schon das eine oder andere zu Achromaten nachgelesen, aber einer Antwort bin ich noch nicht näher gekommen... brauche aber wohl auch Jahre um das alles zu lesen und zu verstehen.

Da mir, wie gesagt, auf den Linsen bisher noch nie Markierungen aufgefallen sind, nach denen man die beiden Linsen zueinander ausrichten könnte - also bspw weiss ich also nicht, ob nicht ein Vorbesitzer die Linsen bereits mal „verdreht“ im Sinne nicht wieder exakt so aufeinandergelegt hat, wie sie ab Werk sein sollten.

Nun beschränken sich meine Testmöglichkeiten auf ein Ronchi-Okular oder per Laser durch den OAZ zu schauen was passiert. Ich würde ja vermuten, dass wenn die Abstandsplättchen wirklich unterschiedlich stark sind, eine „Verdrehung“ der Linsen auch einen Effekt zeigen müsste, da dann der Achromat nicht mehr korrekt passt, oder liege ich da falsch?

Ist ja aber auch nicht so, dass die Teleskope jetzt schlechte Bilder liefern würden... ganz im Gegenteil... daher ja meine Theorie, ob das bei den älteren 60mm Refraktoren nicht vielleicht sogar egal ist, wie die Linsen aufeinander sitzen, solange der Achromat an sich korrekt zusammengefügt ist?

Vielen Dank für Eure Unterstützung. Beste Grüße und klare Nächte
Frank
 

AstroBHO

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Klassisch wurde der Abstand mit Zinn-Stückchen eingestellt. Durch sanften bis mittleren Druck auf diese stellen kann man Korrekturen im Mirkometerbereich vornehmen. Man muss aber vorher wissen, auf welchen Luftspalt das Instrument gerechnet wurde.
Nur mal so eine Frage.... Hast Du schon einmal in der Fertigung Achromate zusammengebaut?
Klassisch: Zu meiner Zeit in der Ausbildung ('70er Jahre) hat man schon Abstandsplättchen genommen, die auf den genau berechneten Abstand der Linsen passten. Die gab und gibt es auch in Mikrometer-Abständen. Ich kann mir nur vorstellen, dass in Ländern, in denen nicht immer alles verfügbar war, mit Zinn-Stückchen gearbeitet wurde.
Nun beschränken sich meine Testmöglichkeiten auf ein Ronchi-Okular oder per Laser durch den OAZ zu schauen was passiert. Ich würde ja vermuten, dass wenn die Abstandsplättchen wirklich unterschiedlich stark sind, eine „Verdrehung“ der Linsen auch einen Effekt zeigen müsste, da dann der Achromat nicht mehr korrekt passt, oder liege ich da falsch?
Geprüft habe ich die Achromate immer mit einem Kollimator und spezieller Testplatte. In der Fertigung wurden die einzelnen Linsen immer etwas größer gefertigt und dann auf einer speziellen Laser-Zentriermaschine genau auf Maß (symmetrisch rund) geschliffen.

CS Bernd
 

Michael_Haardt

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Es gibt einige Webseiten zum Tuning der billigen Refraktoren von Aldi/Lidl/Tschibo, die sich teilweise auch der Justierung des Objektivs widmen und neben der Verkippung auch die Verdrehung optimal einstellen, also scheint das auch bei günstigen Optiken etwas auszumachen.

Die Verkippung bzw. Zentrierung kann man mit einem GMK prüfen. Eigentlich müsste man so ein Teil mit dem 3D Drucker herstellen können. Einige Objektive zeigen Newtonringe, die man auch zur Zentrierung nutzen kann. Den absoluten Abstand kann man so aber nicht einstellen. Da hilft vermutlich das Ronchi-Okular, um den Farbfehler zu minimieren.

Michael
 
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