Lumicon H-Beta-Filter: Frage... | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Lumicon H-Beta-Filter: Frage...

StKorth_privat

Mitglied
Thema h-Beta-Filter - welche Erfahrungen gibt es hier in der Gruppe?
Vor Jahren hatte ich einmal so ein Teil, hat mir damals aber nichts gebracht. Den neuen Lumicon-Filtern (Gen. 3 benannt...) traue ich nach meinem Vergleich bei den OIII-Varianten schon mehr zu, aber die UHCs nehmen ja auch h-Beta mit. Was also kann h-Beta mehr an welchen Objekten, wer kann hier aus eigener Anschauung berichten?

Stefan Korth
 

bogix

Mitglied
Hallo Stefan,

ich habe mir vor ca. 5 Jahren, nach diversen Tests, mal einen Satz ICS Astronomik Filter in 2" zugelegt (OIII, UHC, h-Beta). Ich beobachte nicht wenig (mit 3 und 5 Zoll APO, ab und an 12" und 20"+ Newtons) und die Filter kommen eigentlich fast immer zum Einsatz. Von der Häufigkeit her nutze ich O-III (dafür gibts auch die meisten Objekte), UHC (z.B. beim Mischobjekten -->M46 +PN) und danach weit abgeschlagen erst den h-Beta.

Was kann der Filter:

Spontan fällt mir nur der Californianebel NGC 1499 (Wirkung: ohne: ein Hauch von Nichts, Mit: schöne Nebelbank) und der Pferdekopfnebel (Wirkung ohne: hab ich noch nie gesehen, mit: Pferdekopf sichtbar) ein. Hier ist der h- Beta ein Booster mit sehr hohem Effekt. Weiterhin nutze ich den Filter ab und an bei diversen Objekten, einfach mal um einen anderen Blick auf z.B. den Orion (sehr interessant, andere Faserung und Helligkeiten) und andere Standardobjekte zu bekommen. Jeder Filter arbeitet ja ein bisschen anders und man gewinnt einen leicht geänderten Blick auf so manches bekannte Objekt. Abseits der beiden o.g. Objekte sollte man keine zu heftige Filterwirkung des h-Betas erwarten (a la O-III). Er bleibt für mich (selbst als rein visueller Beobachter) eher ein Nice to, als ein Must have. Zusätzlich nutze ich den Filter primär an grösseren Optiken (12" aufwärts), da sich hier der Effekt besser zeigt.

CS
Matthias
 

StKorth_privat

Mitglied
Danke für die ausführliche Antwort, bei mir wird das Filter am 12-Zöller zum Einsatz kommen. Entgegen anderslautender Mutmaßungen sind die Filter ab Lager lieferbar, zumindest bei Farpoint.
Weitere Input willkommen, ich sammele gerne noch weitere Meinungen und berichte dann, wenn ich etwas mit dem Teil erziehlen kann.

CS, und heute abend schön Schlaf nachholen ;-)
Stefan
 

AstroPZ

Mitglied
Hi Stefan @StKorth_privat ,

also ich habe mir erst vor kurzem den Astronomic H-Beta gekauft (sehr gute Transmission).

Ich wollte damit das Paradeobjekt für diese Filter, den Pferdekopfnebel beobachten.
Mit meinem 20 Zöller und dem Filter konnte ich vor 2 Tagen, nach einer ewigen "Durststrecke", ihn leider nicht erspähen. Woran es lag weiss ich noch nicht. Wahrscheinlich entweder doch nicht ganz so klar oder Lichtverschmutzung zu gross. Mist, jetzt ist erstmal wieder Ende und es kommt auch der Mond.

Dafür aber natürlich den grossen Orionnebel beobachtet. Wie oben von Matthias @bogix geschrieben, sehen die Strukturen mit Filter etwas anders aus.

Nach diesen ersten Erfahrungen halte ich auch den OIII für deutlich wichtiger.

Ich hatte ja auch einen Faden "welcher H-Beta der beste ist" aufgemacht.
(durch die besch... Suche finde ich ihn gerade nicht. Wie kann man nur eigen erzeugte Fäden finden?).
Nach weiterer Recherche bin ich der Meinung, das es bei den Filtern der Marktführer (Astronomik, Lumicon, TeleVue, ...) keine grossen, visuelle Unterschiede für eine mittelmäsige Beobachtungssituation geben wird.

Gruß
Peter
PS: Ach ja, wichtig, solche Filter sind visuell umso sinnvoller um so grösser (mal wieder ;) ) die Öffnung ist
 
Zuletzt bearbeitet:

Gerd-K

Mitglied
Hallo,

Ich habe den Astronomik H-beta, den Filter habe ich aber noch nicht oft eingesetzt.
Mit diesem Filter habe ich bisher den Californianebel mit 80 und 300mm Öffnung beobachtet. Dazu kommt noch PK 64+5.1 (Campbells Wasserstoffstern) den ich gut damit sehen konnte.
Bisher hat sich die Anschaffung von diesem Filter nicht "gelohnt", ich wüsste im Moment nicht, ob ich mir diesen Filter wieder anschaffen würde.

Viele Grüße
Gerd
 

j.gardavsky

Mitglied
Meine H-Beta Filter (Astronomik und Baader) finden recht häufig Anwendung, und zwar meistens an den Lynd's Nebeln und an einigen Sharpless Nebeln, die sonst keine OIII Emission aufweisen. Davon gibt es in Cygnus-Cassiopeia-Lacerta mehr als genug.
Der Astronomik ist mit 12nm für den Pferdekopfnebel zu weit, deshalb have ich zwei Astronomikfilter für den Pferdekopfnebel gestackt (zusammen geschraubt).
Der Baader würde mit 8,5nm besser passen, aber seine Maximaldurchlässigkeit ist bei etwa 85%, in der Tat noch weniger.

LG,
Jiri
 

mettling

Mitglied
Hallo Stefan,

ich verwende den Lumicon H-Beta (2. Gen) zusammen mit einem Lumicon OIII und einem UHC der gleichen Generation in einem Filterrad in meinem 16" Dobson.
Ich benutze den Filter sehr oft wenn ich die lichtschwachen, flächigen Nebelregionen der Sommermilchstraße abklappere. Neben den Paradeobjekten (California, Pferdekopf, Barnards Loop) spricht er auch auf die Nebel um Gamma Cygni an, die einiges an Wasserstoffemission haben. Teilweise erscheinen sie mir im H-Beta kontrastreicher, weil der Filter den Hintergrund noch stärker unterdrückt als der OIII. Denn der muss ja zwei Banden durchlassen, der H-Beta nur eine.
Was ich auch gerne mache ist Filterflipping mit dem OIII. Sprich den Filter in Sekundenbruchteilen wechseln, ohne das Auge vom Okular zu nehmen. Das geht natürlich nur mit einem Filterrad oder -schieber. Auch habe viele PNs H-Betaemissionen, die teilweise andere Strukturen offenbaren als der OIII.
Und M42 schließlich ist toll im H-Beta, er hat da ein ausgeprägtes Nebelfilament, das im OIII unsichtbar ist. Da kann man die Vergrößerung dann auch mal hoch schrauben.

Allgemein wirkt er bei flächigen Nebel am besten bei einer AP von 3-5mm. Unterm Strich benutze ich ihn fast so häufig wie den UHC und ich untersuche jeden Emissionsnebel ob er auch auf H-Beta anspricht. Wie gesagt, ein Filterrad oder ein Schieber sind äußerst hilfreich.
Absolut notwendig für erfolgreiche Beobachtungen mit diesem Filter ist aber ein möglichst dunkler Himmel.
Die Möglichkeit zum Vergleich des Lumicons mit einem Astronomik oder Baader hatte ich noch nicht. Des Filter sollte aber so schmalbandig wie möglich sein und für Filterflipping auch gleich dick wie die anderen Filter im Wechsler. Lumicon 2. Gen und Baader haben die gleiche Substratstärke, Astronomik weicht ab. Deshalb habe ich neben den drei Lumicons noch einen Baader OIII und ein Baader Klarglas im 5-fach Filterrad.

Bis dann:
Marcus
 

AstroPZ

Mitglied
Der Astronomik ist mit 12nm für den Pferdekopfnebel zu weit, deshalb have ich zwei Astronomikfilter für den Pferdekopfnebel gestackt (zusammen geschraubt).
Hi Jiri,

ein paar Fragen zu deinem ungewöhnlichen Vorgehen die Filter aufeinander zuschrauben:

Warum sind die 12nm des Astronomik zu weit für den Pferdekopfnebel? Wegen Störlicht, zu wenig Kontrast?

Wird der Durchlass wirklich schmäler durch 2 Filter übereinander?

Danke und Gruß
Peter
 

j.gardavsky

Mitglied
Hi Jiri,

ein paar Fragen zu deinem ungewöhnlichen Vorgehen die Filter aufeinander zuschrauben:

Warum sind die 12nm des Astronomik zu weit für den Pferdekopfnebel? Wegen Störlicht, zu wenig Kontrast?

Wird der Durchlass wirklich schmäler durch 2 Filter übereinander?

Danke und Gruß
Peter
Hallo Peter,

die 12nm sind für den Pferdekopfnebel auch unter meinem Bortle 4 Himmel noch zu weit. Mit dem Stacking verringert sich die Halwertsbreite auf etwa 2/3, (etwa 8nm), aber wie bereits Uwe oben, wird die Lichttransmission auch niedriger, 0,96 x 0,96 = 0,92, aber mit 92% kann ich noch leben.

Weil ich die Nebelfilter paarweise für meine Ferngläser habe, kann ich auch mit dem Stacking am Fernrohr leben.

LG,
Jiri
 

AstroPZ

Mitglied
die 12nm sind für den Pferdekopfnebel auch unter meinem Bortle 4 Himmel noch zu weit. Mit dem Stacking verringert sich die Halwertsbreite auf etwa 2/3, (etwa 8nm), aber wie bereits Uwe oben, wird die Lichttransmission auch niedriger, 0,96 x 0,96 = 0,92, aber mit 92% kann ich noch leben.
Hi Jiri,
danke für die Erläuterung.

Ok, mein Himmel ist bestimmt etwas schlechter, wahrscheinlich Bortle 5.
Aber eigentlich müsste da mein 20 Zöller wieder einiges ausgleichen.
Wahrscheinlich muss ich auch noch mit den Okularen experimentieren.
Einen zweiten teuren H-Beta Filter will ich mir eigentlich nicht kaufen. Wobei die Transmission ja tatsächlich gar nicht so leidet.

Der Orion steht auch am frühen Abend ein bisschen in der besch... Lichtglocke von Konstanz.
(Ich verstehe die Städte überhaupt nicht, warum sie nicht Licht und damit Geld sparen.)

Sorry, fürs Fadenkapern.

Gruß
Peter
 

j.gardavsky

Mitglied
Hallo Peter,

mit einem 20" Dob sollst Du Dir wirklich wenig Gedanken machen. Ich beobachte mit einem 6" F/5 achro Refraktor und da kommt es schon auf alles an, und ähnlich mit meinen Ferngläsern.

Bezugnehmend auf die Okulare, für die schwierigen EN und PN nehme ich die alten Carl Zeiss West Germany E-Pl und W-Pl aus den Mikroskopen,
und noch lieber die Leica HC (Germany, nicht Singapore)
Diese bieten einen enormen Kontrast bei einer sehr hohen Lichttransmission.

LG,
Jiri
 

Gerd-K

Mitglied
Hallo,

Es gibt von Baader einen 8,5nm H-Beta Filter der auch für die visuelle Beobachtung beworben wird.
Wie ist dieser Filter zu bewerten, gerade als Alternative zu zwei gestapelten 12nm Astronomik Filtern? Würde ein 8,5nm Filter den gleichen Effekt wie zwei gestapelte 12nm Filter ergeben? Im Gegensatz zum Astronomik Filter ist die Transmission vom Baader Filter geringer, wenn ich die Filterkurven richtig beurteile.

Die Kurven der Beiden Filter:
Viele Grüße
Gerd
 

Horst66

Mitglied
Eine Anmerkung zur Beobachtung des Pferdekopfnebels:
Neben Teleskopöffnung, Himmelsqualität und h-betafilter spielt wohl auch die optimale AP eine wichtige Rolle. Optimal ist bei mir ein 24mm (ES 82°) Okular mit resultierender AP von 5,4mm. Ein 30mm (ES 82°) mit AP 6,7mm bzw. bei Einsatz eines Komakorrektors AP6,1mm als auch eines 20mm (Lunt HDC) mit AP von 4,5mm brachten im direkten Vergleich schon erhebliche Einbußen in der Erkennbarkeit.

Frage zum Stacken von Filtern: Bringt auch eine Kombination von (Astronomik) h-beta und (Astronomik) UHC eine spürbar engere Halbwertsbreite?

Gruß Horst
 

AstroPZ

Mitglied
Hallo,

Es gibt von Baader einen 8,5nm H-Beta Filter der auch für die visuelle Beobachtung beworben wird.
Wie ist dieser Filter zu bewerten, gerade als Alternative zu zwei gestapelten 12nm Astronomik Filtern? Würde ein 8,5nm Filter den gleichen Effekt wie zwei gestapelte 12nm Filter ergeben? Im Gegensatz zum Astronomik Filter ist die Transmission vom Baader Filter geringer, wenn ich die Filterkurven richtig beurteile.

Die Kurven der Beiden Filter:
Viele Grüße
Gerd
Hi Gerd,

solche Filter-Kurven hatte ich mir auch angeschaut.
Der Baader hat halt eine deutlich geringere Maximal-Transmission.
Daher hatte ich den Astronomik genommen.

Wenn jetzt aber die Breite/Schmalheit visuell wichtiger ist, dann habe ich den falschen genommen.
Bin im Moment aber nicht davon überzeugt.

Gruß
Peter
 

j.gardavsky

Mitglied
Hi Gerd,

solche Filter-Kurven hatte ich mir auch angeschaut.
Der Baader hat halt eine deutlich geringere Maximal-Transmission.
Daher hatte ich den Astronomik genommen.

Wenn jetzt aber die Breite/Schmalheit visuell wichtiger ist, dann habe ich den falschen genommen.
Bin im Moment aber nicht davon überzeugt.

Gruß
Peter
Hallo Peter und Gerd,

der H-Beta Baader 8.5nm macht einen Sinn für richtig helle HII Nebel, und durch langsamere Teleskope als einen F/4 Dob.
An schnellen Optiken macht sich die Blauverschiebung, die eigentlich jeder Interferenzfilter hat, schon richtig bemerkbar, und die Transmissionskurve wird abgeflächt und zu kürzeren Wellenlängen verschoben.

Ich habe auch 2 Baader H-Beta 8.5nm, aber sie finden selten einen Einsatz.

LG,
Jiri
 

j.gardavsky

Mitglied
Eine Anmerkung zur Beobachtung des Pferdekopfnebels:
Neben Teleskopöffnung, Himmelsqualität und h-betafilter spielt wohl auch die optimale AP eine wichtige Rolle. Optimal ist bei mir ein 24mm (ES 82°) Okular mit resultierender AP von 5,4mm. Ein 30mm (ES 82°) mit AP 6,7mm bzw. bei Einsatz eines Komakorrektors AP6,1mm als auch eines 20mm (Lunt HDC) mit AP von 4,5mm brachten im direkten Vergleich schon erhebliche Einbußen in der Erkennbarkeit.

Frage zum Stacken von Filtern: Bringt auch eine Kombination von (Astronomik) h-beta und (Astronomik) UHC eine spürbar engere Halbwertsbreite?

Gruß Horst
Hallo Horst,

leider nicht.
Der H-Beta Filter war schon immer ein Sorgenkind (meine Meinung), und der Ausweg wäre ein überteuerter 5nm Chroma
mit seinem flachen Transmissionsmaximum und mit einer vermutlich schwächeren Blauverschiebung, wie für die Astrophotographie benötigt.

LG,
Jiri
 

StKorth_privat

Mitglied
Ok, noch mehr Input, na dann - ich werde berichten, wenn ich dann ein passendes Filter gefunden habe. Bei Farpoint haben Sie aktuell nur die 1 1/4"-Version - uninteressant wg. der resultierenden APs. Ich denke, ich traue mich einmal an die Astronomik-Option.

Bis zum nächsten Neumond - hoffentlich...

Stefan
 

j.gardavsky

Mitglied
Stefan,

mit einem richtig schmalen Filter kann man die AP und visuell auch unter dem Vollmond machen und nicht nur unter Mondfinsternis.
Kein Witz, sorry,
Jiri
 

janapier

Mitglied
Meine persönliche Erfahrung deckt sich mit der vieler anderer: H-beta ist konkurrenzlos für California und Pferdekopf, bringt am M42/M43 andere Strukturen raus und ist ansonsten von begrenztem Nutzen. Hier gibt es eine recht nützliche Liste für die jeweiligen Anwendungsbereiche von UHC, OIII und H-beta.
 

StKorth_privat

Mitglied
Wow, Danke auch für die Liste! Kann man drüber diskutieren, ist aber eine gute Vergleichsbasis. Die häufige Nennung des Deep-Sky-Filters irrigiert mich, zumindest in Stadtnähe war das in der Vergangenheit immer völlig witzlos.
Wenn ich mir denn irgendwann einmal irgendwann einen Filterschieber in meinen GSO-Dobson hineinappliziert habe, mache ich das auch noch so eine Vergleichsliste, aber ab dem nächsten Neumond rutsch mein Blick dann wohl schon mehr wieder auf die Galaxien, die da kommen.

Stefan Korth
 
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