Maksutov Cassegrain | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Maksutov Cassegrain

monica

Mitglied
Hallo,

auf der Website eines Händlers wird ein Maksutov-Cassagrain Teleskop mit folgendem Parameter angeboten:

Optik Qualität: 1/7 bis 1/8 wavefront p.t.v.

Könnte mir bitte jemand erklären, was wavefront ist und wie in dieser Front der Wert 1/7-1/8 abgelesen werden kann. Handelt es sich um ein qualitativ gutes Instrumrnt oder gibt es noch Besseres.
Eine Skizze hierzu wäre sehr hilfreich. Vielen Dank.

Grüße von
Monica
 

Sven_Wienstein

Mitglied
Hallo Monica,

sagen wir mal, dass ein Mak mit diesem Wert ein wirklich gutes Gerät ist. Gemeint ist, dass die Lichtbündelung der optischen Flächen maximal um ein Siebtel bis ein Achtel der gemessenen Licht-Wellenlänge von der Idealform abweicht. Normalerweise fordert man ein Fünftel ein, das Gerät ist somit besser. Tiefer will ich mal nicht einsteigen. Besser geht immer, das kann aber exponentiell teurer werden. Das "Wavefront" besagt, dass die Werte bezogen auf die Lichtwellenlänge gelten, und damit, dass für spiegelnde Oberflächen die Unebenheiten nur halb so groß sein dürfen. Ein Siebtel von 550 Nanometer wären 78,5 Nanometer und die Oberfläche darf dann nur noch 39nm große Abweichungen haben. Ein 0,1mm dickes Blatt Papier hat 100.000 - "Einhunderttausend" Nanometer.

Ich will mal andeuten, dass die Frage vielleicht nicht so sehr ist, ob es ein qualitativ gutes Instrument ist, sondern eher, ob es zu Dir und Deinen Beobachtungswünschen passt. Ein MC ist ein kompakt gebautes Teleskopsystem mit meist langer Brennweite. Es ist daher immer dann ideal, wenn man keine lange und vergleichsweise schwere Optik verwenden kann, z.B. in engen Kuppeln. Ein Nachteil üblicher MC-Auslegungen liegt darin, dass keine großen Himmelsausschnitte möglich sind. Das hängt aber alles an der konkreten Auslegung. Die Geräte können da sehr unterschiedlich sein, je nach Öffnungsverhältnis. Von f/5 bis f/20 sind sie geläufig.

Clear Skies
Sven
 

UwePilz

Mitglied
Ich möchte noch etwas tiefer darauf eingehen, weil hier viel Verwirrung gestiftet wird.

Wie Sven schon sagte, wird die Güte der abbildenden Oberflächen in Bruchteilen der Wellenlänge (Lambda) angegeben. "Werbewirksam" hat man mehrere Möglichkeiten, die Zahl gut aussehen zu lassen. Gut bedeutet in diesem Fall große Nenner: 1/8 ist besser als 1/6.

Man kann die Oberflächengüte angeben ("surface") oder den Wellenfrontfehler am Okular / in der Bildebene ("wavefront"). Bei Refraktoren ist das gleich, bei Spiegeln nicht: Der Wellenfrontfehler ist doppelt so groß wie der Oberflächenfehler, da das Licht einmal hin- und dann wieder zurück muss. So kann man aus 1/4 wavefront 1/8 surface machen. Wenn man das "surface" noch weglässt, glaubt der Käufer einen wirklich guten Spiegel vor sich zu haben (1/8 waveforn ist wirklich gut), hat aber ein gerade eben passables Gerät (1/4 wavefront ist gerade noch passabel).

Noch weiter geht es, wenn der Oberflächenfehler nicht von Tal zu Berg (peak to valley, ptv) sondern als Abweichung vom Mittelwert beschrieben wird. Man kann dann + 1/16 Lambda schreiben, und hat immer noch denselben, gerade so tauglichen Spiegel.

Im vorliegenden Fal ist aber alles seriös angegeben: Es steht das Bezugssystem dabei und es wurde der Wellenfrontfehler gegeben, der ja einzig für die Abbildung interessiert.
 

MLudes

Mitglied
Hi Kurt

könnte von meiner Webseite stammen, sicher bin ich aber nicht, wenn es von meiner Webseite ist, trifft dies aufs System im Fokus bei 632,8 nm zu, da Messung im Zygo Mark 4 bei INTES MICRO erfolgt.
Bestellen tue ich bei solch einem Wert stets 1/8 , liege somit mit meiner Angabe 1/7 bis 1/8 im Sicherheitsbereich der möglichen Toleranzen :)
 

Kurt

Mitglied
Hallo Markus,


danke, hab mich mal auf deiner einschlägigen Seite umgeschaut. Bisher wusste ich noch gar nicht dass das Angebot am MACs sooo reichhaltig ist :). Aber bitte verrate mal warum denn bei der Angabe der opt. Qualität nur ptv- Werte und nicht auch die Strehlzahlen aufgeführt werden.

...trifft dies aufs System im Fokus bei 632,8 nm zu...
Wenn man pingelig ist könnte man meckern weil nicht auf 550 nm bezogen. Bei reinen Spiegeloptik ließe sich das ganz sauber umrechnen, nicht so bei katatadioptischen Systemen wie MACs, SCs o. ä.

Gruß Kurt
 

MLudes

Mitglied
Hi Kurt

Ich bestelle die Optiken immer im Verhältniss

1/6 wellenfront p.t.v. mit 1/30 RMS
1/8 p.t.v. mit 1/40 RMS
1/10 p.t.v. mit 1/50 RMS

wie du vielleicht weisst kann diese Vorgabe aber Probleme bereiten, so hat der Optiker vielleicht 1/10 p.t.v. erreicht, steht aber beim RMS nur bei 1/43 , zwinge ich ihn dann zum 1/50 RMS kann es sein das der P.t.v. wieder verutscht und vielleicht sogar wieder unter 1/10 rutscht

Deswegen Bestelle ich höhere Qualität als ich Liefern muss , sodaß der Kunde save ist.

INTES MICRO hat nun mal nur ein rotes Interferometer. Jedoch wird das nur dazu benutzt am Ende das Protokoll zu Erstellen, nicht zur Herstellung der Optik.

Es gab vor langer Zeit mal den Fall das sich INTES MICRO nur auf das Interferometer verlassen hat, weil es jeder Händler so wollte,weil Sie was gelesen haben und zu INTES MICRO sagten jeder andere benutzt ein Interferometer zum Herstellen. Dabei geschah nun das der Optiker die sphärische Aberration höherer Ordnung nicht mehr berücksichtige, die Optiksets dadurch zwar im Prüfprotokoll gemäß Order bestanden, aber trotzdem nicht gut waren.

Ich habe INTES MICRO damals überredet, die Optiken wieder so wie früher zu fertigen, mit Prüfung durch Ronchi, Focault etc und das Interferometer nur am Ende zum Erstellen des Protokolles zu nutzen und siehe da die Optiken hatten wieder die alte Qualität.
 

monica

Mitglied
Hallo,

vielen Dank für die Antworten. Die Erklärungen verstehe ich so, dass die Angabe 1/7-1/8 Wavefront die Rauhheit der Spiegeloberfläche beschreibt. Wäre der Spiegel vollkommen glatt poliert, würden sich alle Lichtstrahlen vom Objekt kommend im theoretischen Fokus vereinigen.
Die Rauhheit der Spiegeloberfläche sorgt demnach dafür, dass der Fokus in der Richtung des Zentralstrahls ausgedehnt erscheint. Ist das so richtig?

Auf der Website eines anderen Händlers habe ich diese Angaben gefunden

Technische Daten:

- Öffnung ... 152mm
- Brennweite ... 1500mm
- Öffnugnsverhältnis ... f/10
- Fangspiegel ... Durchmesser 53mm inkl. Blendrohr / Abschattung 36% linear
- Tubus ... Länge 385mm / Durchmesser 198mm / Gewicht 6kg
- Hauptspiegel ... 95% Reflektion - Spiegelträger Pyrex
- Vergütung ... Vergütung der Meniskuslinse - Breitband Multivergütung
- Optische Qualität ... 1/6 Lambda p/v wave garantiert
- Schärfeeinstellung ... Hauptspiegelfokussierung

Die angegebene optische Qualität 1/6 Lambda p/v wave ist demnach etwas schlechter als 1/7-1/8 Lambda. Ist das so richtig?
der Händler garantiert jedoch diese Qualität.

Ich möchte in meinen Beiträgen keine Namen nennen, weil ich mögliche
rechtliche Folgen nicht abschätzen kann.

Liebe Grüße
Monica

 

Sven_Wienstein

Mitglied
Hallo Monica,

Deine Einschätzung liest sich vielleicht etwas negativ. Im Prinzip kann man sich bezüglich der Optikqualität beliebig an Perfekt annähern, ohne wirklich perfekt je zu erreichen. Insofern ist 1/8 Wavefront besser als 1/5 Wavefront und es wird immer etwas besseres denkbar sein - aber man kann sagen, dass der Spiegel oder vielmehr/hoffentlich die ganze Optik schon mehr als schön glatt poliert ist. Von diesen Werten erwartet man, dass die Optik wirklich schön abbildet. Sie ist besser, als der "Standard von der Stange", wie ich mal "beugungsbegrenzt" übersetze.

Die Frage ist weiterhin: Was möchtest Du mit diesem Wert, der Dir nichts aussagt, anfangen? Oder worauf willst Du mit den Eckdaten des Geräts hinaus? Soll nur ein Thread laufen, der einige Wochen lang daran erinnert, was für toll glatt polierte Maks man doch bei einem nicht genannten aber doch recht eindeutig bestimmten Importeur und Händler bestellen kann? OK, haben wir jetzt gesehen, danke, wusste ich auch schon vorher.

Clear Skies
Sven
 

47Tau

Mitglied
Ciao Monica,
deine Einschätzung ist schon ganz richtig so. Das letzte von dir gemeinte MC ist eine Marke die jeder kennt. Die Geräte sind in der Regel gut. Wenn man hier manche "Ansichten" zu der Bauart eines MC liest wundert man sich, dass man dadurch überhaupt irgendwas sehen kann. Falls du des Englischen einigermassen mächtig bist, schau doch mal hier rein, da findest du querbeet alle Marken und Größen besprochen - von ahnungsvoll bis polemisch bewertet und geprüft.
HIER findet schon lange keine echte Diskussion mehr statt....

Gruß
Thorsten
 

monica

Mitglied
Hallo Sven,

ich möchte nicht viel Wind machen.
Ich habe die Beschreibung zu dem Teleskop gelesen und mir war die Angabe zur Qualität der Optik nicht verständlich. Habe wieder etwas dazu gelernt. That's it!

Ich besitze ein SC 8". Mich wurmt es etwas, wenn ich lese, dass die Maksutov-Teleskope die angeblich deutlich bessere Abbildung bieten. Dafür sind sie ja dann doch wohl weniger, aufgrund des kleinen Öffnunsverhälnisses von 1/15, zum fotografieren geeignet.
Zu meinem und anderen SCs auf den Webseiten der Händler habe ich noch nie eine Angabe zur optischen Qualität des eingebauten Spiegels gelesen. Oder irre ich mich da?

Jetzt habe ich doch noch eine Verständnisfrage:
Was bedeutet RMS und wie erhält man den Wert hierzu, wenn in der Beschreibung zur Optik 1/6 p.t.v Wellenfront angegeben ist?
Markus hat den RMS-Wert in Verbindung mit dem p.t.v erwähnt.

Grüße von Monika
 

Kurt

Mitglied
Hallo Monica,

...Jetzt habe ich doch noch eine Verständnisfrage:
Was bedeutet RMS und wie erhält man den Wert hierzu, wenn in der Beschreibung zur Optik 1/6 p.t.v Wellenfront angegeben ist?
Markus hat den RMS-Wert in Verbindung mit dem p.t.v erwähnt.
siehe Links im Beitrag von Markus: #1286312 - 05/30/17 05:12 PM.

Allgemein gilt:
1. p.t.v. - Wellenfrontfehler lassen sich nur in Ausnahmefällen in RMS umrechnen.

2. Aus 1. folgt: p.t.v.- Werte ohne Zusatzinfos sind ziemlich wertlos.

...Ich besitze ein SC 8". Mich wurmt es etwas, wenn ich lese, dass die Maksutov-Teleskope die angeblich deutlich bessere Abbildung bieten. Dafür sind sie ja dann doch wohl weniger, aufgrund des kleinen Öffnunsverhälnisses von 1/15, zum fotografieren geeignet...
Das kommt darauf an was du fotografieren willst. Für hohe Auflösung wie bei Mond- und Planetenfotografie ist f/15 besser geeignet als f/10. Das gilt zumindest für Kameras mit 5 my Pixelgröße und wenn man Zusatzoptiken vermeiden will.

...Zu meinem und anderen SCs auf den Webseiten der Händler habe ich noch nie eine Angabe zur optischen Qualität des eingebauten Spiegels gelesen. Oder irre ich mich da?
Wenn schon, dann wäre hier die opt. Qualität des gesamten Teleskopes gefragt. Zu SCs hab ich auch noch keine entsprechenden Händler- Angaben gefunden.

Gruß Kurt
 
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Kurt

Mitglied
Hallo Markus,
Ich bestelle die Optiken immer im Verhältniss

1/6 wellenfront p.t.v. mit 1/30 RMS
1/8 p.t.v. mit 1/40 RMS
1/10 p.t.v. mit 1/50 RMS
zum allgemeinen Verständnis:
1/30 RMS (Wellenfrontfehler) entspricht Strehl = 0,957
1/40 RMS (Wellemfrontfehler) entspricht Strehl = 0,976
1/50 RMS (Wellenfrontfehler) entspricht Strehl = 0,984

Angenommen du bekommt tatsächlich die opt. Qualität so wie bestellt, warum denn nicht gleich die Bewerbung:
"….Strehl mindestens 0,95" ? Traust dich vielleicht angesichts der andernorts gepflegten Strehlinflation* nicht ? :smiley63:
...Deswegen Bestelle ich höhere Qualität als ich Liefern muss, sodaß der Kunde save ist.
Das würde ich als Händler in der gehobenem Preisklasse auch so machen.

...wie du vielleicht weisst kann diese Vorgabe aber Probleme bereiten, so hat der Optiker vielleicht 1/10 p.t.v. erreicht, steht aber beim RMS nur bei 1/43 , zwinge ich ihn dann zum 1/50 RMS kann es sein das der P.t.v. wieder verutscht und vielleicht sogar wieder unter 1/10 rutscht
Aber ich hab immer noch nicht richtig verstanden warum du mit der Vorgabe von RMS allein nicht auskommst. Letztendlich macht doch dieser Wert bzw. die daraus errechnete Strehlzahl die opt. Qualität aus. Dabei nehme ich an dass die Leute bei INTES MICRO ziemlich glatt polieren können. Das bedeutet: praktisch kann man sich hier Diskussionen über Kontrastminderung wg. „Rauheit“ sparen.
...INTES MICRO hat nun mal nur ein rotes Interferometer. Jedoch wird das nur dazu benutzt am Ende das Protokoll zu Erstellen, nicht zur Herstellung der Optik...

Müsste man (oder besser Gerd :cool:) mal nachrechnen ob die Verwendung von rot bei einem Maksutov- Cassegrain gegenüber grün etwas ausmacht. Bei reinen Spiegeloptiken ist ja die Umrechnung ders Strehlzahl bei Messung mit roten Laser auf Nutzung bei grün kein Problem.

...Es gab vor langer Zeit mal den Fall das sich INTES MICRO nur auf das Interferometer verlassen hat, weil es jeder Händler so wollte,weil Sie was gelesen haben und zu INTES MICRO sagten jeder andere benutzt ein Interferometer zum Herstellen. Dabei geschah nun das der Optiker die sphärische Aberration höherer Ordnung nicht mehr berücksichtige, die Optiksets dadurch zwar im Prüfprotokoll gemäß Order bestanden, aber trotzdem nicht gut waren.

Ich habe INTES MICRO damals überredet, die Optiken wieder so wie früher zu fertigen, mit Prüfung durch Ronchi, Focault etc und das Interferometer nur am Ende zum Erstellen des Protokolles zu nutzen und siehe da die Optiken hatten wieder die alte Qualität.
Passt gut zu dem Spruch: „Never change a winning team“.

Vermutlich war damals die verwendete Auswertesoftware nicht soo gut dass man damit sphärische Aberration höherer Ordnung erkennen konnte. Heute hätte man das mit einem solide ausgebauten Amateur-Interferometer und Auswertesoftware nach Art von „openFringe“ o. ä. unter Kontrolle. Als Amateur möchte ich mir aber Verbesserungsvorschläge an INTES MICRO verkneifen.

Gruß Kurt

*Damit meine ich die Entwertung der Strehzahl in „Prüfprotokollen“ durch Angabe von z.B. Strehl = 0,998 auf Basis von völlig unzureichender Messtechnik und Auswertetesoftware.
 
Hallo Monika,

ein Spiegel kann perfekt glatt sein und trotzdem eine Gurke sein. Er kann vielerlei Formfehler aufweisen, zum Beispiel wenn die Form des Paraboloids nicht stimmt. Das war bei Hubble der Fall. Die Rauheit des Spiegels war völlig in Ordnung. Dass das Abbild eines Punktes eine gewisse Ausdehnung hat, ist auch bei einer in Form und Rauheit perfekten Optik nicht vermeidbar. Das ist auf Beugungserscheinungen am Objektiv (Spiegel oder Linsenobjektiv) zurückzuführen. Es handelt sich um das sogenannte Beugungsscheibchen.

Viele Grüße

Kurt
 

Kurt

Mitglied
Hallo Monica,

...Ich besitze ein SC 8". Mich wurmt es etwas, wenn ich lese, dass die Maksutov-Teleskope die angeblich deutlich bessere Abbildung bieten.

dazu fällt mir noch etwas ein. Vor ca. 2 Monaten hab ich mir ein Maksutov- Cassegrain Typ Skywatcher 180 mm f/15 zugelegt. Dieses konnte ich wiederholt mit einem Celestron C8 eines Freundes am Himmel direkt vergleichen. Direkt heiß hier, beide Teleskope waren Seite an Seite auf einer ALT AZ EQ 6 montiert. In einer von insgesamt 5 Beobachtungsnächten zeigte das MAC an Mond und Jupiter tatsächlich etwas mehr Details als das C8. Der Unterschied war aber nicht sooo auffällig dass ich allein deshalb das C8 durch obiges MAC ersetzen würde.

Dazu noch die gemessenen RMS- und Strehlzahlen bezogen auf 550 nm.

C8: RMS = 0,063, S = 0,85
MAC: RMS = 0,035, S = 0,95

Gruß Kurt
 
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Sven_Wienstein

Mitglied
Hallo Monika,

ah, ich kann verstehen, dass so eine "angeblich bessere Abbildung" wurmt, und gleich vorweg: Das muss in der Praxis gar nicht so sein. Dazu einmal ein paar Dinge, was in der völlig undifferenzierten Aussage stecken kann:

1. Zunächst mal kann man sich generell über das Optikkonzept auslassen. Dazu sind die wenigsten Sternfreunde tiefgründig in der Lage - und ich schließe mich da ein, vieles muss ich nachschlagen und ich wüsste auch nicht auswendig, das speziell ein Mak in der Rumak-Variante gegenüber dem Standard Gregory-Mak verbessert, und wo der Simak seine Vorteile hat. Aus dem Kopf heraus (denn im Büro habe ich meine drei Wälzer dazu nicht da): Der Gregory Mak ist im Feld entweder bezüglich Asti oder Koma korrigiert. Das klassische SC für uns Sternfreunde kann Koma nicht korrigieren (zeigt aber nicht so viel davon). Der Moderne SC Nachfolger ACF beseigigt das durch eine Asphäre. Letztendlich muss man bei jedem einzelnen Modell schauen, welches Optikkonzept Verwendung findet.

2. Egal wie die Optik am Reissbrett oder in OSLO konzipiert wurde: Es nützt nichts, wenn die Produktion nicht annähernd die theoretisch denkbaren Leistungsdaten erreicht. Toleranzen bei Schliff, Justage und Zusammenbau können das beste Optikkonzept ruinieren. Manchmal dringt durch, dass Optikdesigner darüber nicht wenig verärgert sind, was der beauftrage Hersteller aus einem tollen Konzept gemacht hat...
SCs sind schon eine Art Revolution gewesen, als sie erschwinglich wurden und in Stückzahlen verkauft wurden. Die Produktion des schwierigen Korrektors hat auch unterschiedliche Prozesse hinter sich. Wenn man sich allein überlegt, dass früher immer ein Matching ablief, das aus einer Auswahl Optiksets immer jene Spiegel mit jenen Korrektoren gepaart hat, deren Fehler sich halbwegs kompensierten, dass die dazu natürlich passend gegeneinander rotiert eingebaut werden mussten, usw... Trotzdem sind wohl nicht alle SCs bei der sphärischen Korrektur so gelungen, wie gedacht.

Ein Gregory Mak hingegen mit seinen rein sphärischen Flächen erscheint da viel leichter zu polieren - da steckt der Teufel aber dann in einer Verkippung oder einem Versatz der beiden sphärischen Flächen des Meniskus und die Dicke des Meniskus hat wohl auch ihre Toleranzen. Das Gregory-Design hat auch an sich seine Grenzen. Über den Daumen gepeilt sind Gregory Maks ab 6" Öffnung und größer "irgendwie kritisch".

3. Man kann ja die schönste Optik planen und sogar bauen, und der Sternfreund kann sie dann am Ende nicht bedienen und meint, die Abbildung wäre... also da gibt es blumige und weniger gut duftende Begriffe. Dagegen ist nun kein Kraut gewachsen.

4. Und das alles vorweg mal außer Acht gelassen: Deinem "Wurmen" ist es ja nicht gerade zuträglich, dass viele Sternfreunde zwar sehr wohl sicher sind, eine Optik ist schlecht, ohne aber herausfinden zu können (oder wollen), warum sie es ist.

Zusammengefasst: Dein Bauchgrummeln ist völlig unnötig, wenn Du meinst, dass Dein SC in Ordnung ist. Schau einfach, ob die Justage in Ordnung ist, und ob Du bei entsprechender Auskühlung sinnvolle Vergrößerungen erreichst.

Clear Skies
Sven
 

UwePilz

Mitglied
In Ergänzung zu Sven:

Wenn man die Spotdiagramme nachschlägt, z.B. im Rutten, dann sind beide Designs zumindest auf der Achse "dicke" beugungsbegrenzt. Das ist es ja, was hier im visuellen Vergleich betrachtet wurde.
Als Hauptproblem sehe ich die Fokussierung durch Verschiebung des Hauptspiegels and. Hieraus erwachsen zwei Probleme
1) Wenn man das auf einfache=bezahlbare Art realisiert, dann neigt der Spiegel zum Verkippen
2) Das optische Design wird verändert

Man kann dem für den visuellen Gebrauch entgegenwirken, in dem man den HS so fixiert, dass er senkrecht zum Strahlengang steht und z.B. mit einem Schraubfokussierer scharfstellt.

Der große Vorteil des SC ist das besser Auskühlverhalten. Schnon bei meinem 6-Zoll-Mak ist die Frontlinse mehr als 1 cm dick.
 

Kurt

Mitglied
Hallo Uwe,

....Der große Vorteil des SC ist das besser Auskühlverhalten. Schnon bei meinem 6-Zoll-Mak ist die Frontlinse mehr als 1 cm dick.

nach meinen Erfahrungen ist das Auskühlverhalten eines C8 und ebenso meines 180 mm Mac- Cassi eher gleichermaßen besch... . Wegen der ungleichmäßigen IR- Abstrahlung des Tubus in Richtung Boden bzw. Himmel kühlen diese Dinger nie richtig aus. Es bleibt eine gut messbare Temperaturdifferenz von mehreren °C zwischen Tubus -Bodenseite <=> Himmelseite, die zu permanenten Tubussseing führt*. Dagegen hilft z. B. nach eigenen Versuchen sehr wirksam eine primitive Tubusisolierung mittels 4 mm alukaschierter Iso- Tapete, mit der Aluschicht außen.

Gruß Kurt

*Diesen Effekt konnte ich auch am Blechtubus eines 8" Newton messen.

 
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Der_Peter

Mitglied
Zitat von Kurt:
...

Wegen der ungleichmäßigen IR- Abstrahlung des Tubus in Richtung Boden bzw. Himmel kühlen diese Dinger nie richtig aus. Es bleibt eine gut messbare Temperaturdifferenz von mehreren °C zwischen Tubus -Bodenseite <=> Himmelseite, die zu permanenten Tubussseing führt*. Dagegen hilft z. B. nach eigenen Versuchen sehr wirksam eine primitive Tubusisolierung mittels 4 mm alukaschierter Iso- Tapete, mit der Aluschicht außen.

Gruß Kurt

*Diesen Effekt konnte ich auch am Blechtubus eines 8" Newton messen.

Komplette Isolation oder nur auf einer Hälfte, z. B. der oberen, die vermutlich stärker Richtung Himmel auskühlt als die untere Richtung Boden?

P.S.: u.a. wegen der längeren Temperatur-Angleichphase habe ich mir zu meinem kleinen 5" MAK keinen SW 180mm MAK, sondern das Vixen VMC 200 L geholt. Offenes System und kein Spiegelshifting bei ähnlicher Preislage wie die großen Skywatcher / Orion MAKs.

 

Sven_Wienstein

Mitglied
Hi Zusammen,

ich würde bei Mak wie SC für eine aktive Luftumwälzung innen sorgen, um die Konvektionsströmungen zu verwirbeln. Dann könnte(!) es sogar günstiger sein, auf eine Isolierung des Tubus zu verzichten.

Clear Skies
Sven
 

MountyPython

Mitglied
Hallo Kurt, liebe Mitleser,

"nach eigenen Versuchen sehr wirksam eine primitive Tubusisolierung mittels 4 mm alukaschierter Iso- Tapete, mit der Aluschicht außen. "

Das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen. Eine aktive Luftumwälzung alleine tut es jedoch nicht. Diese setze ich zusätzlich ein, um das Auskühlen zu beschleunigen.

CS,
Gerrit
 

Der_Peter

Mitglied
Hallo zusammen,

müsste die Isolierung nicht erst nach dem Angleichen an die Außentemperatur angelegt werden und dann vollständig oder nur eine Seite?

Wir hatten hier mal einen C11-Optimierungsthread, da hatte der Thread-Starter alles, sogar die Rückseite "eingewickelt".

Schon damals hatte ich ihm die gleiche Frage gestellt;, der Thread-Starter wollte das ausprobieren, hat aber nach meiner Erinnerung nichts zurückgemeldet.
 

fquadrat

Mitglied
Zitat von UwePilz:
Als Hauptproblem sehe ich die Fokussierung durch Verschiebung des Hauptspiegels and. Hieraus erwachsen zwei Probleme
1) Wenn man das auf einfache=bezahlbare Art realisiert, dann neigt der Spiegel zum Verkippen
So teuer muß es nicht zu sein, das Verkippen zu stoppen, mein 90-mm-Mak zeigt es nicht - fällt jedenfalls im normalen Einsatz nicht auf. Vermutlich sorgen ein paar preisgünstige Federn für eine definierte Lage des Hauptspiegels.

Grüße

fquadrat
 

Felix42

Mitglied
Hallo fquadrat,



bei den kleineren Skywatcher Maksutovs ist keine Feder verbaut ( habe 90 und 102 mm schon bebastelt) da ist wirklich eine saubere Passung in Serie machbar. Ich kann bei meinem 102/1300 jedenfalls auch kein Shifting bemängeln. Allerdings ist die Fokussierung durch die eingebauten O-Ringe etwas indirekt da eiert man schon mal etwas um den Fokus herum.


Viele Grüße Felix
 

fquadrat

Mitglied
Hallo Felix,

danke für den Hinweis zur Passung - erstaunlich!

Die indirekte Fokussierung ist mir auch aufgefallen, der "tote" Gang könnte wirklich kleiner ausfallen.

Grüße

fquadrat
 

Kurt

Mitglied
Hallo Peter,
...müsste die Isolierung nicht erst nach dem Angleichen an die Außentemperatur angelegt werden und dann vollständig oder nur eine Seite?
um wissenschaftlich genau herauszufinden was man machen müsste, müsste man sehr gründlich, dh. aufwändig experimentieren. Dazu wären zumindest Beobachtungsreihen in mehreren Nächten mit zwei baugleichen Teleskopen nebeneinander notwendig, mit mehreren Beobachten versteht sich. Dann kannst du dir noch aussuchen wie viele Varianten der thermischen Isolation kombiniert mit/ohne Belüftung dabei sinnvoll sein könnten :gutefrage: .

Mir haben (vorläufig) die Temperaturmessungen an nicht isolierten Newton- Blechtuben sowie der Bau eines 8" Newton mit Isotubus und einstellbarer Zwangsbelüfung ausgereicht um die Wirksamkeit dieser Maßnahmen zur Unterdrückung von Tubusseeing zu begründen.

So rein nach Bauchgefühl wage ich aber zu behaupten dass allein die thermische Isolierung eines SC bzw. Mak-Cassi gleich zu Beginn der Beobachtung zu einer deutlichen Unterdrückung des Tubusseeings führt. Begründung: Wg. der thermischen Isolierung können sich keine erheblichen Temperaturdifferenzen innerhalb des eingesperrten Luftraums im Tubus ausbilden. In wie weit dabei verzögerte Auskühlung des Spiegels und des Korrektors negativ mitspielt weiß ich nicht.

Gruß Kurt
 
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