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Mein Einstieg in die Astrofotografie - Allgemeine Frage

Merah92

Mitglied
Hallo zusammen! Ein schönes Forum habt ihr.. dachte ich schließe mich euch an und profitiere vom Wissen der anwesenden Experten :)
Ich habe aufgrund meiner Begeisterung für die Astronomie und Fotografie den Entschluss gefasst, diese beiden Leidenschaften zu verbinden und meine ersten Versuche zu wagen. Allerdings bin ich ein totaler Anfänger und würde mich nun sehr über ein wenig Unterstützung bezüglich langsam aufkommender Fragen freuen.

Zu meinem Equipment:
Ich fotografiere mit einer Fujifilm X-T2 (APS-C) und hab mir für diese Kamera bereits einen T-Adapter besorgt.
Als Teleskop möchte ich für den Anfang das Bresser 114/500 Nano ausprobieren. In Kombination mit einer x2 und x5 Barlowlinse erhoffe ich mir halbwegs annehmbare Fotos vom Mond und von diversen Deep Sky Objekten.
Fehlt mir nun für einfache Fotos von besagten Objekten noch etwas?
Kann ich mit dem beschriebenen Equipment überhaupt fotografieren bzw. einfache Resultate erwarten?

Und eine Frage zum Fotografieren selber:
Reicht es einfach ganz normal ein Foto von dem gesehenen Objekt zu machen, oder sollte ich zwingend Techniken wie Stacking von vielen einzelaufnahmen machen?

Vielen Dank!

Beste Grüße
ML
 

komposer

Mitglied
Hallo Merah,

erst einmal ist es sinnvoll hier vorher nachzufragen. Ich hoffe Du hast das Teleskop nicht schon bestellt.
Mond / Planeten und Deepsky sind zwei völlig verschiedene Gebiete mit unterschiedlichen Anforderungen. Das lässt sich kaum mit einem Teleskop / Equipment realisieren. Daher solltest Du hier zuerst Prioritäten setzen.
Es ist auch sinnvoll schon vorhandenes Equipment mit einzubeziehen. Für erste einfache Deepsky Übersichtsaufnahmen würde die Kamera mit Objektiv schon ausreichen. Keine Kosten aber viel Lerneffekt bei den nötigen Schritten der Nachbearbeitung.

Deep-Sky:
längere Einzelbelichtungen
bei Objektiven mit geringer Brennweite gehen auch mehrere Sekunden ohne Nachführung.
Bei dem angedachten Teleskop geht das nicht mehr. Also kommt noch eine Nachführung / Montierung dazu und schon wird es teuer. Die Einzelbelichtungen werden später gestackt und das Summenbild bearbeitet. Wichtigster Aspekt ist hier die Gesamtbelichgtungszeit.

Planeten/ Mond:
viele kurze Belichtungen im ms Bereich. Normalerweise wird da mit einer kleinen Astrokamera durch das Teleskop gefilmt.
So kann man mit sehr hohen Frameraten in wenigen Sekunden hunderte von Bildern machen und diese stacken.
Wichtigster Aspekt hier: möglischst viele Frames in kurzer Zeit sammeln, stacken und dann das Summenbild bearbeiten / schärfen.
Auch mit Deiner Kamera könnte man da was machen aber das wäre schon umständlich und wenig konfortabel.

Mit der Kamera würde ich dann eher mit vorhandenen Objektiv mit einfachen Deep-Sky Übersichtsaufnahmen einsteigen.

Wie sehen denn genau Deine Interessen aus ?
Eigentlich würde ich nicht sofort mit Astrofotografie einsteigen es sollte ja auch ein visuelles Interesse vorhanden sein.
Hast Du schon durch ein Teleskop beobachtet ?

Gruß,
Holger
 

VisuSCor

Mitglied
Hallo ML,

Willkommen im Forum!

Bitte tu Dir einen Gefallen und kauf Dir ein gutes Buch zur Astrofotografie und lies das!!! Bevor Du irgendwelches Equipment kaufst.

Fürs erste kannst Du auch jede Menge Videos auf YouTube anschauen. Aber fundierte und strukturierte Infos findest Du in Büchern.

Ausserdem gibt es auch hier im Forum schon zahlreiche Threads zu Deinem Thema!

CS.Oli (Nichtfotograf)
 
Zuletzt bearbeitet:

Sodiac

Mitglied
Hallo ML,

Holger und Oli haben es ja schon eindringlich geschrieben und ich hoffe ebenfalls, dass du noch KEIN Teleskop bestellt hast!
Auf meiner Website 13parsec habe ich unter anderem auch ein Einsteiger-Guide verfasst. Für einen ersten groben Überblick sollte es reichen, aber um ein fundiertes Fachbuch kommst du nicht herum, es sei denn, du schließt dich einem Astronomieverein/-Stammtisch an und bekommst auf diese Weise reichhaltigen Input.

Zum Thema "Kaufhausschnäppchen" und Einsteiger-Teleskope:

Die Erde dreht sich in 24 Stunden einmal um die eigene Achse, d.h. alle 4 Minuten um 1°, also 15 Bogenminuten pro Zeitminute und damit dann auch 15 Bogensekunden pro Zeitsekunde. Damit du mal ein Gefühl für die Winkel bekommst: Ein 1cm breites Objekt aus einer Entfernung von ca. 75m betrachtet erscheint mit einer Ausdehnung von 15". Aber was bedeutet das für die Astrofotografie? Mit einem Newton mit 800mm Brennweite und deiner X-T2 kommst du auf einen Abbildungsmaßstab von 1,1"/Pixel und das entspricht in etwa der Erdrotation in 0,07s! Glaubst du immer noch, dass ein Kaufhausschnäppchen für 150 € diese mechanischen Anforderungen erfüllen wird?

Darüber hinaus ist das Bresser 114/500 Nano azimutal montiert, dass heisst im Klartext, du kannst die Erdrotation mit diesem Teleskop gar nicht ausgleichen, ohne dir eine Rotation des Bildfeldes einzufangen, dazu braucht es zwangsläufig eine parallaktische Montierung, Ausnahme: du "beschränkst" dich auf Mond und Planeten.

Also mein Tip, erst mal Lesen und Finger weg vom Bresser 114/500 Nano!
 

DocHighCo

Mitglied
Hallo ML,

auch ein Willkommen von mir hier im Forum.
Zum Bresser 114/500 Nano fühle ich mich auch bemüßigt etwas zu sagen, da es mir eine neue Version des Bresser Pluto auf Alt-AzMontierung zu sein scheint. Die Optik ist trotz Kugelspiegel nicht hoffnungslos und ich habe auch meine ersten Astrofotografieschritte mit einer einfachen Planetenkamera damit gemacht (ASI120). Das Problem ist wie erwähnt die Alt-Az-Montierung. Die ist zum Fotografieren eher ungeeignet, da man die nicht motorisch nachführen kann. Meine Vorredner haben es ja schon erläutert.
Für den kleinen Sensor der ASI120 geht es. Aber der APS-C-Sensor ist für F/4.5-Spiegel ohne Korrektor zu groß (der Mond ist damit sowieso nicht formatfüllend). Du brauchst bei normalen Newtons nämlich einen Komakorrektor, damit die Abbildung außerhalb der optischen Achse nicht verzerrt wird. Korrektoren gibt es für 2"-Okularauszüge, aber nicht für den 1,25"-OAZ des Nanos. Von daher finde ich es irreführend wenn Bresser da einen M42-Adapaterring für DSLRs beilegt.
Ich hatte vorher keinen Rat gesucht (typisch Ingenieur: erst probieren, dann nachlesen) und deshalb mußte ich mit dem Pluto/s zurechtkommen. Aber wenn ich nochmal ernsthaft in die Astrofotografie einsteigen würde, dann würde ich mir zumindest einen kleinen Newton mit 2"-Okularauszug (z.B. einen 130/650er) auf einer parallaktischen Montierung besorgen. Ist etwas teurer am Anfang - man hat davon aber länger etwas.

Gruß

Heiko
 

DieterRei

Mitglied
Hallo ML,
mir ging es ähnlich wie Dir, ich komme von der Fotografie und besitze neben diversen Canons auch eine Fuji X-H1, also nicht soweit weg. Zum Bresser ist alles gesagt, Finger weg. An die Fuji mit dem kurzen Auflagemaß lässt sich Altglas sehr gut adaptieren, AF ist überflüssig, die Blende muß manuell bedienbar sein.
Ein guter Einstieg ist das Buch Astrofotografie von Thierry Legault aus dem dpunkt.verlag. Dort findest Du die Infos die Du brauchst, auch welches Equipment für welche Objekte geeignet ist.
CS
Dieter
 

dkracht

Mitglied
Hallo ML,
beim Mond und bei Planeten machen wir ein Video und das "Lucky Imaging" - also sehr viele Einzelaufnahmen ganz kurz belichtet.
Planeten sind sehr klein. Da braucht man Brennweite - ggf. könnte Barlow dafür richtig sein.
Bei Deep Sky Objekten machen wir viele mittellang belichtete Einzelaufnahmen (z.B. 240 x 30 Sekunden oder 60 x 120 Sekunden oder...) und die werden natürlich "gestacked".
Man muss sich mit dem Histogramm auseinander setzten. Je nach Lichtverschmutzung am Standort kommen unterschiedliche maximale Belichtungszeiten heraus.
Auch deine Nachführung könnte ein begrenzender Faktor bei der maximalen Belichtungszeit werden.
Auf jeden Fall muss man bei den "normal dunklen" Deep Sky Objekten eine lange Gesammtbelichtungszeit versuchen.
Nur die Klassiker für den Anfänger sind da freundlicher z.B. M31 Andromeda oder M42 Orion.
Clear Skies & viel Erfolg und Freude
Dietrich
 

VisuSCor

Mitglied
Ein guter Einstieg ist das Buch Astrofotografie von Thierry Legault aus dem dpunkt.verlag
Hier wird das gerade angeboten:

CS.Oli
 

joetaiga

Mitglied
Hallo ML,

auch ein Willkommen von mir hier im Forum.
Zum Bresser 114/500 Nano fühle ich mich auch bemüßigt etwas zu sagen, da es mir eine neue Version des Bresser Pluto auf Alt-AzMontierung zu sein scheint. Die Optik ist trotz Kugelspiegel nicht hoffnungslos und ich habe auch meine ersten Astrofotografieschritte mit einer einfachen Planetenkamera damit gemacht (ASI120). Das Problem ist wie erwähnt die Alt-Az-Montierung. Die ist zum Fotografieren eher ungeeignet, da man die nicht motorisch nachführen kann. Meine Vorredner haben es ja schon erläutert.
Für den kleinen Sensor der ASI120 geht es. Aber der APS-C-Sensor ist für F/4.5-Spiegel ohne Korrektor zu groß (der Mond ist damit sowieso nicht formatfüllend). Du brauchst bei normalen Newtons nämlich einen Komakorrektor, damit die Abbildung außerhalb der optischen Achse nicht verzerrt wird. Korrektoren gibt es für 2"-Okularauszüge, aber nicht für den 1,25"-OAZ des Nanos. Von daher finde ich es irreführend wenn Bresser da einen M42-Adapaterring für DSLRs beilegt.
Ich hatte vorher keinen Rat gesucht (typisch Ingenieur: erst probieren, dann nachlesen) und deshalb mußte ich mit dem Pluto/s zurechtkommen. Aber wenn ich nochmal ernsthaft in die Astrofotografie einsteigen würde, dann würde ich mir zumindest einen kleinen Newton mit 2"-Okularauszug (z.B. einen 130/650er) auf einer parallaktischen Montierung besorgen. Ist etwas teurer am Anfang - man hat davon aber länger etwas.

Gruß

Heiko
Heiko hat 1:1 das geschrieben, was ich auch zu dem Thema sagen würde.

Ergänzend noch ein paar Worte zur X-T2. Ich habe die Fuji X-A10. Das ist praktisch die nochmal abgespekte Einsteigervariante zu deiner Kamera. Die Fujis haben einen Vorteil bei Astrofotografie im Vergleich zu den anderen Herstellern. Bei normalen Kameras ist ein IR Sperrfilter verbaut. Der Filter hat keine harte Kante wie ein Interferenzfilter. D.h. je nach Filter wird nicht nur IR sondern auch ein Teil des Rotbereiches blockiert. Normalerweise lassen die Filter nur ca. 1/4 des H Alpha Lichtes durch. H Alpha ist eine der wichtigstens Stahlungsquellen. Z.B. der California Nebel emmitiert den größten Teil seiner visuellen Strahlung auf der H Alpha Linie. Die Sperrfilter der Fujis lassen ca. 60% und damit deutlich mehr durch.

Mond kann man mit der SLM sehr gut fotografieren. Planeten gehen auch, ist aber schwieriger. Mit der SLM braucht man fast zwingend eine Barlow Linse. Diese muss eine ordentliche Qualität haben.

Ich würde mich von den komplizierten Warnungen meiner Vorposter aber nicht ins Bockshorn jagen lassen. Als Motivation habe ich mal mein erstes Astrofoto angehängt, das ich mit einer Systemkamera gemacht habe. Das Bild ist ein unbearbeiter jpeg Singleshot mit der Sony Alpha 55 und wurde durch einen 0815 China 4" f/10 Frauenhofer Refraktor auf einer gebrauchten Celestron Advanced Mount gemacht. Also nix besonderes. Grad für Mond braucht man nicht das super Equipment. Bei Deepsky ist das anders. Wenn man da gescheite Bilder machen will, wird es teuer und aufwändig. Aber auch da kannst du erst mal mit Stativ und Tele mit Übersichtsaufnahmen anfangen.

Einfach mal anfangen, im Internet lesen wie man belichtet, kalibriert, stackt, das Ding hinstellen und den Chip voll machen. Das wird dann mit der Zeit schon. Hier hampeln immer wieder Leute rum, die ewig rum theoretisieren und nicht in die Pötte kommen. Das wird nix. Astrofotografie lebt viel vom Probieren und Lernen...schon ganz einfach deswegen, weil du bei uns an >300 Tagen im Jahr wettertechnisch gar nix machen kannst und von den restlichen Tagen zusätzlich wegen Arbeit/Family/Gesundheit/Sozialleben zum Großteil nix geht. Wenn die Gelegenheit da ist, einfach mit dem was du hast ran und probieren und lernen.

CS Joachim
Mond_20170505.JPG
 

Nasus

Mitglied
Hi Merah,

dieses "Bresser 114/500 Nano" ist ja schon eine fiese Kombination. Für Beobachtungen, erst recht mit niedriger Vergrößerung, vielleicht ganz nett. Für alles Andere - selbst den "Mondschnappschuss" - aber im Bereich von "nicht empfehlenswert" bis "vollkommen ungeeignet".

Fang doch einfach mit dem an, was Du hast.
Mit Stativ und einem Weitwinkel kann man wunderschöne Strichspuraufnahmen machen. Wie tagsüber auch, lassen sich die Bilder komponieren, also z.B. mit einem interessanten Vordergrund, Lightpainting etc. Betrachte die Sternstrichspuren einfach als Zuckerle wie sonst eben ein dramatischer Wolkenhimmel.
Mit sehr kurzen Belichtungszeiten und ruhender Kamera kann man mit intensiver Nachbearbeitung aber auch schon was machen. Stichwort TWAN.

Der nächste Schritt (den man auch überspringen kann) wäre dann eine sog. Barndoor. Nicht ohne Grund auch Astrofrust genannt. Die kann man aus einer Dachlatte basteln, 3D-Drucken, oder auch komplett mit Schrittmotor und Steuerung konstruieren. Dadurch kann man wesentlich längere Einzelbelichtungen machen.

Danach kommen die Tracker und Kleinstmontierungen.
Da gibt es drei Klassen:
1. Tracker ohne Polsucher.
Bis 50mm ok, darüber stressig/unzuverlässig. Da gibt es ultrakompakte Varianten und auch simple mini-Montierungen wie EQ1/2 mit Motörchen [das sind zwar die kleinsten Montierungen, aber keine "Kleinstmontierungen". Eine Kleinstmontierung ist in beiden Achsen motorisiert und hat einen ST-4 Port. und ist halt klein. Diese EQ unter 3 sind halt irgendwas und ab 3 schon schon sperrig und stressig. Da kann man auch gleich eine GP nehmen oder eine HEQ-5 oder EQ6] Letztere können auch statt der Kamera mit 50mm ein kleines Teleskop für den "Mondschnappschuss" tragen. Und natürlich zur Beobachtung.

2. Tracker mit Polsucher.
50mm sind easy, man kann sich auch gut an 200mm rantasten. Visuell und für den "Mondschnappscuss" tragen die ebenfalls kleine Teleskope.

3. Kleinstmontierungen.
Tragen auch einen kleinen Apo mit 500mm. Visuell etwas mehr. Und die bieten mit zusätzlicher Kamera auch Autoguiding an. Arg viele gibt es nicht - hierzulande eigentlich nur die Az-Gti mit experimenteller Firmware und die iOptron SmartEQ Pro+. Für deutlich mehr Geld (etwa 10-20x) bekommt man auch welche aus Südkorea oder Italien mit mehr Komfort und Tragfähigkeit.

Dann kommen natürlich die "richtigen" Montierungen. Aber selbst die kleinste billige (EQ-3) sollte man mal ein paar Meter getragen und v.A. eingerichtet haben. Ein Tracker ist dagegen mit etwas Übung innerhalb von 2min Einsatzbereit. Und vielleicht auch die erwähnten Kleinstmontierungen - wenn man der Elektronik "skip all, start tracking" beibringen kann.

cs
Jürgen
 
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