Messier 45

#1
Ich habe am 09.11.2018 mit meinem 55mm Refraktor unter Vorstadtbedingungen die Plejaden gezeichnet. Ich nutzte eine Vergrößerung von 25-fach. Für den Anfang habe ich bewusst weniger gute Bedingungen und kleine Öffnung gewählt, um nicht so viele Sterne zu sehen...
 

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#2
Hallo Robert,

die unterschiedlichen Sterngrößen hast Du ganz gut erwischt - wirkt recht natürlich. Der eine "Kastenstern" ist zwar zum HighProperMotion-Star geworden ;-), aber ich finde, das ist eine durchaus gelungene Zeichnung.

Magst Du noch etwas Deine Technik beschreiben, die Du verwendest? Ich nehme an, Bleistift auf weissem Papier, invertieren und dann bissel Kontrast hochdrehen?

Wie lange hast Du benötigt für die Zeichnung im Feld?

Beste Grüße
Norman
 
#3
#4
Hi Robert,
ich hätte sogar fast auf Fineliner getippt. Weil die Kontraste so gut sind. Beim Bleistift ists ja praktisch nie richtig schwarz und beim Abfotografieren werden die Graphitfleckchen durchaus mal heller durch Reflektion.

50 min ist voll okay. Hätte ich auch in etwa so geschätzt, weil ich ähnlich lang brauche für sowas. Gibt zwar Leute, die sowas in 15 min hinbügeln, aber das muss man ja nicht als Messlatte hernehmen.

CS
Norman
 
#5
Lieber Norman,

hier noch ein paar Details: Ich zeichne klassisch mit Bleistift auf weißem Papier (max. A5). Für Sternhaufen nutze ich meist den Härtegrad 4B. Danach scanne ich die Zeichnung ein und bearbeite diese:
  1. Zuschneiden
  2. Invertieren (i.d.R. nur bei Deepsky)
  3. evtl. Anpassen von Schwarz-/Grau-/Weißpunkt (reduziert Artefakte auf dem Papier z.B. bei Sternhaufen)
  4. evtl. Fleckenentfernung (falsch gezeichnete Sterne lassen sich nur schwer rückstandslos vom Papier entfernen)
Bei diffusen Objekten kommt manchmal auch selektiv ein Tiefpassfilter dazu, der für Unschärfe sorgt, da es mit den Estomben nicht immer so gleichmäßig auf dem Papier wird. Evtl. passe ich noch die Helligkeit an, wenn z.B. Galaxien zu hell geworden sind.

Aber viel mehr passiert in der Bildverarbeitung nicht.

Liebe Grüße,
Robert
 
#6
Hallo Robert,
danke für Deine weiteren Ausführungen. Estomben, puh, jetzt musste ich erstmal googeln :)) Ja solche Wischer wollte ich auch mal probieren. Bisher nehme ich klassisch den Finger. Aber das ist natürlich unpraktischer. Danke für die Erinnerung, hol ich mir mal so ein Teil.
Gerade wenns um das Erhalten von Staubbändern geht ist der Finger nicht so der Hit.

Ja klar, Fleckenentfernung ist Standard auch bei mir. Tiefpassfilter, interessant, danke für den Tipp, probier ich mal aus.
Schwarz/Grau/Weisspunkt muss ich mal recherchieren, auch dafür danke - sagt mir erstmal nix.

4B ist auch mein Lieblingshärtegrad. Kann man noch recht fein mit zeichnen, sofern gut angespitzt.

Bildverarbeitung am Rechner ist ein spannendes Thema für sich. Da kann einfach jeder seine individuelle Richtung finden, der eine machts mehr der andere weniger oder gar nicht. Bin gespannt, wie sich Deine Zeichnungen entwickeln - meine Sterne sahen anfangs schrecklich aus.

Schöne Grüße und CS
Norman
 
#7
Hallo,

welchen 55mm Refraktor hast du eingesetzt? Bei M45 ist ein kleines Instrument mit weitem Feld sicher kein Fehler - der Sternhaufen kommt einfach mit viel Umgebung deutlich besser zur Geltung. Die Position der Sterne finde ich recht gut gelungen. Damit habe ich selber auch meistens meine liebe Not.

Die Wischer verwende ich sehr gerne für meine Planetenzeichnungen. Man muss nur aufpassen, dass man die zu verwischende Fläche ein wenig heller schraffiert. Durchs Wischen wird es nämlich deutlich dunkler. Und so wie Robert es auch erwähnte - richtig gleichmäßig wird es meistens nicht. Das schafft man mit dem Finger mMn besser. Den Vorteil des Wischers sehe ich darin, dass man die Papierstruktur nicht mehr so gut sieht.

LG Michael
 
#8
Hallo Michael,

Es handelt sich um einen 55mm-Refraktor unbekannter Herkunft mit 500mm Brennweite. Ich hatte vor Monaten nur das Objektiv hier über das Forum gekauft und daraus ein kleines Teleskop gebaut. Für diese Zeichnung nutzte ich ein TS SWM 20mm. Das ergibt knapp 2.5° Gesichtsfeld am Himmel.

Die Wischer verwende ich sehr gerne für meine Planetenzeichnungen.
Ich auch. Beim Scannen habe ich allerdings oft das Problem, dass hellere Regionen nicht gut erkennbar sind. Ob das am Scanner oder den Einstellungen liegt an, weiß ich nicht. Ich versuche dann meist, alle Regionen insgesamt dunkler zu zeichnen. Vielleicht ist in meinem Fall abfotografieren besser, aber auch etwas aufwendiger.

Den Vorteil des Wischers sehe ich darin, dass man die Papierstruktur nicht mehr so gut sieht.
Und bei Estomben mit dünner Spitze kann man auch sehr kleine Bereiche verwischen. Das stelle ich mir mit dem Finger mühsam vor.

Liebe Grüße,
Robert
 

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#10
Der wurde über Weihnachten durch eine DwarStar-Montierung ersetzt, die ich gebraucht bekommen habe. Geht deutlich besser und man kann vor allem die Friktion einstellen. Überraschend war, dass die DwarfStar sogar noch 100g weniger als der Kugelkopf wiegt.
Probiere ich mal bei Gelegenheit, wie das aussieht...
 
#11
Sooo... Ich habe mich noch einmal aufgerafft und meine Bildbearbeitung geringfügig anpasst. Das Ergebnis gefällt mir deutlich besser. Was habe ich geändert:

  1. Setzen vom Grauwert weggelassen (das Bild wird insgesamt wieder heller)
  2. Kontrast reduziert (der Hintergrund ist nun nicht mehr so schwarz)
  3. Tiefpass über das gesamte Bild (-> leichte Unschärfe, damit die Sterne nicht sooo hart begrenzt sind)

2018-11-09_m45.jpg
 
#12
Hallo,

gefällt mir nun auch besser. Meiner Erfahrung nach bringt schon alleine das leichte Aufhellen des Hintergrundes einiges.
Habe meine Zeichnungen anfangs auch abfotografiert, aber das gab immer leicht hellere oder dunklere Ecken. Das Problem gibt's beim Scannen nicht. Selber scanne ich in Graustufen in der höchstmöglichen Auflösung und auch helle Bereich übernimmt mein Scanner gut. Vielleicht findest du ja auch noch eine passende Einstellung.

LG Michael
 
#13
Hallo Robert,

ich schaue eigentlich selten rein ins Zeichenboard, aber ich möchte einmal meinen Respekt vor Dir und den anderen ausdrücken, die ihre Beobachtungen noch selber als Zeichnung zu Papier bringen können. Das ist eine Fähigkeit, die mir leider überhaupt nicht gegeben ist.

(y) Gruß

Heiko
 
#14
Lieber Heiko,

erst einmal Danke für die Blumen :)
Das ist eine Fähigkeit, die mir leider überhaupt nicht gegeben ist.
Ganz ehrlich, auch ich bin nicht gerade mit viel Talent zur Welt gekommen. Schaue dir mal meine letzte Zeichnung vom Mond an und vergleiche diese mit Mondzeichnungen von Jens. Dennoch zeige ich gern meine Zeichnungen. Sie sind in erster Linie ein Protokoll meiner eigenen Beobachtungen, welche sich oft nur schwer in Textform beschreiben lassen. Wie beschreibt man am besten einen offenen Sternhaufen in all seiner Schönheit? Eine Zeichnung alleine reicht da schon aus.

Ich habe viele Jahre vergehen lassen, um den Schritt zum Zeichnen zu wagen und habe es nicht bereut. Sternhaufen sind rein von der Technik am einfachsten. Es müssen ja nur verschieden starke Punkte gesetzt werden. Nur die Positionen der Sterne bedürfen etwas Übung. Probiere es einfach mal aus!

Liebe Grüße,
Robert
 
#15
Vielleicht findest du ja auch noch eine passende Einstellung.
Gut, dass ich hier meine Zeichnung präsentiert habe. Vor allem wegen der vielen Anregungen und Hinweise. Ich bin gerade dabei, verschiedene Einstellungen beim Scannen zu probieren und glaube, dass ich da noch einiges verbessern kann. Zumindest die "Nachbearbeitung" dürfte geringer ausfallen.
 
#16
Ich habe heute noch einmal alle meine Zeichnungen neu eingescannt. Vorher habe ich automatische Gamma- und Farbkorrektur genutzt. Das war nicht gut. Ich lasse diese Werte auf "null". Das eingescannte Bild wird i.d.R. dann wie folgt nachbearbeitet:
  1. Zuschneiden
  2. evtl. Invertieren
  3. Kontrast leicht verringern (Hintergrund wird z.B. grauer)
  4. Schatten & Spitzlichter (dunkle Bereiche heller & umgekehrt)
Das Ergebnis ist meist ein recht "natürliches" Bild. Die "Körnung" bei diffusen Objekten ist weitaus weniger zu sehen als vorher und auch die Kontraste sind nicht mehr so hart, was mir vor allem bei den Zeichnungen vom Sonnensystem aufgefallen ist. Ich habe nun auch bewusst den Tiefpass weggelassen. Nur wenige Objekte (z.B. Arp 94) sind mir nicht gut gelungen, was aber an meiner Zeichentechnik lag. Ich bin soweit zufrieden.

Nochmals Danke für die vielen (indirekten) Hinweise (y)

Liebe Grüße,
Robert
 

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