Minolta Rokkor 135mm f2,8 Vintage Objektiv | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Minolta Rokkor 135mm f2,8 Vintage Objektiv

Dennis75

Mitglied
Hallo zusammen,

auf der Suche nach einem bezahlbaren Teleobjektiv, dass auch für Astro geeignet ist, bin ich im Internet auf das Rokkor 135mm f2,8 von 1977 gestoßen.
Dieses Objektiv gibt es in zahlreichen Varianten. Besonders die MD-1 Variante von 1977 gilt unter Fotografen als Geheimtipp.

Es besteht aus nur vier Linsen aus (wenn man dem Internet glaubt) sehr hochwertigem Sonderglas und wird vor allem für seine Scharfe und kontrastreiche Abbildung geschätzt.

Einziger Nachteil sind chromatische Abberationen, die beim Nachfolgemodell durch eine weitere Linse korrigiert wurden.
Leider blieb dabei einiges an Schärfe auf der Strecke.

Ich habe bei Ebay Kleinanzeigen ein nahezu neuwertiges MD-1 Exemplar für 75 Euro bekommen und möchte Euch mal meine ersten Eindrücke schildern.
Leider lässt der Himmel momentan keine Astro Fotos zu, aber ich denke anhand der Testfotos lässt sich das Objektiv ganz gut bewerten.

Zunächst mal fällt die absolut herausragende Verarbeitung auf. Das Ding ist für die Ewigkeit gebaut. Selbst die ausziehbare Sonnenblende ist aus Metall.
Es ist über 40 Jahre alt und sieht aus wie neu. Die Fokus und Blendeneinstellung fühlt sich an, als würde das Ding gerade aus dem Laden kommen.

IMG_3806.jpg


Ich habe das Objektiv mal mit meinem Sony G 18-105 verglichen. Das ist zwar ein Zoom, aber bekanntermaßen ein ziemlich gutes und kostet auch immerhin 500 Euro.

Um es kurz zu machen: Ich war bisher von dem Sony Objektiv immer begeistert, aber gegen das alte Ding sieht das Sony ziemlich alt aus.

Hier mal ein paar 100% Crops:

Alles unbearbeitete RAW Daten direkt aus der Kamera.
Jeweils oben links aus dem Vollbild ausgeschnitten.
Die Fotos wurden bei schlechten Lichtverhältnissen einfach zum Fenster raus gemacht.


Minolta
2020-06-30_130916.jpg

Hier sieht man auch die Abberationen, die aber nur an sehr hellen Kanten entstehen,

Sony
2020-06-30_130955.jpg

Deutlich weniger Details und Kontrast!

Minolta
2020-06-30_131104.jpg


Sony
2020-06-30_131123.jpg


Vollbild Minolta mit Blende 5,6 Keine Vignettierung!!
(halbe Auflösung wegen Bildgröße)
DSC01022kopie.jpg



100% Crops

Mitte
Mitte.jpg


Unten Rechts
UR.jpg


Leider kann ich nicht genug Dateien anhängen, aber die anderen Ecken sehen genauso gut aus.

Ich werde so bald wie möglich mal Astrofotos damit machen und bin sher gespannt.
Ich gehe davon aus, dass die Abberationen dabei nicht so ein großes Problem darstellen, da sie nur bei sehr hellen Kanten entstehen.
Notfalls habe ich eine passende Objektivkorrektur für Photoshop.

Zum Abschluss sollte noch gesagt werden, dass das Objektiv vor allem für APS-C empfehlenswert ist.
Bei Vollformat Kameras wird es dann zum Bildrand doch etwas unscharf und die Abberationen fallen dann natürlich auch mehr auf.

Viele Grüße
Dennis
 
Zuletzt bearbeitet:

LuisCypher

Mitglied
Hallo Dennis,



ja die alten manuellen Objektive sind verlockend und sicher auch einen Blick wert. Ich nutze selbst ein altes 135mm Pentacon.
Allerdings fürchte ich, die Aberation wirst du sehr deutlich sehen, denn jeder Stern stellt ja eine solche "helle" Kante dar.

Nicht schön aber so kann es aussehen:
1. Raw.jpeg

Man kann da einiges in der Bildbearbeitung drehen aber ganz ohne ist das eben nicht. Ausserdem gesellt sich zur Aberation vielleicht noch der ein oder andere Abbildungsfehler, den du in den Tageslichtaufnahmen nicht siehst.

Bevor du eine ganze Nacht belichtest und dich am Ende ärgerst, empfehle ich dir ein paar Testbelichtungen abgeblendet auf F4 oder noch weiter. Zumindest bei meinen Objektiven hat es etwas geholfen die Bildfehler in den Griff zu bekommen.

Viel Erfolg mit dem schönen Stück

Gruß
Andreas
 

Optikus

Mitglied
Moin,

und ein L-3 Luminanzfilter - das "entbläut" erheblich, oder ein KR1,5 Korrekturfilter, der nimmt auch viel Weg, man muss später in der EBV nur das Rot etwas zurücknehmen.

CS
Jörg
 

Rainmaker

Mitglied
Hallo Dennis,

ich habe mein altes 135er Rokkor schon vor Jahren auf EF umgebaut und war auch sehr angetan von der Leistung. Die Blaukorrektur war bei Offenblende nicht perfekt, aber die Leistung immer noch sehr anständig. Ab f/4 gab es dann eigentlich nichts mehr zu meckern (bei APS-C). Leider habe ich die Optik dann einem Freund geliehen der das Objektiv mit nach La Palma genommen hat. Nach der reise war die Optik aufgrund unsachgemäßer Behandlung nicht mehr zu gebrauchen. Ich hätte schreien können.
Sei also bitte vorsichtig mit der Optik, denn obwohl das Gehäuse aus Alu ist kann man, mit viel Kraft, doch die Optik dezentrieren.


MfG

Rainmaker
 

Dennis75

Mitglied
Danke für den Tipp mit den Filtern. Ich denke, wenn es nötig ist, werde ich den L-3 mal probieren. War aber auch total einfach, das in Lightroom zu entfernen. Da die Aberrationen nur in einem ganz schmalen Magenta Bereich sind, wird das bei Astrofotos vermutlich auch nicht schwer sein..

Vorher:
2020-06-30_215143.jpg


Hinterher:

2020-06-30_215318.jpg


Hier noch mal das Beispielfoto von @LuisCypher nur mal ganz schnell gemacht:

1-edited.jpg
 
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Dennis75

Mitglied
So... hier nun das erste Astrofoto mit dem Objektiv....

M31 25x45sec ISO1600 f5,6

Das haut mich echt vom Hocker!
Ist das Ding gut!

Knackscharf. Nur ein Hauch Verzerrung am Bildrand und nahezu keine Vignettierung.
Das Bild ist ohne Flats gestacked.
Dass das Bild nach unten Rechts leicht heller ist, dürfte dem hellen Mondlicht geschuldet sein.
Auch die Spikes an den hellen Sternen gefallen mir sehr.

Leichte Aberrationen sind vorhanden, lassen sich aber wie erwartet in Lightroom ganz leicht entfernen.

Nicht schlecht für 75 Euro.

M31 135mm-denoise-low-lights2.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:

Optikus

Mitglied
Moin,

die waren schon früher gut :y: :giggle: ,

heute sind sie ein wenig in Vergessenheit geraten, da sie sich nicht so universell adaptieren lassen, m.W. aber mit Sony zusammen passen.

CS
Jörg
 

Optikus

Mitglied
Braucht einen Adapter (siehe Foto ganz oben). Kostet aber nur ein paar Euro.

Ein weiterer Fall wo die alten Schätze durch die spiegellosen wieder aufleben :y:

Was mir im Kopf rumschwirrte - Sony hat seinerzeit das Minolta-Bajonett samt Kamerasystem von Konica-Minolta "gekauft" - und zwar mit der Autofokus-Technologie der Minolta A Kameras -> daher ist der A-Mount von Sony kompatibel zum Minolta-Bajonett.

CS
Jörg
 

zwent

Mitglied
Hi Jörg,

leider finde ich keinen Adapter von Sona/Minolta A-Mount (Objektivseitig) auf M42 oder T2. Im hiesigen Fotoladen steht ein günstiges Samyang...

Viele Grüße
Sven
 

Optikus

Mitglied
Moin,

das geht auch nicht, da das Auflagemaß der Minolta zu kurz ist - das macht die Adaption an andere DSLR-Systeme schwierig, vergleichbar dem Canon FD-System. Bei den Spiegellosen passiert das nicht, da die immer das kürzere Auflagemaß haben (mangels Spiegel). Es gab mal früher Adapter mit einer Linse, die waren seinerzeit aber so grottig, dass man das nicht in Betracht ziehen konnte. Zudem wurde die Brennweite verlängert, wenn auch nur wenig.

CS
Jörg
 

zwent

Mitglied
Hi Jörg,

diese Abstandsprobleme tauchen aber nur an konventionellen DSLR-Bodies auf, nicht aber an Astro-Kameras. Aber vermutlich ist dafür einfach kein Markt da, zumindets nicht jenseits von Canon und Nikon.

Viele Grüße
Sven
 

Optikus

Mitglied
Hi,

A hat ein längeres Auflagemaß als E, so dass man A auf E adaptieren kann. Dazu gibt es Adapter. Wenn man die elektronischen Funktionen des A-Mounts nutzen will braucht es einen aktiven Adapter, die gibt's von Sony original, aber auch von Drittanbietern. Das E-Bajonett entwickelt sich zu einer Art Standard, es gibt aktive Adapter für viele Systeme, die die elektronischen Funktionen erhalten.

CS
Jörg
 

Dennis75

Mitglied
Nur damit kein Missverständnis entsteht. Das Telerokkor hat keinen A-Mount, sondern MD Mount.
Für A-Mount Objektive auf E-Mount Kamera eignet sich vor allem der Sony LA-EA4 Adapter, denn da steckt ein komplettes Autofokussystem drin inklusive Motor.
Für rein manuelle Objektive braucht man den natürlich nicht. Da tut es auch was günstiges.

Übrigens den Adapter von Neewer oben auf dem Bild hab ich zurückgeschickt.
Das Ding ist grottenschlecht verarbeitet. Überrall rasiermesserschafte Kanten. Nichts entgratet.
Wäre zu schade das Objektiv nach über 40 Jahren durch den schrottigen Adapter zu beschädigen.

Ich habe jetzt einen von K&F Concept. Der ist ok.
 
Zuletzt bearbeitet:

LuisCypher

Mitglied
Hallo zusammen,

ich hole den Thread nochmal hoch.
Ehrlich ich verstehe zwar die Problematik mit der Adaption von Objektiven auf Bajonette/Kamerasysteme mit denen sie eigentlich nicht kompatibel sind. Aber ich frage lieber nochmal.
Lieb äugele auch mit dem hier diskutierten Objektiv in der MD I Variante.

Bei dem Minolta 135mm handelt es sich um ein Objektiv mit MD Anschluss. Will ich diese an einer Canon EOS 600D mit EF Bajonett betreiben benötige ich einen Adapter mit optischem Element wie diesem hier.
Ist das so korrekt?

Danke auch an Dennis, dass du hier die Infos auch zu den unterschiedlichen Variante und den Merkmalen des MD I reingestellt hast. Man will ja nicht das falsche kaufen :)

Gruß
Andreas
 

Optikus

Mitglied
Hallo Andreas,

das Auflagemaß der MD-Objektive ist kürzer als das der EF-Objektive, daher die Adapter mit eingebauter Linse, die letztlich einen kleinen Telekonverter darstellt. Leider geht bei den einzelnen Linsen viel Bildqualität verloren, daher rate ich von dieser Adaption eher ab. Lieber dann mit dem alten Minolta oder Canon FD-Linsen an eine spiegellose, das geht ohne Glasmurks.

CS
Jörg
 

halbetzen

Mitglied
Hallo Andreas,
siehe #13, die Adapter mit Linse können nix taugen, weil mit nur einer Linse nicht alle möglichen Objektive angepasst werden können ohne die Bildqualität zu ruinieren.
Grüße
Dietrich
 

LuisCypher

Mitglied
Hallo Dietrich und Jörg,


alles klar, dann schlage ich mir das aus dem Kopf. Schade, aber ich schaue mal was ich aus meinem Pentacon noch raus kitzeln kann.
Bzw. habt ihr Empfehlungen für 135mm Vintage Objektive mit ähnlicher gutem Leumund wie dem Rokkor?

Gruß
Andreas
 

SkyBob

Mitglied
Ähnliche Ergebnisse hatte ich auch mit dem 135er CZJ Sonnar MC 135mm auf EOS 2000Da.
Allerdings hatte ich stärkere Halos (Farbfehler) um den hellen Sternen.

Auch das Pentacon 200 f4.0 zeigte ähnliches.

Beide Objektive nutzbar mit dem M42 EOS Adapter von Berlin Optics (ohne Nachschleifen sofort im Endlosfokus).

@Raumfisch
Weisst du evtl. noch welche Blende du verwendet hast?
Also wie weit abgeblendet ? Oder war es offenblende ?

OK. Meine EBV Künste sind aber auch nicht der Knaller. xD

Gruß Markus
 

Specht

Mitglied
...nochmal zurück zum 135mm Minolta. Da gab´s über die Jahre zahlreiche Versionen, auch mit unterschiedlicher Lichtstärke. Auf älteren Objektiven findet sich oft ein zweistelliger Buchstabencode, der den optischen Aufbau angibt. QD bei einem 1:3.5 135mm bedeutet dabei z.B. 4 optische Elemente in 4 Gruppen.

Der Ausdruck MD für das ältere Minolta-Bajonett ist eigentlich nicht ganz richtig, strenggenommen nannte man es SR-Bajonett, worauf aber die Minolta Rokkore MC und MD beide passten. Der Unterschied zwischen MC und MD liegt dabei nicht in der Vergütung. Die neueren MD-Objektive haben u.a. am Blendenring eine zusätzliche Plastiknase. An der X-700 wird bei gewünschter Programmautomatik die Blende auf die grüne 22 gestellt, dabei schaltet diese Plastiknase dann seitlich an der Kamera die Programmautomatik ein. Frühere Versionen wie die X-300 hatten noch keine Programmautomatik und brauchten diese speziellen MD-Objektive mit Plastiknase nicht. Mancher Minoltafreund bastelte sich da für seine geliebte MC-Optik eine kleine Nase an der Blendenring, damit er an der X-700 die Programmautomatik mit der MC-Optik nutzen konnte... ;)

Was die Qualität angeht... :unsure:, da gibt es Rokkore, die bekannterweise etwas besser waren als andere. Dabei waren es meist die älteren MC-Modelle. Neben der zusätzlichen Nase waren die neueren MD-Modelle oft mit mehr Plastik gefertigt und somit leichter. Qualitativ besser waren sie grundsätzlich nicht, obwohl ein MD-Objektiv sich auch im Linsendesign von der jeweiligen MC-Optik unterschied. Viele ähnliche Minolta-Objektive muss man wiegen und Werte wie Naheinstellung und die maximal geschlossene Blende vergleichen, um sie einem Baujahr zuordnen zu können.

Mein MC 1:3.5mm 200mm baute ich so um, damit ich auch ohne Korrekturadapter mit Linse an der Canon EOS ins Unendliche kam (Ich hatte das hier mal beschrieben).

Ich freue mich immer, wenn ich das gute Teil benutze. Leider habe ich keine parallaktische Monti mehr, bei Neowise machte ich damit Standbilder vom Stativ:

neo.jpg

lg, volker.
 
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