Mond im Infraroten (3,6 -4,9 µm)

komposer

Mitglied
Hallo,

interessant wie anders der Mond da erscheint. Dieser Effekt scheint aber erst bei sehr hohen Wellenlängen aufzutreten. Meine Aufnahmen im kompletten sichtbaren Licht und dem RG610 Rotfilter (ab 610nm bis einschließlich IR) unterscheiden sich da noch nicht.

Gruß,
Holger
 

DocHighCo

Mitglied
Interessanter Versuch,

was man hier sieht, ist die Reflektion der Infrarotstrahlung der Sonne. Also ich denke nicht der Eigenwärme des Mondes. Wenn man das Histogramm etwas anpasst, dann dürfte es nicht soviel anders als ein visueller Fastvollmond aussehen. Denn das globale Reflektionsvermögen dürfte sich nicht so dramatisch zw. z.B. 1000nm und 4000nm ändern.
Aber als Falschfarbenbild mit visuellen Aufnahmen könnte es interessant sein.

Gruß

Heiko
 

Dunkle Energie

Mitglied
Die Mare sind (in diesem Bild) aber heller; wenn das (nur) Reflektionen wären, hieße das, daß die im sichtbaren Licht dunklen Mare mehr IR reflektieren als die Umgebung. Ich vermute, daß die Mareflächen sich etwas stärker "erwärmen" und daher in diesem Bild heller erscheinen.

Viele Grüße

Markus
 

DocHighCo

Mitglied
Hallo Markus,

ich habe mal geschaut. Das Plancksche Strahlungspektrum für Schwarzkörperstrahlung sagt, daß das Maximum für 4000-5000 nm bei ca. 500°K liegt also ca. 230°C. Wie heiß werden die Mare am Tag? Ich gebe zu, da könnte schon ein guter Anteil der Strahlung Eigenwärme sein. Hätte ich nicht erwartet.

Gruß

Heiko
 

Optikus

Mitglied
Hallo Heiko,

ich hab in irgendeinem Paper über Apollo mal gelesen, dass am Tag durchaus signifikant positive Temperaturen erreicht werden, das kann denke ich schon die von Dir genannten Werte treffen, zumal die Oberfläche viel Lockermaterial enthält und die Wärmeabgabe nach untern ja auch nur durch Strahlung erfolgen kann. Es gibt ja keine nennenswerte Gasansammlung und Feuchtigkeit auch nicht.

CS
Jörg
 

b_schaefer

Mitglied
Im mittleren Infrarot sehen wir auf der Erde bei Normaltemperaturen eine mehr oder weniger ausgewogene Mischung aus emittierter und reflektierter Strahlung. Auch Objekte mit niedrigeren Temperaturen geben ja in diesem Spektralbereich noch Energie ab, wenn auch nicht das Maximum. Je kälter ein Objekt, um so niedriger wird der Anteil emittierter Strahlung im mittleren Infrarot. Auf dem Mond ist es unter voller Sonne aber durchaus auch mal wärmer als auf der Erdoberfläche. Wir werden also einen ordentlichen Anteil Eigenstrahlung sehen.

Ich arbeite beruflich auch mit Thermalkameras, unter anderem mit zwei ImageIR. Ich stelle es mir gar nicht so trivial vor, da 850mm Brennweite zu realisieren. Mit einem reinen Spiegelteleskop, vermute ich mal. Glas geht ja nicht und ein Supertele aus IR-durchlässigem Material kenne ich zumindest noch nicht.

Spannende Sache jedenfalls!

Viele Grüße
Sebastian
 

pem.bn

Mitglied
Interessanter Versuch,

was man hier sieht, ist die Reflektion der Infrarotstrahlung der Sonne. Also ich denke nicht der Eigenwärme des Mondes. Wenn man das Histogramm etwas anpasst, dann dürfte es nicht soviel anders als ein visueller Fastvollmond aussehen. Denn das globale Reflektionsvermögen dürfte sich nicht so dramatisch zw. z.B. 1000nm und 4000nm ändern.
Aber als Falschfarbenbild mit visuellen Aufnahmen könnte es interessant sein.
Hallo Heiko,

da bin ich ganz bei Dir. Ich kann mir aber schon vorstellen, das unterschiedliches Mondmaterial sich unterschiedlich aufheizt und sich deshalb vom rein optischen Bild unterscheidet. Interessanter wäre sich eine Aufnahme bei zu- oder abnehmendem Mond. Wenn es Eignenstrahlung gäbe, würde man sie an der nicht von der Sonne beleuteten Seite des Modes erkennen können. Glaube ich aber nicht, soweit ich weiß ist der Mond kalt. Aber vielleicht erkennt man bei hoher Auflösung einen Helligkeitsunterschied am Terminator. Wenn das Mondmaterial die Wärme länger, auch nach Beleutung, speichern sollte.

Gruß,
Peter
 

Buecke

Mitglied
Hallo,

es ist eine sehr interessante Aufnahme. Die Mare sind sehr hell, dann sehe ich eine kleine dunklere Stelle, könnte es Aristarchus sein? Es ist sonst die hellste Stelle auf dem Mond.
 

DocHighCo

Mitglied
Hallo,

die Frage bei dem Bild ist, wie hoch ist der Anteil der thermischen Strahlung im Vergleich zur reflektierten Infrarotstrahlung. Die thermische Strahlung müßte man auch im Mondschatten oder sogar bei Neumond sehen. Wenn man noch mal Bilder bei Halbmond machen würde, könnte man das vergleichen. Wenn man dann auf der Schattenseite nicht viel sieht, dann heißt das doch, daß der überwiegenden Teil beim Bild reflektierte Infrarotstrahlung ist.

Gruß

Heiko
 

b_schaefer

Mitglied
Nicht unbedingt. Verschiedene Materialien erwärmen sich bei Sonneneinstrahlung unterschiedlich, und zeigen dann in diesem Moment eine jeweils unterschiedliche Mischung aus tatsächlich emittierter Strahlung und reflektiertem Infrarotlicht.

Sobald keine Sonnenenergie mehr eingetragen wird, werden die Flächen schnell wieder abkühlen und dann ist auch kaum noch emittierte Strahlung zu erwarten. Da dann auch nichts reflektiert werden kann, sollten diese Flächen im mittleren Infrarot kaum noch ein Signal ergeben.

Die Kameras haben ja auch nur begrenzte kalibrierte Messbereiche, sie können nicht in einem Bereich von z.B. 0 bis 500 Kelvin messen. Üblich sind eher Messbereiche von z.B. 250-350 K. Die Detektoren werden ja selbst auf ca. 70 K tiefgekühlt um einen ausreichenden Hub zu den zu messenden Temperaturen zu erreichen. Darunter kann man also mit dieser Technologie überhaupt nichts messen, realistisch wird es schon weit darüber schwierig.

Bei höheren Temperaturen werden die Messbereiche etwas breiter. Aber durch die (erd)atmosphärische Dämpfung und andere Einflüsse werden die Messwerte der Thermalaufnahme die realen Temperaturen wahrscheinlich deutlich unterschätzen.

Selbst wenn Flächen mit niedrigem Emissionsgrad durch den Anteil reflektierter Sonnenstrahlung tendenziell wärmer als real erscheinen, bezweifle ich, dass die gemessenen Werte auch nur in die Nähe der realen Oberflächentemperaturen kommen. Aber nur Stefan könnte uns verraten, welche Maximalwerte die Kamera ausgegeben hat.

Viele Grüße
Sebastian
 

StKorth_privat

Mitglied
Schön, hier so viele Rückmeldungen zu lesen. In der Tat ist hier ein Mix aus Reflexion und Eigenstrahlung zu sehen, einen ziemlich neuen Beitrag zum Thema (wenn auch aus einer anderen Perspektive...) gibt es hier: https://www.isro.gov.in/update/17-oct-2019/chandrayaan-2-begins-spectroscopic-studies-of-lunar-surface
Was gibt es noch anzumerken:
- Thermische Eigenstrahlung auf der Nachtseite ist einfach zu gering, um hier auf der Erde von stirlinggekühlten Wärmebildkameras eingefangen zu werden. Was die Messbereiche der Kameras anbelangt: Gekühlte Systeme kann man von -40°C bis 3.000°C kalibrieren, ungekühlte üblicherweise von ca. -40°C bis 2.000°C. Die gekühlten Systeme haben aber je nach verwendeter Technologie mehr oder weniger "schmale" Messbereiche, die z.B. bei -40°C ... +10°C, 0°C ... + 100°C oder 300°C...600°C liegen können (ist auch detektorspezfisch). Die Bereiche der ungekühlten Kameras sind breiter (z.B. 0°C ... 500°C).
Ich hänge noch einmal einen VIS-IR-Vergleich aus dem Jahr 2017 an, da war vom unbeleuchteten Teil NICHT aufzunehmen.
- Die Mondfinsternis vom 16.7.2019 habe ich mit einer ungekühlten Kamera aufgenommen, die im thermischen Infrarot von 7,5µm bis 14µm empfindlich ist. Da sieht man etwas vom Teil im Schatten, der sich während der Finsternis abkühlt. Leider war die Kamera aber nicht radiometrisch kalibriert - also keine Temperaturaussagen möglich.
- Was meine "Messung" anbelangt - ich gebe zu, dass ich da mit verschiedenen Korrekturalgorithmen gearbeitet habe. Gerade im sog. Mittleren Infrarot (~2 - 5,5 µm) ist der Einfluss der Erdatmosphäre über die Entfernung erheblich, gilt also auch für den Zusammenhang Elevation / Messpfad. Ich bin nun bei meinen Spielereien nahe einem Literaturwert gelandet, wichtiger war mir aber die Darstellung der Relativtemperaturen.
- Mehr zum Zusammenhang von Tageslauf und Oberflächentemperatur auf dem Mond findet man z.B. hier: https://www2.physics.ox.ac.uk/sites/default/files/2012-03-08/2_thomas_pdf_10647.pdf
Die Emissivität ist bei Mondgestein kein Problem, sie liegt im Schnitt bei 0,9.
- Was man noch tun könnte:
-- Systematische IR-Aufnahmen, auch mit IR-Filtern, um spektrale Unterschiede abzubilden
-- Ganz knifflig - Abbildenden Verlauf einer Mondfinsternis, um dann eventuelle Abkühlphasen aufzunehmen und dann mit der sog. Puls-Phasen-Methode aus der Aktiven Thermografie die Bildsequenzen auswerten. Wäre in meinen Augen Neuland, nur mangelt es da gerade an einer ansprechend langen MoFi...

Stefan Korth
 

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StKorth_privat

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Nun noch ein paar Takte zur Kamera:
Bei der für die 2019er Aufnahmen verwendeten Kamera handelt es sich um eine InfraTec ImageIR8300,Z, technische Daten dazu gibt es hier:
https://de.infratec.eu/thermografie/waermebildkameras/imageir-8300-z/
Anbei einmal zwei Bilder unterschiedlicher Kameras aus dieser Serie. Das Zoom-Objektiv (28 - 850 mm) ist in der Tat eine Linsenoptik mit Sonderngläsern (im Wesentlichen natürlich aus Germanium), das Öffnungsverhältnis liegt durchgängig bei f/5,5. Neu ist die Optik nicht, in der Tat gibt es auf dem Markt eine ganze Reihe Zoom-Optiken im Mittleren und auch im Langwelligen Infrarot. Diese jedoch für bestimmte Brennweiten radiometrisch kalibrieren zu können, ist ein ziemlich dickes Brett - aber es geht.
Der Haupteinsatzbereich dieser Kameras liegt (wie könnte es anders sein...) beim Thema Überwachung / Fernerkundung. Es dürfte keinen überraschen, dass da entsprechende Budgets vorhanden sind. Hin und wieder gibt es aber auch aus dem Bereich Industrie / Brandüberwachung Anfragen nach solchen Kameras, die dann parallel sicherheitsrelevante Überwachungsaufgaben mit dem Thema Betriebssicherheit kombinieren.
Das soll soweit einmal genug IR-Technik-Text sein, Fragen beantworte ich natürlich trotzdem gerne - auch wenn das dann schon etwas Off-Topic wird...

Stefan Korth
 

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DocHighCo

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Hallo Stefan,

die Kamera sprengt ja wohl das Budget der meisten Hobbyfotografen bei weitem, deshalb vermute ich, setzt Du die Kamera eher beruflich und nicht zum Spaß ein. Der Mond war dann wohl eher ein Abfallprodukt. Jedenfalls ein interessantes Einsatzgebiet.

Gruß

Heiko
 
Hallo in die Runde,

sehr interessantes Thema.
Wie Heiko schon schrieb, wird nicht Jeder so eine Kamera in der Schublade liegen haben, obwohl die Bolomterarray-Sensoren langsam preiswerter werden.
Was mich aber interessieren würde:
Kann man nicht auch mit einfachen Mitteln zumindest z. B. den Monddurchgang aufzeichnen, ich schreibe bewusst nicht "messen"?
Ich habe da so ein einfaches Infrarot-Thermometer in der Schublade zu dem ich etwas recherchiert habe. Es soll zwischen 8 und 14 Mikrometer empfindlich sein und die Optik soll einen Öffnungswinkel (Messfleckdurchmesser zu Messabstand) von 1:12 haben. Ok, hinter einem normalen Refraktor wird das nicht funktionieren da die Gläser bei den Wellenlängen sperren, aber mit einem Newton könnte da doch was gehen, oder?

Viele Grüße und hoffentlich bald mal wieder CS,
Reinhard
 
Hallo nochmal,

habe grade noch etwas recherchiert und eine Reflektionskurve für Aluminium gefunden, die aber leider bei 5 Mikrometer aufhört, bis da hin ist sie aber schön flach annähernd an die 100%, sieht also schon mal gut aus.
Dann habe ich aber noch nach SiO2 (Quarz) geschaut und das sieht nicht so gut aus. Bei 3-4 Mikrometer fällt die Transmission steil ab. Da könnte einem die SiO2-Schutzschicht auf den Spiegeln also in die Suppe spucken.
Wäre ja auch zu einfach gewesen :-/

Viele Grüße,
Reinhard
 

StKorth_privat

Mitglied
@Heiko: Ja, das mit dem "Abfallprodukt" trifft es ;-), üblicherweise ist die Kamera für so etwas da: https://youtu.be/RHkArFyP2JY

@Reinhard: Ob da Dein Detektor (welches Material?) empfindlich genug ist, wäre zu klären. Ungekühlte Mikrobolometer werden in der Tat immer günstiger, aber das sind dann hauptsächlich niedrig auflösende (160x120 / 384x288 / 640x480 Pixel) Sensoren für Automatisierungsaufgaben und einfache Sicherheitslösungen. Die gekühlten Detektorlösungen werden im Preis nur mäßig nachgeben, werden aber weiterhin gebraucht, weil erheblich schneller (o.k., ist beim Mond unwichtig...) und stabiler in der Bildwiedergabe. Weniger Rauschen haben sie auch.

Stefan Korth
 
Hallo Stefan,

vermutlich ist in dem IR-Thermometer irgend ein primitivst-Sensor verbaut, da möchte ich aber erst mal nicht nachschauen.
In der Zwischenzeit ist mir aber eingefallen, dass da noch so ein Ohr-Fieberthermometer in der Schublade liegt und das sollte vermutlich nichts anderes als ein IR-Thermometer mit begrenztem Temperaturbereich sein. Ich habe mal versucht das Teil zu öffnen, was mir auch zerstörungsfrei gelungen ist, habe mir den Sensor angeschaut und ein Foto geschossen:

IR-Sens_Ohrthermometer.jpg

Das sieht mir doch verdächtig nach so was wie einem ZTP135R Thermopile-Sensor aus. Mit einer Lupe sieht man sogar, dass die kleine Fahne abgeknipst wurde, um den Sensor in der Spitze eines "Plastik-Rüssels", der zur Messung ins Ohr eingeführt wird, positionieren zu können. Leider war die zugehörige Batterie leer, aber ich habe das Teil kurzerhand fremd versorgt und mal an den Anschlüssen mit dem Oszilloskop gemessen. Die vier Anschlüsse liegen auf + Versorgungsspannung von normalerweise etwa 3,7V. Bei einer Messung bei Raumtemperatur gehen die Pegel für ein paar ms auf etwa 1/2 dieser Spannung runter. Vermutlich handelt es sich um einen Sensor mit analoger Schnittstelle, wäre die digital dann würde ich eine komplexere Impulsfolge erwarten. Da sollte sich doch mit ein paar Operationsverstärkern was basteln lassen...
Auf der schon weiter oben verlinkten Seite von Georg Dittié gibt es eine Kurve zur Mond-Temperatur. Der ZTP135R deckt zwar nur einen Teil des Bereiches ab, aber ein Durchgang sollte damit nachzuweisen sein.
Bliebe noch das Problem mit der Optik. Ich habe noch einen 6"/f5 Vixen-Newton schlummern, der könnte vor vielen Jahre mal durch Deine Hände gegangen sein :). Bei 750mm Brennweite wird der Mond deutlich größer abgebildet als die knapp 2mm-Öffnung des Sensors, es sollte also passen wenn man den Sensor einfach in den Fokus setzt.
Bleibt noch die SiO2-Schicht auf den Spiegeln. Ich befürchte diese dünne Schicht könnte die komplette Strahlung in dem Wellenlängenbereich (8µm - 14µm) abblocken :confused:, oder was meinst Du?

Viele Grüße & CS,
Reinhard
 

b_schaefer

Mitglied
Hallo Reinhard,

die Schutzschicht wird vermutlich nicht so problematisch. Selbst wenn sie absorbierend wirkt, kann sie aufgrund ihrer geringen Schichtdicke sicher nicht die ganze einfallende Strahlung absorbieren.

Schwieriger stelle ich mir das Zielen mit einem einzigen Pixel vor. Wird gar nicht einfach, damit den Mond überhaupt zu treffen. Und dann bewegt der sich ja noch.

Mehr Erfolg könnte man mit einer einfachen Thermalkamera haben, sofern es gelingt, diese ohne Objektiv zu betreiben. Ein Kollege hatte das mal mit mäßigem Erfolg versucht, mehr als ein unscharfer, kaum warmer Fleck war aber beim ersten Versuch wohl nicht hinzubekommen.

Viele Grüße
Sebastian
 
Hallo Sebastian,

>die Schutzschicht wird vermutlich nicht so problematisch
na da bin ich mir nicht so sicher, schau mal hier z. B.:
http://www.janostech.com/knowledge-center/optical-materials-guide/quartz-sio2.html
Das geht so was von in den Keller...

Das "Zielen" sehe ich nicht als Problem an. Bei 750mm Brennweite hat die Abbildung des Mondes etwa 6,5mm Durchmesser. Wenn ich den Sensor (< 2mm Durchmesser) zentrisch in einen 1,25" Adapter positioniere (z. B. im Boden eines "prähistorischen Plastik-Filmdöschens"), dann brauche ich den Mond nur in einem Okular mittig zu stellen und dieses durch besagten Adapter auszutauschen. Sodann fahre ich die Ra-Achse etwas vor, schalte die Nachführung aus und lasse den Mond einfach drüber laufen, müsste eigentlich klappen.

@Hoschi:
Da solltest Du Dir mehr Gedanken über Spektrometer machen, mit denen kann man Deine Rotverschiebung messen.
Man sieht das ja schon mit bloßem Auge, wenn ein Auto von Dir weg fährt ist dessen Licht roter als wenn es auf Dich zu fährt (ist übrigens beim Fahrrad auch so) ;).

Viele Grüße & CS,
Reinhard
 

b_schaefer

Mitglied
Ja, die Transmission geht runter. Macht doch aber nichts, wenn es spiegelt. Wäre nur blöd, falls es vollständig absorbieren sollte, aber davon ist nicht auszugehen.

Viele Grüße
Sebastian
 
Hallo Sebastian,

ok jetzt ist der Groschen gefallen. Ob Quarz in dem Wellenlängenbereich reflektiert könnte ich ja mit dem IR-Thermometer testen, dazu bräuchte ich ein Quarz-Scheibchen. Mal schauen, ob ich da im Fundus was habe. Im Netz habe ich dazu auf die Schnelle nichts gefunden.
Danke für den Denkanstoss!

Viele Grüße,
Reinhard
 
Hallo miteinander,

die Sache hat mir keine Ruhe gelassen und so habe ich etwas weiter recherchiert und mir ein paar Gedanken gemacht.
Die einfachen Sensoren, so wie sie in dem Ohr-Thermometer verbaut sind, haben einen sehr weiten Erfassungswinkel der fast bis 180° geht. Da wäre es recht ungünstig den in einen f5-Newton zu verbauen, man müsste dann bis auf den 1:5 Winkel des Strahlenbündels möglichst alles thermisch abschirmen um das Nutzsignal nicht durch die Strahlung des Teleskops zu zustopfen. Da ist die Innenschwärzung unsrer Teleskope genau das Gegenteil von dem was man bräuchte und zum Verspiegeln des Tubus von innen konnte ich mich nicht durchringen :sneaky:. Günstiger wäre ein sehr, sehr "schneller" Spiegel, etwa wie bei Scheinwerfer-Reflektoren. Da habe ich mich mal umgeschaut und da gäbe es durchaus Brauchbares z. B. in der Bucht. Dann ist mir aber eingefallen, dass ich mal so eine physikalische Spielerei von Astromedia hatte. Diese bestand aus zwei aufeinander liegenden Holspiegeln wobei der obere ein Loch hatte. Legte man nun einen kleinen Gegenstand in die Mitte des unteren Holspiegels so wurden die Strahlen so geführt, dass in dem Loch des oberen Spiegels ein virtuelles Bild entstand, der Gegenstand schien dort zu schweben, war da aber natürlich nicht fassbar. Der Effekt war verblüffend. Leider war das Teil nicht mehr auffindbar, also mal im Netz geschaut und dort findet man die Spielerei unter dem Namen "Zauberspiegel" von verschiedenen Quellen für wenig Geld. Also wurde so ein Teil bestellt und ein kleines, sehr schnelles Telesköpchen gebaut:

IR-Thermometer-meins.jpg


Der Sensor des Ohr-Thermometers sitz nun mittig in einem axial verschiebbaren Holzplättchen auf der optischen Achse des Spiegels und kann so im Fokus positioniert werden. Zur Abschirmung zur Seite ist alles mit einem kurzen Tubus versehen, alles mit selbstklebender Alu-Folie belegt, auch das Holzplättchen des Sensors nach innen. Der Spiegel ist natürlich nicht mit unseren Teleskopspiegeln zu vergleichen, reicht aber zur Erzeugung eines kleinen Spots für den ca. 2mm großen aktiven Bereich des Sensors.
Hilfreich ist, dass das Ohr-Thermometer einen "Food-Mode" besitzt, in dem zwischen -22°C und 80°C gemessen werden kann, damit kann man schon mal rum spielen.

Heute Abend habe ich nun den ersten Test durchgeführt:
- Das Teil auf die eingenordete Vixen SP montiert.
- Grob justiert und mittels eines Taschenspiegels den Spot mittig auf dem Sensor positioniert.
- Messung ausgelöst... -19°C
Hmm, ok nicht grade "lower Limit" aber auch nicht besonders berauschend.
Also Justage nochmal geprüft. Aha, Spot nicht mittig und auch etwas größer als der Sensor. Das müsste besser gehen und es ging auch besser.
- Nächste Messung ausgeleöst... kryptische Fehlermeldung, grrr.
- Weitere Versuche brachten immer wieder diese Fehlermeldung.
-> Frustriert abgebaut und das kleine Manual des Thermometers zur Hand genommen. Aha "Umgebungstemperatur unter 10°C". Stimmt ja, da stand was in den technischen Daten, Sch..ße!

Später habe ich dann noch mal, mit dem aufgewärmten Teil, handgeführt probiert und ein paar kurze "Schüsse aus der Hüfte" gemacht. Der freie Himmel im Zenit liegt unter -22°C und somit kam "lower Limit". Mit dem bloßem Auge den Mond angepeilt brachte Werte zwischen -20°C und -18°C, wobei ich so natürlich den Mond nicht wirklich treffen konnte.

Fazit:
Es sieht meiner Meinung nach nicht ganz hoffnungslos aus, aber für einen aussagekräftigeren Test werde ich wohl bis zum Frühjahr warten müssen. Mal schauen, vielleicht bestelle ich mir mal so einen Sensor mit I²C-Bus und bastele mir was mit einem Arduino, dann könnte man die Daten auch loggen.
Jedenfalls hat es Spaß gemacht und die Beschäftigung mit dem Thema macht nicht dümmer.
Soweit mein keiner Rapport für heute.

Viele Grüße & CS (auch in IR),
Reinhard
 
Hallo in die Runde,

ich möchte den Tread noch mal hervor holen, denn es gibt Neues :)
Mein letzter Versuch (siehe einen Beitrag höher) ist ja in die Hose gegangen, weil das Ohrthermometer sich weigerte unter 10°C Umgebungstemperatur zu kooperieren, dieses WeichEi. Da ich nicht bis zum Frühjahr warten wollte, habe ich nach Alternativen Ausschau gehalten. Wie oben schon angedeutet, habe ich mir einen Thermopile-Sensor mit I²C-Bus Interface bestellt und diesen an einen Arduino Kleinstcomputer angeschlossen. Die Software habe ich ganz rudimentär in Bascom zusammen gestrickt. Die ist sehr einfach geworden da ich nur die Demo-Version habe und diese ziemliche Einschränkungen hat. Egal, das muss auch so gehen. Meine Lösung ist, dass ich die gemessenen Werte einfach im Ram-Speicher des Mikrocomputers zwischenspeichere und beim Auslesen einfach auf Papier aufschreibe. Das Alles ist mittlerweile fertig und wartete auf seinen Einsatz beim nächsten Vollmond, wenn denn der Wettergott mitspielen sollte.
Heute Abend hatten wir dann unerwartet einen klaren Himmel und um die 2/3 Mond, so schätze ich. Warum nicht mal probieren, also aufgebaut und den ... denkst'de Mond hinter Hausdach. Ok, eine Stunde warten und schnell noch ein Blick auf die IR-Wolkenkarte. Was kommt denn da auf uns zu, na was meint Ihr wohl... richtig!
Nun hatte ich aber ziemlichen Dusel. Als der Mond endlich zu sehen war lagen darunter im Südwesten schon Wolken mit höchstens 10-20° Abstand. Jetzt war schon alles aufgebaut, also mal eine Messung starten. Ach ja, ich muss ja erst mal Fokussieren und Ausrichten. Das hat mich dann bestimmt 10 Minuten gekostet, aber die Wolken waren bis dahin brav. Jetzt aber "Start Messung" und... es hat geklappt. Hier mal ein Foto vom Setup:

setup.jpg


und dem optischen / elektromischen Krempel beim auslesen / abschreiben der Daten:
auslesen.jpg


Zu Guter Letzt noch die Kurve der IR-Werte (Achtung, die Werte sind nicht kalibriert, also nur "relativ"):
2019-12-08_log-data-diagram.jpg

Ach ja, ich muss noch dazu schreiben: Es wurden 128 Werte in 5 Sekunden Abstand aufgenommen, das macht dann eine Gesamtmessdauer von gut 10 Minuten.

Das Ergebnis ist längst nicht optimal, aber das Ziel den Monddurchgang mit so einfachen Mitteln zumindest nachzuweisen habe ich erreicht. Es hat viel Spaß gemacht und dümmer bin ich dabei auch nicht geworden :)

Viele Grüße & CS,
Reinhard
 

Optikus

Mitglied
Moin,

tolle Sache. Ist wie schon geschrieben echt erstaunlich, was alles funktioniert. Das ist ja Mc Gyver vom feinsten.

CS
Jörg
 

StKorth_privat

Mitglied
Yep, es funzt! Netter Versuch. Alternativ gäbe es dann noch pyroelektrische Detektoren, die auch empfindlicher sein können als die Thermopiles. Einfach ´mal danach googlen, wenn man schon Bock auf Basteln hat.

Stefan Korth
 
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