Neue Diskussionskultur im Netz? | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Neue Diskussionskultur im Netz?

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Rainmaker

Mitglied
Hallo,

ich werde ja nun auch langsam älter und vielleicht entgeht einem da ja auch ab und an mal einiges. Deshalb frage ich hier einfach mal an, ob meine Beobachtung, dass sich die Diskussionskultur im Netz langsam ändert korrekt ist. Konkret geht es darum, dass Kommentare häufig gelöscht oder gar nicht erst freigeschaltet werden, wenn sie nicht der Sichtweise des Erstellers der Website oder des Videos entsprechen. Das reicht von angemerkten Kleinigkeiten wie Dinge günstiger zu erreichen sind bis hin zu Kritik an offensichtlichen schweren inhaltlichen Fehlern. Auffällig ist hierbei dass ab und an der erste Kommentar zunächst noch zugelassen wird, aber nur um persönliche Angriffe, haltlose Unterstellungen und oder die Frage los zu lassen warum man sich denn die Inhalte ansieht, wenn man nicht der gleichen Meinung wie der Ersteller ist.

Habe ich da was Grundsätzliches an den Kommentarsektionen falsch verstanden und sind die heute wirklich nur noch für das Bekräftigen der Meinung des Erstellers der jeweiligen Inhalte gedacht oder haben sich viele Menschen in Schneeflöckchen verwandelt, welche mit relativ harmloser Kritik oder auch nur Anregungen nicht mehr umgehen können.


MfG

Rainmaker
 

Tom310

Mitglied
Hallo Rainmaker,

ich bin zwar kein Social Media Experte, gehöre aber der Generation Z an die mit dem Internet groß geworden ist.

Wenn ich darüber nachdenke auf welcher Plattform du diese Entwicklung festgetellt haben könntest fallen mir unteranderem einige Social Media Plattformen ein. Natürlich gibt es Plattformen welche strenge Nutzerrichtlinien haben, wodurch Kommentare gelöscht werden welche zB. Hass, Verunglimpfungen oder Verbotenes Material beinhalten (wenn auch manchmal übersehen werden). Die Algorythmen welche Kommentare prüfen sind aber nicht fehlerlos, so wird auch hier und da ein harmloses Video oder Kommentar gelöscht, weil es mutmaßlich in irgendeiner Form aus Datenschutzrechtlichen Gründen oder Verlertzung der Nutzerrichtlinien gesperrt wird.

Der Kommentarbereich ist meines Erachtens ein Bereich der lieber gemieden werden sollte. Viele Leute posten achtlos, fast schon rücksichtlos Meinungen über etwas worüber sie nicht genug eigenes fundiertes Wissen besitzen. ft werden die Beiträge nicht mal zuende gelesen, nur überflogen oder gar nciht angeschaut. Da reicht vllt schon der Name des Titels aus. Die Kommentare fallen entsprechend auch dann zB. oberflächig, kurz, arrogant und inhaltlich falsch aus. (Ein sehr gutes Beispiel für solches Verhalten, fand ich in den Reaktionen in Presse oder Kommentaren auf die Videos von Rezo mit dem Titel "Die Zerstörung der...")

Jeder Content Creator hat ein Image, dass er gerne aufrecht erhalten möchte. Sicherlich gibt es da welche, die nicht davor zurückscheuen sich die Mühe zu machen und die Kommentar Sektion so Manipulieren, dass ihr Image stets positiv bleibt. Es wird aber nicht die Mehrheit sein die sich die Mühe macht.

Ich persönlich kenne da jemanden in der Fotografie Branche, welcher sofort mit Anwalt und Klagen um die Ecke kommt, wenn jemand anderes eins seiner neuen Produkte testet und aufgedeckt wird, dass mehrere Aspekte des Produktes anscheinend nicht der Wahrheit nach vermarktet wurden. Aber das ist jetzt ein extremes Beispiel dafür wie Menschen mit Kritik ungehen könnten.

Lg Tom
 

Wintergatan

Mitglied
Ich glaube gelegentlichen eine Entwicklung hin zu einem Wettlauf um Aufmerksamkeit, Empörung, Political-Correctnes und Social-Justice-Warrior zu sehen. So als würde man sich nach Provokation und Drama sehnen und es notfalls gezielt herbeiführen. Dann wurde mir irgendwann bewusst, dass ich gar keinen Grund habe jegliche Begebenheiten zu bewerten; genauso wenig wie es mir zusteht anmaßend aufzutreten. Je nüchterner und unaufgeregter man durch das Internet geht, umso besser für mich.
Ein wenig schade vielleicht dass manche Menschen sich nach mehr Regulation sehnen und mit ihrer Freiheit nicht so recht umgehen können. Aber das ist ok für mich, solange ich nicht gezwungen bin mich mit derlei Krempel zu beschäftigen und Zeit zu vergeuden.
 

Demokrat

Aktives Mitglied
dass sich die Diskussionskultur im Netz langsam ändert korrekt ist. Konkret geht es darum, dass Kommentare häufig gelöscht oder gar nicht erst freigeschaltet werden, wenn sie nicht der Sichtweise des Erstellers der Website oder des Videos entsprechen.
Die Betreiber von Webseiten haben natürlich Ziele. Wenn Kommentare diese Ziele unterlaufen oder in Frage stellen, dann werden sie natürlich als Gefährder derselben empfunden. Gefährder schließt man daher letztlich aus, wenn sie nicht von der eigenen Meinung zu überzeugen sind.

Zweitens sind viele Menschen nicht fähig oder willens, sich diplomatisch auszudrücken. Die Meinung anderer zu respektieren ist für viele nicht Usus. Die Meinungen werden gleichgesetzt mit den Personen, die sie haben, und wenn eine andere Meinung ihre Meinung "angreift", dann empfinden viele das bereits als persönlichen Angriff.

"Warum glaubt der/die mir nicht?"
"Denken die, ich kenn mich nicht aus?"
"ich bin dich nicht blöd, die verstehen mich nicht..."

Auch hier wurden immense Glaubenskriege geführt, da wurde versucht, zwischen "Meinung" und "Wahrheit" zu unterscheiden, und bemängelt, dass heutzutage quasi "jeder I*iot schreiben kann", was er will, sei es nun richtig oder falsch. Früher war offenbar alles besser. Früher wurden die "falschen Meinungen" nicht stehen gelassen, da wurde heftig widersprochen... nun, natürlich haben nicht immer alle wissenschaftlich korrekte Aussagen gemacht, aber ob es da eine höhere Macht geben kann, soll oder muss, die ein "Urteil" fällt, ist fraglich, auch deshalb, weil es meist nicht machbar ist.

Ein Forum, eine Kommentarfunktion, ein Tummelplatz für viele unterschiedliche Charaktere mit ganz verschiedenen Sichtweisen ist nun mal eine Ansammlung gegensätzlicher Meinungen. Es bleibt dem Einzelnen überlassen, sich das rauszuholen, was er gerne mag. Alle Versuche, andere von seiner Meinung zu überzeugen oder zurechtzuweisen sind m.E. absolut sinnlos. Zumindest in den meisten Fällen.

Seit quasi jeder seine Meinung in einem riesigen Kreis von mehr oder minder Unbekannten absondern kann, ist die Welt natürlich eine andere, als vor dem Internet, wo man in kleiner, bekannter Runde am Tisch saß. Es wäre so, als hätte ich früher 150 Unbekannte in meine Wohnung eingeladen und ihnen dann erzählt, ich hielte einen 100mm Refraktor auf einer AZ für das Beste der Welt. Und dann hätte ich mich gewundert, wenn die anderen sagen, das sei der größte Unsinn, den sie je gehört haben, oder dass sie ganz andere Geräte haben, die wesentlich besser seien... etc.

Genauso ist es im Web. Jeder darf sich anderen Meinungen anschließen oder vehement dagegen sein, die Tatsache, dass man nicht immer einen Konsens, also die "Wahrheit" finden kann (oder will!) ist dann halt für viele frustrierend. Ist es auch für mich oft, wenn ich merke, dass die Positionen wie Stellungskrieger eingegraben sind und das Trennende über das Gemeinsame gestellt wird. Aber so ist das halt in einer Wettberwerbsgesellschaft von Individualisten. Die Gemeinschaft ist geschwächt vom Anspruch der Individuen, toll zu sein, und am Besten auch viel toller als andere.

Das Internet bietet hier aber eher Platz für Frustration, weil es in der Regel mehr Gegenspieler gibt, als Freunde. Freunde kann man sich aussuchen, im Web kannst du Dir die Mitleser und Mitredner und ihre Art absolut nicht aussuchen. :coffee:

lg
Niki
 
Zuletzt bearbeitet:

Rainmaker

Mitglied
Hallo,

@Tom,
was da an "tiefschürfenden" Kommentaren von anderen als den Contenterstellern hochgeladen wird meinte ich nicht. Das man da nicht zwingend die Perlen im Internet findet ist mir klar. Ich meinte auch nicht Verstöße gegen die Nutzerrichtlinien von irgendwelchen Plattformen. Die hat man bei der Anmeldung abgenickt und braucht daher sich nachher nicht beschweren, wenn man wegen Verstößen Probleme bekommt.
Mir ging es ausschließlich um das aktive Putzen der Kommentarsektion um "Ausrichtung" zu erzeugen bei der sich der Contentersteller gebauchpinselt fühlt und er seinen Zuschauern vermittelt den einzig richtigen Weg zu kennen. Also ziemlich genau um das Verhalten deines lieben Bekannten.

@Wintergatan,
die Entwicklung zur Empörungs, Political-Correctness und sonst noch was Diskussionskultur, die aus Provokation oder sogar direkten Ausschluss anderer besteht ist ganz sicher nicht selten zu beobachten, aber darum geht es mir hier absolut nicht.

@Demokat,
"Die Gemeinschaft ist geschwächt vom Anspruch der Individuen, toll zu sein, und am Besten auch viel toller als andere." Ich denke das kann man so stehen zu lassen. Viele scheinen eine Art Wettbewerb führen zu wollen um ihr Ego aufzuwerten. Likes und Abonenten scheinen hier die einzige Währung zu sein die zählt. Bei
den Tutorial-Kanälen auf YT scheint mir das besonders auffällig zu sein. Da wird mit heißer Nadel und ohne wirklich den Inhalt verstanden zu haben, der Inhalt anderer Videos zu "eigenem" Content zusammengestrickt und den Abonenten als nicht mal halbgarer Brei vorgesetzt. Wohl bekomms.


MfG

Rainmaker
 
Zuletzt bearbeitet:

maximilian

Mitglied
Hallo!
Habe ich da was Grundsätzliches an den Kommentarsektionen falsch verstanden und sind die heute wirklich nur noch für das Bekräftigen der Meinung des Erstellers der jeweiligen Inhalte gedacht oder haben sich viele Menschen in Schneeflöckchen verwandelt, welche mit relativ harmloser Kritik oder auch nur Anregungen nicht mehr umgehen können.
Auch ich bin kein Socialmediatyp und kann deswegen nichts über Facebook-, Instagram-, und sonstige Kommentare sagen. Auch die Kommentare unter YouTube Videos lese ich, wenn überhaupt, nur um zusätzliche Informationen über das gezeigte Video zu bekommen.

Wo mir aber genau der von Dir geschilderten Sachverhalt auffällt ist auf einem internationalen (Nichtastro-) Fotoforum, in dem ich schon seit etwa 20 Jahren in bescheidenem Umfang aktiv bin. Da hat man früher Bilder gezeigt, mit denen man ziemlich - vielleicht 80 Prozent - zufrieden war und auf Kommentare und Tips gehofft, wie man beim nächstenmal die fehlenden 20 Prozent zu einem perfekten Foto auch noch rausholen kann. In den letzten Jahren werden da leider zunehmend Bilder gezeigt, die ich nach der Aufnahme sofort wieder gelöscht hätte, die aber trotzdem ein Dutzend Antworten in der Art von „Very nice capture Joe, thanks for sharing!“ auslösen. Wehe man macht bei dieser Lobhudelei nicht mit und wagt es, einen gutgemeinten Hinweis zu geben, wie man dieses Bild auf einfache Weise verbessern könnte („beim nächstenmal die Spitze des Eiffelturms einfach mit aufs Foto nehmen“ :p ). Das ruft sofort eine Welle der Empörung bei den übrigen Forennutzern hervor. Also kommentiert man die Bilder halt nicht mehr und wenn das so weiter geht, werde ich das Forum auch nicht mehr besuchen, denn durch den Mangel an jeder Art von Kritik hat die Qualität der gezeigten Bilder inzwischen drastisch nachgelassen. Sowas brauche ich mir dann nicht mehr anschauen, da lerne ich nichts davon.

Grüße
Maximilian
 

Tom310

Mitglied
Ich denke das kann man so stehen zu lassen. Viele scheinen eine Art Wettbewerb führen zu wollen um ihr Ego aufzuwerten. Likes und Abonenten scheinen hier die einzige Währung zu sein die zählt.
Ich glaube was alle aber gemeinsam haben ist, dass es mit Annerkennung in der Gruppe zu tun hat. Dem Gefühl eine "Daseinberechtigung" zu haben, welche durch Likes und Abos bestätigt wird... Die Menschen vereinsamen zunehmend im jungen Alter schon und wenn es keine normalen Gruppendynamiken mehr gibt, bleibt ja nur noch die Annerkennung im Internet zu suchen. Ich hab es teils selbst durchlebt und bei Bekannten gesehen.

Ein äußerst schwieriges Thema find ich.
 

Tom310

Mitglied
Mir ging es ausschließlich um das aktive Putzen der Kommentarsektion um "Ausrichtung" zu erzeugen bei der sich der Contentersteller gebauchpinselt fühlt und er seinen Zuschauern vermittelt den einzig richtigen Weg zu kennen
Ich verstehe, das klingt mir nach einem typischen Verkäufer der seinem Kunden versucht zu zeigen, dass nur sein Produkt ihm hilft weiter zu kommen ;)

Da stimm ich dir zu, dass das ne verbreitete Masche ist.
 

Rainmaker

Mitglied
Hallo

@maximilian,
ich sehe das ähnlich wie du. Eigentlich ist kein Ergebnis so richtig perfekt und man lernt immer durch die Kritik, bzw. die Tipps dazu. Nur lobhudelnde Kommentare, wie der von dir genannte, sorgen für eine deutlich flachere Lernkurve. So einen Shitstorm habe ich vor ein paar Jahre übrigens auch mal abbekommen. Ich hatte es doch glatt gewagt einen deutschen "Foto-Influencer" darauf hinzuweisen, dass es wenig zielführend ist bei der Astrofotografie unterschiedliche Weißabgleiche für Lights, Darks und Bias zu verwenden, besonders da bei Aufnahmen ohne Nachführung und relativ langen Brennweiten ohnehin nicht viel Signal da ist. Man war da was los ... ;) Egal, das Influencertum halte ich ohnehin nicht für sonderlich wichtig. Ich weiß selbst wann und warum ich mir neue Technik hole, bzw. warum ich mit meinen alten Schätzchen immer noch gute Bilder mache.

@Tom,
wenn man sich seine Anerkennung im Netz abholen muss, dann ist glaube ich schon so einiges schief gelaufen. Hier sollte man dann vielleicht doch eher auf analog umstellen und sich im echten Leben ein paar Freunde suchen. Gut, dass ich zu der Gruppe der alten weißen Cis-Männchen zähle, für die war das früher gelebte Realität. ;) Das hat sogar so gut funktioniert, dass wir inzwischen jahrzehntelange echte Freundschaften pflegen, jenseits von Likes und Abos.

In dieser Hinsicht ist ein Forum wie dieses oder auch das Blaue eine tolle Sache. Gegenüber dem restlichen Netz ist es ein ziemlicher Ponyhof und man trifft zumindest einen Teil der hier organisierten Leute auch auf den Teleskoptreffen.


MfG

Rainmaker
 

Tom310

Mitglied
Gut, dass ich zu der Gruppe der alten weißen Cis-Männchen zähle, für die war das früher gelebte Realität. ;) Das hat sogar so gut funktioniert, dass wir inzwischen jahrzehntelange echte Freundschaften pflegen, jenseits von Likes und Abos.
Hehe, für mich war das bis ich 20 wurde auch alles noch gelebte Realität :D Das Internet hat meiner Generation viel gegeben und genommen finde ich. Ich fand es auch gut, dass ich mit dem internet erst mit 16-17 so richtig in Berührung kam. Ich sehe was viele 8-10 Jährige damit anstellen... (besagte Kommentare zB;))
Ich bin mittlerweile bei 30 angekommen und die Kinderfrage steht bald im Raum. Da stelle ich mir auch vor, wie kann ich mein Kind auf solche Dinge wie das Internet vorbereiten? Wenn andere Kinder mit dem internet schon früh in Berührung kommen und diese Kultur wie du sie angesprochen hast zu ihrer Realität werden. Da war es früher etwas einfacher find ich.
 

maximilian

Mitglied
Hallo!
Da stelle ich mir auch vor, wie kann ich mein Kind auf solche Dinge wie das Internet vorbereiten? Wenn andere Kinder mit dem internet schon früh in Berührung kommen und diese Kultur wie du sie angesprochen hast zu ihrer Realität werden. Da war es früher etwas einfacher find ich.
Wir haben versucht, unserem Sohn ganz generell eine kritische Haltung gegenüber allem, was man im Internet sieht, liest und hört zu vermitteln. Z.B. habe ich ihm, wenn wir zusammen in einer Pizzeria waren, die Bewertungen dazu im Internet gezeigt. Von Null Sternen bis fünf Sterne war immer alles dabei. „Mach Dir Dein eigenes Bild“ und glaube, wenn überhaupt, nur einer kleinen Gruppe von Menschen (oder Bots?), die in etwa Deine Ansicht teilen. Dasselbe mit Produkt- und Spieletests aus dem Internet, die wir aus eigener Anschauung kennen. Da wird jedem sofort klar, was von Meinungen aus dem Internet zu halten ist. Auch Kindern.

Grüße
Maximilian
 

frasax

Mitglied
Hallo,

Als YouTube Konsument aber auch schaffender kann ich vielleicht etwas aus der Sicht des Content Creators sagen. Es gibt kritische Kommentare und man muss damit umgehen können, ansonsten wird man die Lust an YT schnell verlieren. Wie immer im Leben ist es aber eine Frage davon wie man es sagt. Es gibt [zensiert]en, es gibt sachliche Kritik, es gibt Leute die liken und loben alles was man sagt und andere die disliken alles was man sagt. Thats Life.
Ich halte es so: Wer sich nicht benimmt fliegt raus, ganz einfach. Einen gewißen Umgangston akzeptiere ich einfach nicht und dann mache ich von der Möglichkeit gebrauch solche Kommentare zu entfernen. Ist zwei mal in zwei Jahren vorgekommen. Manche Leute meinen die Kommentarfunktion unter einem Beitrag (ganz schlimm auf den Nachrichten Seiten) berechtigt sie automatisch dazu ihren Senf dazu zu geben. Das oftmals ohne jegliches Benehmen.
Etwas anderes ist es wenn jemand sachlich am Inhalt etwas zu kritisieren hat. Da es im Internet sehr selten eine Kontrollinstanz gibt, muss man damit verantwortungsvoll umgehen. Darum sind Kommentarzeilen oder auch solche Foren hier wichtig, um nicht im eigenen Saft zu schmoren. Auch wenn das manchmal anstrengend ist. Letztendlich ist auch ein gepflegter Streit wichtig für den Erkenntnisgewinn. Nur wie gesagt, der Ton macht da die Musik.
Was ich respektlos finde ist wenn z.B. andere YouTuber die Kommentarfunktion nutzen um ihre eigenen Videos zu promoten. Kam auch erst einmal vor, habe ich stehen lassen, weil es nun vielleicht doch dem ein oder anderen hilft. In Zukunft werde ich das aber zumindest "kritisch" prüfen. Macht YouTube allerdings auch selber schon, denn Links in Kommentaren mag YouTube nicht sowie gewissen Keywords. So passiert es ab und an auch mal, dass ein Kommentar schlicht und einfach vom YT Algorithmus gar nicht erst zugelassen wird. Das kommt leider häufiger vor und das ist nicht der Betreiber des Kanals schuld.
Dann gibt es noch Kommentare die zwar vom Ton her OK sind, aber inhaltlich [zensiert]isch. Man merkt schnell ob jemand sachlich Kritik loswerden möchte oder einfach nur von Neid oder Missgunst getrieben ist. Solche Kommentare lass ich immer unkommentiert stehen, da sie für sich selber sprechen :)

YouTube oder andere Social Media Plattformen dienen der Unterhaltung und sind keine Staatsbibliothek. Wer sich fundiert zu einem Thema informieren will, der greift auch heute noch zum Buch oder einem Seminar eines Fachautors. Dort kann man zumindest in einem gewißen Rahmen davon ausgehen, dass sich der Vortragende in irgendeiner Form eine Reputation erarbeitet hat, die ihn dazu berechtigt zu referieren. Und ein Lektorat gibt es dort auch. Ich habe allerdings auch in Büchern schon sachlich falsche Dinge gelesen.

Selbstdarstellung in sozialen Medien ist sicherlich ein Thema heutzutage. Dennoch kann man nicht jeden Content Creator deswegen unter Generalverdacht stellen. Es liegt in der Natur des Menschen für das, was man geschaffen hat eine (möglichst positive) Rückmeldung zu bekommen. Ich habe zwar selber keine Kinder, aber sehe das Verhalten bei den Kindern meiner Freunde. Wenn der/die kleine ein Bild gemacht hat "liked" man es besser und sei es noch so hässlich. Aus irgendeinem Grund scheint also Bestätigung eine wichtige Funktion in der gesunden Entwicklung eines Menschen zu sein. Der liebe Herr Freud wusste davon schon zu sprechen. Was uns Erwachsene von Kindern unterscheidet ist nicht, dass wir diesen Drang unterdrücken sondern lediglich in "erwachsenem" Maße damit umgehen. Das geht wohl hier und da schief, das kann man kaum abstreiten. (Übrigens ist jeder analoge Freundeskreis, jeder Verein mit echten sozialen Kontakten ebenso eine wahre Fundgrube für die bizarrsten Auswüchse menschlichen Verhaltens. Jeder der mal in einem Dorf Musik-, Schützen-, Taubensport oder Modellflugverein war, kann davon ein Liedchen singen. Mir ist jeder Internet Nerd lieber, als der erste Vorsitzende des Ortsvereins).

Wenn ich mir was wünschen dürfte dann, dass Kritik an Ort und Stelle betrieben wird und Ross und Reiter genannt werden. Dann hat der Creator zumindest die Chance angemessen zu reagieren. Wenn er sich dann [zensiert]isch verhält, ist das dann eben so. Oft liest man etwas und muss raten wer denn nun gemeint ist. Hier ja auch. Ich habe zum Beispiel mein erstes Benjamin Jaworsky Video ca. 2015 gesehen. Nachdem er in der ersten MInute schon einmal gerülpts hatte, und im weiteren Verlauf ziemlichen Unsinn über die Milchstraßenfotografie verzapft hat, habe ich mir keine weiteren Videos von ihm angeschaut. Auch das geht, einfach ignorieren :) Kann man in YouTube auch einstellen: Keine weiteren Videos dieses Kanals vorschlagen. Habe ich mehrfach Gebrauch von gemacht.

CS Frank
 

Demokrat

Aktives Mitglied
Selbstdarstellung in sozialen Medien ist sicherlich ein Thema heutzutage.
Nun, ich denke, es ist einer der Hauptpunkte neben der Bildung einer "Clique". Ob man in einem Harley-Chapter, einem Verein für die Himmelsbeobachtung oder einer Band mitmacht: es ist immer beides, das Dabeisein in einer Gruppe und das individuelle Hervorstechen wollen innerhalb dieser Gruppe und nach außen.

Dein YT Kanal ist z.B. genauso Deine "Bühne", wie auch in der Musik, wo Du beim Spielen "oben" stehst. Und ich erinnere mich an eine kurze Diskussion zwischen uns, betreffend "nicht einfach ungefragt mit hinaufzusteigen", wenn (und weil) es DEINE Bühne ist. Dieses Gefühl kenne ich selbst gut - solange jemand jedoch nicht mitten unter dem Gig einer fremden Band hinaufspringt und mitspielt, sonder NACHHER etwas von sich gibt, ist es aber schon tragbar, denke ich. Andere holen manchmal auch ganz bewusst und zur Freude der Betroffenen Leute aus dem Publikum auf die Bühne und teilen mit ihnen das Scheinwerferlicht und das Gefühl, toll zu sein. Da sind die Leute also unterschiedlich. Ich denke auch, mittlerweile hast Du Deine Bühne sehr wohl verbreitert und vertieft und: ja, es muss nicht ein Dauersolo sein, das oben gespielt wird. Man bindet also die Gemeinschaft immer wieder mal mit ein. Sonst wird sie zum Fanclub degradiert.

Würde nachher keiner klatschen, würdest Du - wie auch alle anderen - das sicher nicht bis in die Ewigkeit fortsetzen. Andererseits soll es also zwar immer DEINE Bühne bleiben - und wie im echten Leben gibt es nicht nur Fans, sondern auch Kritiker, und manchmal wird sogar laut gepfiffen. Im Web geht das so schön anonym... :cool:

Content zu machen ist also sicher nicht einfach. Fachlich sollte es stimmen, und unterhaltsam und verständlich sollte es sein - noch dazu soll die Qualität stimmen. Licht, Ton, Duktus, Frisur, Regie... alles in einer Person? Also eine Herausforderung...

Was ich respektlos finde ist wenn z.B. andere YouTuber die Kommentarfunktion nutzen um ihre eigenen Videos zu promoten.
Das nennt man wohl "Marktwirtschaft" - im Revier des Konkurrenzhändlers nach Kunden zu fischen... "Mein Teleskop/XY/Video/... ist besser, gucks Dir doch mal an". Ich denke, das gehört zum Disput. Das sollte man aushalten.

Dann gibt es noch Kommentare die zwar vom Ton her OK sind, aber inhaltlich [zensiert]isch. Man merkt schnell ob jemand sachlich Kritik loswerden möchte oder einfach nur von Neid oder Missgunst getrieben ist. Solche Kommentare lass ich immer unkommentiert stehen, da sie für sich selber sprechen :)
Ja, das wird m.E. auch immer so bleiben. Da im Web bewegen sich alle in einem mehr oder minder offenen Raum, in dem jeder selbsternannter Sheriff ist und seine eigenen Gesetze machen darf, solange er nicht rausfliegt... :coffee:

lg
Niki
 

maximilian

Mitglied
Hallo!
... kann ich vielleicht etwas aus der Sicht des Content Creators sagen.
Danke für die ausführlichen Einsichten.

YouTube oder andere Social Media Plattformen dienen der Unterhaltung und sind keine Staatsbibliothek. Wer sich fundiert zu einem Thema informieren will, der greift auch heute noch zum Buch oder einem Seminar eines Fachautors.
Das würde ich jetzt so nicht sagen. Ich habe schon viele nützliche Anleitungen und Tips für Reparaturen am Auto, im Haushalt und von elektronisches Geräten bei YouTube (und auch Seiten wie iFixit.com) gefunden und befolgt. Die schaue ich mir nicht zur Unterhaltung an, sondern weil sie mir weiterhelfen. Allgemein zugängliche Bücher gibt es zu diesen Themen meist nicht. Manchmal ist aber auch hanebüchener Unsinn dabei, man sollte auch hierbei das Gehirn nicht ausschalten. Die Kommentare liest man aber besser in keinem Fall, nicht die zu den guten Anleitungen und die zu den schlechten auch nicht. Pure Zeitverschwendung.

Auch habe ich schon an einigen, teilweise sogar kostenpflichtigen, Onlinekursen auf YouTube zur Videobearbeitung teilgenommen. Dafür hätte es vielleicht auch ein Buch oder Bücher gegeben, der Onlinekurs war aber preiswerter und vor allem deutlich zeitsparender für mich.

Aus irgendeinem Grund scheint also Bestätigung eine wichtige Funktion in der gesunden Entwicklung eines Menschen zu sein. Der liebe Herr Freud wusste davon schon zu sprechen. Was uns Erwachsene von Kindern unterscheidet ist nicht, dass wir diesen Drang unterdrücken sondern lediglich in "erwachsenem" Maße damit umgehen.
Das heisst „positive Verstärkung“ und sollte eigentlich die Basis jeder Erziehung und Ausbildung (auch im Erwachsenenalter) sein. Sie funktioniert aber nur, wenn parallel dazu auch die Fähigkeit Selbsterkenntnis und Selbskritik angelegt wird. Ich darf meinem Flugschüler auf keinen Fall sagen (in diesem Stil bin ich selbst noch ausgebildet worden...): „Das war gerade die schlimmste Landung, die ich je erlebt habe, und ich bin froh, noch am Leben zu sein“, sondern ich muss ihm sagen: „Heute hat bei der Navigation alles perfekt funktioniert, aber an den Landungen müssen wir noch ein bisschen Feilen - oder wast meinst Du?“. Sage ich aber: „Das war heute ein perfekter Flug, mach einfach so weiter!“ dann wird er es nie lernen, genauso wie aus dem Kind kein Künstler wird, das für hässliche Krakeleien nur gelobt wird. Es kommt auf die ausgewogene Mischung an wie überall im Leben.

Grüße
Maximilian
 

frasax

Mitglied
solange jemand jedoch nicht mitten unter dem Gig einer fremden Band hinaufspringt und mitspielt, sonder NACHHER etwas von sich gibt, ist es aber schon tragbar, denke ich.

Hallo Nikki,
ich wollte nicht erneut die Musik als beispiel Bemühen, aber da du das Beispiel hervorbringst. Es ist letztendlich eine Frage des Respekts. Wenn eine Band spielt und du stellst dich ungefragt dazu, wird das kein Mensch auf der Welt toll finden. Wenn man sich kennt und man wird auf die Bühne gebeten, ist das was ganz anderes, und dann geht man nach einer Nummer auch brav wieder runter :)
Unter Musikern gibt es übrigens auch wieder solche und solche. Die extrovertierten Gockel und die stillen. Einer meiner besten Kollegen und Freunde ist so ein ganz ruhiger und bescheidener. Dennoch stellt er sich auf die Bretter und "erhebt" sich über ein Publikum. Das ist eben nicht gleich Selbstdarstellung. Für viele ist das letztendlich ein Job. Ich stehe auf der Bühne seit dem ich 2 Jahre alt bin. Für mich ist das die zweite Natur sich auf die Apfelsinenkiste zu stellen und anderen was zu erzählen oder vor zu spielen.


Ich denke, das gehört zum Disput. Das sollte man aushalten.

Das kann man so oder so sehen. Mir gefällt es nicht, ich würde es auch nicht tun.

CS Frank
 

frasax

Mitglied
Das würde ich jetzt so nicht sagen. Ich habe schon viele nützliche Anleitungen und Tips für Reparaturen am Auto, im Haushalt und von elektronisches Geräten bei YouTube (und auch Seiten wie iFixit.com) gefunden und befolgt.

Hi Maximilian,

natürlich, das mache ich ja auch. Und ich liebe es! Im Moment sauge ich alles zum Thema Thermik auf :) Aber die Tatsache dass es dort sowas gibt heißt nicht, dass man es dann auch immer erwarten kann. Der frühere Slogan von YouTube war "Broadcast yourself". Da kann auch einer auf seinen Zehen pfeifen oder ein Brot beim schimmeln filmen. Es gibt da keine Regeln. Ich liebe YouTube für eben genau diese von dir genannten Tutorials, und genau so sehe ich auch meinen eigenen Content.

genauso wie aus dem Kind kein Künstler wird, das für hässliche Krakeleien nur gelobt wird. Es kommt auf die ausgewogene Mischung an wie überall im Leben.
Ja, das ist die Quintessenz. Aber genau das vermisse ich eben in vielen Kommentarspalten. Und das wird aus meiner Sicht der Überschrift gerecht: Das ist leider die neue Diskussionkultur im Netz. Daran sind aber weniger die Content Ersteller schuld.

CS Frank
 

Cpt.Boiler

Mitglied
Nachdem er in der ersten MInute schon einmal gerülpts hatte, und im weiteren
Der rülpsende Astrofotograf ... das allein wäre ja schon ein Grund, die Videos zu schauen. Nicht, um was über die Astrofotografie zu lernen, sondern des Unterhaltungseffekts wegen :)

Übrigens habe ich auch das vage Gefühl, dass in Foren vieles eher etwas weichgespült und auf Konsens getrimmt wird, und kritische oder abweichende Meinungen zunehmend entweder nicht "goutiert" werden, sofort heftige Gegenwehr hervorufen oder im Extremfall sogar unterbunden werden. Das jegliche Verunglimpfung, Hass etc. sofort energisch unterbunden werden müssen, steht ausser Frage, aber in solchen Foren, wo dergleichen grassiert, bin ich ohnehin nicht unterwegs. Wenn aber hier etwa jemand 'was postet , was irgendwie nicht ganz stimmig ist, und ein anderer dann schreibt 'so'n Quatsch ', nur so als Beispiel, dann wäre das für mich noch kein Grund zur Aufregung. Mir sind oft ehrliche Worte geradeheraus lieber als zuviel Geschwurbel. Man sollte etwas gelassener bleiben, und das Ganze nicht allzu ernst nehmen. Das gilt in beide Richtungen. Weder ist jedes Lob immer wirklich fundiert, noch ist jede mal etwas ruppig geäusserte Kritik gleich eine persönliche Beleidigung.
-cb
 

Michael_Haardt

Mitglied
@Rainmaker Mit der Beobachtung stehst Du nicht alleine da, wobei die Eskalation in beide Richtungen geht: Es gibt immer mehr Beleidigungen und immer mehr Haß, aber auch immer mehr Moderatoren/Foreneigner, die erheblich über das Ziel hinaus schießen und sich ihre heile Welt erschaffen. Was Letzteres angeht, so habe ich mich dieses Jahr auch hier schon deutlich geärgert, beschloss aber vorerst hier zu bleiben.

Diese Entwicklung in Foren ist nicht verwunderlich, denn wo sind die ethischen Vorbilder? Politiker jeder Farbe lügen, wo auch immer es einen Vorteil bringt. Die Verfolgung von Whistleblowern, die z.B. Kriegsverbrechen aufdeckten, spricht Bände, wie beliebt die Wahrheit ist. Die Kirche taucht in den Medien primär durch die Weigerung Geschäftsbücher zu führen, was sich kein e.V. erlauben könnte, oder durch das Wegducken bei der Aufklärung von Missbrauch auf. In den meisten Ländern der Welt ist das Vermögen jedes Jahr politisch gewollt ungleicher verteilt. Niemand ist gerne Opfer und darum entlädt sich der Druck immer häufiger in spontaner öffentlicher Gewalt.

Man kann nun diskutieren, was Ursache und Wirkung ist, oder ob hinter allem eine gemeinsame Entwicklung steckt.

Es gibt die Ansicht, dass Gewaltfreie Kommunikation – Wikipedia vorteilhaft ist. Nun bevorzuge ich auch eine eher gradlinige Kommunikation, kann mich der Argumentation aber nicht verschließen. Unethisches Verhalten wird dadurch aber nicht besser.

Michael
 

Wintergatan

Mitglied
Aggression ist menschlich und vollkommen ok. Im Eifer kommt ein unüberlegter Satz schnell herüber, und das obwohl schriftlich man doch so viel Zeit für Korrektur hätte. Ich würde es begrüßen wenn sich mehr Menschen bewusst sind warum sich sich auf eine bestimmte Weise fühlen; warum sie meinen einen härteren Ton wählen zu müssen. Dann nochmal darüber nachzudenken und sich gewahr zu sein was im eigenen Kopf passiert, dürfte manchen Konflikt im Keim ersticken.
Habe großen Respekt vor Menschen die es schaffen sich zu entschuldigen; zugeben können dass sie auf dem Holzweg waren, dankbar sind wenn sie etwas aus einer Diskussion lernen konnten. Es tut doch nicht weh einen Fehler einzugestehen. Den Anschein erwecken zu wollen dass man zu hundert Prozent unfehlbar sei, ist doch schlicht unglaubwürdig.
 

Demokrat

Aktives Mitglied
Aggression ist menschlich und vollkommen ok. Im Eifer kommt ein unüberlegter Satz schnell herüber, und das obwohl schriftlich man doch so viel Zeit für Korrektur hätte.
Nun, nein. :)
Aggression ist bereits eine Eskalationsstufe von Wut, Angst oder Frustration, es ist schon das Ausleben und der geführte Angriff auf andere. Und das ist nicht ok. Aber Du meintest das nicht so eng und definitionsgemäß, wenn man weiterliest...

Ich würde es begrüßen wenn sich mehr Menschen bewusst sind warum sich sich auf eine bestimmte Weise fühlen; warum sie meinen einen härteren Ton wählen zu müssen.
Das ist der Punkt.
Irgendwie gibt es in jeder Kommunikation und jedem Forum oder Kommentarbereich diejenigen, die gut gelernt haben, ein Mann zu sein. Im TV sind Morde, Folter, Krieg, Gerissenheit und Glorifizierung des Stärkeren seit einigen Jahrzehnten die besten Lehrmeister einer gewaltbereiten Normalität. Videospiele über das Töten konditionieren künftige Soldaten (für die wurden die übrigens einst entwickelt), und der Starke ist dem Schwachen letztlich immer überlegen, egal wie das Verhältnis der IQ's zueinander auch stehen mag. Ein Schlag mit der Keule ist tödlicher als geistige Größe und Bildung oder Moral.

Manchmal fühlt man sich tatsächlich in einem Feld aus Wahn, niemals aufzugeben (ein fast amerikanisches Credo), niemals nachzugeben, und keine Beleidigung hinzunehmen, denn das zeugt von unendlicher Schwäche. Hatten wir in der Schule oder beim Militär denn eine psychotherapeutische Ausbildung? Nein. Eine zum Moderator oder zur Moderatorin? Nein. Sind wir Psychologen? Nein.

Und dann darf sie heraus, die alte Meinung: hey Jungs, seid verdammt noch mal nicht so empfindlich. Wir sind MÄNNER, wir sage unsere Meinung gerade heraus, die ganze Weicheierei kot*t uns ja direkt an, alles wollen die heute mit Samthandschuhen agefasst bekommen, echt ekelhaft.

Das klingt für mich immer wie im Film... "Wir sind Marines".
Wir sind Soldaten.
Und Indianer, die keinen Schmerz kennen.
Und wir verbitten uns Wut und Intoleranz.
Denn da endet unsere eigene... Toleranz.

Also gestatten wir uns die schnell dahingesagte Beleidigung, das scharfe Wort, weil wir es eilig hatten, unsere Meinung zu sagen. Und unsere Zurechtweisungen, weil wir uns ja nur wehren gegen Angriffe. Wir selbst sind und waren doch nie der Feind... wir waren es, die stets angegriffen wurden. Da gab es auch hier die User, die sagten: "ich brauche keinen Moderator, wenn mir jemand blöde kommt, dann regle ich das schon selbst."

Genau. Keine Polizei. Gebt mir die Kanone. Ich mach das selbst.
Nennen wir das: falsch verstandene Eigenverantwortung.

Deshalb sollte die gesamte Gemeinschaft auch immer wieder die Moderation ihrer Mitglieder übernehmen. Früher hieß es: "Ich hol mir jetzt Chips, weil X und Y streiten wieder voll, geil." Ich sagte dazu: eigentlich sind wir hier nicht im Kolosseum. Das ist ein Missbrauch, und wenn wir das nicht selbst geregelt bekommen, brauchen wir die Moderation.

Es ist also vielschichtig.
Was wir (wie immer wieder mal zu lesen ist) nicht tun sollten: uns vorher schon verzeihen, dass wir manchmal jemandem so richtig fest und direkt einschenken, weil wir es achselzuckend doch nur als "ehrlich" und "männlich" bezeichnen. Mir fehlten und fehlen hier wirklich manchmal ein paar mehr weibliche Autorinnen, die - ganz wie beim Militär - ein wenig Mäßigung in die Köpfe der ach so lobenswert direkten Herren fließen lassen.

Doch ist das Klima hier tatsächlich mittlerweile recht gut geworden, finde ich. :coffee:
Dank allen, die sich darum bemühen.

lg
Niki
 

Cpt.Boiler

Mitglied
Nun, da wird m.E. einiges vermischt, was in Folge zu Missverständnisse führen kann. Direktheit und Ehrlichkeit ist etwas anderes als übertriebene Härte, egal ob in männlicher oder weiblicher Form zur Schau getragen. Wer Kommunikation betreibt, begibt sich in einen Austausch mit anderen, und kann dabei nicht seine eigenen Masstäbe als Richtschnur verbindlich für alle fordern, egal ob sie (zu) 'hart' oder (zu) 'weich' sind.
Insofern weist die Frage des TO auf einen zentralen Punkt hin, nämlich, dass die Frage der 'Richtschnur', oder eben der Kommunikationskultur, eine Veränderliche ist, auf die sich alle Beteiligten -oft ohne diesen Prozess so genau selbst zu bemerken - zu jeder Zeit immer wieder neu einigen. Oder auch nicht, wenn man mit dem, was neue Mehrheiten wie auch immer etablieren, selbst nicht oder nur schwer klar kommt. Und in seltensten Fällen findet ja wirklich eine alle gleichermassen berücksichtigende Einigung statt. Es gibt immer welche, die mehr oder weniger Einfluss auf diesem Prozess haben. Menschen haben vor 100 Jahren anders miteinander kommuniziert als heute, und jetzt, im Zuge der immer stärker online, also mittelbar, stattfindenen Kommunikation über das Internet, ändert sich natürgemäss die Kommunikationskultur auch entsprechend. Ob man das jetzt persönlich immer gut findet, oder -ja, auch altersbedingt durch andere Gewohnheiten von früher -noch mitmachen kann , oder will, ist nochmal ein anderes Thema.
-cb

PS: @Michael_Haardt Der Wikipedia Link ist interessant, und eine gute Anregung, auch wenn die Methode m.E. durchaus Schwächen hat. Das Beispiel mit der WG-Küche ist gut, und erinnert mich an früher. Wir haben im Studentenwohnheim immer jenen, die ihr Geraffel in der Küche zu lange herumliegen liessen, selbiges vor ihre Zimmertür gestellt. Das war gewaltfreie, nonverbale und direkte Kommunikation. :) Und hat funktioniert.:) :)
 

Ehemaliger Benutzer [10953]

Ich glaube viele von uns haben verlernt mit Kritik umzugehen.
Dr. Google versucht uns rund um die Uhr in einer Wohlfühlblase aus personalisierter Werbung, personalisierten News, vorgeschlagenen Filmen, vorgeschlagenen Websites und Suchbegriffen usw. einzulullen. Wagt es nun jemand von außerhalb nicht der eigenen Meinung zu sein und unsere Blase zu besudeln, spielen wir die beleidigte Leberwurst, antworten patzig oder rufen die Moderatoren an.
Die Non Verbale Kommunikation (unter anderem Mimik, Tonfall,...) fehlt in einem Internetforum zur Gänze. Da hilft meiner Meinung nach auch kein" ;)" zur Relativierung. Daher kann auch berechtigte und wohlwollende Kritik missverstanden werden.
Die unterschiedliche Auffassung von "political correctness" tut ihr übriges um eine gesunde Kommunikationskultur auszuhebeln.

LG *entfernt*
 

maximilian

Mitglied
Hallo!
Nun, da wird m.E. einiges vermischt, was in Folge zu Missverständnisse führen kann. Direktheit und Ehrlichkeit ist etwas anderes als übertriebene Härte, ...
Das Problem ist dabei, dass es im Auge des Betrachters liegt, wie eine Aussage empfunden wird. Was für mich gut gemeinte, milde Kritik ist, kann einen Waldorfschüler (nur ein Beispiel, ich meine damit keinen persönlich...) in eine tiefe Sinnkrise stürzen und bei einen Japaner zu öffentlichem Gesichtsverlust und anschliessedem Seppuku führen. Krass ausgedrückt. Wenn wir jetzt nur noch so miteinander kommunizieren, dass auch wirklich niemand sich auch nur indirekt angegriffen fühlen kann (dabei natürlich das*die*der Gender-Sternchen*innen nicht vergessen!) dann wird die Unterhaltung ziemlich oberflächlich.

Vielleicht sollten wir bewusst auf diesen Weichspülgang verzichten und lieber wieder eine Kultur der Dickfelligkeit fördern, in der man auch seine (individuelle) Wahrheit auf (individuelle) Weise formulieren darf. Ohne dass man deswegen mit einer Sperre oder Rüge rechnen muss oder der mit der (fremden) Wahrheit Konfrontierte gleich weinend von einer Brücke springt.

Grüße
Maximilian
 

Demokrat

Aktives Mitglied
Wenn wir jetzt nur noch so miteinander kommunizieren, dass auch wirklich niemand sich auch nur indirekt angegriffen fühlen kann (dabei natürlich das*die*der Gender-Sternchen*innen nicht vergessen!) dann wird die Unterhaltung ziemlich oberflächlich.
Also ich finde alle Posts, in denen sich "wirklich niemand angegriffen fühlt" als überhaupt nicht oberflächlich, die überwiegende Anzahl an Beiträgen ist ja sachbezogen und kommt exzellent ohne persönliche Angriffe aus.

Vielleicht sollten wir bewusst auf diesen Weichspülgang verzichten und lieber wieder eine Kultur der Dickfelligkeit fördern, in der man auch seine (individuelle) Wahrheit auf (individuelle) Weise formulieren darf.
Wir sollen uns in Foren "abhärten" und ein dickes Fell anzüchten, damit wir einander besser ins Gesicht spucken dürfen? Und die "individuelle Wahrheit auf individuelle Weise" formulieren? Also Du empfiehlst tatsächlich eine Art Freibrief, wieder mehr verbale Ellbogen einsetzen zu dürfen, ohne Rücksicht auf die Sensibilität anderer User, und ja, nach genau denen müssten und sollten wir uns sehr wohl richten...

Wollen wir uns wirklich nach den "Stärksten" einer Gesellschaft richten, und was die aushalten, sollen sich die Empathen und empfindlichere Seelen hier antrainieren oder das Forum gefälligst verlassen? *Kopfschüttel*

Es gibt Dinge, die verstehe ich ehrlich gesagt absolut nicht... wenn der Dickfellige der Maßstab sein soll, dann sperren wir auch gleich die Krankenhäuser zu, denn der Maßstab wäre dann der Gesunde, nicht der Bedürftige, nach dem sich Aufnahme und Behandlung orientiert.

Ich verstehe nicht, warum Leute nicht immer und überall (wie sowieso meistens) respektvoll miteinander umgehen sollen, nur damit ein Paar rauhere Gesellen sich hier ungehindert und ohne von der Moderation etwas zu befürchten zu haben "ausformulieren" dürfen? Das wäre so, als würden wir in der Stadt die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht mehr kontrollieren oder die Polizei abschaffen, damit ein paar Raser sich ungestraft und rücksichtslos ausleben können...

lg
Niki

lg
Niki
 

maximilian

Mitglied
Hallo!
Also ich finde alle Posts, in denen sich "wirklich niemand angegriffen fühlt" als überhaupt nicht oberflächlich, die überwiegende Anzahl an Beiträgen ist ja sachbezogen und kommt exzellent ohne persönliche Angriffe aus.
Es kann keine Postings geben, bei denen sich niemand angegriffen fühlt. Selbst wenn ich ihn gar nicht gemeint habe, kann sich dieser eine angesprochen fühlen. Wenn ich hier schreibe (was ich schon getan habe), dass ich Dobson-montierte Newton-Fernrohre nicht mag und sie niemals einem Anfänger empfehlen würde, dann kann ich ich das in süßlich säuselndem Tonfall machen und trotzdem wird sich der eine oder andere Dobson-Fan persönlich angesprochen fühlen und seinen Unmut darüber kundtun. Been there, done it.

Wir sollen uns in Foren "abhärten" und ein dickes Fell anzüchten, damit wir einander besser ins Gesicht spucken dürfen?
Das habe ich weder geschrieben noch gemeint und das weißt Du ganz genau, weswegen ich Dein Geschreibe nicht nachvollziehen kann. Aber ich muss auf einem Astronomieforum einfach meine Meinung zu Dobson-Teleskopen (finde ich doof) und Goto-Montierungen (finde ich toll) offen sagen dürfen, und das obwohl ich weiß, dass etwa 50% der Astronomiekollegen genau der gegenteiligen Meinung sind und meine Meiunug mißbilligen werden. Und umgekehrt. Das dicke Fell brauchen wir dafür, um nicht jeden Angriff auf eine Sache als Angriff auf die Person zu erkennen. Ich muß schreiben können: „Dieses Foto von Dir gefällt mir gar nicht, weil...“ ohne dass der Fotograf den Satz liest als: „Du bist ein schlechter Fotograf“. Dafür braucht man aber ein wenig Abstand von der Sache und genau für diesen Abstand sorgt ein dickes Fell.

Grüße
Maximilian
 

Cpt.Boiler

Mitglied
hmm, ich meine, die Diskussion wird hier grad von einer Seite etwas unsachlich geführt. Ich weiss, ich wiederhole mich, aber es geht überhaupt nicht um Härte, anderen ins Gesicht zu spucken oder ihnen eins auf die Mütze zu geben, sondern um ehrlich und eben auch direkt bzw. klar geäusserte subjektive Meinung, und, zudem, da wir uns ja in einem Metier bewegen, was von sehr exakten Naturgesetzen bestimmt wird, auch um objektive Fakten und Fake, und beides eben auch entsprechend zu benennen.

Und ich sehe aktuell schon einen -m.E. gefährlichen - Trend, Aspekte zunehmend aus Einzelperspektiven und Einzelbefindlichkeiten zu betrachten, und zwar nicht nur in der Kommunikation, sondern auch in gesellschaftlichen und politischen Themen. Welche ich z.B. meine, erwähne ich lieber nicht, sonst würde mir wahrscheinlich lebenslängliches a.de Hausverbot drohen (soviel zu meinem Beitrag in Sachen Unsachlichkeit :) )

Aber die Fokussierung auf Einzelbefindlichkeiten und deren Priorisierung als Richtschnur allgemeinen Handels führt unweigerich in eine Sackgasse, denn sie geht zwangläufig zu Lasten der Allgemeinheit. Und Kommunikation würde im Extremfall nicht nur, wie oben schonmal geschrieben, oberflächlich, sondern schlichtweg ganz unmöglich.
 

Demokrat

Aktives Mitglied
Das dicke Fell brauchen wir dafür, um nicht jeden Angriff auf eine Sache als Angriff auf die Person zu erkennen.
Dafür brauchen wir eher Intelligenz und Lebenserfahrung... ein dickes Fell braucht man ja eher um Angriffe halbwegs zu ertragen, wenn sie schon stattfinden.

Ich muß schreiben können: „Dieses Foto von Dir gefällt mir gar nicht, weil...“ ohne dass der Fotograf den Satz liest als: „Du bist ein schlechter Fotograf“.
Nun, bereits die KindergärnerInnen lernen, zuerst eher mal zu Loben und dann Verbesserungsvorschläge zu machen, das knallt dann nicht so vor den Latz. Die Psychotherapeuten agieren im Zweifelsfall ähnlich, die Paartherapeuten fordern ebenfalls sanften Umgang bei Kritik. Trotzdem werden die meisten eine Kritik am Werk als Kritik am Erschaffer sehen. Ich sage auch selten: Ein toller Maler, nur dieses Bild ist G*cke. Vieles bleibt Geschmacksache, auch hier, wenn ich mir die vielen knallbunten Deep-Skys angucke, vor denen dann alle auf die Knie fallen...

Ich meine auch nicht eine gut vorgebrachte und mit Anerkennung verknüpfte Kritik sei schlecht, ich meine, ein herablassender oder barscher Ton muss nicht sein.

sondern um ehrlich und eben auch direkt bzw. klar geäusserte subjektive Meinung, und, zudem, da wir uns ja in einem Metier bewegen, was von sehr exakten Naturgesetzen bestimmt wird, auch um objektive Fakten und Fake, und beides eben auch entsprechend zu benennen.
Ohne Beispiele ist das recht allgemein. Ich behaupte mal, das geht so gar nicht, wenn ich zB einen knallroten M42 sehe, dann geht es NICHT um Fakten oder Physik, sondern um (wie Grafiker sagen) die Anmutung. Und um viele andere Aspekte. So frei von Subjektiviät, Vorlieben und Geschmack sind wir da zB nicht.

Einzelbefindlichkeiten und deren Priorisierung als Richtschnur allgemeinen Handels führt unweigerich in eine Sackgasse, denn sie geht zwangläufig zu Lasten der Allgemeinheit.
Jede Gemeinschaft besteht ausschließlich aus einer Menge von "Einzelbefindlichkeiten"... es kann also nicht "zu Lasten sich selbst" gehen, wenn man Rücksicht aufeinander nimmt? (Verstehe offenbar den Satz nicht wirklich - wie möchtest Du das umsetzen?)

lg
Niki
 

maximilian

Mitglied
Hallo!
Nun, bereits die KindergärnerInnen lernen, zuerst eher mal zu Loben und dann Verbesserungsvorschläge zu machen, das knallt dann nicht so vor den Latz.
Wir sind hier aber nicht im Kindergarten. Wenn hier (oder auf einem Fotoforum) jemand der Welt ein stark verbesserungswürdiges - um es milde auszudrücken - Bild vorführt, wozu ihn im übrigen niemand zwingt, dann muss man ohne Umschweife zur Sache kommen dürfen. Da muss ich nicht erst zwei Minuten meiner Lebenszeit (und der multiplizierten(!) Lebenszeit von all denen, die das lesen wollen) für fadenscheinige Lobhudeleien opfern müssen, bevor ich das Problem ansprechen darf.
So wie ein Film- oder Theater- oder Literatur- oder Musikkritiker auch nicht groß nach guten Aspekten an einem schlechten Werk forschen muß. Diesbezüglich lobe ich mir den verflossenen Marcel Reich-Ranicki. Den muss man nicht gemocht haben, aber er hat wenigstens seine innere Kindergärtnerin zu unterdrücken vermocht, wenn er ein schlechtes Buch verrissen hat :)

Grüße
Maximilian
 

Cpt.Boiler

Mitglied
@Demokrat wir reden gerade aneinander vorbei, daher schlage ich vor, das Ganze einfach mal sacken zu lassen. Ausserdem halte ich dich -auch von dem wenigen, was man hier durch Posts etc voneinander weiss - für intelligent genug, grundsätzlich zu verstehen, was ich meine, und, unter anderen, etwas relaxteren Umständen betrachtet, vielleicht sogar dem einen oder anderen davon 'was abgewinnen zu können. Oder auch nicht, das bleibt ja jedem selbst überlassen. Man kann auch ganz einfach unterschiedliche Ansichten als solche eben stehen lassen. :)

PS @maximilian MRR hätte heutezutage viel zu tun, bzw., zu ver...n
 
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