Neuzugang: Copitar 50/300 | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Neuzugang: Copitar 50/300

FrankFu

Mitglied
Hallo Freunde der älteren Schätzchen,

wieder mal zufällig und eigentlich eher auf der Pirsch nach älteren Japan Zenitspiegeln /- prismen bin ich über diese kleine Schätzchen gestolpert, dass nun bei uns sein neues Zuhause gefunden hat: ein Skyview Copitar 50/300

Ich hatte auf dem Foto des Verkäufers vom OAZ das KD als Zeichnung für Daiichi Kogagu gesehen und hoffte auf einen entsprechend hochwertigen Zenitspiegel /-prisma... :LOL: der Plan ging völlig daneben... das Zubehör ist echt billigstes Plastik, aber die Optik soll dennoch sehr schön sein... was ich aufgrund der Dauerbewölkung hier in Hannover noch nicht selbst sichten konnte.
Aus jeden Fall ist alles im Karton und sieht auch ziemlich unbenutzt aus.
Als Copitar 50/300 bzw. Kimboshi 50mm wurde es auch schon mal hier Copitar 50/300 - Classic Telescopes - Cloudy Nights
Und hier Kimboshi 50mm F6 refractor - Classic Telescopes - Cloudy Nights
Kurz besprochen.

Ich werde mir also bei Gelegenheit mal die Optik am Himmel anschauen, allerdings auf stabiler Fotostativmontierung und überlege es mal als Guidingscope mit einen 0,965“ auf 1,25“ Okularadapter zu testen.
Oder hat jemand noch andere Ideen?

Beste Grüße und klare Nächte
Frank
 

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Rainmaker

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Hallo,

oh Gott, da kommt mir doch gleich das Essen, äh die Erinnerung hoch. Mit der nächstgrößeren Version, dem als Eschenbach Novalux 415 gelabelten, 60/415mm Refraktor, habe ich meinen "Aufstieg" vom vom Fernglas zum "richtigen" Teleskop gemacht. Der Preis betrug damals wucherverdächtige 400 irgendwas DM, wohl auch, weil man damals wegen Halley die Kundschaft nochmals so richtig abziehen wollte.
Die Optik war, gemessen am Öffnungsverhältnis gar nicht mal so schlecht. Der Rest war aber einfach nur Schrott. Das Stativ und besonders der Stativkopf war ein grob hin und herhüpfender Wackeldackel, die Barlow bestand aus nur einer Linse, der 5x20 Sucher war trotz Abblendung auf 5mm Öffnung ein echter Farbfernseher und das 8mm Ramsdenokular war ein ewiger Quell von Farbsäumen und Weichzeichnung. Am ehesten war noch das 20mm Huygens zu gebrauchen. Ein echtes Ärgernis war auch der 0,96" Okularauszug. Das Chinafett an der Zahnstange klebte nach kurzer Zeit überall, nur nicht da wo es sollte. Dafür lief der Auzug schön rauh und die Textilstreifen im Innern waren nach kurzer zeit so ausgenudelt, dass der Auszug es dem Stativ gleichtat und sich in einen Wackeldackel verwandelte.
Trotz der ganzen Mängel habe ich knapp zwei Jahre mit dem Ding in jeder klaren Nacht bzw. Abend versucht irgendetwas zu finden. Versucht, weil als Kartenmaterial hatte ich nur so ein BLV Buch mit nicht so ganz tollen Karten ... Es war keine ganz schlechte Zeit. Trotzdem habe ich dem Gerät keine Träne nachgeweint, als ich mir endlich ein "richtig großes" Teleskop kaufen durfte, ein 114/900 auf EQ-2 von Neckermann. ;)


MfG

Rainmaker
 

FrankFu

Mitglied
Hallo Rainmaker,

vielen Dank für Deine unterhaltsame Erlebniserzählung...Erinnerungen sind doch was tolles :cool:..und irgendwie doch auch schön, dass es Zeiten gab, wo man auch mit solchen Geräten und ohne >8" Öffnung Freude am Sternenhimmel hatte. Dank dieser älteren Stücke habe ich diese Freude jedesmal, wenn ich mir den Nachthimmel damit näher bringe, gewärmt von der brennenden Flamme der Nostalgie:sneaky:... auch wenn ich hoffe, dass es irgendwann dann doch mal ein Takahashi wird, durch den ich schauen kann:ROFLMAO:

Ich habe letze Woche übrigens tatsächlich mal hier in Hannover ein Wolkenlücke von ca. 30 Minuten erwischt, das kleine Ding geschnappt, auf ein Fotostativ geschraubt und mit einem ordentlichen Zenitprisma und einem gutem 20mm Okular (natürlich schön alles 0,965") den durch die Wolkenlücke sichtbaren Orion angepeilt und was soll ich sagen...auch wenn wirklich alles um die Optik herum billigster Plastikschrott ist, das Objektiv schafft es durchaus Sterne scharf abzubilden und auch der Orion Nebel war erkennbar. Das Experiment "Guiding Scope" steht also unter keinem schlechten Stern ;)

Beste Grüße und klare Nächte
Frank
 

hasebergen

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Moin Rainmaker & Frank ... ist häufiger bei solchen alten "Kalotten" so - brauchbare Optik umgeben von mechanischem Mist. Ich hatte mal einen "Neckermann" 60/900er aus den vermutlich frühen 70ern ... was soll ich sagen: Echt klasse Optik (das Objektiv sogar nocn mit den drei "Spacern" statt des später üblichen schlechteren Plastikringes als Linsentrenner) - in definitiv erbärmlicher Mechanik. Siehe hier ... Klassiker: Neckermann Japan-Refraktor 60/900mm Diese Mechanik war so Sch****, das ich das Teil so schnell weiterverschenkt habe, dass ich nicht mal mehr zum Weiterberichten gekommen bin. Tip für Deinen kleinen 50er ... teste den mal an einigen DS - Castor (ca 4"0) in den Zwillingen, später gamma Virginis (ca 3"0) - ab 80fach aufwärts. Sollte der Kleine machen. Natürlich nur, wenn dieses Megak*tz-Wetter dieses Winters mal endlich aufhört, dieses Wolkenfüllhorn weiterzubedienen.
 

Ronald_Stenzel

Mitglied
Zitat Rainmaker: "Das Chinafett an der Zahnstange klebte nach kurzer Zeit überall, nur nicht da wo es sollte." . . . nanana, dem damals noch kommunistischen China nicht die damalige (oft fragliche) Japanqualität unterjubeln :ROFLMAO:

viele Grüße - Ronald
 

Rainmaker

Mitglied
Hallo Ronald,

Du hast recht, in den 80ern war es nur anorganisches Fett, der Ausdruck "Chinafett" kam später. Ich denke aber auch so weiß jeder was für ein klebriger Mist gemeint war.


MfG

Rainmaker
 

FrankFu

Mitglied
Hallo Zusammen,
Darf kurz berichten, dass das Copitar (Skyview 50/300) heute seine neue Tätigkeit aufgenommen hat... als Guidingscope für den Mgen3 an der Photomaschine meiner Frau. Hier im Team mit einem kleinen Sharpstar 61EDPHII.
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Der Mgen3 war ohne Probleme in den Fokus zu bringen und sitzt im Copitar in einem 0,965“ auf 1,25“ Adapter.
Weil dieses alte Copitar (Skyview) 50/300 aus meiner Sicht einen gutes Objektiv hat, nur wenig wiegt und dank vorhandem Gewinde in der Bodenplatte einfach auf diverse Plattformen montiert werden kann, ist das aus meiner Sicht ein Guidingscope mit Top Preisleistungsverhältnis... tauchen immer wieder mal auf bekannten Plattform für um die 20,- Euro auf... ich habe mir schon nochmal zwei besorgt, eines davon wird ebenfalls als Guidingscope fest montiert werden. Sind einfach zu reinigen, da zerlegbar, inklusive des Objektivs.

Beste Grüße und klare Nächte... ich geh auch gleich nochmal Sterne schauen :) :teleskop: :y:
Frank
 

FrankZ

Mitglied
Hallo,
das zeigt, wie gut es uns heute geht (bleibt aber bestimmt nich so, steht hier: COVID-19: Der Grosse Umbruch: Amazon.de: Schwab, Klaus, Malleret, Thierry: Bücher).
In den Endsechzigern hatte ich mit einem Brillenglasfernrohr und einem geborgten Galileiglas mit viermaliger Vergrößerung angefangen in den Himmel zu schauen. Damals fehlte es zwar an leistungsfähigen Teleskopen, es war aber eine großes Interesse an naturwissenschaftlichen Sachen vorhanden.
Die frühen Chinabilligrefraktoren hatten fast alle eine gute Optik. Die Technologie zur industriellen Herstellung optischer Gläser wurde am Anfang des vorigen Jahrhunderts entwickelt. Seitdem werden die Linsenrohlinge auf Tragekörper gekittet, und in Schleifmaschinen geschliffen (größere Stückzahlen lassen sich gar nicht anders herstellen, selbst die Chinesen können Optiken nich per Hand kratzen). Das gewährleistet eine gleichbleibende Qualität. Aufwändig ist die Mechanik. Eine gute Linsenfassung hat enge Toleranzen, Einzellinsen müssen verkippungsfrei gefasst werden (früher wurden Abstandsplättchen aus Zinn verwendet, Qualitätsobjektive wurden auf dem Kollimator von einem Justierer mit Hilfe eines Lederläppchens vorsichtig hingedrückt - ein hoher Aufwand). Auch haben einzelne Glasschmelzen geringe Brechkraftunterschiede, das lässt sich über Linsenabstände korrigieren (wieder aufwendig). Nicht notwendig ist es (entgegen vorherrschender Meinung in Amateurkreisen) Einzellinsen gegeneinander zu Verdrehen (das war früher notwendig, als die optischen Gläser noch nicht so homogen waren).
Ich hatte mal Anfang des Jahrtausends bei eBay für 6 Euro 7 Tuben des Lidl-Refraktors ersteigert. Für die Objektive hatte ich neue Fassungen gedreht, und die Objektive neu gefasst (ich hatte da auch mit verschiedenen Fassungsarten experimentiert). Später habe ich für ein paar Euro nach und nach noch 6 solcher Rohre ersteigert. Bis auf ein Objektiv waren das nach Neufassung sehr gute Objektive. Bei etwa 50% stimmte die Dicke des Abstandsringes offenbar nicht ganz, was sich an geringem Öffnungsfehler zeigte. Inzwischen habe ich auch andere Billigoptiken bearbeitet (bekommt man ja billig, ich bastle und experimentiere gerne), mit ähnlichem Ergebnis.
Unverständlich ist für mich, dass die Chinesen ihre Billigoptiken nicht kitten. Das Kitten ist Industrietechnologie, und wird, heute selbst bei größeren Durchmessern, gut beherrscht. Verkittete Linsen lassen sich mit ausreichender Präzision auch in einer Billigen Plastefassung fassen. Damit könnten die Chinesen mit geringem Aufwand kleinere Optiken herstellen, die qualitätsmäßig dem Telementor entsprechen.
Ich beobachte, dass die Chinesen es bei Fotoobjektiven beherrschen, Billigoptiken mit hoher Abbildungsgüte herszustellen. Wahrscheinlich ist das eine Frage der Stückzahlen, für hohe Stückzahlen lohnt es sich, entsprechende Technologien für die Mechanik zu entwickeln.

C.S. Frank
 

FrankFu

Mitglied
Hallo Frank,
Vielen Dank für Deinen ausführlichen und interessanten Beitrag.
Die frühen Chinabilligrefraktoren hatten fast alle eine gute Optik.
Und die Optik des Skyviews ist ja sogar noch aus Japan von Daiichi Kogagu.
Alles andere an dem Teil ist aus Plastik, aber als Guidingscope ist die Mechanik aus meiner Sicht nebensächlich, da der Fokus einmal eingestellt wird und ein Mgen auch nix wiegt... also Fokusshift würde ich ausschließen.

Nicht notwendig ist es (entgegen vorherrschender Meinung in Amateurkreisen) Einzellinsen gegeneinander zu Verdrehen (das war früher notwendig, als die optischen Gläser noch nicht so homogen waren).
Eine sehr interessante Info, da ich diese Frage auch schon an anderer Stelle gestellt hatte. Gilt das Deiner Meinung nach auch für die Achromaten aus Japan der späten 60er bis 80er Jahre?

Beste Grüße und klare Nächte
Frank
 

AstroBHO

Mitglied
Unverständlich ist für mich, dass die Chinesen ihre Billigoptiken nicht kitten.
Für mich ist unverständlich, wie jemand so etwas schreiben kann. Hast Du damit beruflich zu tun oder bist du nur ein interessierter Bastler?
Aufwändig ist die Mechanik. Eine gute Linsenfassung hat enge Toleranzen,
So eng sind die Toleranzen nun auch wieder nicht (f7/H8)
 

FrankZ

Mitglied
Hallo lieber Namensvetter,
ich nehme stark an, daß das auch bei den Japanobjektiven galt. Ich habe nur Erfahrung mit den Schott-Gläsern von Schott Jena. Das war, zumindest in den 80-zigern des vorigen Jahrhunderts (sicher auch schon weit vorher, ab wann kann ich nicht sagen, ich bin kein Glasspezialist) ausreichend homogen. Die Japaner waren sicher auf gleichem Niveau.

@AstroBHO:
Mehrteilige Astroobjektive sind empfindlich gegen Verkippung der Einzellinsen. Wenn Linsen verkittet werden, können diese nicht mehr verkippen. Man verliert dadurch zwar einen Freiheitsgrad für die Korrektur (ist bei zweilinsigen Achromaten zur Korrektur von Koma erforderlich, man kann allerdings durch die Auswahl des Glases einiges machen), bei visuellen Objektiven mit langsamen Öffnungsverhältnissen ist das aber unerheblich. Das hatte z.B. Zeiss-Jena damals erkannt, deshalb wurde das Objektiv des Telementors verkittet, auch das sogenannte Bastelobjektiv 50/540 , ursprünglich ein Zweilinser mit Luftspalt, wurde aus Rationalisierungsgründen später verkittet.
Die Linsen in der Fassung liegen nicht in Passungen. Das würde nicht funktionieren, da Glas und Fassungsmaterial unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten haben, und Astroobjektive einen großen Temperaturbereich überdecken müssen. Bei kleineren Objektiven werden daher üblicherweise, in Abhängigkeit von Linsen- und Fassungsmaterial, Toleranzen gewählt, die nicht den üblichen Passungen entsprechen (bei größeren Objektiven hat man mitunter spezielle Kompensationsfassungen entwickelt).
Bei Verkippungen gibt es praktisch keine Toleranzen, unter Laborbedingungen sieht man eine Änderung im Sternbild am Kollimator schon, wenn man leicht auf eine Linse am Rand drückt.
Das ist alles kein Geheimwissen. Meine Qualifikation tut hier eigentlich nichts zur Sache, aber ich habe tatsächlich eine professionelle Ausbildung und Erfahrung im optischen Gerätebau, sowie eine reichhaltige Bastelerfahrung.

C.S. Frank
 

AstroBHO

Mitglied
Aufwändig ist die Mechanik. Eine gute Linsenfassung hat enge Toleranzen, Einzellinsen müssen verkippungsfrei gefasst werden (früher wurden Abstandsplättchen aus Zinn verwendet, Qualitätsobjektive wurden auf dem Kollimator von einem Justierer mit Hilfe eines Lederläppchens vorsichtig hingedrückt - ein hoher Aufwand).
Die Linsen in der Fassung liegen nicht in Passungen. Das würde nicht funktionieren, da Glas und Fassungsmaterial unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten haben, und Astroobjektive einen großen Temperaturbereich überdecken müssen.
Franz... liest Du eigentlich auch, was Du schreibst?
Bei Verkippungen gibt es praktisch keine Toleranzen
Die Toleranzen für Verkippung sind in den Optiknormen DIN ISO 10110 Teile -1 bis -12 festgelegt, ebenso Schlieren und Blasen usw.
Deine Ausführungen haben nichts mit einer normalen (westlichen) industriellen Optikfertigung zu tun. Ich weiß wohl, dass aus der damaligen Versorgungslage und Verfügbarkeit in der ehemaligen Täterätä einige (technische) Klimmzüge gemacht werden mussten.

Gruß Bernd
 

FrankFu

Mitglied
Und bevor das hier nun in die falsche Richtung geht, würde ich mich freuen, wenn sich der Thread hier wieder auf das eigentliche Thema "Skyview Telescope / Copitar" bezieht und was man mit dem kleinen Plastikröhrchen alles so erleben kann... visuell, da bin ich noch am testen und Bauprojekte :unsure: vielleicht ein Bino mit zwei von diesen Dingern ?

Beste Grüße und klare Nächte
Frank
 
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