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Öffnung Astrofotografie

defox42

Mitglied
Guten Abend,

ich schreibe hier, weil mich seit langem eine Anfängerfrage plagt:
Ich habe gelernt und verstehe, dass Öffnung wie Hubraum ist. Je mehr, desto gut.
Wenn ich Teleskope sehe, mit denen fotografiert wird, sind das oft aber doch recht kleine Gesellen, die visuell eher weniger Spaß machen.
Stimmt folgender Erklärungsansatz: Ich muss eh lange belichten. Dazu muss ich nachführen. Newtons haben einen zu großen Hebel, Refraktoren werden ab einer gewissen Größe unbezahlbar und Katadiopter schwer. Das muss dann meine Montierung aushalten, die dann auch unendlich teuer wird.
Das, was ich an Öffnung so verliere, hole ich mit Zeit raus und habe eine funktionierende Nachführung, weil das Gewicht beherrschbar bleibt.
Oder mache ich einen andern Denkfehler?

Viele Grüße,
Dennis
 

AstroPZ

Mitglied
Hi Dennis,

kein Denkfehler, das ist es wohl so. ;)

Aber noch ein paar Gesichtspunkte:
Mit Zeit kannst du nur die Empfindlichkeit/Anzahl der Photonen ausgleichen aber nicht die Auflösung einer größeren Öffnung (wird oft vergessen).
Aber die höhere Auflösung einer größeren Öffnung kommt auch sehr schnell an die Grenze des Seeings.
Heutige bezahlbare CMOS Sensoren sind eher klein mit sehr vielen Pixel (MP Wahn) und man bekommt damit bei den Brennweiten der grösseren Öffnungen ein sehr kleines Feld, sehr hohe Vergrößerungen (kleine Pixel Scale). Das erfordert dann wieder eine sehr genaue Nachführung.

Es gibt aber vielleicht noch einen anderen Weg:
Ich versuche meinen grossen 20 Zöller für EAA/live Astrofotografie zu nutzen, habe jetzt aber erst mal ganz klein mit meinem 150/750mm Tischdobson angefangen.
Der Tischdobson steht auf einer EQ-Plattform, wird damit nachgeführt und ich "stacke" Kurz-Aufnahmen im Sekundenbereich.
Das funktioniert sehr gut und das will ich auf den grossen 20" Dobson übertragen. Aber erst noch den 12 Zöller als Zwischenschritt.

Gruß
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:

Kerste

Mitarbeiter
Hi!

Du vergisst auf jeden Fall die Blende. Mit einem 8" RASA bei f/2 habe ich 20 cm Öffnung bei 400mm Brennweite und wesentlich kürzere Belichtungszeiten als mit meinem ED80/600 f/7,5, selbst wenn ich mit dem 0,8x Reducer auf einen ähnlichen Brennweitenbereich komme. Und mein 125mm Schiefspiegler liegt von der Öffnung her dazwischen - taugt mit 3500mm Brennweite und f/28 aber nur für die Planetenfotografie.

Alle drei Teleskope kann ich auf einer GP-DX, Advanced VX oder H-EQ5 nutzen. Fotografisch macht der RASA8 am meisten Spaß, dann der 80er Refraktor, dann der 125er Spiegel.

Zugegeben: An den RASA kriege ich kein Okular. Da bräuchte ich ein C8 mit Hyperstar – f/10 für visuell, f/2 für Foto.

Beste Grüße,
Alex
 

AstroPZ

Mitglied
Hi!

Du vergisst auf jeden Fall die Blende. Mit einem 8" RASA bei f/2 habe ich 20 cm Öffnung bei 400mm Brennweite und wesentlich kürzere Belichtungszeiten als mit meinem ED80/600 f/7,5, selbst wenn ich mit dem 0,8x Reducer auf einen ähnlichen Brennweitenbereich komme. Und mein 125mm Schiefspiegler liegt von der Öffnung her dazwischen - taugt mit 3500mm Brennweite und f/28 aber nur für die Planetenfotografie.

Alle drei Teleskope kann ich auf einer GP-DX, Advanced VX oder H-EQ5 nutzen. Fotografisch macht der RASA8 am meisten Spaß, dann der 80er Refraktor, dann der 125er Spiegel.

Zugegeben: An den RASA kriege ich kein Okular. Da bräuchte ich ein C8 mit Hyperstar – f/10 für visuell, f/2 für Foto.

Beste Grüße,
Alex
Hi Alex,

stimmt, Öffnungszahl muss man auch berücksichtigen.

f/2 ist der Wahnsinn. Wie gross ist da eigentlich das nutzbare Feld? Vollformat?

Gruß
Peter
 

Kerste

Mitarbeiter
Hi!

Der RASA8 hat 22mm optimiertes Bildfeld und funktioniert bis 32mm ordentlich. Das passt für die ATIK Horizon u.ä. perfekt, und für APS-C noch sehr ordentlich - nur der Backfokus ist bei dem kleinen RASA recht knapp bemessen, sodass nicht jede Kamera funktioniert. Auf Celestron.de ist unter Downloads einiges zu den technischen Daten verlinkt, insbesondere das Whitepaper.

Wir haben einen im Verein – mein First Light waren 7,5 Minuten Ringnebel samt den unteren Sternen des Leier-Parallelograms mit der ATIK Horizon I:
M57-aus-TIFF.jpg

Viel mehr konnte ich noch nicht machen, wegen Ausgangssperre in BaWü war ich seitdem nicht mehr Abends auf der Sternwarte.

Beste Grüße,
Alex
 

MeisterDee

Mitglied
.......verstehe, dass Öffnung wie Hubraum ist. Je mehr, desto gut.
Hallo Dennis,
der Satz ist richtig, und gleichzeitig auch falsch.

Richtig ist er, wenn es um Planetenfotografie geht, oder um kleine DeepSky-Objekte.
Da können große Teleskope all ihre Vorteile ausspielen: Lichtsammelvermögen, Brennweite, Auflösungsvermögen.

Falsch dagegen ist er, wenn es um Fotografie von Objekten geht, die sehr groß sind.
Abgesehen von sehr „schnellen“ Geräten, mit extremen Öffnungsverhältnissen um f/2, wie RASA, oder SCs mit Hyperstaransätzen, wächst bei „normalen“ Teleskopen schließlich mit der Öffnung auch die Brennweite. Da wird das abgebildete Feld immer kleiner. Ein Stück weit kann man das zwar mit größeren Kamerasensoren auffangen, aber eben nur ein Stück weit.
Irgendwann passt das Objekt der fotografischen Begierde einfach nicht mehr auf den Chip.

Zu den Objekten, die ich meine gehört z.B. M31, unsere Nachbargalaxie Andromeda: Mit bloßem Auge ist nur das helle Zentrum recht klein sichtbar, auf dem Kamerasensor entspricht die Größe bereits ungefähr fünf Monddurchmessern. Ok, ein extremes Beispiel.....
Aber auch der Orionnebel, Nordamerikanebel, die Plejaden......... alle größer als man denkt.

Daher werden diese Objekte gern mit kleinen, aber feinen Teleskopen fotografiert. Mit wenig Brennweite.

Du kannst das mit einem Field of View Calculator recht einfach simulieren.

Klar, man kann die großen Objekte auch in Teilbereichen fotografieren, und diese dann später zusammensetzen, ein Mosaik anfertigen, aber der Aufwand ist dann schon erheblich, und es braucht viele klare Nächte, um genug Aufnahmen zu sammeln.

Es ist wie im richtigen Leben: Die Größe ist nicht immer entscheidend.

CS

Dietmar
 

Terrorernie

Mitglied
...ich stimme Dietmar zu, bin ich doch ein ausgesprochener Fan von Nebel - Weitfeldaufnahmen mit 150mm bis 250mm Brennweite im Schmalband an Vollformat CCD/APS-H-CCD.
Da ist z.B. der RedCat wirklich klasse, mit seinen 51/250.

Wenn es aber ein Spiegelteleskop gäbe, mit 250mm Brennweite und f/2, also mit einem 125mm Spiegel - ich würde das sofort und gerne ausprobieren ;)
So bleibt im extremen bei kurzen Brennweiten eben nur Fotoobjektive, wie z.B. das hervorragend korrigierte Sigma 150mm f/2.8 Makro.

Aber wenn es mehr Öffnung gäbe - ich würd's tun ;)

Gruß
Ernie
 
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