Okulare und Brennweite | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Okulare und Brennweite

Sheepy

Mitglied
Hallo zusammen,

seit ich hier mitlese, habe ich viel gelernt und manches vielleicht sogar verstanden :)
Jetzt stosse ich aber immer wieder auf das Postulat (sinngemäß): "Für ein Teleskop mit kürzerer Brennweite benötigt man hochwertigere Okulare."
Tja, und da sind wir bei meiner (vielleicht naiven Anfänger-)Frage: Ist das so und wenn ja, warum? Erleuchtet mich!

Allen bald CS wünscht
Sheepy
 

zuiop94

Mitglied
Hallo,

Die Aussage ist teilweise richtig.
Es ist weniger die Brennweite interessant, sondern das Verhältnis aus Brennweite zu Öffnung, das sogenannte Öffnungsverhältnis.
Bei einem schnellen Teleskop, d. h. großes Öffnungsverhältnis bzw. kurze Brennweite und große Öffnung, trifft das Licht in einem breiten Strahlenbündel auf das Okular. Mit diesen stumpfen Winkeln kommen einige Okulare nicht gut zurecht.
Das kann man aber leider nicht verallgemeinern, da noch andere Faktoren eine Rolle spielen, wie optische Fehler des Teleskops oder unterschiedliche Benutzer.
Am Ende können verschiedene Leute mit verschiedenen Optiken zu dem gleichen hochwertigen Okular unterschiedliche Meinungen haben und man könnte keinem vorwerfen, sich zu irren.
Da hilft nur ausprobieren.

Gruß
Thomas
 

coltrane

Mitglied
"Für ein Teleskop mit kürzerer Brennweite benötigt man hochwertigere Okulare."
Man braucht nicht zwangsläufig hochwertigere Okular, es gehen auch alle billigen. Nur hat man dann mehr Unschärfen zum Rand hin während die teuren dahingehend besser korrigiert sind. In punkto Mittenschärfe ist es ziemlich egal ob man durch ein 20€ Plössl oder ein 1000€ Ethos schaut.
 

Sheepy

Mitglied
Danke für die Antworten.
Wenn ich das richtig verstanden habe, müssen für weitere Öffnungen, d. h. breitere Strahlenbündel, mehr Kompromisse eingegangen werden, um auch hierbei hinreichend scharf abzubilden. Eigentlich klar, dass dies mit mehr Aufwand (mehr Kosten) besser gelingen kann.
Allerdings zeigt der Thread über das "ideale" Gesichtsfeld deutlich, dass es subjektiv sehr unterschiedliche Wahrnehmungen gibt. Wieviel Schärfeabfall zum Bildfeldrand toleriert wird, scheint - abgesehen vom Geldbeutel - auch sehr von persönlichen Vorlieben abhängig zu sein.
 

Nik Skysurfer

Mitglied
Hi
"Für ein Teleskop mit kürzerer Brennweite benötigt man hochwertigere Okulare."
Tja, und da sind wir bei meiner (vielleicht naiven Anfänger-)Frage: Ist das so und wenn ja, warum? Erleuchtet mich!
Bei gleichem Objektivdurchmesser ("Öffnung"): ja, das ist keine Legende oder Geschmacksfrage, sondern technisch begründet und sehr allgemeingültig. Sehr "schnelle" Optiken (alles unter f5) sind schon vom Objektiv her wesentlich anspruchsvoller herzustellen und somit teuer oder mit Abbildungsfehlern behaftet. Das "breite Strahlenbündel" setzt sich nach dem Brennpunkt im selben Winkel fort und verursacht im Okular vergleichbare Effekte, der Lichtweg ist sozusagen nur gespiegelt. Es geht dabei um eine ganze Reihe verschiedener optischer Fehler. Auch die Empfindlichkeit auf eine ungenaue Justierung ist wesentlich kritischer.

Ein Teleskop mit f8 oder noch mehr hat hingegen das Potenzial, auch bei sehr billiger Ausführung in der Praxis schön abzubilden. Deswegen sind Einsteigerteleskope oft so konzipiert und daher lang und dünn und von beschränkter Lichtstärke. Die beiliegenden Okulare in der untersten Preiskategorie sind allerdings mit seltenen Ausnahmen trotzdem unbrauchbar, obwohl sich schon mit etwas höheren Kosten (20-60€) Brauchbarkeit einstellen würde.

Weitere Hindernisse auf dem Weg zum erfreulichen Beobachtungserlebnis sind wackelige Stative, sich verstellende oder optisch unbrauchbare (wenngleich sanierbare) Sucher, und Mängel in der Streulichtreduktion (Bildkontrast), die für Bastler mit Schere und Papier allerdings behebbar sind (z.B. Auskleidung der Röhren mit schwarzer Veloursfolie).

Um welche Teleskope und Okulare geht's denn konkret?
Gruß Nik
 
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