Okularkauf, welche?

DieterRei

Mitglied
Hallo geschätztes Forum,
ein Astrofotograf der bislang nur Fotoobjektive verwendet und keine visuelle Beobachtungserfahrung hat (meine Wenigkeit) ist neuerdings im Besitz eines "richtigen" Teleskops (Newton F5/1000) mit motorischem Fokus auf einer EQ6R, das er gerne visuell nutzen würde. Zielgruppe wären Mond, Sonne, Planeten, Sternhaufen, DS eher nicht. Welche Okulare im gemäßigten Kostenrahmen könnt Ihr mir empfehlen? Vorhanden ist ein TS WA 20 mm und ein 9 mm Super Plössl.
Für Eure Bemühungen bedanke ich mich schon mal vorab.
VG+CS
Dieter
 

Antares

Mitglied
Hi Dieter,
zu der Fragestellung kann man, so wie sie gestellt ist, keine konkrete Empfehlung aussprechen.
Viel mehr müsste man hier alles zu Okularen, Ihren Eigenschaften und dem Thema "Schneller Newton und Okularanforderungen bis zum Strahlengang schreiben. Das gibt ein kleines Buch aus dem Du dann für Dich alles bewerten müßtest. Ob es das bringt?
Wenn Du keine Erfahrung hast, dann verschaff Dir welche. Praktische visuelle Astronomie ist in hohem Maße Erleben. Das macht jeder auf seine Weise. Daraus resultieren dann Anforderungen an das Equipment, über die man auch konkret reden kann.
Was man sagen kann ist, dass Du noch weit weg von einer Vollausstattung bist und dass Du mit etwas Anspruchsdenken preislich noch einiges Geld in die Hand nehmen wirst (müssen). Okulare sind kein Zubehöhr sondern wie die Objektive zur Camera. Sehr wichtig.
Daher rate ich Dir:
Fang anmit dem was Du nun hast.
Suche Dir unbedingt Kollegen mit denen Du raus gehst.
Probiere deren Sachen - auch in Kombination mit Deinen.
CS
 

Sven_Wienstein

Mitglied
Hallo Dieter,

f/5 macht den gemäßigten Kostenrahmen schwierig. Ich sehe folgende Anforderungen:
Mond, Sonne, Planeten: Höchstvergrößerung, Weitwinkel zweitrangig
und
Sternhaufen (ist eigentlich DS): Wenn offene Sternhaufen, dann niedrige bis mittlere Vergrößerung, bei Kugelsternhaufen mittlere bis hohe Vergrößerung.

Also kommt man irgendwie schon auf einen recht umfassenden Vergrößerungsbereich. Für die Planetenbeobachtung würde ich ein 3,5mm Okular für gute Bedingungen und ein 5mm Okular für moderate Bedingungen andenken. Soll das alles mit einem Okular erschlagen werden, dann könnte gut ein 4mm herhalten. Das f/5 Problem offenbart sich da schon in der Frage, was denn gemäßigt mit 3,5mm aufzutreiben ist. Da dürfte man wohl weder ein 3,5mm Delos, Nagler oder Pentax XW drunter verstehen.
Was mir einfällt ist ein nur noch gebraucht erhältliches Baader Eudiascopic 3,8mm. Wenn das Geld von zwei Okularen zusammengelegt wird, könnte ein TeleVue DeLite 4mm eine interessante Option sein, inclusive angenehmem Einblick.
Ansonsten sind bei f/5 die Explore Scientific 82° Okulare mit 4,7mm und 8,8mm interessant.

Eine ganz andere Variante wären die Brennweiten der TS Planetary HR Serie, bzw. der Clone-Familie, zu der diese gehören und die ursprünglich mal unter TMB Planetary "begonnen" wurde. Viele Label-Vertreiber haben sie mit ihrem Namen versehen lassen und noch irgendwelche be- oder verfremdenden Details am Äußeren machen lassen, damit nicht so auffällt, was sie sind.
Sollten Dir gebrauchte Vixen LVW begegnen, so kommen diese ebenfalls in Frage. Ein guter Weg, um ein für f/5 sehr solides Okular zu bekommen.

Was ein solides Übersichtsokular für f/5 angeht, da ist guter Rat teuer. Buchstäblich. Das TS-WA sehe ich nicht wirklich als Option. Ein Lunt HDC 20mm wäre spannend. Es stellt unter aufgehelltem Himmel ein Okular für die auffälligeren offenen Sternhaufen dar. Damit kann man auf h & Chi, M35, Praesepe und die Fuhrmann-Haufen schauen.

Clear Skies
Sven
 

DieterRei

Mitglied
Hallo Forum,
ich danke Euch für die hilfreichen Infos. Die Webseiten von Antares und Sven haben mir sehr geholfen - jede auf ihre Weise. Sven, hat ein perfektes Abstract seiner Website bzgl. der Okulare verfasst, in deren Tiefe und Breite man sich sonst verlaufen könnte.
Vielen Dank und CS
Dieter
PS: Über die Eigenheiten von schnelleren Newtons war ich mir schon bewußt, das Gerät soll jedoch auch als lange Brennweite in der Fotografie eingesetzt werden.
 

Specht

Mitglied
Hallo Dieter,

Zielgruppe wären Mond, Sonne, Planeten, Sternhaufen, DS eher nicht. Welche Okulare im gemäßigten Kostenrahmen könnt Ihr mir empfehlen?
mir fallen da die älteren Radian von TeleVue ein, die ich auch selbst sehr schätze. Gebraucht je nach Zustand so etwa um 120 Euro, bieten die Okulare eine beinahe orthomäßige Abbildung, auch an schnellen Spiegeln. Der Augenabstand beträgt etwa 20mm, der Einblick durch die verstellbare Augenmuschel ist komfortabel, auch mit Brille. Die Brennweitenabstufung der Serie ist sehr fein: 3mm, 4mm, 5mm, 6mm, 8mm, 10mm, 12mm, 14mm und 18mm.

Hier braucht man sich keine Gedanken um eine Qualitätsstreuung innerhalb der Serie zu machen. Ich habe das 10mm Radian lange mit dem Baader Genuine Ortho 9mm verglichen, am Planeten sah ich (abgesehen vom minimalen Unterschied bei der Vergrößerung) keine Unterschiede. Nach spätestens 30 Minuten punktete das Radian aber mit dem angenehmen Einblick.

60° sGF ggb. 50° eines Plössls sind mehr, als die Zahlen vermuten lassen, zumal ich noch nie ein Plössl vermessen habe, das diese 50° sGF wirklich erreicht. Typisch sind hier eher Werte so um 46°-47°...

Dieses Loblied musste ich jetzt mal singen, da ich das 10mm und 18mm Radian schon viele Jahre im Dienst habe. Bei Deep-Sky ziehe ich das 10mm sogar meinem 11mm Nagler T6 vor...

salü, volker. :coffee:
 

OlafTL

Mitglied
Hallo, ich hatte diese beiden Okulare ebenfalls einmal gleichzeitig im Besitz. Hätte ich mich zwischen diesen beiden entscheiden müssen wäre die Wahl wohl auf das Radian gefallen, trotz des engeren Feldes, rein aus ergonomischen Gründen, denn ich hasse das T6 Augenmuscheldesign. Bei Neukauf eines Okulars dieser Brennweite zum jetzigen Zeitpunkt käme keines in die engere Wahl, gute Vorschläge gab es von Sven reichlich, Gruß und CS Olaf
 

Specht

Mitglied
Hallo zusammen,
da hat Olaf mit den ergonomischen Gründen schon einen Punkt beantwortet, obwohl ich mit den Augenmuscheln der T6 jetzt nicht so hart ins Gericht gehen würde. Der sehr angenehme Einblick beim Radian macht bei längerem Beobachten von manchem Nebeldetail schon den Unterschied, ich empfinde den Einblick bei den T6-Naglern nicht so komfortabel. Auch der Pupillenabstand zur Augenlinse ist m.M. nach recht knapp.

Die Transmission beider Okulare ist ja beinahe gleich, ich bemerke beim Radian aber einen höheren Kontrast. Dieser höhere Kontrast hat bei manchem Abell-PN schon den Unterschied zwischen Sehen und Nichtsehen gemacht. Letztlich dann halt die typische Verzeichnung beim Nagler mit seinem großen Gesichtsfeld. Das Radian verzeichnet (fast) nicht.

Die letzten produzierten Radian unterscheiden sich von den vorherigen: Der äußere schwarze Okularkörper unter der verschiebbaren Augenmuschel ist glatt ohne die bisherige Gummiauflage, außerdem kommt mir die Vergütung vollkommener vor. Diese Okulare sind selten, mein Zehner ist eines davon. Ob es nur äußere Kosmetik ist und die Vergütung bloß innerhalb der schon im anderen Thread diskutierten Auffälligkeiten liegt, kann ich nicht sagen. Seltsam ist es trotzdem, bei einer auslaufenden Serie das (nur äußere?) Design so auffällig zu ändern.

salü, volker.
 

Sven_Wienstein

Mitglied
Hallo Volker,

aus dem Hause TeleVue ist zu vernehmen, dass die gestiegenden Lanthan-Preise die Radians nicht mehr wirtschaftlich erscheinen ließen und ich erinnere mich, dass es da wirklich einen plötzlichen, nicht vorhersehbaren Preisanstieg gab. Das könnte Planungen verändert haben. Die Veränderungen waren dann womöglich ein reines Facelift mit der seinerzeit überfälligen Reaktion auf die Kritik an der einstellbaren Augenauflage.

Danke für Deine Schilderung. Ich kenne das 4mm und das 10mm, wobei dazwischen Jahre liegen. Beim 4mm konnte ich seinerzeit die Kritik nachvollziehen, dass es einfach gegenüber anderen Optionen nicht so den finalen Planetenkontrast hatte, beim 10mm fand ich ein sehr bequemes und vor allem an f/4 überzeugendes Okular vor.

Was Deine Gedanken zur Transmission angeht: Transmission allein hilft ja nicht, sondern die Frage ist, ob subtil Licht von Reflexen flächig im Feld landet, woran Vergütung viel tun kann, und wie Verblendung und Schwärzung ausgeführt sind.
Ein böser Test ist es, eine billige "Milch-Plastik" 1,25" Kappe aufzusetzen und eine helle LED-Taschenlampe aus kurzer Distanz seitlich drauf zu halten, so dass man richtig intensives Streulicht vor dem Okular erzeugt. Und dann gucken, wie es damit fertig wird. Falls man mal ein Okular sucht, das Merope-Nebel, Flammennebel oder Mirachs Geist zeigt.

Mich interessierte das, weil ich mit den Nagler Typ 6 immer etwas unglücklich bin. Das 13mm gefiel mir vom wahren Gesichtsfeld her nicht, das 9mm empfand ich nicht gerade als Transmissionswunder und mein 3,5mm ist über Jahre meist in der Kiste geblieben, während ich mit dem XW oder dem Delos andauernd gucke. Die sehr feste Augenmuschel bei den Typ 6 habe ich nie verstanden und ich ertappe mich dabei, dass meine subjektive Abneigung mehr damit zu tun hat, als mit der optischen Performance.

Um zurück auf die Radian zu kommen, wäre wirklich spannend, wie sich Radian und Delite im Direktvergleich verhalten.

Clear Skies
Sven
 

Specht

Mitglied
...die letzten ihrer Art (rechts, mit glattem Okularkörper, im Vergleich zu einem typischen Radian links):

radians.jpg


salü, volker. :coffee:
 
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