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Optische Auflösung vs. Realität

Sheepy

Mitglied
Hallo zusammen,

als Anfänger beobchte ich zur Zeit mit einem SkyMax-102T. Wenn ich mich richtig belesen habe, müsste bei dieser Öffnung die Grenze der (optischen) Auflösung zwischen 1 und 1,5" liegen. Was ich sehe, ist aber leider weit davon entfernt :cry: Gestern bekam ich - bei meiner Ansicht nach recht guten Bedingungen - gerade mal die Komponenten von beta Mon getrennt zu sehen (ich vermute aber sehr stark, dies auch nur weil ich wusste, dass sich um ein Dreifachsystem handelt!).
Was sagen Experten mit mehr Erfahrung? Habe ich das Ende der Fahnenstange (mit diesem Scope) erreicht, oder klemmt es aufgrund von Verständnis-, Optik- oder gar Augenproblemen?
Bin gespannt auf Eure Antworten ...

Grüße und CS - Sheepy
 

Wolfgang Hofer

Mitglied
Hi!

Nein, das Ende der Fahnenstange hast du mit Sicherheit nicht erreicht. Ich habe einen kleinen Newton mit nominell 114 mm, tatsächlich etwas weniger. Der schafft in der Praxis ziemlich genau sein theoretisches Auflösungsvermögen.

Doppelsterne mit 1,5" musst du auf jeden Fall trennen können.

Mögliche Ursachen deiner schlechten Auflösung:

- schlechtes Seeing
- nicht lange genug ausgekühlt (Tubus-Seeing)
- zu gering vergrößert
- Teleskop dejustiert
- schlechte Augen

Wie oft hast du das denn schon probiert?

Gruß
Wolfgang
 

Quanten

Mitglied
Bei der Sternauflösung solltest du eigentlich auf das Theoretische Auflösungsvermögen kommen.
Es gibt jedoch wie Wolfgang schon geschrieben hat, etliche Hürden/Fehler welche auftreten können, die das verhindern können.

Bei Mond, Planeten und Deep Sky erreicht man das Theoretische Auflösungsvermögen in der Regel nicht, da hier die Kontrastverhältnisse anders sind, als beim Beugungsscheibchen bzw. der Sternabbildung (heller Punkt auf schwarzem Hintergrund).
Ausnahme bildet hier das Linienauflösungsvermögen wie bei der Cassiniteilung.

Der Mond steht mit seinem harten Kontrasten am Terminator noch am besten da.
An den Planeten kann mangels Kontrastunterschied die Detailauflösung drastisch sinken.
Die Königsklasse ist hier der Planet Jupiter mit seinen feinen Farbunterschieden.

Bei DeepSky spielt die Objekthelligkeit und die Himmelsqualität, für ausreichend Kontrastunterschied eine große Rolle.

Dem Theoretischen Auflösungsvermögen würde ich jetzt nicht so viel Bedeutung beimessen, ich würde mir Objekte raussuchen und die Vergrößerung so wählen wo man noch einen schön scharfen Bildeindruck hat.

CS
 

Marcel74

Mitglied
Servus,

ich beobachte mit dem TAL1 (110/800) jetzt gerade. Castor A und B sollen 3,9 Bogensekunden auseinander sein. Stimmt. Sehe 2 Sterne, jeweils mit Beugungsscheibchen (jetzt ist der Russe also endlich sehr gut kollimiert 😄) und die mit gut Platz für einen dritten Stern Platz dazwischen :) Aber....das nur mit 15er Kellner und 3x Barlow! Ohne Barlow nur mit dem Kellner wird es schon schwerer, beide zu trennen. Mit dem 25er Plössl sind es fast 2 Stern, aber eigentlich nur einer sozusagen mit "Fahne" ;-) Warum? Einer überstrahlt ganz einfach den anderen. Was hilft ist also Vergrößerung oder aber diese Blende mit dem versetzten Loch dadrin, um die Strahlkraft etwas zu mildern. Dann gehts auch mit dem Plössl.

Die Angaben zu den Teleskopen sind eh alle nur theoretisch ist meine Ansicht. Grobe Angaben, aus dem Labor. Rein rechnerisch ergibt 1+1 sogar manchmal 0.....Theoretisch geht alles. Praxis ist schon etwas anderes. Also überwerte da nichts, denk ich. Genieß die Sachen, die Du heute trennen kannst und probier es morgen nochmal. Manchmal ist das Auge auch bloss müde, Seeing doch stärker als angenommen, Tubus noch warm usw usf. Richtiges Sitzen hilft aber auch ;-)

Lg Marcel
 

SkyBob

Mitglied

UwePilz

Mitglied
Man kommt deutlich tiefer. Es ist kein Kunststück, gleich helle Doppelsterne von merklich unter einer Bogensekund getrennt zu sehen. Voraussetzung ist, dass das Instrument ordentlich kollimiert ist, und schöne runde Beugungsscheibchen und Ringe zeigt. Dann sind 0,8" nicht schwer und 0,7" kein Kunststück. Hoch vergrößern ist angesagt, so 250x.

Robert von der Fachgruppe Deep Sky hat eine Internetseite zu Doppelsternen. Da sind zT. Zeichnungen bei, so dass du siehts, was dich erwartet.
 

Wolfgang Hofer

Mitglied
Es ist kein Kunststück, gleich helle Doppelsterne von merklich unter einer Bogensekund getrennt zu sehen.
Ja!
Wichtig ist aber, dass man als Anfänger keine falsche Vorstellung davon hat, was das bedeutet. Die Sterne sind nicht als einzelne, voneinander separierte Scheibchen zu sehen.


Das Bild in der Mitte entspricht dem Bild eines Doppelsternes mit 1,4" Abstand im 102mm-Refraktor. (Im Maksutov sieht es wegen der Obstruktion geringfügig anders aus, im Prinzip ändert sich aber nichts.) Das untere Bild entspricht einem engeren Doppelstern, den man bei dieser Ansicht immernoch als "getrennt" bezeichnet.

Gruß
Wolfgang
 

klaus_lehmann

Mitglied
Hallo Sheepy,

versuch Dich mal an iota Cass., die habe ich im 102er Vixen Achromat immer bei circa 180-220fach getrennt bekommen. Das sollte Deiner auch schaffen. Freilich kommt dann Farbe ins Spiel, kann man zur Not mit dem Baader Fringe-Killer etwas unterdrücken. Aber das Beobachten an der Grenze des Auflösungsvermögens will auch gelernt sein und braucht etwas Geduld und Zuversicht. Es ist nicht so, dass Dir die Trennung schwieriger Komponenten auf Anhieb reproduzierbar ins Auge springt. Wenn Du einen Abend mit gutem Seeing erwischst und die Komponenten sicher trennen kannst, wird Deine Wahrnehmung konditioniert und Du siehst sie später auch bei schlechteren Bedingungen besser, weil Du eine geschulte Erwartungshaltung hast. Ich habe mich an schwierigen Objekten lange abgearbeitet und regelrechte Freudentänze aufgeführt, wenn die Beobachtung endlich klappte. :)

CS Roman
 

Sheepy

Mitglied
Hallo zusammen,

habt vielen Dank für die zahlreichen Hinweise, Tipps und Links zum Thema. Jetzt weiß ich, dass da noch deutlich "Luft nach oben" ist ;) Manches habe ich bereits abgecheckt, so z.B.
  • Tubus-Seeing - Schließe ich (inzwischen) aus. Das habe ich relativ schnell gemerkt, dass auch der kleine Mak seine Zeit braucht, bis er "wohltemperiert" ist
  • Justage - Sollte eigentlich ok sein. Zumindest sind die Beugungsringe schön rund und konzentrisch. Und solange dem so ist, werde ich den Teufel tun, an irgendwelchen Schräubchen zu drehen ...
  • Vergrößerung - Ich denke, da bin ich mit dem 6er Ortho auch am Poller. Zwar habe ich auch mal ein 4er Okular probiert, aber das brachte in Sachen Auflösung definitiv nichts.
Vermutlich ist das Seeing von meinem Balkon im "Speckgürtel" Stuttgarts - um es milde auszudrücken - suboptimal. Dafür steht die EQ5 dort fertig eingenordet bereit und ich kann ohne große Vorbereitung "Sterne gucken". Sicher zerre ich das Equipment irgendwann auch mal "auf den Acker" oder nehme es - wenn die Rahmenbedingungen wieder stimmen - mit in einen Astro-Urlaub. Über ein evtl. Aha-Erlebnis werde ich natürlich berichten :)

Tja, und dann hat der Augenarzt auch noch den Grauen Star diagnostiziert, meint aber, der Leidensdruck (seine Wortwahl!) wäre für eine Operation noch nicht groß genug. Wenn ich ganz ehrlich bin, stimme ich ihm gerne zu. Um von einer Auflösung von 4" auf 1" zu kommen, muss ich mir jetzt nicht zwingend an den Augen herumschnibbeln lassen ...

Denn schließlich gibt es am Himmel trotz der Einschränkungen so viel zu sehen, dass mir - auch ohne am Optimum zu kratzen - noch lange nicht langweilig werden wird!

Nochmals vielen Dank und Euch allen CS - Sheepy
 

Pitufito

Mitglied
Hallo,
Wollte mal hier ein Link beifügen von einer Seite die mir sehr viel geholfen hat so einiges verstehen zu können.
Die nächsten folgenden neun Seiten gehören selbstverständlich dazu. Die ganze Seite finde ich sehr Hilfsreich.
Nebenbei habe ich rausgefunden über langen Zeitraum das "Sehen" auch geübt sein soll, bei mir fing das an wo ich mit der Sonne angefangen habe.
Da habe ich einen Punkt einfach gefunden dank der Sonnenbeobachtung wo es am besten geht, gut in der Nacht ist das einiges schwieriger, und nicht so stark ausgeprägt, trotzdem kann man mit sehr viel Geduld und viel Erholung das Beste aus seinen Augen rausholen speziell für solche Sachen.
Ich habe einen TS ED 102 f11, und trage Nasenfahrad das mir kein Obstakel macht für die Astronomie.
Mach sicher das deine gesamte Optik ordentlich zentriert ist, d.h. gleichmäßige Beugungscheibchen, und analysiere auch die Defokussierten Bilder. Cheshire ist auch sehr Hilfsreich.

CS, Martin
 

halbetzen

Mitglied
Hallo Sheepy,
keine Bange vor der Grauer Star OP. Die geht ambulant mit blitzartiger Vollnarkose. Wenn entgegenkommende Autos nachts stark blenden, sollte das an beiden Augen gemacht werden.
Grüße
Dietrich
 
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