Plötzlich 180°-Schwenk während Foto-Session

#1
Hallo allerseits,

ich bin Teleskop-Neuling und wollte hier einmal eine Frage stellen.
Am Samstag habe ich (als sich endlich einmal die Wolkendecke öffnete) Aufnahmen vom 46P Wirtanen – Kometen gemacht. Ausrüstung Ioptron IE45pro und ein Skywatcher 200 PDS. Ich hatte ein One-Star-Alignment anhand von Aldebaran gemacht (diese war ja „in der Nähe“ von 46P). Durch Eingabe der Koordinaten von 46P wurde dieser angefahren und befand sich perfekt in der Mitte des Fadenkreuzes des Suchers und auch mittig im Sichtfeld der DSLR-Kamera.

Nachdem ich gut 20 Light-Bilder aufgenommen hatte, machte die Montierung einen 180°-Schwenk um die RA-Achse. Danach zeigt das Teleskop ungefähr in die Richtung Kometen, aber traf ihn nicht mehr. Durch erneute Eingabe der Koordinaten wurde immer wieder diese inkorrekte Position angefahren. Da dann auch Wolken am Himmel auftauchten, hatte ich abgebrochen. Ich würde aber dennoch wissen, woran das gelegen haben könnte, und was man machen muss, damit sowas nicht nochmal passiert.....

Für Erklärungen und Tipps wäre ich sehr dankbar.

Viele Grüße

Jan
 
#2
Hallo Jan,
ich vermute, dass die ioptron einen automatischen Meridianschwenk gemacht hat. D. h. wenn das Objekt den Meridian (Südrichtung) überschritten hat, schwenkt die Montierung um 180° und fährt das Objekt erneut an, was leider nicht immer exakt erfolgt.
Du kannst in der Montierungssteuerung mal nachsehen, ob es da entsprechende Einstellungen gibt, wie weit über den Meridian die Montierung fahren kann und ob ein automatischer Meridian-Schwenk erfolgt.

CS Christian
 
#3
Hm... sowas in der Art hatte ich mir gedacht. Ich werde mal gucken, ob es das war und wie man es abschalten kann.

Mal eine andere Frage.... wofür wäre dieser Schwenk gut?

Viele Grüße
Jan
 
#4
Hallo Jan,
es sind eigentlich 2 Dinge, weshalb der Meridianflip durchgeführt wird:
Zum Einen damit das Teleskop nicht an die Montierung anschlägt und die Kabel evtl. zu sehr gestreckt werden. Und zum Anderen, damit das Teleskop immer gegen die gleiche Flanke des Schneckenrades bei der Nachführung drückt. idR hast du ein leichtes Ungleichgewicht nach Osten, damit die Monti beim Nachführen nach Westen immer gegen die Ostseite des Zahnrads drückt (sofern die Zahnräder verwendet). Nach dem Meridian liegt das Ungleichgewicht auf der Westseite, in die auch das Zahnrad drückt. Es liegt also nicht unbedingt ein "Gegendruck" an, da ja beides nach Westen drückt. Im Meridian kann es dadurch zu Oszillationen kommen, da kein oder nur schwacher Druck ausgeführt wird.
Soweit meine bescheidenen Erklärungsversuche.

Es gibt Montierungen, die bis zu2 Stunden über den Meridiandurchgang problemlos nachführen können, aber die einfacheren wollen vor dem Meridiandurchgang bereits aus obigen Gründen umschlagen.

CS Christian
 
#5
Hallo Christian,

aha... ja.... Dies erklärt vielleicht auch ein anderes Problem, welches ich in derselben Nacht hatte. Ich wollte später nochmal Aufnahmen vom Orion-Nebel machen. Dieser lag zu jenem Zeitpunkt auch knapp Richtung Süden, aber unter einem sehr flachen Neigungswinkel. Hier hatte ich dann schon irgendwie Probleme mit Schwingungen, so dass die Bilder nicht richtig scharf wurden. Könnte das daher kommen? Wie kann man ein solches Problem lösen (z.B. ein kleines Gewicht exzentrisch am Teleskop anbringen)?

Vielen Dank,
Jan
 
#6
Hallo Jan,
ja, das vermute ich auch.
Du kannst mal schauen, wie groß das Schneckenspiel ist. Also einfach mal an RA vorsichtig "wackeln", ob da ein Spiel ist. Dieses ggf. etwas geringer über die Anpressschrauben, sofern vorhanden, einstellen. Dazu sollte sich aber jemand mit dieser Monti melden. Bei der EQ6 gibt es da 2 Madenschrauben, die, nach Lösen der 3 Befestigungsschrauben, den Andruck des Antriebszahnrads einstellen. Ein minimales Spiel ist dabei besser als einen zu starken Andruck: dann hakt es u.U.
Da ich hier fast nur nach Süden beobachten kann, muss ich mit dem RC auch genau aufpassen, wann der Meridian überschritten wird und nie sehr lange belichten.
Mit dem kleinen leichten ED habe ich da keine Probleme.
Wichtig ist auf jeden Fall die beladene Montierung nicht exakt ins Gleichgewicht zu bringen, sondern ein leichtes Ungleichgewicht nach Osten.
CS Christian
 
#7
Hi..... Ok. Da meine Hauptbeobachtungsrichtung auch Süden ist, werde ich mich damit dann wohl jetzt etwas befassen müssen.

Vielen Dank nochmal für die Infos.

Viele Grüße
Jan
 
#8
Ich grüble gerade:
Warum liegt nach dem Meridiandurchgang der Montierung (ohne einen Flip) das gewollte leichte (Ost-)Übergewicht plötzlich im Westen? Wenn ich nach Osten fotografiere, sind die GGWs auf der Ostseite. Die sind etwas weiter nach aussen geschoben, als es für die optimale Balance notwendig wäre, damit die Schnecke das Schneckenrad "schiebt". Wenn ich über den Meridian fotografiere, bleiben die "schwereren" GGWs auf der Ostseite, sie stehen jetzt nur oberhalb des Montierungskopfes, das Teleskop nun unterhalb, aber weiterhin westlich.
Wenn ich aber einen Flip ausführe, dann befinden sich plötzlich die "schwereren" GGWs auf der Westseite und es besteht die Gefahr, dass Schnecke und Schneckenrad anfangen zu "hoppeln", da nun die Schnecke das Schneckenrad bremsen muss...

grübelnde Grüße - Ronald
 
#10
Der Meridianschwenk kann bei meiner CEM60 von iOptron um bis zu 15 Grad nach der Meridianüberquerung des Objekts verzögert werden (also 1 Stunde). Danach schwenkt sie zwangsweise um, um ein Anstoßen zu vermeiden. Alternativ stoppt sie die Nachführung.
Wenn man, nach der erfolgreichen Positionierung des Teleskops (vor dem Flip), ein „Synch to target“ auf das Ziel durchführt, müsste es nach dem Schwenk wieder ganz passabel auf dem Objekt sein (so maximal 30‘ bis 60‘ daneben), also zumindest gut im Bereich des Suchers. Hängt natürlich auch von der Deklination des Objekts ab.
Ob die Software bei deiner Montierung auf dieselbe Grundlage wie bei der CEM60 zurückgreift, ist mir aber nicht bekannt.
Andreas-TAL
 

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