Raus aus dem Keller und ab aufs Feld!

#1
Hallo zusammen,

damit ich nicht immer einen neuen Thread eröffnen muss, erstelle ich hier mal einen fortlaufenden um meinen Fortschritt (welcher hoffentlich vorhanden ist) zu dokumentieren.
Nachdem die ersten Testbilder mit der neu erstandenen Ausrüstung entstanden sind, war es Zeit für mehr.

In der Nacht vom 16.11.18 auf den 17.11.18 habe ich mich am Orionnebel versucht. Wetter war in Ordnung, bitterkalt und leicht aufgehellt. Da ich erst spät angefangen habe, gegen 2 Uhr früh, war der Mond schon untergegangen und hat mich somit nicht mehr gestört.
Fotografiert habe ich bei ISO 400, 2 Stufen abgeblendet und 2 Minuten Belichtungszeit. Am Ende hatte ich eine Gesamtbelichtung von etwa 45 Minuten. Es wurden einige Bias und 3 Darks erstellt.
Das ganze habe ich dann in DeepSkyStacker gestackt, in Fitswork gestretched und in Gimp bearbeitet.
Etwas rechts vom Objekt sieht man eine helle Fläche. Wenn ich das richtig einschätze, ist das die von der Stadt aufgehellte Stelle im Himmel. Zudem ist durch die Bearbeitung ein aufgehellter Kreis um das Objekt entstanden, fragt mich nicht wie ich das hinbekommen habe. Schön finde ich, dass auch NGC 2024 Flammen Nebel und IC 434 mit dem Pferdekopf zu sehen sind. Ich habe das Foto dann noch einmal anders bearbeitet und die hellen Flächen entfernen können, jedoch ist das Bild dadurch recht dunkel geworden und hat einen Gelbstich bekommen.

Orion Stacked & stretched & edited.jpg

Orion 17.11.jpg


Am Abend des 18.11.18 habe ich dann trotz Mond und immer wieder vorbei ziehenden Wolken die Region um Deneb fotografiert. Hier habe ich wild rumprobiert und musste ein zweites Mal ausrichten, da ich gegen die Montierung gestoßen bin und diese dadurch leicht verstellt hatte. Das Ausrichten geht aber mittlerweile auch flott von der Hand.
Schlussendlich hatte ich dann 10 verwendbare Fotos mit einer Minute Belichtungszeit und ISO 400. Hier bin ich mit dem Ergebnis zufrieden, erst recht wenn man die kurze Gesamtbelichtungszeit und die Bedingungen (schlechte Transparenz, viele Wolken, heller Mond) beachtet.
Leider musste ich an dem Abend auch rund 20 Fotos von Kassiopeia wegwerfen, da der Fokus nicht stimmte. Diesen habe ich wohl beim Ausrichten verstellt und das durch bereits abgedunkelten Display nicht bemerkt.
Deneb Stacked&Stretched&Edited_5.jpg


Kritik und Anregungen sind immer gerne gesehen. :giggle:

Vielen Dank fürs Lesen & CS
Julian
 
#2
Was den Kreis um das Objekt angeht, hast Du vielleicht ein ähnliches Problem wie hier beschrieben:
M31 aus Großstadt mit DSLR
Beim 2. Bild sind die Farben irgendwie seltsam.
Ich gehe davon aus, dass aus Deinen Fotos noch mehr rauszuholen ist, wenn Du mit dem Workflow der EBV vertrauter bist.
Hat das 135mm eigentlich eine Gegenlichtblende? Wenn nein: unbedingt nachrüsten.
 
#3
Den Thread durchforste ich mal, danke dir.
Da es in Fitswork einige Filter gibt bei denen sich der Radius einstellen lässt, könnte der Fehler eventuell daher kommen. Da habe ich mit Sicherheit rumgespielt um mich mit dem Programm vertraut zu machen.
Ich habe mich gestern Abend schon hingesetzt um das Bild ein drittes Mal zu bearbeiten, konnte das aus Zeitgründen aber noch nicht abschließen.
Für das 135mm habe ich die mitgelieferte Streulichtblende. Diese habe ich bisher auch immer benutzt.

Gruß
Julian
 
#5
Hallo Julian,

du kannst ja noch nachträglich Flats aufnehmen und nochmal mit ver-stacken. Dann findest du u.U. heraus, inwieweit dir die Vignettierung mit reinspielt beim Orion.
Zum Scharfstellen hab ich mir mittlerweile eine kleine Bahtinov-Maske zur Hilfe geholt. Mir scheint, das Bild kann mit etwas mehr Schärfe noch gewinnen.

Grüße
Martin

 
#6
Hey ihr,

von Barnard´s Loop hatte ich schon gehört, wusste aber nicht was das ist. Interessant! (y)
Ich finde nur, dass die Stellen doch sehr künstlich und "gleichmäßig" aussehen. Ab 10 Minuten Belichtungszeit soll man ihn aber schon sehen können. :unsure: Danke für den Hinweis.

Auch Flats habe ich bereits geplant. Hierfür möchte ich einfach ein weißes Shirt möglichst glatt und mit Gummibändern fixiert nutzen. Das Wetter ist aber momentan mehr als bescheiden..
Über eine Bathinov-Maske habe ich auch schon nachgedacht, das wird dann wohl neben Kleinkram die nächste Investition.

Grüße
 
#8
Da fehlt mir die Erfahrung um das zu unterscheiden. Besonders bei einem so leicht zu verwechselndem Objekt.
Auf Lichtverschmutzung bin ich gekommen, da mir die Stelle schon an dem Abend mit bloßen Augen aufgefallen ist.
 
#10
Hallo Julian,

habe jetzt erst den Thread hier gesehen. Die Aufhellung rechts senkrecht könnte irgend eine störende Lichtquelle oder Reflexion im Objektiv sein. Streulicht einer Stadt müsste doch unten waagerecht liegen. Vielleicht einfach mal eine längere trichterförmige Taukappe basteln um Störlicht von der Seite zu vermeiden.
Mir ist das mal bei meinem Mini Newton Selbstbau aufgefallen, als ich die empfindlichere Monokamera getestet hatte. Das von der Hauswand reflektierte Licht des Computermonitors fiel hinten am Hauptspiegel ein. Diese Schwachstelle ist mir mit der Farbkamera gar nicht aufgefallen. Nun stelle ich da immer noch eine große Pappe zwischen Teleskop und Rechner.
Bei Aufnahmen mit dem Mini Newton oder Objektiv setze ich vorne eine längere Kappe auf. Sicherheitshalber trichterförmig um eine Vignettierung zu vermeiden. So konnte ich seitliches Störlicht recht gut in den Griff bekommen.

Das Deneb Bild: Hier hast Du anscheinend den Fokus besser getroffen. Die Sternabbildung finde ich da viel besser und das beruhigt doch etwas. Da ist also auch beim Orionnebel noch mehr mit dem Objektiv möglich.

Zur Bearbeitung:
Bei dem Versuch die hellen Stellen abzuschwächen ist Dir leider das Pferdchen abgesoffen. Hier könnten Ebenenmasken in gimp helfen. Schau Dir mal die Youtube Videos von Astrohardy an, die sind echt klasse.

Gruß,
Holger
 
#11
Was mir gerade noch zu einer DSLR einfällt: Okularverschluss an der Kamera - also Sucher abdecken, damit auch kein Streulicht von hinten eindringt. Ist meist am Kameragurt befestigt, die kleine Gummikappe... ;)

lg
Niki
 
#12
Hallo Holger und Niki,

danke für die Tipps. (y)
Das etwas reflektiert, glaube ich weniger. Bei dem Orionnbel stand ich auf dem offenem Feld ohne direkte Lichtquelle. Einen Versuch wäre das natürlich trotzdem wert.

Ich habe auch schon mal überlegt das Objektiv mit einem leichtem Tuch zu umwickeln. Einerseits um eventuelle Lücken abzudecken und andererseits als Tauschutz. Kann man das machen oder ist das eher nicht so förderlich?

Ein paar Videos von dem Astrohardy hatte ich mir schon zur Hilfe genommen. Das mit den Masken habe ich jedoch noch nicht probiert, wäre auch noch eine Option.

Wäre mal schön wieder in paar Versuche machen zu können, das Wetter lässt das aber schon länger nicht zu. :cry:

Grüße
Julian
 
#13
Hallo zusammen,

am 04.12.2018 konnte ich (endlich :D) mal wieder ein paar Wolkenlücken nutzen um meine Ausrüstung weiter zu testen.
Das Seeing war mal wieder sehr bescheiden und es gab viel Störlicht durch die Nachbarn. Unter der Woche und mit mäßigen Bedingungen habe ich nicht die Motivation weiter raus zu gehen.

Vorgenommen habe ich mir das Sternbild Kassiopeia. Fix ausgerichtet und wie ich finde den Schärfepunkt sehr gut getroffen.
Danach habe ich einige unterschiedlichen Einstellungen getestet und bin zuletzt bei 40 Sekunden Belichtung und ISO 800 geblieben.
Nach dem aussortieren (war einiges durch die Wolken) hatte ich dann eine Gesamtbelichtungszeit von 44 Minuten. Es wurden Darks sowie Bias angefertigt. Flats habe ich nicht erstellt, da es schon dunkel war als ich nach Hause gekommen bin und ich keine gleichmäßige Wand im Garten zur Verfügung habe. Einen hellen Bildschirm vor das Objektiv zu halten und gleichzeitig die Bilder zu machen fand ich ohne Hilfe dann auch nicht sehr ansprechend.

Die Fotos habe ich in DeepSkyStacker gestackt, in Fitswork gestretched und die Bearbeitung in GIMP abgeschlossen.

Hier das Bild in niedriger Auflösung:
Kassiopeia Stacked and stretched and edited.jpg


Ich war froh als langsam der Pacman Nebula und der Owl Cluster durch die Bearbeitung sichtbar wurden. Diese waren im RAW und nach dem Stacken noch nicht zu sehen.
Ist es normal, dass die hellen Sterne so stark scheinen oder kommt das durch die Wolken / Hochnebel? War jedenfalls im RAW auch schon so.

Ich habe auf meiner Festplatte noch einige weitere Bilder liegen, auch mit anderer ISO und Belichtungszeit. Da werden eventuell noch weitere Bearbeitungen folgen.

Kritik und Anregungen sind immer gerne gesehen. :)

Grüße
Julian
 
#15
Hi Juian,

ich finde das sehr ansprechend, wie Niki schreibt, man merkt dass Du für die Sache brennst. Cool.

Zu dem Bild - ich würde schauen, dass ich die Halos der hellsten Sterne noch etwas bekämpfe, ansonsten wüßte ich nicht was ich anmerken sollte.

Weiter so!

CS
Jörg
 
#16
Hi ihr beiden,

danke euch. Ja es macht wirklich Spaß, auch wenn man nur selten dazu kommt. :D
Ich bin froh, dass ich das Hobby für mich entdeckt habe.

Ich kann es kaum abwarten mal eine richtig gute Nacht zu haben in der ich dann an einen besseren Standort fahre und nebenbei auch ein bisschen mit meinem Dobson beobachten kann.
Die nächsten Investitionen wie ein Berlebach Stativ und ein Störlichtfilter (z.B. L-3 Clipfilter) sind auch schon geplant.

Grüße
 
#19
Ich war froh als langsam der Pacman Nebula und der Owl Cluster durch die Bearbeitung sichtbar wurden. Diese waren im RAW und nach dem Stacken noch nicht zu sehen.
hach, sind das nicht die besten Momente - am Computer das eigene Hubble-Teleskop zu sein?

Zu den Halos: kann sein, dass es ein Samyang-Feature ist. Beispielbild Testing a new location with M31 (netspoon) - Full resolution | AstroBin Wurde durch die hohe Luftfeuchte vll noch verstärkt und wäre speziell in diesem Seeing durch (noch) kürzere Belichtungszeit/noch mehr Abblendung verringert worden - aber dann zulasten des schönen Hubble-Erlebnisses.
Wo stand denn die Kassiopaia zu der Uhrzeit? Hoch am Himmel? Oder niedriger - und dadurch zusätzlich noch durch viel störende Atmosphäre hindurch?
Wär bestimmt interessant, die gleiche Aufnahme noch mal in anderer Himmelgegend bzw. bei trockenerer Luft zu machen und zu vergleichen? Objektiv-Features kennen zu lernen und daraufhin abzuwägen zu können, in welchem Sternzusammenhang man sie gut verwenden kann?
Für "bloated stars" und Halos gibt's auch Tipps in Foren und Workflow-Anleitungen, hab ich gesehen.

Ich freu mich jedenfalls mit über den Hubbel_Effekt :)
 
#20
Hallo Silver,

das Abblenden um 1 - 2 Stufen ist erstmal richtig, die Empfehlung ist so alt und richtig, seit fotografiert wird, in wie fern weiteres Abblenden hier etwas gebracht hätte ist fraglich.

Einen Hubble-Effekt sehe ich jetzt hier nicht, aber ein interessantes Widefield, dem es zur deutlicheren Herausarbeitung der Nebel aber noch an Belichtungszeit fehlt. Die kann man aber nachlegen, so dass das den positiven Eindruck erstmal nicht trübt, ich finde Julian macht das sehr gut.

Den Rest bringt die Erfahrung und die Eingewöhnung in die EBV.

CS
Jörg
 
#21
Der Hubble-Effekt war mir bisher nicht bekannt, das muss ich erst nachlesen. Da hab ich wieder was für die bewölkten Nächte. :)
Die Nacht (und auch der Tag) waren in der Tat sehr feucht. Die Ausrüstung ist auch nicht lange trocken geblieben.
Kassiopeia müsste bei etwa 70° gestanden haben, nicht all zu schlecht wie ich finde. Ist über die Zeit natürlich auch etwas gewandert.

Und ja, in der EBV fehlt es mir noch etwas an Routine. Das wird aber auch von mal zu mal besser. "bloated stars" das Stichwort hat mir gefehlt. (y) Ich hatte schon mit anderen Stichworten gesucht, bin aber nicht fündig geworden.

Grüße
 
#22
Der "Hubble-Effekt" passiert (mir) am Computer bzw. im inneren Film im Kopp, wenn diese unglaublich bunten Flecken auf einmal auftauchen, diese Ostereier, voller Geheimnisse, die näher erforscht werden wollen.... so erlebt man in den Bildern und der Bildbearbeitungsprozedur sein eigenes Hubbel-Teleskop.

Im Blauen Forum hat gerade jemand zu seinem Bild Plejaden, mit der gleichen Linse, aber mit anderen Kameras aufgenommen, Interessantes zu berichten, wie er dem Kanalweise defokussierten Star bloating bz.w Halo (das ist auch ein engl. Begriff dafür) u.a. durch extra defokussieren Herr geworden ist.... Wär vll was für Dich, den Thread zu verfolgen.
 
#23
Hallo,

dafür wäre eine Autookus nötig, der kann ja auch extern sein, um mit dem Aufnahmeprogramm immer wieder nachzufokussieren. Das macht aber am meisten Sinn mit Kompositaufnahmen mit sw-Kameras. Bei Colorkameras ist die Separation der Farbkanäle aus einer Aufnahme ja nur aus einem Fokus machbar, dann müsste man den Vorteil der "One-Shot-Colour" aufgeben, dagegen spricht bei Farbkameras die dort drinnen vorhandenen Farbfilter auf dem Chip. Die Idee mit dem Beschneiden des L-Fensters ist ein guter Weg, dazu kommt die Möglichkeit das Blurring in der EBV zu bekämpfen.

CS
Jörg
 

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