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Rechtl. Möglichkeiten geg. Skybeamer?

capricorn1

Mitglied
Hallo!
Ich denke wohl nur in Verbindung mit Ruhestörung usw.bzw. Gefährdung im Straßenverkehr!Und das musst du erst mal beweisen! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/tongue.gif" alt="" />

CS
Capricorn
 

rs_bastler

Mitglied
Hi Sirko,

bist Du ein weiterer "aktiver" gegen Lichtverschmutzung ?
Willkommen im Club ! :)

Mal so auf die Schnelle:

Bei Skybeamerproblem erst zum Bauordnungsamt und einfach einen schriftlichen Antrag auf Betriebsverbot stellen. (meist sind die Dinger nicht genehmigt / ...Bauordnung des jeweiligen Landes)
Dann zum Strassenverkehrsamt wegen Verkehrsgefährdung. (§33 StVO, Begründung z.B. mit Urteil: AZ. RN 6 K 96.2039) Und zum Schluss mit den zuständigen Stellen (z.B. Amt für Planung und Umwelt o.ä.) wegen Artenschutz (Zugvögel, Nachtfalter, Fledermäuse) sprechen. Manchmal nützt auch die Argumentation wegen Verzerrung des Landschaftsbildes.

Mit genügend freundlichem (!) Biss erreicht man meist bei den Behörden eine ganze Menge, d.h. mein Skybeamerproblem ist endgültig gelöst also aus.


Viel Erfolg !

Thomas
 

sirko

Mitglied
Hallo zusammen,

danke für die Tipps. Habe mich jetzt den ganzen Tag hingesetzt, recherchiert und folgendes Anschreiben an unser Bauamt vorbereitet. Ich bin für jede Anregung, jeden Tipp dankbar. Morgen werde ich das Anschreiben dann ans Amt faxen.

----schnipp

Sehr geehrter Herr Blabla,

hiermit stelle ich einen Antrag, die Nutzung zweier Lichtprojektionsanlagen (»Skybeamer«) zu untersagen. Standorte der Anlagen sind das »Musiczelt« in Briest und die Discothek Manhattan. Ich bitte zu prüfen, ob eine Genehmigung für diese Anlagen vorliegt.

Nach meiner Ansicht handelt es sich hierbei um Werbeanlagen (§9 Abs. 1 BbgBO), die gem § 54 BbgBO genehmigungspflichtig, aber aus nachfolgend aufgeführten Gründen (Landesbauordnung, Straßenverkehrsordnung, Naturschutz) nicht genehmigungsfähig sind.

Landesbauordnung
Ich bitte zu prüfen, ob die »Skybeamer« mit der Ausdehnung des Lichtstrahls gegen die textliche Festsetzung der für die Standorte bekannt gemachten Bebauungspläne verstoßen, insbesondere Beschränkungen (im Interesse der Gestaltung des Baugebietes sowie der umliegenden Außenbereiche) der Zulässigkeit von Werbeanlagen auf eine Einzelgröße sowie Begrenzungen der Gebäudehöhe.

Sollten örtliche Bauvorschriften eine Genehmigung ermöglichen, bitte ich zu prüfen, ob diese anwendbar sind, da die Lichtstrahlen der Werbeanlagen bis in den Außenbereich der Gemeinde und darüber hinaus strahlen (§ 81 Abs.8 BbgBO).

Bei der Lichtwerbung selbst handelt es sich meist um keine bauliche Anlage, da diese einen Teil des Vorhabens darstellt. Lichtwerbung wird jedoch an der Fassade oder auf Gebäuden angebracht. Somit muss das Vorhaben, welches folglich eine bauliche Anlage darstellt, den Anforderungen der §§ 30-37 BauGB entsprechen. Als Ausnahme davon wäre ein Pfosten mit einem Werbeschild als eigenständiges Vorhaben zu qualifizieren.
Im Geltungsbereich eines qualifizierten Bebauungsplans ist eine Lichtwerbeanlage gemäß § 30 Abs. 1 BauGB zulässig, wenn diese den getroffenen Festsetzungen nicht widerspricht. Unter dem Begriff der Lichtwerbung ist stets auch der Skybeamer zu subsumieren. Ein Himmelsstrahler ist eine bauliche Anlage i.S. des § 29 BauGB, seine Zulässigkeit richtet sich ebenfalls nach den §§ 30-37 BauGB. Da der Betrieb oder die Gestaltung einer Werbeanlage nicht zu den nach § 9 BauGB möglichen Festsetzungen gehört (Aufzählung in § 9 BauGB ist abschließend), richtet sich die Zulässigkeit eines Vorhabens (wie z.B. ein Skybeamer oder eine Litfasssäule) nach § 14 Abs. 1 S. 1 BauNVO. Mit der Festsetzung eines Baugebiets wird § 14 Abs. 1 S. 1 BauNVO gemäß § 1 Abs. 3 Satz 2 BauNVO Bestandteil des Bebauungsplans.

Auch wenn die Skybeamer nur für die Veranstaltungen aufgestellt werden sollten, ist von einer festen Anlage auszugehen, da die Anlagen durch eigene Schwere auf dem Boden ruhen (§2 BbgBO).

Entscheidend für den Charakter als Werbeanlage ist der Ankündigungs- oder Hinweischarakter dieser Einrichtung. Da die Himmelsstrahler auf die Diskotheken aufmerksam machen und Kunden dorthin lenken sollen, ist diese Voraussetzung zweifellos erfüllt. Der Hinweis erfolgt aber gerade durch den Lichtstrahl. Insoweit unterscheidet sich die Anlage von Werbeanlagen aus Neonröhren oder einer beleuchteten Tafel, da deren Anpreisungs- oder Hinweiszweck sich nicht aus dem Lichtschein, sondern dem belichteten textlichen oder grafischen Inhalt ergibt. Daher ist der Lichtstrahl zusammen mit dem ihn erzeugenden Gerät - maßgeblicher Bestandteil der Werbeanlage und unterfällt damit den bauordnungsrechtlichen Regelungen über solche Anlagen (s. VGH München, NVwZ 97, 2001; VG Stuttgart, NVwZ-RR 2000, 14; Große/Suchsdorf-Schmaltz-Wiechert, LBauO Niedersachsen, 6. Aufl., Rdnr. 13 zu § 79, Simon-Busse, a.a.O., Rdnr. 148 zu Art. 2; Dietlein, Zur baurechtlichen Problematik sog. Himmelsstrahler, BauR 2000, 1682 ff.; Hentschel, Straßenverkehrsrecht, 36. Aufl., Rdnr. 8 zu § 33 StVO).

Die beanstandeten Anlagen sind Werbeanlagen im Sinne der Landesbauordnung, die insgesamt, nämlich in ihrer funktionalen Einheit aus Gerät und davon ausgehenden Lichtstrahlen, eine Ausdehnung von 1 m² überschreiten und daher baugenehmigungs-pflichtig sind. Besteht somit die Werbeanlage aus dem Gerät sowie dem davon aus-gehenden Lichtstrahl, so bestimmt dessen Ausdehnung auch die Größe der Werbeanlage. Das führt dazu, dass die Skybeamer an den Diskotheken nicht nach § 62 Abs. 1 Nr. 8 a LBauO genehmigungsfrei sind.


Straßenverkehrsordnung
Nach § 33 StVO sowie § 9 Abs. 2 BbgBO sind Werbeanlagen verboten, wenn dadurch Verkehrsteilnehmer außerhalb geschlossener Ortschaften in einer den Verkehr gefährdenden oder erschwerenden Weise abgelenkt oder belästigt werden können. Die Himmelsstrahler zielen darauf ab, die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer zu erregen. Infolgedessen ist in aller Regel davon auszugehen, dass Verkehrsteilnehmer dem Zweck der Anlage entsprechend abgelenkt und belästigt werden. Dies gilt wegen der Fernwirkung der Anlagen auch für solche, die innerorts betrieben werden.
Skybeamer sind weithin wahrnehmbar. Das Bundesverkehrsministerium geht davon aus, daß Lichtwerbung bereits verboten ist, wenn die Möglichkeit besteht, daß Verkehrsteilnehmer dadurch so vom Verkehr abgelenkt werden, daß dies verkehrs-gefährdend oder -erschwerend ist. Dies gilt auch dann, wenn z. B. der Skybeamer keine konkrete Werbeschrift ausstrahlt, sondern durch die Verwendung von Lichtstrahlen auf den Standort aufmerksam macht. Siehe auch das Urteil des Bayr. Verwaltungsgericht Regensburg (1998): Ein Skybeamer wird wegen Verkehrsgefährdung verboten (Az.: RN 6 K 96.2039).

Naturschutz
Gem. § 10 Abschn. 3 BbgNatSchG ist die Errichtung oder wesentliche Änderung von Werbeanlagen im Außenbereich ein wesentlicher Eingriff in Natur und Landschaft. Da die mit den Skybeamern angestrebte Werbewirkung auch auf andere Art und Weise erreicht werden kann, ist der Eingriff in Natur und Landschaft gem. § 10 Abschn. 3 BbgNatSchG
zu unterlassen. Gemäß § 38 Abs. 1 BbgNatSchG dürfen Tiere nicht unnötig getötet werden. Es ist nachgewiesen, daß Skybeamer bei nachtaktiven Vögeln und Insekten zur Orientierungslosigkeit führen. Dies kann dazu führen, daß Vögel von ihrer Flugbahn abkommen und in die Scheinwerfer hineinfliegen. Da Licht bekanntermaßen Insekten anzieht, ist davon auszugehen, daß beim Einsatz eines Skybeamers unzählige lnsekten ums Leben kommen. Für alle Tierarten gelten zusätzlich die §§ 40 ff BNatSchG.

Bei Skybeamer handelt es sich um Weißlicht, welches von bis zu 5.000 Watt starken Lampen erzeugt und durch Linsen und Reflektoren scharfgebündelt wird. Das Licht enthält einen beachtlichen UV-Anteil, welcher von den Vögeln nach heutigen Erkenntnissen besonders gutwahrgenommen werden kann. Vögel werden auf Grund der
Lichtstrahlungen durch ihr empfindliches Navigationssystem auf dem Weg in ihre Winterquartiere beeinträchtigt. Diese ziehen oft stundenlang orientierungslos in den Leuchtkegeln der Lichtreklame und landen irgendwann erschöpft. Wertvolle Energie-reserven, die für einen Weiterflug notwendig sind, werden somit verbraucht.

Urteile gegen Skybeamer:

OVG Koblenz (2003): Skybeamer aus Gründen des Landschaftsschutzes und wegen des Ruhe- und Erholungsbedürfnisses der Bevölkerung verboten (Az.: 8 A 11286/02.OVG und Az 8 A 11217/02.OVG)
In Prüm wird ein Skybeamer verboten, weil die Gemeinde auf das Landschaftsbild des Naturparks Nordeifel besondere Rücksicht nehmen will (Az.: 8 A 11217/02.OVG).

Siehe auch folgenden Artikel in der taz: “Lichter in der Nacht”
http://www.taz.de/pt/2003/09/12/a0249.nf/text

Ich bedanke mich für Ihre Mühe, stehe telefonisch für eventuelle Fragen gern unter
XXX XXX zur Verfügung und verbleibe blablabla

----schnapp

Tipps, Anregungen, Ergänzugen?

Gruß
Sirko
 

rs_bastler

Mitglied
Hallo Sirko,

ohne jetzt die BbgBO zu studieren (für mich gilt NRW) würde ich sagen, dass alle relevanten Punkte in Deinem Antrag vorkommen. Ich finde Deinen Entwurf gut.
Letztendlich löst ein solcher Antrag ja auch nur die behördliche Prüfung auf Rechtmässigkeit aus und braucht nicht wasserdicht wie eine Anklageschrift zu sein. Trotzdem ist es meist so, dass den Behörden nicht die aktuelle Rechtslage (Gerichtsurteile) bekannt ist. Dann lohnt auf jeden Fall ein AZ. Das Thema Skybeamer scheint für die eine oder andere Behörde auch Neuland zu sein und dann ist ein wenig Nachhilfe immer geeignet.
Versuche auch noch das Strassenverkehrsamt und Umweltamt auf Deinen Antrag hinzuweisen, denn oft ist aus Sicht der Baubehörde kein Handlungsbedarf wärhrend z.B. das Umweltamt das gaaaaanz anders sieht ;-)
Bei mir haben diese Synergieeffekte jedenfalls geholfen.

Viel Erfolg !

Thomas
 

chipsy

Mitglied
Sehr gut finde ich, dass man ja deinen Text für andere Lichtverschmutzungen mit den unseeligen Skybeamern verwenden kann. Das erleichtert einem anderen vielleicht die Arbeit und sorgt für größeres Gegenhalten gegen diesen Unsinn.
 

sirko

Mitglied
Hallo Chipsy,

naja, bevor man den Text in anderen Regionen an das Bauamt schickt, müssen natürlich die Bezüge auf Landesgesetze auf das jeweilige Landesgesetz angepaßt werden. Ich habe den Text nocheinmal geändert, denn einen "Antrag auf Nutzungsuntersagung" gibt es nicht. Das Bauamt kann die Nutzung untersagen, eingereicht werden muß eine förmliche Beschwerde. Als ich eben im Bauamt angerufen habe, wollte der freundliche Herr gleich zum Gewerbeamt weiterleiten und war höchst erstaunt, als ich ihm erklärte, daß nach meiner Ansicht eine Baugenehmigung für diese Anlagen nötig sei. Ich würde vorschlagen, abzuwarten, wie sich diese Angelegenheit entwickelt und bei Erfolg eine an die jeweiligen Länder angepaßte Anschreiben-Sammlung zu erarbeiten. Bis dahin paste ich jetzt einmal den engültigen Text, der vor 5 Minuten ans Amt ging.

----schnipp
Beschwerde wegen zwei Lichtprojektionsanlagen (»Skybeamer«)

Brandenburg, 04. August 2005


Sehr geehrter Herr Blablabla,

hiermit bitte ich Sie, die Nutzung zweier Lichtprojektionsanlagen (»Skybeamer«) zu untersagen. Standorte der Anlagen sind das »Musiczelt« in Briest und die Discothek Manhattan Am Schützenworth. Bitte prüfen Sie doch, ob überhaupt eine Baugenehmigung für diese Anlagen erteilt wurde.

Nach meiner Rechtsverständnis handelt es sich hierbei um Werbeanlagen nach §9 Abs. 1 BbgBO, die gem § 54 BbgBO genehmigungspflichtig, aber aus nachfolgend aufgeführten Gründen (Landesbauordnung, Straßenverkehrsordnung, Naturschutz) nicht genehmigungsfähig sind.

Landesbauordnung
Ich bitte zu prüfen, ob die »Skybeamer« mit der Ausdehnung des Lichtstrahls gegen die textliche Festsetzung der für die Standorte bekannt gemachten Bebauungspläne verstoßen, insbesondere Beschränkungen (im Interesse der Gestaltung des Baugebietes sowie der umliegenden Außenbereiche, Rücksichtnahme auf das Landschaftsbild) der Zulässigkeit von Werbeanlagen auf eine Einzelgröße sowie Begrenzungen der Gebäudehöhe.

Sollten örtliche Bauvorschriften eine Genehmigung ermöglichen, bitte ich zu prüfen, ob diese anwendbar sind, da die Lichtstrahlen der Werbeanlagen bis in den Außenbereich der Gemeinde und darüber hinaus strahlen (§ 81 Abs.8 BbgBO).

Bei der Lichtwerbung selbst handelt es sich meist um keine bauliche Anlage, da diese einen Teil des Vorhabens darstellt. Lichtwerbung wird jedoch an der Fassade oder auf Gebäuden angebracht. Somit muss das Vorhaben, welches folglich eine bauliche Anlage darstellt, den Anforderungen der §§ 30-37 BauGB entsprechen. Als Ausnahme davon wäre ein Pfosten mit einem Werbeschild als eigenständiges Vorhaben zu qualifizieren.
Im Geltungsbereich eines qualifizierten Bebauungsplans ist eine Lichtwerbeanlage gemäß § 30 Abs. 1 BauGB zulässig, wenn diese den getroffenen Festsetzungen nicht widerspricht. Unter dem Begriff der Lichtwerbung ist stets auch der Skybeamer zu subsumieren. Ein Himmelsstrahler ist eine bauliche Anlage i.S. des § 29 BauGB, seine Zulässigkeit richtet sich ebenfalls nach den §§ 30-37 BauGB. Da der Betrieb oder die Gestaltung einer Werbeanlage nicht zu den nach § 9 BauGB möglichen Festsetzungen gehört (Aufzählung in § 9 BauGB ist abschließend), richtet sich die Zulässigkeit eines Vorhabens (wie z.B. ein Skybeamer oder eine Litfasssäule) nach § 14 Abs. 1 S. 1 BauNVO. Mit der Festsetzung eines Baugebiets wird § 14 Abs. 1 S. 1 BauNVO gemäß § 1 Abs. 3 Satz 2 BauNVO Bestandteil des Bebauungsplans.

Entscheidend für den Charakter als Werbeanlage ist der Ankündigungs- oder Hinweischarakter dieser Einrichtung. Da die Himmelsstrahler auf die Diskotheken aufmerksam machen und Kunden dorthin lenken sollen, ist diese Voraussetzung zweifellos erfüllt. Der Hinweis erfolgt aber gerade durch den Lichtstrahl. Insoweit unterscheidet sich die Anlage von Werbeanlagen aus Neonröhren oder einer beleuchteten Tafel, da deren Anpreisungs- oder Hinweiszweck sich nicht aus dem Lichtschein, sondern dem belichteten textlichen oder grafischen Inhalt ergibt. Daher ist der Lichtstrahl zusammen mit dem ihn erzeugenden Gerät - maßgeblicher Bestandteil der Werbeanlage und unterfällt damit den bauordnungsrechtlichen Regelungen über solche Anlagen (s. VGH München, NVwZ 97, 2001; VG Stuttgart, NVwZ-RR 2000, 14; Große/Suchsdorf-Schmaltz-Wiechert, LBauO Niedersachsen, 6. Aufl., Rdnr. 13 zu § 79, Simon-Busse, a.a.O., Rdnr. 148 zu Art. 2; Dietlein, Zur baurechtlichen Problematik sog. Himmelsstrahler, BauR 2000, 1682 ff.; Hentschel, Straßenverkehrsrecht, 36. Aufl., Rdnr. 8 zu § 33 StVO).

Die beanstandeten Anlagen sind Werbeanlagen im Sinne der Landesbauordnung, die insgesamt, nämlich in ihrer funktionalen Einheit aus Gerät und davon ausgehenden Lichtstrahlen, eine Ausdehnung von 1 m² überschreiten und daher baugenehmigungs-pflichtig sind. Besteht somit die Werbeanlage aus dem Gerät sowie dem davon aus-gehenden Lichtstrahl, so bestimmt dessen Ausdehnung auch die Größe der Werbeanlage. Das führt dazu, dass die Skybeamer an den Diskotheken nicht nach § 62 Abs. 1 Nr. 8 a LBauO genehmigungsfrei sind.

Straßenverkehrsordnung
Nach § 33 StVO sowie § 9 Abs. 2 BbgBO sind Werbeanlagen verboten, wenn dadurch Verkehrsteilnehmer außerhalb geschlossener Ortschaften in einer den Verkehr gefährdenden oder erschwerenden Weise abgelenkt oder belästigt werden können. Die Himmelsstrahler zielen darauf ab, die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer zu erregen. Infolgedessen ist in aller Regel davon auszugehen, dass Verkehrsteilnehmer dem Zweck der Anlage entsprechend abgelenkt und belästigt werden. Dies gilt wegen der Fernwirkung der Anlagen auch für solche, die innerorts betrieben werden.
Skybeamer sind weithin wahrnehmbar. Das Bundesverkehrsministerium geht davon aus, daß Lichtwerbung bereits verboten ist, wenn die Möglichkeit besteht, daß Verkehrsteilnehmer dadurch so vom Verkehr abgelenkt werden, daß dies verkehrs-gefährdend oder -erschwerend ist. Dies gilt auch dann, wenn z. B. der Skybeamer keine konkrete Werbeschrift ausstrahlt, sondern durch die Verwendung von Lichtstrahlen auf den Standort aufmerksam macht. Siehe auch das Urteil des Bayr. Verwaltungsgericht Regensburg (1998): Ein Skybeamer wird wegen Verkehrsgefährdung verboten (Az.: RN 6 K 96.2039).
Naturschutz
Gem. § 10 Abschn. 3 BbgNatSchG ist die Errichtung oder wesentliche Änderung von Werbeanlagen im Außenbereich ein wesentlicher Eingriff in Natur und Landschaft. Da die mit den Skybeamern angestrebte Werbewirkung auch auf andere Art und Weise erreicht werden kann, ist der Eingriff in Natur und Landschaft gem. § 10 Abschn. 3 BbgNatSchG
zu unterlassen. Gemäß § 38 Abs. 1 BbgNatSchG dürfen Tiere nicht unnötig getötet werden. Es ist nachgewiesen, daß Skybeamer bei nachtaktiven Vögeln und Insekten zur Orientierungslosigkeit führen (Siehe auch Beschluss des Länderausschuss für Immissionsschutz vom 10. Mai 2000: “Hinweise über die schädliche Einwirkung von Beleuchtungsanlagen auf Tiere - insbesondere auf Vögel und Insekten - und Vorschläge zu deren Minderung”). Dies kann dazu führen, daß Vögel von ihrer Flugbahn abkommen und in die Scheinwerfer hineinfliegen. Da Licht bekanntermaßen Insekten anzieht, ist davon auszugehen, daß beim Einsatz eines Skybeamers unzählige lnsekten ums Leben kommen. Für alle Tierarten gelten zusätzlich die §§ 40 ff BNatSchG.

Bei Skybeamer handelt es sich um Weißlicht, welches von bis zu 5.000 Watt starken Lampen erzeugt und durch Linsen und Reflektoren scharf gebündelt wird. Das Licht enthält einen beachtlichen UV-Anteil, welcher von den Vögeln nach heutigen Erkenntnissen besonders gutwahrgenommen werden kann. Vögel werden auf Grund der
Lichtstrahlungen durch ihr empfindliches Navigationssystem auf dem Weg in ihre Winterquartiere beeinträchtigt. Diese ziehen oft stundenlang orientierungslos in den Leuchtkegeln der Lichtreklame und landen irgendwann erschöpft. Wertvolle Energie-reserven, die für einen Weiterflug notwendig sind, werden somit verbraucht.

Urteile gegen Skybeamer:

OVG Koblenz (2003): Skybeamer aus Gründen des Landschaftsschutzes und wegen des Ruhe- und Erholungsbedürfnisses der Bevölkerung verboten (Az.: 8 A 11286/02.OVG und Az 8 A 11217/02.OVG)
In Prüm wird ein Skybeamer verboten, weil die Gemeinde auf das Landschaftsbild des Naturparks Nordeifel besondere Rücksicht nehmen will (Az.: 8 A 11217/02.OVG).

Siehe auch folgenden Artikel in der taz: “Lichter in der Nacht”
http://www.taz.de/pt/2003/09/12/a0249.nf/text

Ich bedanke mich für Ihre Mühe, stehe telefonisch für eventuelle Fragen gern unter
XXX XXX zur Verfügung und verbleibe blablabla

---schnapp


Viele Grüße
Sirko
 

Amin

Mitglied
Hallo Sirko,

dann halte uns hier mal ab und zu auf dem Laufenden wie die Behörden darauf reagieren. Ich drücke die Daumen! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Auf jeden Fall ein sehr interessantes Thema!


Grüße, Amin
 

Ralf_Hofner

Mitglied
Hallo Sirko,


ein sehr guter Text. Vielleicht aber etwas zu lang - ob sich unsere fleißigen Beamten in ihrer kostbaren Zeit <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> das alles wirklich genau durchlesen...

Es wäre toll, wenn Du auf dem HTT Deine Initiative mal in einem Kurzvortrag mit anschl. Diskussion vorstellen würdest. Da mittlerweile sogar in der tiefsten Provinz sinnlose Skybeamer herumstrahlen, wird das mit Sicherheit viele interessieren. Einige unserer Stammgäste sind auf diesem Gebiet auch sehr engagiert. Und die deutsche Astroszene sollte m.E. stärker alle ihre Treffen nutzen, um Ideen und Erfahrungen im Kampf gegen dieses Übel auszutauschen und sich gegenseitig zu motivieren.

Generell scheint mir der Kampf gegen Skybeamer dann erfolgversprechend zu sein, wenn er auf möglichst breiter Front erfolgt. Wir brauchen Verbündete:
- regionale Niederlassungen von Automobilclubs
- Vogelkundler
- Naturschützer
- Veteranenclubs (ältere Bürger fühlen sich an Flakscheinwerfer der Bombennächte erinnert, bekommen Alpträume...)
Wenn die Amtsstuben aus verschiedenen Richtungen immer wieder mit Schreiben genervt werden, steigt das Bedürfnis, dieses leidige Problem loszuwerden!

Zu anfangs sollte auch die Variante der gütlichen Einigung stehen, manch persönliches Gespräch bewirkt Wunder: der Lichtstrahl ist dann z.B. zeitlich begrenzt und wird nur in bestimmte Richtungen gelenkt. Funktioniert natürlich nicht unbedingt, ist aber einen Versuch allemal wert ,zumal er ggfs. sofort zum Erfolg führt.
Ich wünsch Dir und uns allen einen langen Atem in diesem Kampf!


Sternklare Grüsse
Ralf

www.herzberger-teleskoptreffen.de

 

caf2

Mitglied
...nanana Ralf: keine pauschale "Beamtenschellte"; bin selber einer und habe alle Postings gelesen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Also ich wünsche Sirko auch, dass er Erfolg hat.

Hier in der Nähe von Greifswald war der Spuk nur kurz. Es kostete wohl zuviel Strom.

Gruß,
Michael
 

Ralf_Hofner

Mitglied
Hallo Michael,

...nanana Ralf: keine pauschale "Beamtenschellte"; bin selber einer und habe alle Postings gelesen
Meine Frau ist auch Beamte (aber nicht astrointeressiert und liest daher meine Zeilen oben nicht <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> )

Aber im ernst, weshalb der gewöhnliche deutsche Staatsdiener dem Bürger oft als träge erscheinen muß, ist vor allem im riesigen Paragraphendschungel begründet, durch den er sich erst durcharbeiten muß, bevor er Antworten auch zu relativ einfachen Fragen geben kann. Dieser gigantische bürokratische Müllhaufen ist seit Kaisers Zeiten von einem relativ kleinen Prozentsatz z.T. kranker Gehirne aufgetürmt worden und besonders seit Bestehen der EU wird es immer schlimmer.
Es gibt Gesetze, die zu 100% unnütz und überflüssig sind (z.B. die Mindestlänge einer zum Verkauf zugelassenen Gurke), aber Regelungen gegen Lichtverschmutzung fehlen, obwohl dadurch viele naturverbundene Menschen gestört und zahlose Tiere (Vögel, Insekten) qualvoll getötet werden.
Da nun ein klares Gesetz nicht da ist, müssen wir uns also bewußt den Paragraphendschungel zunutze machen und die Skybeamer mit vielerlei Vor- und Einwänden verbieten lassen. Ein zuweilen grotestkes, aber hoffentlich zunehmend erfolgreiches Unterfagen.

Gruß und cs
Ralf

www.herzberger-teleskoptreffen.de

 

sirko

Mitglied
Hallo zusammen,

den obigen Text habe ich absichtlich sehr ausführlich gestaltet. Die Beamten im Bauamt, mit denen ich vorher telefoniert habe, waren nämlich der Meinung, daß das gar nicht in ihr Ressort fällt: "..Aber ich lerne immer gern dazu". Das Ganze geht sowieso zuerst zur Rechtsabteilung und wird geprüft. Auf das Ergebnis bin ich ziemlich gespannt, die Antwort werde ich hier natürlich auch veröffentlichen. Aber das kann dauern.

@Ralf_Hofner: Ich fühle mich durch die Einladung zu einem Vortrag sehr geehrt, aber überfordert. Auf dem Gebiet bin ich beleibe kein Experte und vor allem kein Jurist. Nichtsdestotrotz freuen meine Freundin und ich uns schon sehr auf das HTT.

Viele Grüße
Sirko
 
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