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Schaltsekunden

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Infolge der Gezeitenwirkung von Mond und Sonne verlangsamt sich die Erdrotation allmählich, so dass die Tageslänge inzwischen etwas mehr als 86400 Sekunden auf der Atomuhr ausmacht. Zum Ausgleich wurden seit 1972 nach Vorgaben vom International Earth Rotation and Reference Systems Service (IERS) in unregelmäßigen Abständen Schaltsekunden oder Leap Seconds eingeführt, bislang siebenundzwanzig mal. In den letzten Jahren hat die Verlangsamung der Erdrotation allerdings etwas abgenommen, so dass vorerst keine weiteren Schaltsekunden erforderlich waren. Die letzte Schaltsekunde wurde am 31. Dezember 2016 um 24:00:00 eingefügt, so dass sich der Beginn des neuen Jahres um eine Sekunde verzögerte.

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Abweichung der mittleren astronomischen Tageslänge UT1 von Atomuhrzeit UTC zu 86400 Sekunden/Tag
und kumulative Differenz seit Einführung von Schaltsekunden im Jahr 1972
Credit: Wikipedia/IERS

Das Verfahren mit den Schaltsekunden führt immer wieder zu Problemen mit Uhren und Computersystemen, deren Programme nicht auf solche Zeitsprünge eingerichtet sind. Schon seit einiger Zeit gibt es Forderungen, die Schaltsekunden ganz abzuschaffen und stattdessen in größeren Intervallen Schaltstunden einzufügen. Das würde allerdings eine sich akkumulierende Diskrepanz zwischen Atomuhrzeit UTC und mittlerer astronomischer Sonnenzeit UT1 bewirken und wird deshalb nicht nur von Astronomen abgelehnt. Es ist ähnlich wie bei dem ewigen Streit um die Sommerzeit. Die Angelegenheit mit der vorgeschlagenen Abschaffung der Schaltsekunden wurde immer wieder vertagt, nun schon seit 15 Jahren.
 
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