Sonne: von Fibrillen über Rosetten zu Spikulen.

Oreoluna

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Da momentan nichts Neues der Sonne zu entlocken ist, und es da und dort zu Fragen kam/kommt, was oder wie äußern sich die Phänomene auf der Sonne, stelle ich mal diese kleine Doku dazu ein.
Es gibt allgegenwärtige Erscheinungen der Chromosphäre, die daher immer zu beobachten sind, unabhängig von Minimum oder Maximum des Sonnenzyklus, nämlich die Fibrillen.
Diese Wasserstoff-Kegel, am Rande dann als Spikulen bezeichnet und sichtbar, schießen mit enormen Geschwindigkeit aus den Rändern der Granulen heraus. Erreichen max. einen Durchmesser bis zu 1000Km und 7-10`000Km Höhe. Sie fallen auch gleich wieder in sich zusammen. Die Anordnung der Fibrillen kann sehr unterschiedlich ausfallen, je nach dem welchen Magnetfeldern sie folgen müssen. Oft umrahmen sie ein kleines Plages (Fackelgebiet) und so sehen sie aus wie eine Rose! Daher auch Rosetten genannt. Dann können sie natürlich auch längsgezogene Anordnung haben oder bilden grosse Kreise, was wiederum den Supergranulen zuzuordnen ist. Diese Anordnung ist jedoch praktisch nur bei Gesamtsonne oder bei Großfeld Sonnen Oberflächenaufnahmen gut wahrnehmbar. Je nach Vergrößerung des Beobachters werden somit die Fibrillen, in welchen Anordnung auch immer, als „Graupel“ auf der Gesamtsonne oder hochaufgelöst in deutlich erkennbaren Charakteristik der oben beschriebenen Formen beobachtbar.

Anbei ein Bild zum obigen Text.

14.36h-MESZ.jpg


Diese Doku zeigt z.B die Bewegung der Fibrillen..... siehe dazu die zweite Animation.

CS Jozef
 

Canonist

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Hallo Jozef,
Danke für die Erklärung. Ich dachte mir schon, dass Du das meinst, aber selbst die Googlesuche brachte dazu kaum Ergebnisse. Der Begriff im Englischen ist hingegen leichter zu finden.
CS
Rudolf
 

Oreoluna

Mitglied
Hallo Rudolf.
Die Sonne scheint ein Fremdwort bei den lieben Astrokollegen zu sein, obwohl es der nahegelegenste Stern des Universums zu uns ist! Daher sind wahrscheinlich auch nur spärlich Infos im Internet und Bücher in deutscher Sprache in Buchhandlungen zu finden. Mein bestes Buch zur Sonne stammt aus dem Jahre 1957……..
Übrigens ist die obige Aufnahme mit 6" Öffnung und knapp 5m Brennweite entstanden. Die Animationen mit 7" Öffnung ebenfalls 5m Brennweite. So siehst Du etwa, wo Dein 7zöller hinkommen könnte!
CS Jozef
 

StHz

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Hallo Jozef,

deine Sonnenbilder sind ja stets phänomenal, hier ganz besonders deine Animation. Beim Equipment erwähnst du ganz verschiedene „Sonnenfilter“. Hast du eventuell irgendwo ein Bild oder eine Grafik, wie die angeordnet sind? Das D-ERF zB ist bei mir vor der vordersten Linse montiert. Dann wäre deine Optik aber auf ca. 6,5“ und nicht auf 7“ abgeblendet.Montierst du es also im Inneren des Strahlengangs?

Interessant wäre auch deine Einschätzung, ob die doppelten Ha-Filter zu einer signifikanten Verbesserung des Kontrastes führen. Und wie gut dein Seeing normalerweise ist. Bei mir wabert es dann doch sehr stark an der Sonne.

Viele Grüße
Stefan
 

Oreoluna

Mitglied
Hallo Stefan.

So auf die Schnelle lässt sich das alles nicht einfach beantworten. Zum erwähnten 8zöller und dessen Vorgänger siehe diese Doku dazu. Ich verwendete je nach Telskop die D-ERF im Innern des Tubus. Das ist aber heikel, denn da muss man schon wissen was man tut. Zudem kommen damit auch leichte Schwierigkeit mit serviert, wie z.B Reflektionen. Das ist aber alles lösbar. Vorteilhaft bei diesen offenen Tuben ist z.B., dass sie praktisch auch bei stärkeren Böen Ruhig bleiben, was Volltuben schon mit Schwingen beantworten. Die Mär bezüglich Lichtstreuung weil der Tubus offen ist..... kann ich schon vorweg abwinken, ist kein Thema bei der Wellenlänge H-Alpha.



Was meinst Du mit Kontraststeigerung genau? Die meisten angebotenen Filter, agieren so um 0,7 À, darum gibt es ja das DS = double stacked! Meine Daystarfilter: Quark laut Hersteller 0,5À das aber auch nicht weit davon entfernt ist, kombiniere ich gerne mit Lunt LS50 Vorfilter. Das selbe LS50 nutze ich auch zum DS am 0,6À Quantum. So kommen die Werte der Halbwertbreite der kombinierten Filter jeweils irgendwo (geschätzt) bei 0,4À an. Dadurch wird die Chromosphäre deutlich detailreicher und differenzierter abgebildet. Z.B ist die Trennung der Filamente in schön abgestuften Tonwerten gegenüber der Chromosphäre viel deutlicher. Das hat aber nichts mit Kontras Steigerung zu tun, lediglich mit dem sichtbarmachen der Chromosphäre in engeren Halbwertbreite. U.S.W....


Was man aber selten berücksichtigt sind Faktoren wie, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, die bei H-Alpha eine nicht unwesentliche Rolle spielen, sowie die Meereshöhe des Standortes.

Das Liebe Seeing will überlistet werden. Ich messe nun schon seit einigen Jahren bei jeder Beobachtung das Seeing live mit. Siehe SSM Diagramm unten. So gesammelte Diagramme, anhand derer sichtbar wird, dass an meinem Standort die Luftunruhe enorm zugenommen hat, und das innert 3 Jahren. Nun, hat man nicht solch gemessenen Werte zum Vergleich ist das mit dem Seeing so eine Sache. Jeder schätzt es eben nach Gefühl, Erfahrung u.s.w ein.
Das Topp Bild: Ich sitze z.B. über Stunden am Bildschirm und beobachte die eine Parzelle um DAS Avi zu erwischen! Als Betrachter so erzeugter Aufnahme kommt man nie auf den Gedanken, dass das eine enorme Arbeit war diesen Moment einzufangen, denn das Bild spricht für: Du hatest aber ein suuuuper Seeing gehabt.

Das ist die Realität von 3 Juni 2019
Seeing-1.jpg


Seeing-2.jpg

Das SSM wird so gelesen: Werte von 0 bis 0,8 = topp Seeing alles darüber, also je höher der Wert um so mieser das Seeing.

CS Jozef
 

Canonist

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Hallo Rudolf.
Die Sonne scheint ein Fremdwort bei den lieben Astrokollegen zu sein, obwohl es der nahegelegenste Stern des Universums zu uns ist! Daher sind wahrscheinlich auch nur spärlich Infos im Internet und Bücher in deutscher Sprache in Buchhandlungen zu finden. Mein bestes Buch zur Sonne stammt aus dem Jahre 1957……..
Übrigens ist die obige Aufnahme mit 6" Öffnung und knapp 5m Brennweite entstanden. Die Animationen mit 7" Öffnung ebenfalls 5m Brennweite. So siehst Du etwa, wo Dein 7zöller hinkommen könnte!
CS Jozef
Hallo Jozef.
Das glaube ich manchmal auch. Aktuelle gute Bücher zu dem Thema sind mir auch nicht bekannt, aber das Internet als unerschöpfliche Quelle sollte an sich mehr bieten. Im Fall der Rosetten reichte fast die erste Seite an Google-Suchergebnissen, um alles aufzulisten...
Der Unterschied zu 2,5 Zoll, wie ich sie jetzt mit meinem kleinen Selbstbau mit ERF bei 67mm freier Öffnung erreichen könnte, ist schon riesig. Nun hat der "Kleine" sein Potenzial bislang ja auch noch in keiner Weise entfalten können, ich kann ja erst seit etwa drei Wochen damit beobachten und videographieren.
Du schreibt von Stunden, die Du auf das optimale Seeing wartest. Himmel, so viel Zeit hätte ich gern einmal. Während der Woche kann ich bestenfalls mal 30 bis 40 Minuten in meiner einstündigen Mittagspause nutzen – mit dem Seeing, das es da nun mal gibt. Im Sommer vielleicht auch nochmal am Nachmittag nach 16 Uhr. Am Wochenende bleibt immer noch zu viel anderes zu tun, um sich so lang ans Teleskop zu binden. Ich weiß, die besten Augenblicke verstreichen vermutlich ohne meine Präsenz am Rohr. So ist das eben.

Vom "Kleinen" zum Großen kommt der Schritt im Übrigen nun schneller als vorher vermutet: Vor ein paar Tagen hat sich die Gelegenheit ergeben, ein D-ERF mit 180mm-Öffnung zu erwerben, das ich gegen Ende Februar bekommen werde. Angesichts des Preises habe ich nicht gezögert. So ist nun doch eine Lösung für meinen Starfire auf dem Weg, die ich an sich erst später angehen wollte. Und ich bin mir bewusst und sicher, dass dies weitere Veränderungen nach sich ziehen wird. Aber, auch das ist ja ein Teil der Spannung in unserem Hobby.
CS
Rudolf
 

Oreoluna

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Hallo Rudolf.
Du schreibt von Stunden, die Du auf das optimale Seeing wartest. Himmel, so viel Zeit hätte ich gern einmal.
Das hängt mit zwei Dingen zusammen:
Ich arbeite nachts und habe danach entsprechend frei (5Nächte arbeiten – 5Tage frei). Der zweite Punkt ist, mein sehr intensives Interesse an unserem Stern. Ab Herbst dieses Jahres habe ich dann immer ZEIT.... da Rentner :cool:

Vor ein paar Tagen hat sich die Gelegenheit ergeben, ein D-ERF mit 180mm-Öffnung zu erwerben, das ich gegen Ende Februar bekommen werde.
Gratuliere zum 180er D-ERF. Ob Du aber mit dem PST ( die haben so um 1 À ) noch glücklich sein wirst ist die eine Frage, ob Du in den Fokus kommst, die andere, denn der PST Kasten hat einen enormen Lichtweg. Vergiss die Brennweite nicht die entsteht..... das ist kein Zuckerschlecken! Ich begann mit der Sonnenbeobachtung im Herbst 2013 mit einem Lunt LS60 Sonnenscop, und danach ging es rasant in Richtung größere Öffnung, begleitet mit entsprechend wachsender Brennweite und damit zusammenhängenden Hürden.....
Nun, Du wirst deine Erfahrungen damit schon selbst machen. ;)

CS Jozef
 
Zuletzt bearbeitet:

Canonist

Mitglied
Das hängt mit zwei Dingen zusammen:
Ich arbeite nachts und habe danach entsprechend frei (5Nächte arbeiten – 5Tage frei). Der zweite Punkt ist, mein sehr intensives Interesse an unserem Stern. Ab Herbst dieses Jahres habe ich dann immer ZEIT.... da Rentner :cool:
Du Glücklicher. Ich bin zwar ein Jahr älter als Du, aber arbeite noch etwa bis Ende '22 (aus freien Stücken, aufhören könnte ich schon)

Gratuliere zum 180er D-ERF. Ob Du aber mit dem PST ( die haben so um 1 À ) noch glücklich sein wirst ist die eine Frage, ob Du in den Fokus kommst, die andere, denn der PST Kasten hat einen enormen Lichtweg. Vergiss die Brennweite nicht die entsteht..... das ist kein Zuckerschlecken! Ich begann mit der Sonnenbeobachtung im Herbst 2013 mit einem Lunt LS60 Sonnenscop, und danach ging es rasant in Richtung größere Öffnung, begleitet mit entsprechend wachsender Brennweite und damit zusammenhängenden Hürden.....
Nun, Du wirst deine Erfahrungen damit schon selbst machen. ;)
Das meinte ich mit "das wird wohl weitere Veränderungen nach sich ziehen"...
Dranpassen wird das PST. Ich habe keinen Starfire von der Stange, sondern die Originallinse in einem Selbstbaurohr. Da sitzt am Ende ein Lichtenknecker System 64, das ich immer mit erheblichen Verlängerungen am FOK benutze. Die raus kommt man mit dem Okularauszug allein sicher in den PST-Fokus. Die 1600mm sind ganz klar eine andere Nummer als die 900 meines Mod's, das ist mir schon klar. Ich schätze, das kleine Blockfilter wird irgendwann der Grund sein, warum die PST-Box am Starfire nur übergangsweise ihren Dienst tun wird. Nach anderen Lösungen werde ich mich aber in Ruhe umschauen, das ITV in Gedern ist immer eine gute Gelegenheit zum Rumprobieren. Da haben wir schon oft genug durch alle möglichen H-alpha-Teleskope geschaut. So lang hin ist's bis dahin (21. Mai) ja auch nicht mehr.
CS
Rudolf
 

Oreoluna

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Hallo Rudolf.
Ich kenne nur einen der mit einem PST mod (wie dieser aufgebaut ist ? ) arbeitet und extrem gute Bilder damit erzeugt.
Siehe hier. Scrolle da mal etwas nach unten!!!
CS Jozef
 

Canonist

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Olala.
Allerdings mit einem "Monsterteleskop" von 9" Öffnung, das speziell für H-alpha optimiert ist...
Er verwendet außerdem offenbar seit Anbeginn schon eine Mod2-Version, heißt nur das PST-Etalon und als Blockfilter das Lunt BF1200, wie ich in einen Video auf seiner Youtube-Seite ( Neals30 ) und auf seiner Webseite ( Nouvelle page 2 ) gesehen habe. Auf Youtube gibt es auch Live-Videos, an denen man ganz gut das Seeing beurteilen kann. Solches habe ich vielleicht fünfmal im Jahr...
CS
 

Oreoluna

Mitglied
Hallo Rudolf.

Schon klar, dass J.P eine Liga für sich ist. Hier im Forum ist der "Panky" mit einem PST Kasten am 100er Refi an der Sonne aktiv. Siehe aktuelles Bild von heute.

Das Objektiv von J.P ist ein Achromat, der in rot korrigiert ist, also das wäre dann auch das spezielle! als H-Alpha Teleskop. Jeder Apo kann das von hause aus.

CS Jozef
 
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