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Sumpf der Fäulnis

clapebe

Mitglied
In der sky and T. Dec issue ist auf den Amateurseiten etwas über die Mondformationen beschrieben, die auf frühere Aktivität hindeuten. Daraufhin habe ich mich mal wieder mit der Mondkarte beschäftigt und mir ist aufgefallen, daß die heute vergebenen Namen für Landschaften auf den Himmelskörpern des Sonnensystems leider nicht mehr so wohlklingend ausfallen wie zu Ricciolis Zeiten.

Vor 350 Jahren nannte man die Meere und Buchten auf dem Mond mare nectaris oder sinus iridium, man hatte noch Phantasie, selbst beim palus epidemiarum (Sumpf der Seuchen) oder palus putredinis (Sumpf der Fäulnis) nahe Archimedes, freut man sich noch über den Einfallsreichtum der Altvorderen.

Fürchtet man heute den Spott späterer Astronomen, wenn man die riverbeds (auf Titan etwa) oder faults (auf Europa) nicht so blumig benennt? Ich wäre dafür es dennoch zu tun.

Gruß von Clapebe
 

Luzypher

Mitglied
Hi folks!

Naja, zum einen liegt es daran, daß man in der vergangenen Zeit einen engeren Bezug zu Mythen und Natur hatte, was dann auch zu den Assoziationen bei der Benennung "unbekannter" Terrains führte.

Heutzutage ist das alles wesentlich zweckmäßiger. Alles muß katalogisierbar sein. Zudem sind uns heutige Naturphänomene wesentlich deutlicher und detaillierter bekannt, so daß man eben auch bei extraterrestrischem Terrain bekannte Beschreibungen anwenden kann.

Abgesehen davon ist angelsächsisch eine fürchterliche und keine wirklich schöne Sprache, die in irgendeiner Weise auch nur annähernd solche Assoziationen zu mythologischen oder phantasievollen Bezeichnungen taugt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" /> Eine solch einfache und primitive Sprache entspricht unserem Zeitgeist und Zweckdenken.

Zudem muß man bedenken, daß heute in wesentlich kürzerer Zeit deutlich mehr Entdeckungen gemacht werden als in der Vergangenheit ... da stößt die Kreativität der "organisierten und institutionellen Wissenschaft" schnell an ihre Grenzen. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />

cu ...
Luzy
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Pascha

Mitglied
Heja clapebe!
Die Alten haben sich dabei etwas gedacht. Der Mond hatte demnach eine freundliche Seite ( Heiterkeit, Fruchtbarkeit, Ruhe ) und einen bösartigen Teil ( Regen, Nebel,Stürme ).
Allerdings waren die Regeln nicht so streng, dass dieses Schema durchgehalten wurde. Dann darf man nicht vergessen, dass damals über die wahre Natur des Mondes noch kräftig spekuliert wurde.
Jedenfalls ist mir das so in Erinnerung. Hi, hi, hi, wenn ich mich nicht irre, um mit Sam Hawkings zu reden.
Allzeit klaren Himmel Pascha
 

eissov

Mitglied
Hmm unromantisch?

http://planetarynames.wr.usgs.gov/

sagt mir da was anderes!

z.B. für Titan

Albedo: Heilige oder verzauberten Plätze, Paradiese oder himmlische Reiche aus Legenden, Mythen, Geschichten und Gedichten der Kulturen der Welt

Krater: Götter und Göttinnen der Klugheit

Facula: und Faculae: Namen von Inseln auf der Erde, die nicht politisch unabhängige Inseln sind, Namen von Archipeln

Flumina: Namen von mythischen oder erfundenen Flüssen

Lac\-us Seen auf Masse, vorzugsweise mit einer Form ähnlich zum lacus auf Titan

Maculae, regiones und arc\-us: Gottheiten des Glückes, des Friedens und der Harmonie der Weltkulturen

Virgae: Götter und Göttinnen des Regens

Andere Eigenschaften: Plätze aus der Argonautica


Klingt als werden alte Traditionen hochgehalten.

Auf Santorini in Shangri-la würde man doch vom Namen fast Urlaub machen wollen? Soll laut so ner komischen Raumsonde aber doch nicht so gutes Wetter sein. Außerdem ist der Himmel recht oft bedeckt. Nix für unser Hobby.

Weg mit den Wolken!
Detlev
 

MiBe

Mitglied
Die Oberfläche von Titan ist doch derzeit noch so unbekannt, (bis auf die winzige Stelle wo im Januar das Raumschiff gelandet ist), dass man gar keine Namen vergeben kann.

Der Rest von Titan ist doch unter dichten Wolken verborgen und die Geografie müsste ja erstmal erforscht werden.
 

clapebe

Mitglied
Allerdings waren die Regeln nicht so streng, dass dieses Schema durchgehalten wurde. Dann darf man nicht vergessen, dass damals über die wahre Natur des Mondes noch kräftig spekuliert wurde.

Hi Pascha,
schon klar, man ist heute vorsichtiger. Hätten die Altvorderen phantastische Superfernrohre gehabt und damit die Rillen auf Europa sehen können, dann gäbe es dort jetzt vielleicht eine*Straße der Elefanten* <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/totlach2.gif" alt="" />


gruß Clapebe
 

Moderator2

inaktiv
Hallo zusammen,

so langsam geht mir der Privatkrieg zwischen einigen von Euch auf den Keks. Ich habe die eindeutige Bitte an alle(!), beim Thema zu bleiben! Und besonders fangt jetzt nicht damit an herumzudiskutieren, wer wie wo mit welchem Beitrag angefangen hat!

Viele Grüße,
Bernd.
 

clapebe

Mitglied
danke, Bernd!

Nun, ja. Du hast genau an der richtigen Stelle das Radiermesser angesetzt.

Aber der erste radierte Beitrag hat mich auf einen guten Gedanken gebracht.
Es hat hier jemand, dem ich es nicht zugetraut hätte, die Aliens in das Thema einfließen lassen.
Welche Ideen könnten Leuten oder anorganischen ETIs kommen, die mit Superfernrohren oder mit einer Sonde die Erde sehen, etwa mit der Auflösung, die uns das berühmte Foto von der Erde zeigt, die die Apollo Astronauten gemacht haben?

Wenn sie nicht ihre eigenen Sagengestalten oder Begriffe aus ihrer Umgebung verwenden, was könnte Anlaß für eine Benennung der Erdteile und Meere geben?

Vielleicht hilft der Gedanke weiter:
wie benennen wir die ersten Formationen auf extrasolaren Planeten und Monden, von denen wir Kenntnis erhalten?

Wenn es nach mir ginge, sollten sie nicht nach irdischen Persönlichkeiten oder mythischen Gestalten benannt werden, eher mit Bezeichnungen, die aus guten scifi Erzählungen stammen.

Gruß von Clapebe
 

Moderator2

inaktiv
Hallo Clepebe,

da diese Frage m.E. eher in die SF gehört, ließ mal "Die Mars-Chroniken" von Ray Bradbury. ;-)

Ansonsten braucht man nicht so weit zu gehen. Du kannst auch dir mal anschauen, wie in anderen irdische Kulturen irdische Berge, Meere oder auch die großen Formationen (Maare) auf dem Mond benannt wurden.

Viele Grüße,
Bernd.
 
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