Theoretische Frage zu Okularen | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Theoretische Frage zu Okularen

Sagittarius_A*

Mitglied
Hallo,

Ich habe nun schon öfter gelesen, dass etwa 68-70° Gesichtsfeld optimal für das menschliche Auge sind und mehr nicht mehr richtig wahrgenommen wird. Baader wirbt zum Beispiel bei den Hyperion damit, TS bei der Expanse Reihe. Nun frage ich mich, warum es dann Okulare mit >100° Gesichtsfeld gibt?

Bin visuell mit einem 8'' Dobson unterwegs und suche noch nach einem Okular für hohe Vergrößerung. Dachte da an eine Brennweite von 6-8mm. Preislich ist da natürlich ein Goldkante mit 66° am attraktivsten. Warum soll ich also mehr Geld ausgeben für ein Gesichtsfeld, das ich nicht mehr wahrnehmen kann?

Es gibt sicher eine logische Erklärung. Kann hier jemand einem blutigen Anfänger auf die Sprünge helfen?

CS,
Florian
 

Miquel Prado

Mitglied
68-70° Gesichtsfeld optimal für das menschliche Auge
Damit ist wohl gemeint, dass du nicht mehr als 68-70° überblicken kannst ohne den Augapfel zu bewegen.
Aber manchmal möchte man auch näher ans Fenster gegen und den Blick schweifen lassen.
Bei >100° muss man den Kopf bereits aus dem Fenster strecken, was man sicherlich durchaus manchmal tun möchte..
CS
 

Sselhak

Mitglied
Hallo!

Der Hauptunterschied für mich ist, dass man zwar nicht aktiv mehr als diese etwa 70° sieht, mit Augenbewegungen jedoch sehr wohl ein deutlich größeres Sichtfeld hat.

Für mich ist es so:
- Unter 60°: Ist wie durch eine lange Röhre mit einem Loch am Ende zu sehen. Das ist ... naja ...
- 60° bis 90°: Das ist ein angenehmes Sichtfeld. Man sieht was man will, aber das Sichtfeld ist in alle Richtungen vom schwarzen Rand begrenzt.
- 90° und mehr (vor allem 100° aufwärts): Hier sieht man trotz Augenbewegungen zunehmend keinen schwarzen Bildfeldrand mehr, was zu einem ganz anderen Beobachtungsgefühl führt. Man sieht nur noch Weltall!
Somit kommt ab etwa 100° das Gefühl auf, mitten im Weltall zu schweben und das ist (für mich) um vieles besser als wie durch ein Fenster (bei dem man eben des schwarzen Rand rund um das Sichtfeld wahrnimmt) zu schauen.

Am Ende kann es aber nur jeder selbst ausprobieren. Viele mögen das große Sichtfeld, aber nicht alle.
Ich kann nur aus Erfahrung sagen, dass es ein ganz anderes Beobachtungsgefühl ist, was man mit 100° oder gar 120° Okularen sieht - so als würde man "Mitten drin" sein.

Mario
 

Sagittarius_A*

Mitglied
Okay das ergibt alles Sinn, danke.
Hatte leider noch nicht das Vergnügen durch >100° durchzublicken aber das mit dem schwarzen Rand kann ich so gut nachvollziehen.
Das stelle ich mir bei einem Übersichtsokular toll vor aber lohnt sich das auch bei den kleinen Brennweiten wo ich mich eher auf Details konzentriere?

CS,
Florian
 

Thundersnook

Mitglied
Okay das ergibt alles Sinn, danke.
Hatte leider noch nicht das Vergnügen durch >100° durchzublicken aber das mit dem schwarzen Rand kann ich so gut nachvollziehen.
Das stelle ich mir bei einem Übersichtsokular toll vor aber lohnt sich das auch bei den kleinen Brennweiten wo ich mich eher auf Details konzentriere?

CS,
Florian
Gerade bei einem Dobson, wie du ihn hast, ergibt das bei hohen Vergrößerungen Sinn, da man so nicht so oft nachschubsen muss und dem Objekt länger dabei zuschauen kann, wie es durch das Gesichtsfeld wandert :)
Ich persöhnlich kann hier das ES 5,5 100° empfehlen. Das war bei der Saturn-Jupiter-Konjunktion absolut goldwert! :giggle:
 

Sagittarius_A*

Mitglied
Okay, ich glaube ich habe das ein bisschen unterschätzt. Jetzt ergibt aber alles Sinn.
Als ich das Dobson gekauft habe, habe ich noch beim Händler nachgefragt welches Okular ich für hohe Vergrösserungen nehmen kann. Dort wurde mir das Omegon LE Planetary 5-6mm empfohlen.
War dann aber bisschen enttäuscht weil die Planeten nur so durchs Bild rasten. Dachte das liegt nur an der Vergrösserung aber wenn das Gesichtsfeld doch so viel ausmacht sind die 55 Grad des Planetary wohl viel zu wenig...
 

Thundersnook

Mitglied
Habe mir mal noch den Spaß gemacht es in Stellarium zu vergleichen. Ich finde das Bild gewinnt schon allein dadurch, dass man das Objekt auch im Kontext seiner Umgebung betrachten kann. Gerade bei Kugelsternhaufen ist das auch ein sehr schöner Anblick :)
 

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Hallo @Sagittarius_A* ,

War dann aber bisschen enttäuscht weil die Planeten nur so durchs Bild rasten. Dachte das liegt nur an der Vergrösserung aber wenn das Gesichtsfeld doch so viel ausmacht sind die 55 Grad des Planetary wohl viel zu wenig...

Hol Dir die Freware Stellarium. Dort kann man das eigene Teleskop hinterlegen und damit quasi durch Okulare schauen. Da kannst Du ohne einen Cent in die Hand zu nehmen, schauen was ist der Unterschied z. B. bei einem 12 mm Okular mit 60°, 82° oder 100° Eigengesichtsfeld.


stellarium-60.jpg



stellarium-100.jpg


Da macht es dann richtig "Klick" im Hirn und man kann auch richtig "life" zuschauen wie lange Saturn braucht um durchs Okular zu wandern!

Gute - wietwinkelige Sicht ;-) MünchenBeiNacht - Ewald
 

Sagittarius_A*

Mitglied
Danke für den Tipp mit Stellarium. Genial!
Das erleichtert mir das Ganze sehr. Werde morgen ein bisschen damit rumspielen. Das Planetary werde ich dann wohl wieder verkaufen. Lehrgeld bezahlt.

CS,
Florian
 

Antares

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Hi Florian

der Münchner Ewald hat das schon gut dargestellt.
Wenn man einmal das große Feld genießen konnte, empfindet man das was vorher normal oder gut war plötzlich anders.
Das Erleben viele so.
Hinzu kommt aber auch, dass die hochmodernen XWA Okulare bessere Transmissionswerte, bessere Streulichtunterdrückung u.v.m. haben.
Im 1 zu 1 Vergleich teils sogar deutlich sichtbar.
Ansonsten, wenn Dir zu Okularen pauschale Aussagen begegnen, stehe dem kritisch gegenüber.
Die Okularwahl ist komplexer und von mehr subjektiven Dingen abhängig als die Teleskopwahl.
CS
 

Specht

Mitglied
Salü Florian,

neben dem scheinbaren Gesichtsfeld wird auch der Einblick eines Okulars unterschiedlich wahrgenommen. Ich mag z.B. Okulare mit 68° sGF und angenehmem Einblickverhalten. Ich beobachte auch am Dobson und benutze diese Okulare für kleine und mittlere Vergrößerungen. Ab 11mm (V=140x) Okularbrennweite und darunter verwende ich dann aber größere Gesichtsfelder (82°). Obwohl der Einblick hier nicht so bequem ist, befindet sich das Objekt dann länger im Gesichtsfeld, ohne nachschubsen zu müssen. Noch größere Gesichtsfelder mag ich jetzt nicht so. Das ist aber Geschmacksache.

Stellarium zeigt das oben zwar sehr schön, der Blick durchs Okular ist aber wiederum anders. Mit größerem scheinbaren Gesichtsfeld wird auch die Verzeichnung des Okulars immer größer. Verformte Mondkrater am Bildfeldrand sehen nicht schön aus.

An Mond und Planeten benutze ich auch bei höheren Vergrößerungen sogar meist meine alten Radians (sGF=60°). Wenn der Dob gut läuft, klappt das prima und ich habe als Brillenträger einen angenehmen Augenabstand von 20mm, ermüdungsfreie Beobachtung und eine beinahe orthomäßige Abbildung...

meint
volker.
 
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