Tuning "Lidlscope" - Erfahrungsbericht Einsteiger

harzschumi

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Hallo Mitstreiter,

ich wollte an dieser Stelle mal kurz meine Erfahrungen mit dem Tuning meines „Lidlscopes“ Skylux wiedergeben. Was man zur Optimierung machen kann und in etwa wie, findet man ja hinreichend im Netz (Google verwenden).
Also: Zunächst mal zu den Materialien. Damit fing das Dilemma schon an, denn bei uns gibt es keinen Laden, der die berühmte d-c-Fixfolie hat. Dennoch habe ich dann im Baumarkt eine schwarze Velourfolie in 100cm*45cm erstanden für 7,49€. Für die Reinigung des verklebten Okularauszuges und der Mechanik habe ich Spezialwaschbenzin gekauft und für das anschließende einfetten ein Universalfett in einer kleinen Flasche. Mit dem Waschbenzin und einer alten Zahnbürste geht die Reinigung hervorragend.
Als erstes habe ich das überstehende Ende des Auszuges bis zur Zahnleiste abgesägt, ein Kinderspiel, sauber nachgeschliffen mit feinem Sandpapier. Nun versuchte ich mit einem stumpfen Gegenstand die Blende im Auszug heraus zu stoßen. Scheinbar hatte die Produktion an jenem Tag der Herstellung einen guten Tag, denn das Teil zersprang, so dass nur Einzelteile heraus fielen und ein Rest im Auszug verblieb. Mit einem Messer versuchte ich dann, diese Reste herauszuschälen. Ergo: Besser drin lassen diese Blende, so wie es in einigen Berichten auch erwähnt wird.
Im nächsten Schritt habe ich die Größe der Velurfolienstücke gemessen, ausgeschnitten, das Papier von der Folie abgezogen und das Stück vorsichtig wie eine Zigarre aufgewickelt, mittig einen Bleistift durchgeschoben. Dann vorsichtig in den Auszug, die Klebekante aufgelegt und die Rolle langsam an der Wandung entlang abgerollt, wobei der Bleistift als Anpresshilfe diente. Das ging auf Anhieb ganz gut, da die Klebewirkung der Folie nicht so heftig ist.
Dann kam der Tubus dran. Ok, lösen wir also die kleine Schraube (die Mutter soll je nach innen abfallen), aber Pustekuchen, die Mutter drehte sich mit, da half auch keine hebeln etc.
Jo, also habe ich die Linsenhalterung abgeschraubt, den Ring, der die äußere Linse anpresst. Danach vorsichtig die Zwischendichtung raus und die 2. Linse entnommen. Dann wieder ausgemessen, zugeschnitten, vorher ordentlich die Fusseln abgesaugt, die Folie wieder aufgerollt und in den Tubus bis zur ersten Blende eingeführt, an die Wandung gelegt und abgerollt. Als Ausrollhilfe diente mir diesmal der Stiel eines Quirls aus der Küche. Ging auch faltenfrei und glatt. Der Zusammenbau ging zügig, die Linsen habe ich kurz mit einem Antistatiktuch sanft abgewischt.

Ja, testen konnte ich noch nicht großartig, weil das Wetter nicht mitspielt. Im nächsten Schritt versuche ich mich dann an der Montierung.

In diesem Sinne, für alle, die noch tunen wollen: so schlimm ist es nicht und teuer auch nicht.

Viele HARZliche Grüße
Jens

 
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Sven_Wienstein

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Hallo Jens,

tja, da die Linsen beim Lidl nicht rotationskollimiert sind (hier hat mal jemand sein Lidl dadurch aufgewertet), war das kein Fehler. Aber... ein Objektiv so einfach auseinandernehmen sollte man auch nur bei solchen Optiken. Optiken mit passenden Abstandsplättchen kriegt man vielleicht nicht mehr optimal zusammen.
Also... nur als Warnung für Mitleser verstehen.

Ich denke, selbst mit Splittern, gut, wenn die Blende rauskommt. Warum 70mm zahlen und nur 60 nutzen?

Clear Skies
Sven
 

Daniel_Guetl

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Re: Tuning "Lidlscope" - Erfahrungsbericht Einste

Hi Jens,

wieso hast du eigentlich nen Lidl auf ner Syntrek HeQ5? Komische Kombination (so als erstgerät), oder ist das nur dein Bastelobjekt?

clears skies

Daniel
 

NickQuick

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Re: Tuning "Lidlscope" - Erfahrungsbericht Einste

Zitat von Daniel_Guetl:
Hi Jens,

wieso hast du eigentlich nen Lidl auf ner Syntrek HeQ5? Komische Kombination (so als erstgerät), oder ist das nur dein Bastelobjekt?
Echt selten, gell?

Nein mit dem Lidl beobachte ich seit einem Jahr. Insbesondere beim fotographieren ist aber die Astro3 zu wackelig. Also habe ich mir jetzt erstmal eine vernünftige Montierung mit Motoren besorgt.

Als nächstes kommt dann ein besseres Teleskop dran. Dort werde ich das Lidl dann als Leitrohr verwenden. So schlecht ist das naemlich wirklich nicht,

Beim Hauptteleskop bin ich mir aber noch garnicht sicher, welche Bauform ich eigentlich möchte. (SC, Newton, Refraktor, etc ) Deshalb warte ich noch.
 

harzschumi

Mitglied
Re: Tuning "Lidlscope" - Erfahrungsbericht Einste

Hi Daniel,

nichts durcheinander bringen, ich bin Jens, der den Thread eröffnet hat, und habe das klassische Lidlscope, so wie es im Handel erhältlich ist. Du meintest Nick, der hat solch eine Montierung. Aber das erkennt man schon an der Antwort von Nick.

Danke auch für die Warnung von Sven. Natürlich war mir bewußt, dass ich beim demontieren der Optik das Allerheiligste angepackt habe. Besser, man bekommt die blöde, mikrige Mutter vom Schraubengewinde und zieht dann die gesamte Optikaufnahme vom Tubus. Ja, und das mit der Blende im Okular habe ich ja dann doch noch gebacken bekommen, indem ich die verbliebenen Reste rausgeschält habe. Ich Frage mich allerdings, warum man auf diversen Tuningseiten lesen kann, dass die Entfernung der Blende "wahrscheinlich" nichts bringen wird bzw. nicht wirklich wichtig ist? Rein von der Logik her sehe ich das auch so, dass ich ohne Blende mehr Öffnung gewinne, zumal ich ja mit den Tuningmassnahmen den Sinn und Zweck der Blende eliminiert habe, denn jetzt blendet nichts mehr.

Grüße
Jens
 
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winnie

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Re: Tuning "Lidlscope" - Erfahrungsbericht Einste

Moin Jens!

> Besser, man bekommt die blöde, mikrige Mutter vom Schraubengewinde und zieht dann die gesamte Optikaufnahme vom Tubus.

Ja, aber das geht, wenn man sich die Sache ein bißchen genauer ansieht. Wenn die Mutter mitdreht, hebt man einfach den Schraubenkopf mit einem geeigneten Werkzeug an (Messerlinge, kleine Zange o.ä.), so daß die Mitter von innen gegen die Tubuswand gedrückt wird und schraubt dann vorsichtig weiter. So habe ich bestimmt 4 Lidls auseinanderbekommen, ohne jemals das Objektiv demontieren zu müssen.

> dass die Entfernung der Blende "wahrscheinlich" nichts bringen wird

Auch das kannst Du feststellen, indem Du Dir mal bei scharfgestellten Bild ohne Okular, aber mit Zenitspiegel) bei Tageslicht die Sache "von hinten" ansiehst. Siehst Du beim Blick in den OAZ durch den Tubus das volle Objektiv bis zum Rand, dann ist alles i.O.
Ich habe festgestellt, daß man beim Lidl zumindest ruhig alle Innenblenden entfernen kann, wenn man den Tubus anschließend innen mit Velours vollständig auskleidet. Ob man die Blenden nun drinläßt, bringt IMO keinen Vor- oder Nachteil.

Die wichtigste Steigerung bringt auf alle Fälle dann nochmal ein vernünftiger Zentitspiegel sowie - natürlich - bessere Okulare. Wenn man bei der Qualität des Objektivs keine Gurke erwischt hat, dann hat man so ein gutes Teleskop für wenige Euro.
 

harzschumi

Mitglied
Re: Tuning "Lidlscope" - Erfahrungsbericht Einste

Hallo Micha,

das habe ich versucht, bin aber nicht mal mit einer Messerklinge unter den Schraubenkopf gekommen, weil der Spalt zu klein war. Dennoch hat sich die Schraube samt Mutter gedreht. Ich habe wirklich einige Minuten damit zugebracht, die Sache zu lösen.

Stimmt, wenn ich von hinten durch den Zenitspiegel schaue, erkenne ich den gesamten Objektivdurchmesser, also eine logische Erkenntnis, das die kleine Blende den Durchblick mindert.
So, nun würde ich ja gerne, wie ihr sicherlich auch, mal wieder in den Himmel sehen, aber das Wetter ist momentan wirklich "astronomenunfreundlich". Also warten wir eben ab.

Grüße
Jens
 

Nikolaus_Fuchs

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Hallo, hab mir nun 10 Jahre später auch so ein gebrauchtes LIDL-Scope zugelegt, wenn auch unter der Marke OPTUS, und finde dieses zeitlose Kultobjekt recht gut nach dem üblichen Tuning. Nur zufällig regnet's seitdem durchgehend, sowas...
Zwei Anmerkungen: Die Schrauben mit den mitdrehenden Muttern im Tubus konnte ich einfach lösen, indem ich sie leicht schräg gedrückt habe, dadurch verkanten sich die Muttern mit dem Tubus und die Schrauben lassen sich aufdrehen. Das Objektiv hab ich dafür nicht zerlegt. Würde ich aber nicht davor zurückschrecken, falls notwendig. Bisher fand ich die Abbildung aber so gut, dass ich keinen Anlass sah.

Zweitens: die Blende, die mitten im OAZ-Rohr saß und so ca. 15mm Innendurchmesser freigab, hab ich nicht ganz entfernt, sondern mit einer großen, groben Rundfeile auf über 20mm erweitert, so dass jetzt nichts mehr abschattet. Die entstehende Kante ist zwar noch etwas rau und nicht zum Objektiv hin angeschrägt, aber insgesamt überwiegt der nicht zu unterschätzende Vorteil der übrig gebliebenen Blende zur Streulichtunterdrückung in Kombination mit Velourauskleidung des gesamten OAZ, bis auf die Einstecklänge des Okulars natürlich. Bin gespannt, was Sterntest, Mond und Jupiter so zeigen werden.
CS und liebe Grüße,
Nikolaus
 
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