unsere Galaxie | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

unsere Galaxie

SkyBob

Mitglied
Woher will eigentlich irgendwer wissen, wie unsere Galaxie ausschaut?

Wir können ja nicht mal die Milchstraße durchblicken.
Ist das alles nicht nur theoretisch und geschätzt?

Wir haben es ja Grad mal mit einer Sonde an den Rand unseres Sternensystems geschafft.

Wie wollen die uns das dann belegen, das unsere angebliche Spiralgalaxie so ausschaut, wie es uns die Gelehrten verkaufe wollen?

Gruß Markus
 

LuisCypher

Mitglied
Hallo Markus,


ohne jetzt selbst groß recherchiert zu haben, aber grob stelle ich es mir folgendermaßen vor.
Wir haben uns mit unseren Teleskopen mittlerweile einen sehr guten Eindruck darüber verschafft, welche Formen Galaxien annehmen können. Wie sie entstehen und auch wie sich die verschiedenen Formen über die Millionen und Milliarden Jahre entwickelt haben.

So nun haben wir, wie du ja richtig sagst, nur einen sehr begrenzten Blick auf unsere eigene Galaxie, aber ein bisschen was erfahren wir ja doch. Der seitliche Blick verrät uns im sichtbaren Spektrum die Gestalt einer Scheibe mit einer Verdickung in der Mitte, seitlich auslaufende Bereiche mit unterschiedlicher Sternendichte etc.
Dazu dann die Beobachtung in den anderen nicht sichtbaren Frequenzbereichen.
Dann nimmt man alle Daten und schaut in den "Katalog" der Galaxien, die wir im Universum beobachten und siehe da Spiralgalaxien mit bestimmten Eigenschaften und Formen verhalten sich exakt wie unsere Daten der Milchstrasse. Et viola.

Ja Asrophysiker schlagen jetzt wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammen, aber ich hoffe so ganz falsch liege ich nicht.

Gruß
Andreas
 

Optikus

Mitglied
Moin,

hallo Andreas, da dürftest Du ganz gut liegen. Da mit den Astrometriemissionen à la Gaia und Co. extrem genaue Vermessungen möglich sind und durch die Parallaxmessungen von verschiedenen Positionen der Erdbahn auch die räumliche Ordnung recht gut vermessen werden kann, dazu die Dichteverteilung usw. kann man die Gestalt schon gut ausmachen, dazu liegt mit der Schwestergalaxie Andromeda ja das Muster praktisch vor der Haustür. Bevor man genau messen konnte wird man nach der Vergleichsmethode vorgegangen sein, und selbst heute noch werden ja Galaxien katalogisiert und geordnet nach ihrem Äußeren, da gibt's/gab's ja regelrechte Webkampagnen in der sogar die Öffentlichkeit um Mitwirkung gebeten worden war.

CS
Jörg
 

47Tau

Mitglied
Zu dem Stichwort darf man gern mal auf die Untersuchung von offenen Sternhaufen verweisen, die als eine Eigenschaft zum Beispiel eine Verteilung nahe der galaktischen Ebene haben und durch deren Entfernungsbestimmung die Spiralarme erkannt wurden.
Richtig ist auch die Vermessung von Sternabständen via Parallaxe etc.

Nebenbei: die Wortwahl "verkaufen wollen " ist tendenziös. Man gewinnt Einsichten aus Messungen, interpretiert diese und die werden publiziert. Und wer soll "uns" sein? Denkst du, die Astronomen haben sich verschworen, all die anderen zu verar....?

Edit: Ortho
 
Zuletzt bearbeitet:

Demokrat

Aktives Mitglied
Ah, endlich hab ich wieder das Foto gefunden, dass unsere Galaxie zeigt. :D
Da ist jemand ordentlich weit rausgegangen, aber das hat sich ausgezahlt.

Noch Fragen?
:p

eso1339e.jpg

Credit:
NASA/JPL-Caltech/ESO/R. Hurt
 

SkyBob

Mitglied
Schöne antworten dabei.

Aber generell stützen diese eher mein Meinung, das alles nur Hochrechnungen, Vergleiche und Vermutungen sind, die ansatzweise nachgewiesen werden konnten.
Aber dennoch keine Umfassende Bestätigung des ganzen gibt.

Denkst du, die Astronomen haben sich verschworen, all die anderen zu verar....?
Nein das denke ich nicht.
Nur bei außenliegenden Galaxien sehen wir ja wie sie ausschauen.
Aber bei der eigenen können wir ja anscheinend sehr viel nur mutmaßen.

Nur meine Meinung ^^

Und nur weil Andromeda vor unserer Haustür liegt, kann man nicht sagen, die Milchstraße sieht genauso aus.

Ich will ja nicht alles anzweifeln und auf den Kopf stellen.
Es ist nur das Interesse wie/ob daß Milchstraßen Bild so schlüssig ist wie angegeben.

Gruß Markus
 

Okke_Dillen

Mitglied
Moin,

nimmt man nun noch die anderen Spektralbereiche dazu, in denen wir zusätzlich da rausgucken, wird die ganze Sache ziemlich transparent - im Wortsinne sogar ;)

Es gibt Wellenlängen, die durchdringen die Staubbänder wie nix, auf das Spektrum kommt es an. ZB eine schnöde Fensterscheibe ist im Sichtbaren sehr durchsichtig, im Infraroten undurchsichtig. Reines Silizium ist im Sichtbaren undurchsichtig. Bei 10µm Wellenlänge durchsichtig wie Glas (fast). Und so weiter. Benutze das richtige Spektrum und du erfährst mehr als du geahnt hättest.

Es gibt nicht nur M31, es gibt soooo viele andere. Zudem sieht M31 unserer MS nur grob ähnlich. Die werden nach Merkmalen und Eigenschaften unterteilt (https://de.wikipedia.org/wiki/Galaxie#Klassifikation_nach_Hubble). Man braucht nichts weiter zu tun, als möglichst große Schnittmengen zu suchen. Das hat man getan.

Übertragen kann man also sagen, daß unsere MS einer "Erdbeere" am nächsten kommt und man kann ausschließen, daß es sich um eine Banane handelt, oder einen Apfel. Mittlerweile hat man soviele Daten zusammen, daß man mit hoher Sicherheit sagen kann, daß es eine Erdbeere ist und mit 100%iger Sicherheit ausschließen, daß es eine Banane ist oder Apfel, Birne oder ein Weizenbier. Die einzige Ungewißheit ist, ob wir es mit einer Feld-, Wald- oder Wiesenerdbeere zutun haben. Zurück von den Früchten zur MS, die einzige Unsicherheit, die wohl derzeit noch besteht, ist, wie lang der Balken in ihrer Mitte ist. Auch das wird man (wieder spektrometrisch) eines Tages genau bestimmen können, u.a. über die Rot- und Blauverschiebung von Sternen.

Kurzgesagt, wir müssen nichtmal etwas neues erfinden, um das genau bestimmen zu können, wir haben alles. Wir brauchen lediglich mehr Beobachtungszeit, um die Bestätigung der Bestätigung der Bestätigung der Be... zu messen. Zuhilfekommt, daß wir im Gegenzug keine Falsifizierung feststellen können und mit jedem weiteren Versuch verdichten sich die bisherigen Erkenntnisse.

Gruß
Okke
 

lawrence

Mitglied
Aber generell stützen diese eher mein Meinung, das alles nur Hochrechnungen, Vergleiche und Vermutungen sind, die ansatzweise nachgewiesen werden konnten.
Aber dennoch keine Umfassende Bestätigung des ganzen gibt.
Hallo Skybob,

Ich persönlich vertraue diesen Angaben. Auf YouTube gibt es Clips zu den derzeitigen Sonden, mit welcher Präzission diese arbeiten und wieviele Objekte bereits hochpräzise vermessen worden sind.

Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass das Bild der Milchstraße vllt. nicht ganz, aber sehr ähnlich ist. Für mich spielt das keine Rolle, ob es kleine Unterschiede gibt. Wichtig ist der prinzipielle Aufbau und der dürfte gut passen.

Bedenke bitte dabei, dass sich alle Systeme um Sgr A* bewegen. Unser Sonnensystem mit ca. 220 km/s, das sind 792.000 Km/h. D.h., es ändern sich laufend die absoluten Daten. Bei den einzelnen Systemen zueinander ist es nicht so viel. Diese Änderungen sind so gesehen in Relation so gering, dass sie kaum merklich sind.

lawrence
 

winnie

Mitglied
Moin Markus!

Der Mensch hat einen Vorteil: Er kann aufgrund von Beobachtungen rekonstruieren... Es wurden masenweise Messungen an entfernten Kugelsternhaufen und Offenen Sternhaufen vorgenommen. Variable Sterne sind auch gute Entfernungsindikatoren. Aus dieser Datenbasis versuchte man schon vor zwei Jahrhunderten (Herschel) die wahre Gestalt unserer Galaxie zu ermitteln. Immer mehr Daten bedeuteten eine immer bessere Datenbasis, und aus denen wurde die Gestalt der Milchstraße immer besser rekonstruiert. Ist ein Tel des Ganzen sichtbar, ist auch im Vergleich mit anderen Galaxien vom selben Typ eine Gesamtrekonstruktion möglich.

Das ist kein Wischiwaschi von irgendwelchen Leuten, das ist Wissenschaft.

> Aber bei der eigenen können wir ja anscheinend sehr viel nur mutmaßen.
> Nur meine Meinung

Dazu sage ich nur: Keine Ahnung, aber zu allem eine Meinung.
"Laß ruhig mal die anderen beweisen, daß ich unrecht habe."
Das ist typisches Verschwörungsdenken. Wieso schreibst du nicht einfach mal, warum dur an den heutigen Erkenntnissen zur Galaxienform zweifelst. "Weil ich mir das nicht vorstellen kann" ist übrigens keine Begründung. Für deinen anscheinend zu flachen Erkenntnishorizont kann ich leider auch nichts.

Es gab mal eine sehr schön gemachte arte-Dokumentation über die Milchstraße, passender Name "Galaxis Milchstraße". Angucken!
 

Quasaro

Mitglied
Hallo,

die Ermittlung der wahren Struktur unserer Heimatgalaxie war und ist nur möglich, wenn man in allen Bereichen des elektromagnetischen Spektrums (vom Röntgen- bis zum langwelligen Radiowellenbereich) Beobachtungen durchführt und diese dann unter ergänzender Betrachtung des Aussehens anderer Sternsysteme in unserer näheren und weiteren Nachbarschaft zusammenführt und interpretiert. Entsprechend lange hat es auch unter Berücksichtigung des jeweiligen Standes der Technik einschl Satellitenmissionen gedauert, die wahre Gestalt und Größe unserer Galaxie bis zum jetzigen Stand der Forschung zu ermitteln. Beispielsweise ist die Erkenntnis, dass unserer Heimatsystem eine Balkenspirale und nicht eine "normale" Sb-Galaxie ist, wie man lange annahm, auch erst in jüngerer Zeit durch immer präzisere Beobachtungsverfahren und -techniken möglich geworden und die astronomische Forschung im Hinblick auf unser Milchstraßensystem ist noch lange nicht "abgeschlossen", denn neue Beobachtungsbefunde werfen bekanntlich auch haufenweise neue, zu klärende Fragen auf. Aber so soll und muss astronomische Wissenschaft auch funktionieren.

Gruß
Stefan
 
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