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Videoneiger

harbart

Mitglied
Hallo,
ich benötige einen Rat: Auf Reisen (Bahn, Flug) nehme ich gern mein 80er ED Vixen mit
Nun sind mir die GP-Monti + Gegengewicht langsam zu schwer. Ich überlege, stattdessen
einen Videoneiger (z.B. Manfrotto 503, Gitzo 2380) anzuschaffen, der bequem in die
Stativtasche passen würde. Natürlich ist die Beobachtung eingeschränkt, aber für
Schnellspechterei unterwegs vielleicht eine Alternative.
Ist das Spielerei, weil nicht mehr stabil, hat jemand Erfahrungen?
Für Tipps sehr dankbar,
Ulrich
 
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Kerste

Mitarbeiter
Hallo!

Ich habe ein Celestron 80/600 ED genau aus dem Grund auf ein Berlebach-Holzstativ gesetzt, dazu den "Stabilen Neigekopf XT" von Teleskopservice (steht da auf der Berlebach-Seite und soll bis zu 9 kg tragen).

Fazit: Solange ich scharfstelle, wackelt das ganze zwar merklich, beruhigt sich aber sehr flott, und beim Beobachten selbst fass ich das Teleskop eh nicht an, von daher stört's mich praktisch nicht. Scharfstellen selbst ist auch kein Problem.
Mit schwerem Zubehör (Herschelkeil) wird's sogar eher noch stabiler, hab ich den Eindruck. Mehr träge Masse wohl...
Die ganz hohen Vergrößerungen habe ich noch nicht großartig ausprobiert, da ich im Augenblick als kleinstes nur ein 25mm-Okular habe, aber ein 12er war auch hinreichend stabil.

Ich halte die Kombination für ein ideales Reisegerät, zumindest mit Auto. Bei mir besteht das ganze aus einem Koffer (mit Teleskop, Okular und Adaptern und sonstigem Zubehör) sowie dem Holzstativ mit aufgeschraubtem Neiger (das ist etwa so lang wie mein Kofferraum breit ist). Ich kann beides bequem alleine tragen und was ich sonst noch brauch im Rucksack verstauen.

Der Videoneiger hat eine Schnellwechselplatte... Einerseits ist das ganze Gerät in rund drei Minuten aufgebaut (Stativ ausfahren, Teleskop drauf klipsen, Okular ran und Sucher justieren), andererseits hat die Platte etwas Spiel. Vielleicht klebe ich noch einen Streifen Filz von einem Klettverschluss drunter, aber bislang habe ich die Notwendigkeit noch nicht wirklich gesehen.

Der einzige echte Haken bei dem System ist, dass die Klemmung für die Höhe in Richtung Objektiv statt Okular zeigen muss, wenn ich zenitnah beobachten will, und ich nicht ganz in den Zenit komme. Aber das ist es mir wert, und wenn ich mit dem Gerät ernsthaft beobachten oder gar fotografieren will, steht irgendwann vielleicht auch mal eine Great oder Superpolaris-Monti an.

Um schnell mal zu beobachten oder auch "aus dem Auto heraus" Bilder einer Mondfinsternis außerhalb der Totalität zu machen, ist das jedenfalls durchaus okay.

Und richtig toll war's, als ich neulich mit einem Freund beobachten war (Meade ETX) - während der sich noch mit dem Computer rumstritt, hatte ich schon die zehn hellsten Objekte durch <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />

Wenn Stativ und Neigekopf hinreichend groß dimensioniert sind, die Brennweite nicht zu groß ist und die Nachteile von Alt-Az (wie keine Batterien nötig und so <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />) bekannt sind, kann ich das für's schnelle, unaufwändige Beobachten nur empfehlen - dann ist das meiner Meinung nach auf jeden Fall eine gute, transportable Ergänzung zu einer soliden, aber schweren Montierung.

Beste Grüße,
Alex
 

harbart

Mitglied
Hallo Alex,
vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht.
Genau auf solche Erfahrungen habe ich gehofft,
damit ist für mich die Entscheidung klar. Den Neiger von
TS kannte ich noch nicht, ich werde mir diesen genauer ansehen.
Mit Hilfe eines Amici-Prismas habe ich dann auch noch
einen guten Ersatz für ein Spektiv, denn obwohl mein
Hauptinteresse uneingeschränkt in der Sternguckerei liegt,
bin ich auch an Tagbeobachtung interessiert.
Also nochmals vielen Dank
Ulrich
 

steffen13

Mitglied
Hallo Ulrich

Ich und ein anderer Sternenfreund habe den Manfrotto 503 . Wir benutzen den Videokopf für ein Tele Vue Pronto und Genesis . Der Neiger ist ideal . <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" />
Die Panorama- und die Neigebewegung verfügen je über eine sehr feinfülig einstellbare Teflonfriktion sowie eine separate Blockierung. Man kann sehr genau die Schwenkkräfte einstellen .
Der Manfrotto hat außerdem eine Feder die das Gewicht von schweren Zubehör ausgleicht . Mit einem 2"Zenitspiegel + einem 31 Nagler funktioniert der Neiger immer noch Butterweich . <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/appl.gif" alt="" />
Es wirken schon sehr große Hebelkräfte bei einem Teleskop !
Da wird der XT schon Probleme bekommen . Die 9kg sind glaube ich auch sehr optimistisch .
 

Kerste

Mitarbeiter
Hi!

Das C80 wiegt etwa 2 kg, lastet also auch mit 2"-Zubehör das Limit lange nicht aus. Das man bei sowas großzügig rechnen sollte, ist hoffentlich jedem klar <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" /> Aber wir reden zum Glück ja auch nicht von einem langen Fraunhofer, der auch noch als Spazierstock dienen kann (Das ideale Reiseteleskop: Nordic Walking mit dem Stativ in der einen und dem Teleskop in der anderen Hand... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/confused.gif" alt="" />)
Zum Einstellen lös ich die Feststellung komplett und klemm sie dann richtig fest - solange, dass ich bei den doch eher niedrigen Vergrößerungen nachschubsen muss, schau ich mir die wenigsten Ziele an... besonders feinfühlig ist die Kombination nicht, allerdings ist das Telesköpchen auch ganz schön hecklastig, wenn der ganze 2"-Kram dranhängt.
Aber zum einfachen Beobachten langt's gut, auch wenn es bestimmt feingängigere Geräte gibt.
Wenn ich mir die Preise anschaue, erwarte ich vom Manfrotto aber auch, dass er sich feinfühliger einstellen lässt... Qualität hat ihren Preis, und die Bequemlichkeit beim Nachführen auch, klar.

Aber egal was drunter kommt: Solange er ausreichend dimensioniert ist, ist das eine wirklich feine Sache. Und das Schöne ist, dass der Neiger ja auch für normale Kameras taugt und nicht auf Astro beschränkt ist.

Also viel Spaß damit, egal welches Modell es wird!

Frohe Ostern,
Alex
 

Friedel

Mitglied
Wie wäre es denn mit einem Getriebeneiger? Von Manfrotto gibt es da den 410, den 405 und den 400 (von klein nach groß gereiht). Damit lässt sich sehr feinfühlig jede Achse einzeln feststellen und man muss sie auch nicht arretieren.
 

Berberich

Mitglied
Beide Geräte, Video- und Getriebeneiger sind ideale Geräte, die auch ich empfehlen kann. Noch eine Alternative, allerdings nur für sehr schwache Vergrößerungen oder das FG gedacht, ist der Manfrotto Joystick. Den habe ich für meine Ferngläser.
Aber nur das Original Manfrotto, alles andere ist China und gefährlich (für die teure Optik, da nicht stabil).
Beim Videoneiger ist nur zu beachten, das Teleskop verkehrt herum draufzusetzen, sonst kommt man nicht in den Zenit.

Gruß
Winfried
 
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