Visuell mit APM Bino?

Jan-Fre

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Hallo allerseits,

ich habe etwas Sorge, dass ich gerade den X-ten "Welches ist das passende Bino"-Post hier absetze. Steinigt mich bitte nicht. :)

Kurz ein paar Infos.
Ich betreibe seit Ende 2018 Astrofotographie. Esprit 100, 268M, Redcat51, zwischendurch auch mal Newtons, etc. Visuell hatte ich am Anfang mal was gemacht. Das hatte mir auch recht viel Spaß gemacht, aber irgendwann blieb ich beim Fotografieren hängen.

Dennoch, eigentlich möchte ich auch mal gerne wieder visuell etwas unternehmen. Meine Erfahrung bisher war mit einem Skywatcher 200 PDS-Blechbüchserl mit Explore Scientific 2" Okularen. Das war schon "wow". Irgendwann hast ich mir dann ein einfaches aber gutes Lacerta-Fernglas gekauft (LA10x50sm | 10x50 Lacerta Smart Fernglas). Mit dem Fernglas war ich schon ganz happy. Aber: Meine kleine Tochter möchte damit auch Dinge sehen, wackelt aber zu sehr herum und zielt nicht gut.

Es soll also etwas her, was mit Stativ betrieben werden kann und womit man visuell viel Spaß haben kann, was auch immer das bedeuten mag. Noch eine oder zwei Stufen mehr als bei meinem Fernglas. Es soll auf ein normales Fotostativ passen und auch schnell aufgebaut sein. Für Empfehlungen wäre ich sehr dankbar :)

Aus früheren Beiträgen hier habe ich entnommen, dass die APM-Binos recht gut sein sollen. Und das man eher auf Qualität (SD statt Semi-Apo) als auf Öffnung setzen soll.
Viel mehr als 2000 EUR möchte ich nicht ausgeben. Wenn das Bino größer wäre, und man es auf eine Montierung setzten müsste, wäre mir das wahrscheinlich zu viel Aufwand. Es soll etwas sein für "schnell mal eben, aber wow!" Falls es sowas gibt. Wie geschrieben, mir fehlt die Erfahrung. Wird man denn mit z.B. einem 70er oder 82 APM-Apo Spaß haben (z.B. Kometen und Deep Sky, mit kleineren Objektiven auch Mond und Planeten)?

Kann ich dort eigentlich auch bereits vorhandene 1,25"-Okulare (Explore Scientific) vom Teleskop verwenden?

So viele Fragen... :) Wäre wirklich prima, wenn mir jemand Feedback und ein paar Tipps geben könnte.
Vielen Dank und viele Grüße
Jan
 
Hallo Jan,

die APM Binos sind eigentlich alle wirklich empfehlenswert und bei der großen Auswahl findet man auch etwas für seinen Anwendungsbereich.
Wie Du schon sagst, gibt es 3 optische Qualitäten, Achomat (semi APO genannt) ED und SD
Dann hat man die Wahl zwischen 45° und 90° Einblick, wenn man das Glas auch tagsüber terrestrisch verwenden mag können 45° die bessere Wahl sein.
Mehr Öffnung zeigt natürlich auch mehr, ist aber auch größer und schwerer :)

Die meisten 1,25 Okulare sollten passen, es kann aber ein paar Einschränkungen geben, dass man mit manchem Okular nicht in den Fokus kommt, das müsste man im Detail erfragen.
Durch die Wechselobjektive ist man sehr flexibel und kommt auch in Vergrößerungsbereiche, die einem Handfernglas verschlossen bleiben.
Mond macht auf jeden Fall Spass, den Ring des Saturn und die Jupitermonde sieht man damit auch schon eindrucksvoll.

Grüße Jochen
 
Hallo Jan,

in Deinem Anforderungskatalog dürfte "normales Fotostativ" die Sache eingrenzen. Vermutlich meinst Du damit ein relativ leichtes Stativ mit kleinerem Videokopf. Damit hättest Du mit den APM 90-Grad Binos nicht viel Freude, auch mit dem 70er nicht. Meine Empfehlung: sich auf die Lauer legen bis ein 60mm Miyauchi mal daherkommt. Das hat 45-Grad Einblick und wiegt 1,8kg, passt somit auf fast jeden Fotokopf. Gibt es mit 15x und/oder 22x. Gebraucht in der Preislage um 600 EUR herum zu haben.

Erfüllt gut Deine andere Anforderung: "Noch eine oder zwei Stufen mehr als bei meinem Fernglas."

Weiterhin spüre ich eine dritte Anforderung, nämlich, dass andere Leute, auch Kinder, gut damit klarkommen. Dass ist mir auch immer wichtig gewesen und hat sich beim 60mm Miyauchi besonders bewährt.

Gruß, Christopher
 
Hallo allerseits.

@portaball : Vielen Dank für die Info. Das ist sehr hilfreich. Was für ein Bino benutzt Du?

@Schiefspiegler : Vielen Dank für den Miyauchi-Tipp. Das ist interessant. Ich habe gesehen, dass es da auch größere gibt :) Ich werde danach mal Ausschau halten. Naja... sagen wir mal: "Fotostativ plus". Ich habe hier nur ein Bernbach Uni18 übrig. Ich danke, ich könnte dies mit einem 3/8-Zoll-Anschluss ausstatten. Eine Bino-Wippe wäre dann noch drin :) Dann könnten man vielleicht doch Richtung 70er oder 80er gehen, oder sind Aufbau und Handling dann immer noch weit über "mal eben aufbauen" hinausgehend?

Viele Grüße
Jan
 
Hallo Jan,

ich selbst nutze das Größte der APM, das 150mm SD ;-)

Ich habe über die Jahre aber viele Ferngläser mit Öffnungen zwischen 20mm und 150mm in verschiedenen Qualitäten genutzt.
Meine Erfahrung ist, die beste optische Qualität und so groß wie möglich, solange man es finanzieren und handhaben kann und will.
Aber je größer das Bino desto größer auch der innere Schweinehund ;-)
Ich persönlich beobachte lieber seltener, habe dann aber auch entsprechend atemberaubende Eindrücke am Okular.

Aber auch kleinere Binos haben Ihre Berechtigung, ich habe ja selbst welche und wollte sie nicht missen.
Es muss halt einfach für den persönlichen Bedarf passen.

Die kleineren APM werden oft dann gewählt, wenn die Beobachter besonders weite Felder haben möchten (kurze Brennweite)
Ich denke 100mm sind ein guter Kompromiss, der noch gut handzuhaben ist, aber auch schon einiges zeigt.
Aber es gibt natürlich auch Szenarien, in denen 100mm schon zu groß sind, denn einfach auf den Video-Stativkopf setzen wird nicht befriedigend funktionieren.

Als Alternative zu einer Gabel auch mal nach Fluidköpfen schauen, es gibt hier im Forum viele Berichte dazu.

Grüße Jochen
 
Hallo Jan,

ab und zu schauen bei mir auch mal die Kids von Verwandten in meine Optiken rein, dabei wird meist das 45°-Fernglas bevorzugt.
Für Dein Ausgabevolumen hat APM derzeit was im Angebot:
APM 82/45 SD Apo,
also für nen 10er weniger Deines persönlichen Limits und vom Gewicht mit 4,5 kg auf Deinem Stativ sicherlich gut zu händeln.
Hat Dein Uni 18 eine Kurbelsäule? Diese ist für wechselnde Benutzer des Fernglases sehr zu empfehlen.
Wenn ich Besuch habe ist ständige Kurbelei angesagt.

Also dann viel Erfolg bei der Auswahl und berichte mal, was es geworden ist.

Gruß Fery.
 
Hallo Jan,

bei mir ist es ein 82mm 90° "Semi Apo" geworden. Passt mit 3 Okularsätzen (ES 11mm/82°, UFF 18mm und Panoptik 24mm) und ein wenig Zubehör in einen Foto Rucksack. Der Koffer liegt am Dachboden, ist einfach zu sperrig.

Ich habe lange überlegt wie groß und ob ich ED oder SD nehmen soll. Am Ende ist es dann doch die billige SA Variante geworden und ich bin damit zufrieden. Für Deep Sky reicht es, für hohe Vergrößerung kommen andere Geräte zum Einsatz. Die Farbkorrektur ist durch die doch etwas längere Brennweite überraschend gut, deutlich besser als bei meinem FH 100mm F/5. Als Stativ habe ich mir ein günstiges Stativ (Leofoto LN-364C) mit Kurbelsäule geholt und die Einarm Montierung. Der Oberteil bleibt am Fernglas, der Unterteil am Stativ. Zusammenstecken, fertig.

Die Ausrüstung passt zusammen mit einem Klapphocker noch aufs Fahrrad und ist im Urlaub gut tragbar. Die Einarm Montierung ist ein Kompromiss, war aber leicht und günstig und erfüllt bei der doch geringen Vergrößerung ihren Zweck ausreichend.

CS, Arnold
 
Hallo,
wenn dich ein Bino-Vario nicht stört, könnte ich ein 10-30x60 empfehlen, für den täglichen Gebrauch. Sehr leicht mit guter Randschärfe. Bestellt bei Otto online. Venus, als sie noch besser zu sehen war, mit 10fach sehr schön die Sichelform gesehen. Beobachtungen V. St. sind bis 30fach machbar. Beobachte meistens mit 20fach und bin zufrieden. Generell empfehle ich Stativbeobachtungen.
U. a. gehört ein Bino 25x100 mit zur Ausrüstung und weitere Instrumente habe ich bei anderen Beiträgen erwähnt.

Gruß
Günther
 
Hallo allerseits.

@portaball : Vielen Dank für die Info. Das ist sehr hilfreich. Was für ein Bino benutzt Du?

@Schiefspiegler : Vielen Dank für den Miyauchi-Tipp. Das ist interessant. Ich habe gesehen, dass es da auch größere gibt :) Ich werde danach mal Ausschau halten. Naja... sagen wir mal: "Fotostativ plus". Ich habe hier nur ein Bernbach Uni18 übrig. Ich danke, ich könnte dies mit einem 3/8-Zoll-Anschluss ausstatten. Eine Bino-Wippe wäre dann noch drin :) Dann könnten man vielleicht doch Richtung 70er oder 80er gehen, oder sind Aufbau und Handling dann immer noch weit über "mal eben aufbauen" hinausgehend?

Viele Grüße
Jan
Also das mit den 'größeren' Miyauchi solltest du dir nochmal überlegen, da es ja zudem noch 'kompakt' sein soll. Ich hab das 60er und das 100er, und das 100er ist ein Brocken, allerdings gut geführt mit der Zapfenmontierung von ICS. Da kommt man mit nem Fotostativ nicht hin (60er schon), ein BB 18 ist natürlich was anderes, jedoch hab ich solche Gläser immer nur mit Kurbel-, nie mit Mittelsäule genutzt. Eine MS knallt dir beim 100er klar runter resp. schiebst du die nicht hoch. Schau dir mal 100er Gläser mit Winkeleinblick an, dann siehst du den Unterschied. Bei Miyauchi ist auch (zuallermeist) das Okular das 'Problem', weil die dummerweise ihre eigenen Steckdurchmesser hatten, und mit dem Fokus angepasster 1,25er ist das auch nicht weit her (Harry Siebert hat wohl noch was). Ich weiß jetzt auch nicht genau, welchen Anspruch die gesuchten Gläser haben sollen, aber natürlich hilft Öffnung immer - z.B. ist es bei normalem Landhimmel mit dem 22x60 nur in Ansätzen möglich, die Form des Hantelnebel zu erahnen, ein parallel dazu genutztes 20x100 zeigt ihn klar. Flächenobjekte sind halt nicht die Stärke des 60er, die AP haut dann auch noch rein. Dafür ist es wirklich handlich und dennoch überraschend stabil (hab meins seit 2003). Mit den 22x kommt man mit Brille nicht an's gesamte Feld. Das ist auch bei dem 20x100 nicht besonders groß, die 26x WW kenne ich nicht.

Allgemein sehe ich die Montierbarkeit dieser Gläser (Supervideoköpfe mal außen vor) als Schwachstelle, weil doch schwingungsrelevant. Selbst mit gutem Stativ wackelt das nach, die Miyauchi-Zapfenmonti merklich weniger als eine Gabel. Das und auch Okularpaare gehen mitunter in's Geld, daher sollten Vergrößerungen (und AP) gut überlegt sein. Dein 18er Uni ist ok, aber es braucht halt den Kurbeleinsatz sowie etwas brauchbareres als die 'Bino-Wippe' (?). Und dann wird's auch gleich wieder schwer und ausladend (ich weiß halt nicht, wie Arnold sein 82er plus Monti in den Rucksack bekommt, und das dann auch noch handlich bezeichnet - aber da ist wohl jeder anders.) DIe kleinen 60er und 70er (schönes großes Feld) sind da 'beweglicher', ein 100er ist schon etwas anderes. Als 'Vergleich' gibt's noch ein Foto, da du ja ein 10x50 hast - hier liegt (bei der 12P-Beobachtung) ein Fuji 7x50 auf dem APM100 in der Meiling-Gabel.

csm
 
Und dann wird's auch gleich wieder schwer und ausladend (ich weiß halt nicht, wie Arnold sein 82er plus Monti in den Rucksack bekommt, und das dann auch noch handlich bezeichnet - aber da ist wohl jeder anders.)
Nun, wirklich handlich ist so ein Bino natürlich nicht, kann aber noch gut transportiert werden. 32 x 32.5 x 55 cm vom Loewepro Flipside 500 sind sicher nicht klein, aber ich kann den Rucksack mit Bino, Okularen und Kleinigkeiten wie gezeigt in die feuchte Wiese legen. Der Zapfen der Montierung drückt nach aussen, beschädigt daher nicht den Inhalt beschädigen oder drückt gegen den Rücken. Mit Bauchgurt liegt der Rucksack stabil am Körper. Die Okulare sind in Drehpacks in der Notebooktasche zwischen Bino und Rückenpolsterung.

Bino_Stativ_Rucksack.jpg

Ein 100mm oder gar 120mm Bino wollte ich mir auf diese Art nicht mehr antun. So kann ich den Hocker in eine Hand nehmen, das Stativ in die andere und das Bino auf den Rücken :cool:. Eine passende Stativtasche habe ich noch nicht gefunden, in die originale passt die Monti nicht rein :mad:

CS, Arnold
 
Hallo Leute,

erstmal an alle. Vielen Dank für die vielen Infos. das ist sehr hilfreich.

@Fery-R : Ok. Bisher neigte ich zu 90°, aber 45° ist wahrscheinlich doch flexibler. Danke für den Tipp mit dem 82er :)

@Manne: Das klingt interessant. Vor allem, dass man eine Kurbelsäule haben soll, habe ich jetzt schon mehrere Male gehört. Mein Uni18 hat natürlich keine...

@Arnold3 : das mit dem Rucksack ist TOP!

Viele Grüße
Jan
 
Hallo Jan -

das mit dem Foto klappt(e) irgendwie nicht, trotz Reduzierung auf 400kB - guck einfach in's Jülich-Forum, da ist das mit 7x50 und 6,5x32. Was mir noch eingefallen ist, weil du was von der Tochter erzähltest: du solltest von ihr die Interpupillardistanz messen (lassen), bei normalen FG ist das für kleinere Kinder oft das Ausschlusskriterium, bei den BigBinos noch eher.
Das 100er Miyauchi ist ähnlich massiv, nur bisschen leichter als das APM. Es hat aber neben der Ungewissheit der Verfügbarkeit als 2nd-hand noch den Nachteil der proprietären Okulare. Falls du also was kleineres suchst als 100mm, kannst du auch mal bei den Händlern wie teleskopservice nach 'Nachbauten' schauen (z.B. ist das Miyauchi77 als Replik angeboten worden), oder eben die genannten SA von APM. Das 70mm z.B. bieten ein schönes Feld mit den 24mm APM (vllt, nicht ganz so randscharf wie die PanOptic), aber bis zu moderaten V sicherlich eine gute Wahl. Auch die 82mm sind noch gut nutzbar, wie das Rucksackmodell zeigt, v.a. mit der Einarmmonti, welche deutlich kompakter ist, als eine Gabel. Ein 100mm mit dem Zapfen würde ich mir nicht antun, zudem ist das Glas ja schon recht schwer.

Für's Uni18 gibt es ja einen Kurbekeinsatz mit 40mm-Säule zum Nachrüsten, zudem würde ich mir je nach der Ausstattung deines 18er, die 23°-Spreizsicherung holen, dann ist der Aufbau kein Gefummele, und wenn mal beim Aufsetzten der Optik was nicht angezogen ist, passiert auch erstmal nichts.

Ob man ein 80er auch in die Natur mitnimmt, sehe ich kritisch - vmtl. macht man das einmal, und dann weiß man's. Dafür sind 45° natürlich besser als 90°; für Astro pur würde ich immer 90° nehmen, ich hab ja den Vergleich zum 45°-Miyauchi. Aber bei 45° im Zenit kann man auch warten, die Objekte sinken ja wieder ab.

csm
 
Hi schau mal bei Astro-Theke, da gibt’s ein 82er SA mit Report K40, Zentralmonti und Koffer. Damit ist da schon alles dabei zum loslegen.

cs Alex
 
ACHTUNG!!! FINALE!!! LAST CALL :) !!!!!!!

Leute, erst einmal vielen Dank an alle hier. Die Tipps waren sehr hilfreich.
Ich möchte den "Sack zumachen" und bin bei einer Sache noch immer recht unentschieden. Mit fehlt einfach die Erfahrung/Referenz. Deshalb würde ich gerne nochmal kurz sowas wie ein Voting machen. Stellen wir uns vor, Kosten/Folgekosten blenden wir mal völlig aus. Die einzige Frage, die übrig bleibt ist

- Das 82er oder 100er APM?

Einziges Kriterium: Nutzen/ Aufwand (bei Transport/Installation)

Nochmal kurz zur Wichtung:
- Einsatz primär Astro, z.B. wenn ich mit meinem Esprit oder Newton aufnehme und draußen auch parallel visuell unterwegs sein möchte. Wie jedes meiner Astro-Equimentteile muss es ca. 30m aus dem Haus getragen und aufgebaut werden. Ich wohne in einer Bortel5-Gegend.

- Die Nutzung für Naturbeobachtung wäre auch angedacht. Nicht häufig, aber ich würde das dennoch gerne versuchen. Bei uns in der Nähe gibt es den Wildpark Vosswinkel, wo wir schon viele Mal zur Zeit der Hirschbrunft übernachtet haben. Mit dem Bino könnte man das Wild schön beobachten. Man müsste das Bino aber zu Fuss ein paar Kilometer schleppen. Zusätzlich gibt es in meinem Wohnort einen See mit einer Vogelinsel (viele Fischreiher und Kormorane). Es ist natürlich die Frage, ob man ein 100er durch den Wildpark schleppen will. Das 82er passt gerade eben noch in einen Fotorucksack (Danke für den Tipp, Arnold).

Es läuft also auf folgende Frage hinaus: Sieht man astro-mäßig mit dem 100er so viel mehr als mit dem 82er, dass es die zusätzlichen Strapazen des Transports (passt das überhaupt in sowas wie einen Rucksack, geht das überhaupt? Oder ist das komplett balla balla?) bei selteneren Naturbeobachtungen wert ist? Schwierige Frage. Was meint Ihr :)

Vielen Dank für das Feedback und viele Grüße
Jan
 
Hallo Jan,

das mit dem Bino kann man so oder so sehen. Auf meine späten Tage entscheide ich mich regelmäßig für die kleinere Lösung (in meinem Fall 70mm); die benutze ich einfach viel öfter, weil ich sie aufgebaut rumstehen habe und samt Stativ schnell nach draußen stellen kann.

Für das lange Latschen in der Natur heißt meine Antwort "Fernglas", je nach Landschaft und Beleuchtung 6x25, 8x30 oder 8x40. An der Küste hatten wir zusätzlich ein kleines Spektiv dabei. Ein größeres Bino mit passendem Unterbau könnte ich mir da höchsten in einer festen Beobachtungsstation vorstellen.

CS Gerhard
 
Auf meine späten Tage entscheide ich mich regelmäßig für die kleinere Lösung (in meinem Fall 70mm); die benutze ich einfach viel öfter
Quantität statt Qualität sozusagen :)

Bei mir ist es genau anders herum.
Es geht mir ja nicht um die Anzahl der Nutzungen sondern um die Bilder in den Okularen :)

Ich benutze mein 150er eher selten, keine Frage.
Aber wenn, dass ist die Nacht auch wirklich perfekt und hinterlässt bleibende Eindrücke.

Ich kam ja von kleineren Binos, die ich definitiv auch öfter benutzt habe, auch wenn der Himmel nicht perfekt war.
Aber wirklich lohnend war das dann eigentlich nie und ich wollte niemals zurück.
Damals hatte ich auch noch so schräge Gedanken, wie "das Zeug war teuer, also muss es auch benutzt werden"
Da bin ich aber drüber weg :)

Meine Empfehlung wäre klar das 100er, immer noch sehr handlich, aber bei 100mm binokular fängt der Spass erst richtig an.

Grüße Jochen
 
Hi,

es sollte dir klar sein, dass die Binos von APM, Miauchy, Kowa oder Vixen vom Gewicht und Aufwand einerseits aber auch von der Leistung andererseits viel näher am Teleskop liegen als am Fernglas.
Wechselokulare, Filter, Stativ, Montierung, Sucher, Koffer/Tasche das ist alles zusammen zwar Grab & Go aber nicht wirklich mobil wie ein Handfernglas oder ein kleines Spektiv. Mit allem Zubehör hast du auch beim 82er schnell die 10kg und mehr zusammen. Das 100er mit nem Uni K40 und einem guten Fluidhead ehr 20kg.

Ich hatte ein 100er auf der Zentralmontierung mit in Afrika, geflogen ist es in einer gut gepolsterten Zarges Kiste. Das geht schon irgendwie aber ich hab beim zweiten Mal dann ein 85er Spektiv mitgenommen, das passt gut ins Handgepäck, das Stativ wieder in der Kiste.

Unter wirklich Dunklem Himmel oder mit guten Filtern kann man schon richtig schöne Beobachtungen mit beiden machen. Nordamerika oder Cirrus Nebel als Ganzes oder offene Sternhaufen sind die Stärke der Geräte. Für höhere Vergrößerung gibt es tatsächlich besseres aber die Binos sind auch hier keineswegs schlecht.
Omega Centauri mit dem 100/90 ED und 5mm Okularen macht schon was her.
Trotzdem, ein großer Dobson wird da mehr zeigen fürs Geld, aber der hat eben wieder andere Nachteile.

Letztendlich ist jedes Gerät ein Kompromiss und das richtige für dich findest du nur wenn du die verschiedenen Faktoren ehrlich wertest.

Für mich ist kompromisslos gute Optik verbunden mit einer präzisen Nachführung wichtig. Das geht aber voll zu Lasten von Komplexität, Gewicht und Preis.

Fazit: wenn du wirklich damit durch die Gegend laufen willst ist das 82er Bino schon grenzwertig, das 100er wäre mir definitiv zu viel. Die APM Binos sind alle wirklich gut, aber können auch nicht Alles auf einmal.

cs Alex
 
Hallo Alex, vielen Dank für die ausführliche Schilderung. das ist sehr hilfreich. Ja.... vielleicht geht es eher Richtung 82er :)

Viele Grüße und ein schönes Wochenende,
Jan
 
Hallo Jan,

Spannendes Thema - gerade auch Afrika und Bino …

Hier mal mein Equipment und meine Erfahrung dazu.

APM 100/ 45 Grad auf Vixen Gabel und Carbon Stativ mitten in Namibia

FG im passenden Rucksack - Gewicht 6 kg
als Handgepäck

Okulare : 2x PanO 24 / 2x 16er Nagler nebst 2x O3 und UHC Filter in den Jackentaschen

Vixen Gabel und Stativ im Koffer - mit Klamotten bestens gepolstert :)
 

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Mittlerweile habe ich die Vixen Gabel verkauft - das Problem war, dass das FG natürlich nicht im Schwerpunkt montiert werden kann.

Es geht trotzdem - man muss halt die Klemmungen mal mehr mal weniger fest anziehen … ist aber alles andere als optimal
 
Nun habe ich die Zentralmontierung (die gab es damals noch nicht) besorgt - ist deutlich besser und für schwache und mittlere Vergrößerungen völlig ausreichend ;)
 

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Wie Alex schon schrieb … die Stärke dieser Gläser sind die offenen Sternhaufen und großflächigen Nebel … aber auch Dunkelwolken und die ein- oder andere Galaxie machen was her !

Ich war zumindest froh ein 100er dabei zuhaben … und es ist machbar wie meine Aufnahmen zeigen :)
 
Ach ja - in einer Unterkunft konnten wir mit dem Bino wunderbar Wildtiere beobachten (Giraffen und Antilopen) … dafür würde ich das Glas auch im Rucksack kilometerweit tragen :)
 
Hallo Jan,

hast Du Dich schon entschieden? Ich kann meine Erfahrungen noch kurz hier einbringen. Auf dem Foto siehst Du mein Reise-Equipment: ein 82er SA-Bino (ca. 4,5 kg) auf einem alten Manfrotto 075 (4,5 kg) mit einem Manfrotto N608 Fluidhead (ca. 2,3 kg). Das Stativ mit dem Fluidhead kam in einen Koffer, das Bino samt Okularen und Filtern in einen Fotorucksack. Das war super transportabel und auch bei der Kontrolle am Flughafen kein Problem. Klar, bei Deepsky-Beobachtung bringt jeder mm mehr Öffnung auch gleich mehr Spaß, aber unter richtig dunklem Himmel geht auch mit dem kleinen Gerät wirklich sehr viel! Und der Fluidhead wiegt ähnlich viel wie die Monogabel, ist aber um Größenordnungen besser zu bedienen und neigt im Gegensatz zu dieser gar nicht zu Schwingungen.

PanAm_(957).jpg



Wenn das Equipment über weitere Strecken getragen werden soll, würde ich die Anforderungen aber aufteilen. Ca. 12 kg Gesamtgewicht mit Okularen sind nicht jedermanns Sache. Dann lieber für die Wanderungen ein (bildstabilisiertes!) Fernglas dazu nehmen.

Viele Grüße
Andreas
 
Hallo,
habe zwar nicht alle Fragen und Antworten gelesen, ich würde mich aber für ein Spektiv entscheiden: 100 mm Öffnung, V. = 20 - 60fach. Man muß ja nicht immer ein Auge zukneifen, das kann man üben, das andere offen zu lassen. Oder wie erwähnt, ein Vario-Bino (10-30x60). Freihändig "eigene Praxis" bis 20fach. Auf Stativ bis 30fach ausreizen.

Gruß Günther
 
Hallo Günther,

naja, 2 Augen bringen halt schon einen deutlichen Gewinn, bei punktförmigen Lichtquellen (Sterne) Faktor 1,4, bei diffusen, flächigen Objekten deutlich mehr.
Ich würde da nicht zum Zyklop werden wollen...

Auch ein kleiner Fluidhead anstatt einer voluminösen Gabel ist der richtige Weg.

Grüße Jochen
 
Hallo Jochen,
gute Erfahrungen habe ich mit dem C 90 bzw. C 5 (5") von Celestron machen dürfen. Um die Optik aufzupeppen, käme noch ein Amiciprisma dazu und, wie sollte es anders sein, eine Barlow-Linse, 2fach. Dann hätte ich alles, was das Herz begehrt. Eine Russentonne, die ich einige Zeit zum beobachten hatte, konnte man an irdischen Objekten bis 400fach ausreizen. Was man da alles sah (entfernte Schornsteine, Häuser etc.): dazu fällt einem nichts mehr ein. M. Ludes widersprach solche Äußerungen von mir. Vielleicht wußte er auch nicht, daß man z. B. ein C 8 schon bis 1000fach auf der opt. Bank "auseinandergenommen" hat. Ein weiteres Argument von ihm war, daß man heute nicht mehr vis. beobachten würde. Das führt jetzt zu weit, hier noch weitere Sachen aufzuführen....

Gruß Günther
 
Hallo Günther,

diese C5 und C8 mögen ja handlich sein und aufgrund ihrer großen Brennweite hohe Vergrößerungen ermöglichen, dafür sind dann die Blickwinkel sehr eng und die optische Qualität durch Spiegel und große Obstruktion doch eher - Naja...
Von der Auskühlproblematik gar nicht zu reden...

Ich wollte das alles ganz ja genau wissen und hatte mir deshalb aus zwei C8 - noch die ursprünglich gute in den USA produzierte Qualität - Doppelteleskope gebaut und direkt mit meinem ehemaligen 125mm ED Doppelteleskop und einem 12,5" Dobson verglichen.

Das Ergebnis dieser Vergleiche war, dass ich alles verkauft und mir das APM 150 bestellt habe, was ich bis heute nicht bereue.
Hätte ich diese Vergleiche nicht selbst an den eigenen Augen erlebt würde ich heute immer noch hadern, ob es vielleicht doch noch was besseres geben könnte.
Aber so habe ich meinen Seelenfrieden gefunden und bin tatsächlich mit einem einzigen Instrument für alle Beobachtungen glücklich.

Meine persönliche Erfahrung ist, es geht nichts über Linsen bestmöglicher Qualität und natürlich für jedes Auge eine eigene :)
Das 150er APM ist mit meinem 12" Dobson praktisch auf Augehnöhe, nur bei Kugelsternhaufen zeigt der Dobson mehr.
Klar bei Öffnungen von 20" und mehr kommen Doppelrefrektoren dann nicht mehr mit, aber solche Ungetüme möchte ich eh nicht handhaben müssen.

Der gravierendste Unterschied zwischen Linse und Spiegel war für mich die Bildästhetik und darauf kommt es mir in erster Linie an.
Das hätte ich im Vorfeld der Versuche so nie erwartet und ich war lange Jahre ein Fan von Spiegelteleskopen.

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Grüße Jochen
 
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