Vixen Shuttle Scope 100/640 mit Binoansatz ausrüsten - Effekt auf Farbreinheit | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Vixen Shuttle Scope 100/640 mit Binoansatz ausrüsten - Effekt auf Farbreinheit

schischi

Mitglied
Hallo zusammen,

ich überlege, ein Vixen Shuttle Scope 100/640 mit Binoansatz auszurüsten. In dem Fall wäre der lange optische Weg des Binos sogar sehr von Vorteil, da der Tubus des Shuttle Scope zu kurz ist, um in den Fokus zu kommen (ist nämlich eigentlich der Tubus vom Shuttle Scope 80/480 - dieser ist identisch mit dem 100er, aber natürlich kürzer).

Ich habe allerdings mal irgendwo gelesen, dass die Shuttle Scope Objektive für einen Glasweg gerechnet sind und daher mit einem Prisma farbreiner abbilden. Wie wäre dann wohl der Effekt eines Bino-Ansatzes?

Danke schon mal für eure Antworten.

Grüße
Michael
 

klawipo

Mitglied
Hallo Michael,

soweit ich weiß lenken die gängigen Binos das Licht auch durch Prismen um, bringen also Glasweg mit ein. Ob dieser von der Länge zum Objektiv passt ist dann eine andere Frage. Meistens findet man zu den Teleskopen aber eh keine millimetergenauen Angaben.

Hier noch Einiges zum Thema, falls noch nicht bekannt:


VG Klaus
 

schischi

Mitglied
Hallo Klaus,

ja, das ist ein interessanter Artikel. Danach ist mein 100/640 mit F/6.4 eigentlich schon fast zu kurz bzw. zu schnell für eine gute Abbildung mit Bino.

Ein anderer Punkt ist auch, dass man für ein ordentliches Weitfeldgefühl ohne Vignettierung auch vor dem Bino einen größeren Durchlass braucht. Auszug und Zenitspiegel sollten dann selbst für ein 1,25 Zoll Bino schon besser 2 Zoll haben. 2 Zoll ZS plus Bino wären bei meinem "Bastelgerät" allerdings auch ein Vorteil bzgl. des Lichtweges. Der wird dann so lang, dass ich vielleicht doch mit dem zu kurzen Tubus in den Fokus komme. Und das Bino selbst sollte schon max. große Prismen haben, allerdings nur in 1,25 Zoll Ausführung. Die großen 2 Zoll von Baader oder Zeiss sind mir für das Bastelprojekt zu teuer.

Wie sich das Bino dann bei diesem Objektiv auf die Farbreinheit auswirkt, werde ich vermutlich erst nach dem Testen sehen.

Grüße
Michael
 

arago

Mitglied
Hallo Freunde

Das Problem mit Bino an schnellen Optiken ist die Feldausleuchtung da sich bei F6,4 das Strahlenbündel hier bei 110mm Lichtweg sich um 17,2mm verjüngt, das heißt, das hier dann der Bildkreis der zu 100% ausgeleuchtet wird sich von ca. 28mm am Binoeingang auf nur noch 10,8mm am Binoausgang verkleinert. Optiken mit einem kleinen Öffnungsverhältnis, z.B. F20, sind hier im Vorteil da hier der Bildkreis der zu 100% ausgeleuchtet wird dann immer noch bei ca. 22,5mm Durchmesser liegt da sich das Lichtbündel hier viel langsamer zum Brennpunkt hin verjüngt. Bei schnellen Optiken kann es auch schon zu Öffnungsverlusten kommen da das Licht aus der Objektivrandzone schon teilweise nicht mehr in den maximal 28mm großen Eingang am Bino passt da das Lichtbündel bei schnellen Optiken rund 110mm vor der Bildebene noch deutlich größer ist als der 28mm Eingang. Das hat in etwa die gleiche Auswirkung wie ein zu kleiner Fangspiegel beim Newton. Bei einem kleineren Bino mit nur 24mm oder noch weniger Eingangsdurchmesser sind die Verluste noch größer. Auch hier machen sich Glaswegkorrektoren (von Baader) positiv bemerkbar. Durch die Verlagerung der Bildebene nach hinter raus kann das Lichtbündel später, weiter hinten abgegriffen werden wo es im Durchmesser kleiner ist und es gelangt dadurch mehr Licht ins Bino. Dieser positive Effekt kann aber auch wieder verpuffen wenn der Glaswegkorrektor wie bei einigen Baumustern ca. 68mm nach vorne in den Strahlengang hinein ragt und gleichzeitig am Eingang nur etwa 23mm Öffnung aufweist. Auch damit kann man sich wie am F4,5 16er einen saftigen Öffnungsverlust einfangen! Dabei geht dann einiges an Auflösung merklich verloren.

Gruß Peter
 

Gerd_Duering

Mitglied
Hallo Michael

Ich habe allerdings mal irgendwo gelesen, dass die Shuttle Scope Objektive für einen Glasweg gerechnet sind und daher mit einem Prisma farbreiner abbilden. Wie wäre dann wohl der Effekt eines Bino-Ansatzes?

es spricht einiges dafür das diese Optik für den Glasweg eines 1,25“ Amici-Prismas gerechnet wurde da sie wohl eher für den terrestrische Einsatz gedacht ist und da braucht es natürlich ein aufrechtes und seitenrichtiges Bild.
Nun müsste man wissen wie lang der Glasweg nun genau ist der hier berücksichtigt wurde.
Bei einem 1,25“ 90° Amici-Prisma würde ich mal so etwa 40mm Glasweg schätzen, das ist deutlich weniger als der Glasweg für ein Bino der mit etwa 85mm anzusetzen wäre (1,25“ Version).
Wenn du also einen ZS + das Bino nutzt wäre der Glasweg nun mit um die 85mm etwa 45mm länger als in der optischen Rechnung berücksichtigt.
Das würde bei F6,4 einen moderaten zusätzlichen Farbfehler bedeuten der bei einem farbreinen APO schon spürbar wäre aber bei einem einfachen Achromaten der ja eh schon einen deutlichen Farbfehler hat in Relation dazu kaum ins Gewicht fallen.
Ich denke du wirst da kaum einen Unterschied feststellen können.

Grüße Gerd
 

Gerd_Duering

Mitglied
Hallo Peter,

Das Problem mit Bino an schnellen Optiken ist die Feldausleuchtung da sich bei F6,4 das Strahlenbündel hier bei 110mm Lichtweg sich um 17,2mm verjüngt, das heißt, das hier dann der Bildkreis der zu 100% ausgeleuchtet wird sich von ca. 28mm am Binoeingang auf nur noch 10,8mm am Binoausgang verkleinert. Optiken mit einem kleinen Öffnungsverhältnis, z.B. F20, sind hier im Vorteil da hier der Bildkreis der zu 100% ausgeleuchtet wird dann immer noch bei ca. 22,5mm Durchmesser liegt da sich das Lichtbündel hier viel langsamer zum Brennpunkt hin verjüngt.

das ist leider zu kurz gedacht.
Was vor allem visuell wirklich zählt ist nicht das ausgeleuchtete Feld in mm sondern das ausgeleuchtete Feld als Winkel und da sieht es genau andersrum aus wie in deiner Rechnung.
Es stimmt zwar das durch den Kegel bei F6,4 nach 110mm Lichtweg von 28mm nur noch 10,8mm zu 100% ausgeleuchtetem Feld übrig bleiben aber das dann bei 640mm Brennweite was einem zu 100% ausgeleuchtetem Feld als Winkel von rund 1° entspricht.
Bei F20 sind es aber 2000mm Brennweite und da erreicht man bei 22,5mm Felddurchmesser lediglich einen Felddurchmesser als Winkel von 0,64°.
Das zu 100% ausgeleuchtete Feld als Winkel ist also mit dem gleichen Binoansatz bei F20 deutlich kleiner als bei F6,4.

Grüße Gerd
 
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