Vorgehen bei Kälte? (-5 bis -10) | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Vorgehen bei Kälte? (-5 bis -10)

Deepsky40

Mitglied
Hey Leute,

es ist schon Monate her, als ich zum letzten Mal auf dem Feld war. Das Wetter hat leider überhaupt nicht mitgespielt. Hier in NRW war es quasi durchgehend bewölkt. Bis jetzt.
Nun habe ich Gelegenheit rauszufahren, aber noch keinerlei Erfahrung für Beobachtungen bei den oben beschriebenen Temperaturen.
Ich besitze ein C925, keine Taukappe, keine Möglichkeit, den Tubus davor auf dem Balkon auskühlen zu lassen oder sowas. Muss ich was besonderes beachten, wenn es so einen starken Temperaturverfall gibt? Mit was für einer Auskühlzeit muss ich rechnen? Andere Hinweise und Vorkehrungen?

Danke!:)

Sascha
 

funastro63

Mitglied
Hallo,

mit Celestronteleskopen habe ich keine Erfahrungen. Allerdings gibt es ein paar grundlegende Dinge, die man beachten sollte.
Kein Teleskop mag einen abrupten Temperaturwechsel. Das kann bei speziellen Optiken (CaF) sogar zum Bruch führen. Also versuche auf irgendeinen Weg bspw. das Teleskop im Auto vorkühlen lassen, oder am Beobachtungsort noch im Transportbehältnis lassen, wie auch immer. Nicht aus dem 22 Grad warmen Zimmer in die -10 Grad kalte Nacht. Die Auskühltet kann auch länger sein, bevor Du gute Bilder bekommst. Sowohl Optik, als auch Tubus brauchen ihre Zeit. Ich meine ca. eine Stunde wird ins Land gehen. Sicher kann man in dieser Zeit schon beobachten, allerdings die große Freude ist es nicht. Ich stelle eigentlich meine Teleskope ca. 2 h vorher ins Freie, natürlich abgedeckt, aber mit Beginn der Session sind sie an die Außentemperatur angepasst.

Trotzdem viel Spaß, ich sitze noch unter den Wolken.
cs Guido
 

Dahlmann

Mitglied
Moin Dietmar,
ja ist es denn keiner? Mir ist weder aus eigener Erfahrung etwas ähnliches passiert, auch nicht mit Alltags Gegenständen (Brille z. B.) noch habe ich irgendwo etwas dazu in den Foren gelesen. Es gibt auch keine Warnhinweise an den Geräten dazu.... Da ist es eher wahrscheinlich, dass ein China Gussteil (Montierung) durch Einfluss von Druck und Kälte bricht, oder angeklebte Plastikabdeckungen abfallen.....
Das grösste Problem ist eher das es so ewig dauert, um das Gerät auf Betriebstemperatur zu bekommen. Ohne Taukappe, wie hier beschrieben, wird dann die Schmidtplatte eher zu sein, als dass das Gerät brauchbare Bilder liefert.

Gruss Holger
 

funastro63

Mitglied
Hallo,

mal abgesehen vom abrupten Temperaturwechsel - jedes Teleskop muss vor dem Beobachten an die Umgebungstemperatur angepasst werden. Stell mal ne warme Optik raus und fang an zu beobachten. Kein Vergnüge. Wenn man der „glückliche“ Besitzer eines Metalltubus ist, dann sowieso gut auskühlen. Ob chinesischer Guss bei extremen Temperaturunterschieden bricht oder brechen kann, weiß ich nicht, hab’s auch noch nie erlebt. Zumindest konnte meine verflossene EQ-6 mindestens -27 Grad ab, da waren die Batterien der Schwachpunkt. Es ging m.E. aber doch um die Optik und deren Eigenschaften bei tiefen Temperaturen. Noch einen Link zu den Kalziumflourit-Optiken: Baader APO. Ab „Ölgefügte Objektive aus unserer Fertigung...“. Ich hoffe mal, dass Sascha ne tolle Beobachtungsnacht hatte. Bei mir waren Wolken bis nach Mitternach. Ich hoffe auf heute Abend. Sonne hat schon mal funktioniert :cool:.

cs Guido
 

Damir2

Mitglied
Hallo Damir,
wie kommst Du darauf, dass das ein Mythos ist?

Weil es bisher niemanden gibt dem genau das passiert ist. Hab ich in 12 Jahren weder gesehen noch gelesen. Es wird in Foren immer gesagt, aber absolut niemanden ist das Glas jemals zu Bruch gegangen bei einem Temperatursprung von sagen wir typische +25° runter auf -10°. Nie gesehen oder gelesen, nichtmal bei jemanden der jemanden kennt der jemaden kennt( :LOL: ). In keinem Deutschen oder Ausländischen Forum. Aber es gibt immer Leute die Reden darüber das sowas passieren "kann".

Deswegen ist es ein Mythos (für mich zumindest) bzw. meine CaF2 Optik stelle ich auch raus von +25° in -10°, das interessiert mein Teleskop null.

Dass das Material ein bestimmten Ausdehnungskoeffizient hat ist klar, ein Bruch gibt es wenn es bei extrem hoher Hitze stark abkühlt, keine Ahnung, sagen wir einfach mal von 600° auf 80°, oder so...das wäre für mich einleuchtend, aber doch nicht bei den klassischen +25° auf runter -10°.

Lass mich natürlich eines besseren belehren, wenn ihr wirklich jemanden kennt dem sowas wiederfahren ist.
 

klawipo

Mitglied
Hallo Sascha,

soweit ich weiß wickeln einige Sternfreunde ihren SC in eine Isomatte.

Ich lege die Optik nach Möglichkeit ein paar Stunden vor der Fahrt in den Kofferraum und lasse beim Fahren auf jeden Fall meine Winterklamotten an und drehe die Heizung nur leicht auf (durchgefroren ankommen bringt auch nichts).

Darüber hinaus starte ich meistens mit größeren Objekten, bevor es an kleinere geht. Bei niedriger Vergrößerung fällt das Gewaber nicht so ins Gewicht.

VG Klaus
 

WUNNI

Mitglied
Hallo,

falls Du Akku- oder Batteriepacks für Kamera, Rechner, Montierung,... hast: Die mögen es kalt nicht so sehr. Die solltest Du möglichst etwas einpacken, damit sie zumindest über 0°C bleiben, sonst sinkt die Kapazität deutlich ab. (Einfrieren werden sie erst bei Temperaturen, bei denen keiner mehr freiwillig rausfährt.)

CS!
Niko
 
Ich besitze ein C925, keine Taukappe, keine Möglichkeit, den Tubus davor auf dem Balkon auskühlen zu lassen oder sowas. Muss ich was besonderes beachten, wenn es so einen starken Temperaturverfall gibt? Mit was für einer Auskühlzeit muss ich rechnen? Andere Hinweise und Vorkehrungen?

Danke!:)

Sascha
Hallo Sacha,

bei einem SC gibt es zwei Möglichkeiten, mit starken Temperaturunterschieden umzugehen.
Erste und unter Umständen aufwändige Möglichkeit:
Teleskop schon Stunden (je nach Temperaturunterschied) vor der Beobachtung auskühlen lassen.
Das Problem dabei ist, dass der dicke Hauptspiegel bei einem SC die ganze Nacht der fallenden Temperatur hoffnungslos hinterherläuft und nie zur Höchstform aufläuft. Das kann man mit Lüftern in den Griff bekommen, aber wenn man nicht am Tubus rumbohren, sägen und feilen will ist das keine Option.

Zweite Möglichkeit, und diese praktiziere ich erfolgreich seit 30 Jahren mit großen (10" und 11") SCs:
Das Prinzip des "Hot Tube". Der Gedanke dahinter ist, dass die Temperatur im Tubus möglichst konstant gehalten wird und noch wichtiger, im Tubus keine zu großen Temperaturdifferenzen entstehen. Der Tubus kühlt während der Beobachtung oben schneller ab als unten und auch das Ende mit der Schmidtplatte kühlt schneller aus, als das Ende mit dem Hauptspiegel. Dies führt im Tubus zu beachtlichen Temperaturunterschieden und Turbulenzen, die übles Tubusseeing verursachen.
Am langsamstem kühlt das Blendrohr ab und man sieht im Beugungsbild sehr lange eine V-förmige Störung (sog. "Heatplume").
Durch eine Isolierung des Tubus (ich verwende dafür Heizkörpertapete) verzögert man die Abkühlung des Tubus und wichtiger, verringert man die Temperaturunterschiede im Tubus.
Mit einem gut isolierten SC kann man getrost von +20 Grad Innen nach -10 Grad draußen gehen und sofort mit Vergrößerungen beobachten, die nur noch durch das atmosphärische Seeing limitiert werden.
Ein möglichst lange (2*Durchmesser der Optik) und gut isolierte Taukappe ist ein probates Mittel, den Taubefall der Schmidtplatte zu verhindern oder zumindest sehr lange zu verzögern.

VG
Günter
 
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