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Wagnerfrage

gutmensche

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hello,
Da die Planeten nach den Mächtigen des Altertums benannt sind, -- hmm -- als wir vor ein paar Tagen Jupiter und Saturn im Abendhimmel zusammen sehen konnten., was wäre ein passender Name für das Ereignis gewesen ?
Frage den doch den Richard:
Goetterdaemmerung.
cs fuer die Zukunft; -- vom kleinen guenter gutmensche
 
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Emissionsnebel

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Hallo,

Naja, wenn man bedenkt, dass Wagner mit Götterdämmerung immer wieder auf das nordische Ragnarök anspielt, welches den Untergang der Welt beschreibt, können wir froh sein, dass der Beziehung von Name und Ereigniss in der Astronomie oft keine Bedeutung zu kommt ;)
Aber schön wäre die Bezeichnung, da stimme ich dir zu!

CS
Kalle
 

P_E_T_E_R

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Wohl eher in dem Sinn, dass diese prominenten Planeten jetzt erst mal wieder verschwinden werden ...

Bei der engen Passage von Jupiter und Saturn am 21. Dezember diesen Jahres könnte einem auch das traditionell ausschweifende römische Fest der Saturnalien in den Sinn kommen, welches zwischen dem 17. und 25. Dezember abgehalten wurde. Dieses Fest ist wohl zusammen mit dem nordischen Julfest der Vorläufer des christlichen Weihnachtsfestes.

In der römischen Götterwelt, welche direkte Vorbilder in der griechischen Götterwelt hatte, war Saturn bzw. Kronos der Vater von Jupiter, Neptun, Pluto, Juno, Ceres und Vesta, also eigentlich die übergeordnete Gottheit, wurde dann aber von seinem Sohn Jupiter entmachtet. Gleichwohl hatte Saturn bei den Römern weiterhin hohes Ansehen, was sich nicht zuletzt in dem Saturnalien-Fest widerspiegelt.
 
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Auriga_HH

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In anderen Zeiten wäre diese Konjunktion verbunden mit der Pandemie sicherlich als große göttliche Strafe gedeutet worden.
 
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gutmensche

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Kalle nd Alle,
Mir fallen solche witzigen bon mots immer ein, um mein 90+ altes Gehirn jung zu erhalten.
Als Kriegskind hoffe ich nur, dass, wenn es zum Ende kommen würde, was Besseres folgt.
Wie dem auch sei, sicher ist, dass hier im Westen, egal was hier Unten da sein könnte, im April 2024 , - wie August 2017 war - , der Mondschatten kommen wird. (CS bitte)
Danke fuer Eure a propos Beiträge, Grüße, guenter.
 
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jbrachte

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Wenn es um Konjunktionen der äußeren Planeten geht, würde ich nicht unbedingt den Richard (Wagner) befragen, sondern eher den Johannes (Kepler). Denn der hat darüber viel geschrieben, vor allem in seinem Buch: „Über den neuen Stern im Fuß des Schlangenträgers und das Feuerdreieck, das während seines Aufgangs von Neuem begonnen hat“ (De stella nova ....) (1606).

Das Feuerdreieck (trigonus igneus) ist eine alte astrologische Vorstellung, die wohl unter anderem auf den arabischen Astrologen Albumasar (+ 886) zurückgeht. Es besteht aus den Sternbildern Widder, Löwe und Schütze, die alle mit dem Element des Feuers assoziiert sind. Im Tierkreis bilden sie ein gleichseitiges Dreieck.
Trotz des Titels geht es in Keplers Schrift zunächst gar nicht um den neuen Stern im Schlangenträger, sondern um die Konjunktion von Jupiter und Saturn, die im Dezember 1603 im Sternbild Schütze stattfand. Solche Konjunktionen treten alle 20 Jahre auf, wobei sich der Ort um jeweils 117 Grad im Tierkreis verschiebt. Die Örter dreier Konjunktionen bilden zusammengenommen also ungefähr ein gleichseitiges Dreieck (Kepler nennt dies eine Triplizität), das aber im Lauf der Zeit langsam durch alle Tierkreiszeichen hindurch wandert, bis es nach 800 Jahren wieder seine Ausgangsposition erreicht hat.

Hier ein Bild dazu aus Keplers "De stella nova":
igneus1.JPG

igneus1.JPG

Entscheidend ist für Kepler nicht, wie weit oder eng die beiden Planeten bei der Konjunktion zueinander stehen, sondern in welchem Sternbild die Konjunktion stattfindet. Diejenige von 1603 fand im Schützen statt. Zur gleichen Triplizität gehören diejenige von 1623 im Löwen und diejenige von 1643 im Widder. Damit liegt diese Triplizität ganz in den Sternbildern des Feuerdreiecks. Eine Triplizität im Feuerdreieck, wie sie 1603 ihren Anfang nahm, markiert den arabischen Astrologen zufolge immer ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung. Das liegt daran, daß Feuer und Hitze für Aktivität und Zerstörungskraft stehen. Nach Keplers Rechnung war die Triplizität im Feuerdreieck von 1603 erst die achte ihrer Art seit Entstehung der Welt. Hier ist Keplers Übersicht dazu:
igneus2.JPG


(Die Konjunktion vom Dezember 2020, an der wir uns alle gerade erfreut haben, fand übrigens nicht in einem Sternbild des Feuerdreiecks statt, sondern im Steinbock, der mit Erde und Kälte assoziiert ist. Daher sind nach Kepler für die nächste Zeit keine welthistorischen Ereignisse zu erwarten.)

Sehr interessant in Keplers Tabelle finde ich die Eintragungen für die wichtigen Personen und Ereignisse (die beiden letzten Spalten). Bei den Personen tauchen auf: Adam, Moses, Christus, für das Jahr 800 Karl der Große, und für das Jahr 1600 Rudolph II. (na ja, Kepler war wohl auf das Wohlwollen des Kaisers angewiesen). Bei den Ereignissen wird für das Jahr 800 die Entstehung des Frankenreiches im Westen und des osmanischen Reiches im Osten genannt, für das Jahr 1600 unser eigenes, d.h. Keplers Leben und Taten. Kepler blickt aber auch in die Zukunft: Für das Jahr 2400, also den Beginn des neunten Zyklus, nennt Kepler natürlich keine Personen, und in der Spalte für die wichtigen Ereignisse stellt er nur Fragen: „Wo sind dann wir? Wie steht es um unser blühendes Germanien? Wer werden unsere Nachfahren sein? Werden sie sich an uns erinnern? – Sofern es die Welt dann überhaupt noch geben wird!“

Götterdämmerung ist für Kepler nicht denkbar – aber der Untergang des Kosmos, und zwar schon recht bald, war für ihn eine reale Möglichkeit. Da nützen dann auch Elon Musk und die Besiedlung des Mars nichts mehr.

Viele Grüße
Johannes

Bildnachweis: "Digital Rare Book Collection" des Obeservatoriums der Universität Wien, Rare Book Collection at the Vienna University Observatory
 
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P_E_T_E_R

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Kepler blickt aber auch in die Zukunft: Für das Jahr 2400, also den Beginn des neunten Zyklus, nennt Kepler natürlich keine Personen, und in der Spalte für die wichtigen Ereignisse stellt er nur Fragen: „Wo sind dann wir? Wie steht es um unser blühendes Germanien? Wer werden unsere Nachfahren sein? Werden sie sich an uns erinnern? – Sofern es die Welt dann überhaupt noch geben wird!“
Ubi tunc nos, modo florentissima nostra Germania ?
Et qui nam successores nostri an memores nostri erunt ?
Siquidem mundus duraverit.


Fürwahr ein Mann mit Weitsicht - da können einem ja regelrecht die Tränen kommen.
 

gutmensche

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und mit einem Schrotflinten Angang zu den Himmel Ereignissen. Wir müssen aber die drei Treffer anerkennen. Erstmalig. Einmalig, immer noch sachdienlich. Bestimmt hat er seine Ass-trologie Theorie nicht ernst gemeint.
Kepler war auch aus seiner Kirche rausgeschmissen worden, weil er deren Führung's Fehler fand und veröffentlichte.
interessant wie ein Witz im OP sich im smalltalk weiterentwickeln kann.
Danke dafuer : gg
 
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