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Wer will uns hier oben eigentlich ver*****en?

Demokrat

Aktives Mitglied
Hallo Uwe, ja, es gibt Gerichtsurteile, die sich darauf stützen, dass jemand Abbildungen von Kunst angefertigt hat, die nicht von der Straße aus getätigt wurden. Die Straße gehört mehr oder minder allen, da darf man auch fotografieren, allerdings eben nicht unbedingt Kunstwerke anderer Künstler und sie nachher sozusagen gratis ins Netz stellen oder Poster davon verkaufen, da man kein Werknutzungsrecht für Abbildungen des Kunstwerks besitzt.

Wie gesagt: siehe Museum, nur halt im Freien. Schafft ein namhafter Künstler ein Kunstwerk, das öffentlich steht, ist das Geld verdienen mit Fotos davon problematisch. Das Recht am eignen, selbst gemachten Bild hat man zwar prinzipiell, daher darf man das zu Hause auch der Oma zeigen, aber eben nicht verwerten. gleiches gilt für Konzertmitschnitte, auch wenn man eine Karte gekauft hat, darf man das prinzipiell nicht recorden und dann auf YT stellen, aufführen, weiterverkaufen oder senden...

Das ist unheimlich kompliziert geworden, auch mit dem Zitaterecht. Das gilt für Screenshots wie für die Verwendung fremder Textpassagen, Tonwerke (Lieder) und Bilder. Bildzitate sind überhaupt meist strittig. Ich möchte nicht vorab entscheiden müssen, ob etwas zulässig ist, wenn es nicht irgendwo mal ausjudiziert wurde. Das kann ins Auge gehen. Liest man die Urteile und die Sachlagen mal ein wenig quer, kommt einem das Gruseln. Alles ist extrem kontextabhängig, also zu welchem Zweck, in welcher Absicht etwas in welchem Zusammenhang zitiert wurde.

Geschweige wenn es um Bearbeitungen geht. Der Bearbeiter erwirbt grundlegend auch ein gewisses Urheberrecht für seine Bearbeitung, aber schuldet dem Original und seinem Autor Tribut. Ohne das Grundmaterial würde es ja auch keine Bearbeitung geben. Ab da wird es dann wieder kompliziert, weil die "Werkhöhe" ("Schöpfungshöhe") und andere Eigenschaften zu eruieren sind, also, die Beurteilung, wie wichtig, wertvoll oder künstlerisch eine Bearbeitung ist, und das ist wiederum Ansichtssache.

:p:rolleyes:

lg
Niki
 

Radfahrer

Mitglied
Hallo Niki,

laß uns doch mal das andere Extrem denken. Da macht jemand Kunst und niemand bekommt es mit, weil jeder, der vorbei kommt, denkt : " oh, schön, aber ich habe kein Recht das zu veröffentlichen " und läßt es dabei bewenden. Ein totgeschwiegener Künstler kann auch nicht von seiner Kunst leben.

In Freiburg gibt es das sogenannte " Holbeinpferdchen ". Es steht seit über 70 Jahren an einer öffentlichen Stelle, an der kein Tourist vorbei kommt, ist also gemeinfrei und im Besitz der Stadt Freiburg. Nun ist es aber seit Jahren der Fall, das dieses Pferd ca. alle 2 Wochen von Unbekannten komplett neu bemalt wird, durchaus künstlerisch und originell.

Die Erben des Künstlers haben gerichtlich die Bilderrechte eingefordert und im Wesentlichen in beiden Instanzen verloren. Mir fehlt jedes Verständnis für diese Gier.

Gruß Uwe
 

Demokrat

Aktives Mitglied
Naja, in unserer Marktwirtschaft ist halt das Geldverdienen die Nummer eins, die Schaffung von Schöngeistigem ward einst den armen Künstlern überlassen. So wie kein Arzt um des Ansehens und Geldes willen Medizin studieren sollte, sondern um kranke Lebewesen zu heilen, sollte kein Künstler mit dem Ziel zur Tat schreiten, möglichst viel Kohle zu scheffeln.

Die Wirtschaft grätscht aber letztlich in jeden Bereich und holt aus jedem Winkel noch ein paar Dollars raus. Und so wurden Künstler wie Picasso zu Meistern im Verhöhnen der Narren, die sich um seine 10-Pinselstrich-Bilder rissen, die jeweils (zum Schluss) in mehr oder minder zehn Minuten gemalt wurden. Massenware, damals noch vom Meister, heute von Ateliers, die Sub-Maler beschäftigen (gab es aber auch im Mittelalter...).

Nebenbei: Gewehre und Kameras werden einander gleicher. Man darf sie besitzen, aber nicht schadlos auf irgendwas zielen. :D
So gibt man uns tolle Kameras, aber man darf nicht fremde Leute fotografieren und das ins Netz stellen. Klar. Kunstwerke auch nicht. Oder man holt von jedem einzelnen eine schriftliche Genehmigung ein.

Deshalb: ein Hurra auf die Astrofotografie. Bis Boeing oder Mannesmann oder Boehringer oder werauchimmmer Anlagen aufstellt, die unsere verschmutzte Atmosphäre reinigen... die halten dann irgendwann mal die Hand auf, wenn wir durch saubere Luft unsere M31 und M42 knipsen... und Adobe wird vielleicht 30% vom Posting-Wert verlangen, PixInsight muss man vielleicht pro Bild bezahlen und der Leser unserer Posts bekommt für ein Like einen Euro. Mann, wie werden uns unsere Bilder gefallen... :p

Im Prinzip war und ist es aber immer schon so, oder? Baader zahlt die Website, wir bringen mit unseren Beiträgen den Inhalt. Kostenlos. Wir zahlen unsere Fernrohre, unsere Software, die Kameras, die Astrohütten, die Filter, die Trainings, die Freizeit... damit wir hier und daheim was abliefern können.

Und wenn wir, back to the roots, uns abends in einen Stuhl setzen und zum Himmel gucken, sagt einer: "Hast Du nicht wenigstens einen Feldstecher?" Tja, und schon wieder kostet unser Hobby was... inklusiver der warmen Jacke, die jemand für uns genäht hat. In China. Wir haben die Strick-und Nähmaschinen dorthin geliefert. Sie haben dafür bezahlt, jetzt bezahlen wir sie... :coffee:

Gier ist ein altes Wort.
Das Leben ist ein - modern gesprochen - "Geschäftsmodell".

Auch der Sarg wird teuer werden.
Und die Grabpflege.
Wir kosten sogar nach unserem Tod noch Geld... :cool:

lg
Niki
 
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