Wie haltet Ihr es mit dem Augenabstand? | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Wie haltet Ihr es mit dem Augenabstand?

Sheepy

Mitglied
Hallo zusammen,

entweder mache ich etwas falsch oder meine Augen/Sehgewohnheiten sind nicht ganz Sterngucker-kompatibel ... :unsure:

Immer wieder stelle ich fest, dass Okulare mit besonders großem Augenabstand ("Long Eye Relief") ausdrücklich gelobt bzw. beworben werden. Ich fand aber die, die ich bisher ausprobieren konnte, einfach schrecklich! Ich bin Brillenträger, setze die Augengläser jedoch zum Beobachten ab. Aber ich schaffe es nicht, meine Birne im Abstand von 20 Millimetern oder mehr vom Okular so ruhig zu halten, dass ich vernünftig durchschauen kann. Und Fremdlicht darf da ja auch aus allen Richtungen "blenden". Da ist mir ein leichtes Anlehnen an die Augenmuschel eines Okulars mit geringerem Augenabstand (es müssen ja nicht gleich die Wimpern an der der Linse hängenbleiben) bedeutend lieber.

Wie seht Ihr das?

Sehr gern benutze ich übrigens das Baader Classic Plössl 32 mm, das zwar auch 21 mm Augenabstand hat, aber dank der mitgelieferten Abstandshülse und dem Gummi-Blendschutz die o. g. Nachteile nicht aufweist.

Warum wird solch nützliches Zubehör nicht häufiger verlangt/angeboten/verkauft?

Grüße und CS
Sheepy
 

Demokrat

Aktives Mitglied
Aber ich schaffe es nicht, meine Birne im Abstand von 20 Millimetern oder mehr vom Okular so ruhig zu halten, dass ich vernünftig durchschauen kann.
Deshalb verwendet man ja die Augenmuschel zum Ansetzen - mit Brille ist das problematisch, ohne Brille aber normalerweise kein Problem, wenn das Okular eine verschiebbare Hülse hat (zb TV Delos, etc.) um die Auflagehöhe der Augenmuschel richtig einzustellen. Sonst hilft nur, das Okular mit den Fingern anzufassen und die Augenbraue dann auf den Fingern anzusetzen... also quasi eine "menschliche Distanzverstellung" zur Auflage herzustellen, aber das führt wiederum zu Gezitter, wenn die Brennweite ein wenig höher ist.

lg
Niki
 

Specht

Mitglied
Hallo Sheepy,

Immer wieder stelle ich fest, dass Okulare mit besonders großem Augenabstand ("Long Eye Relief") ausdrücklich gelobt bzw. beworben werden. Ich fand aber die, die ich bisher ausprobieren konnte, einfach schrecklich!
genauso ist es leider. Was beim Okular-Einblick für die einen sehr gut scheint, kann bei anderen sogar auf totale Ablehnung stoßen. Der Einblick wird z.T. sehr unterschiedlich wahrgenommen. Optimal ist natürlich, wenn die am Okular angebrachte Gummi-Augenmuschel genau dem nötigen Auflageabstand entspricht. Eine der ersten Okularserien, die das bot, waren die alten Vixen LV mit 20mm Augenabstand. Die Augenmuscheln konnte man auch umklappen, wie heute meist üblich.

Ein anderer Punkt ist der Kidney-Bean-Effekt (KBE), also seitliche Abschattungen beim Beobachten durch´s Okular. Er entsteht gern bei Okularen mit großer Augenlinse, wenn sich die Pupille nicht zentrisch darüber in einem ganz bestimmten Abstand befindet. Höhenverstellbare Augenmuscheln helfen hier gut. TeleVue hat für seine Radians und Nagler vom Typ 4 zusätzlich einen sog. "pupil guide" entwickelt, eine einfache schwarze Plastikscheibe mit Loch (Durchmesser 15mm), die man in die Augenmuschel einlegen kann. Sowas kann man sich auch für andere Okulare aus Fotokarton leicht selbst machen. KBE entsteht auch gerne bei Tagbeobachtungen oder am Mond (bei kleiner Pupille).

Plössl-Okulare sind vom Einblick bei den längeren Brennweiten (>15mm) sehr angenehm. Bei kleineren Brennweiten nimmt der Pupillenabstand jedoch schnell ab (≈0.8 x Brennweite in mm), man ermüdet schneller und es gelangt auch gern mal Schweiß von den Wimpern auf die Linse.

Warum wird solch nützliches Zubehör nicht häufiger verlangt/angeboten/verkauft?
Gummi-Augenmuscheln gibt es auch als Zubehör, z.B. bei Baader (sogar mit seitlicher Streulichtblende).

salü+cs, volker.
 
Zuletzt bearbeitet:

Spunti

Mitglied
Hi,

ich beobachte mit Brille und außerdem sind meine Augen weit in der Augenhöhle. (Wie bei Odo von DS9.)
Unter 20mm Augenabstand ist bei mir nicht brillentauglich und manchmal gibt der Hersteller 20mm an, aber verschenkt den Abstand durch eine Augenmuschel, die ich nicht wegbekomme. Das Schlimmste sind diese drehbaren Augenmuscheln. Nein, ich benötige etwas zum komplett umklappen.

Was ich damit sagen will: Okulare sind individuell.

CS
Spunti
 

Sheepy

Mitglied
Das hatte ich befürchtet:
Was ich damit sagen will: Okulare sind individuell.
Was dem einen sin Uhl ... :rolleyes:
Tröstlich immerhin, zu wissen, dass ich mit meiner Aversion gegen zu großen Augenabstand nicht alleine auf der Welt bin.
Gummi-Augenmuscheln gibt es auch als Zubehör
Sicher! Abstandshülsen (wie z. B. beim erwähnten Baader 32 mm beigefügt) konnte ich aber leider nirgends ergoogeln :cry:

Grüße und CS - Sheepy
 

AtomSenior

Mitglied
Hallo Sheepy,

ich habe BaaderPlanetarium Morpheus. Die Gummiaugenmuschel bietet zurück geklappt 1mm Abstand zur Frontlinse vom Okular, da könnte man dann seine Brille anlehnen. Vorgeklapptes Gummi hat ca 5mm. Dann liegt eine ca 10mm Hülse bei, die kannst Du auch noch dazwischen Schrauben. Und dann gibt es noch flachere Gummiaugenringe für Binofreunde, die haben so ein Gummilappen der für rechts/links den Augenwinkel zumacht.
So kann ich dann jetzt alles für ohne Brille einstellen und später im Alter evtl mit Brille wieder umbauen.
Mir ist das auch sehr wichtig das ich Kontakt zum Auge/Okular habe damit kein seitliches Licht reinkommt. Mit Tuch mag ich nicht.
 

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Thiel

Mitglied
Also für mich kann der Augenabstand gar nicht groß genug sein. Unter 16mm fällt für mich jedes Okular flach. Einzig das Problem dass der Kindey-Bean Effekt verstärkt auftreten kann trübt die Sache, ist aber von Okular zu Okular unterschiedlich. Die Morpheus empfand ich als schrecklich in der Beziehung, das ES LER dagegen mega gut.

CS,
Peter
 

Uwe65

Mitglied
...wat dem einem sin uhl is dem annern sin nachtigall...
...wurde oben erwähnt. So ist das wohl mit den Okularen. Die unplanbare Variante beim Okulardesign ist die dahinterliegende Anatomie des Nutzers :)
Wenn ich mit Brille beobachte, dann bei den längeren Okularbrennweiten (> 24mm), bei anderen komme ich ohne Brille klar. Bei den von mir genutzten Hyperions kann ich die Brille satt auf das Okular legen. In der Nacht stört es dann auch nicht, das die Brillengläser ein wenig "sudelig" werden.
Am kleinen Refraktor (90/600) habe u.a. ED Okulare von TS (mit drehbarer Augenmuschel). Geht für mich leider nicht mit Brille, da muss ich ohne Brille ran, ansonsten ist der wahrnehmbare Ausschnitt zu klein.
Den kidney-bean-Effekt reduzierte ich, indem ich im sitzen beobachte. Man glaubt nicht wie unruhig man steht, wenn man glaubt, man stehe still.

Ich bin überrascht zu lesen, das die Morpheus-Okulare, unter diesem Effekt leiden. Bei den Hyperions habe ich das nicht festgstellt. Mglw. ist das durch den Unterschied im Eigengesichtsfeld bedingt? 68° vs. 76° ?

Den Hinweis von Niki (Finger als Auflagepunkt) beherzige ich auch gelegentlich. Hier z.B. bei langbrennweitigen Okulren am C11.

CS Uwe
 

Kerste

Mitarbeiter
Hi!

An den Morpheus habe ich noch kein Kidneybeaning festgestellt, allerdings sollte man den Augenabstand einstellen – was mit den aktuellen, stabileren Augenmuscheln besser geht als mit denen der ersten Serie. Bei falschem Augenabstand machen sie weniger Spaß; wenn die Augenmuschel richtig eingestellt ist, finde ich automatisch den richtigen Einblick.

Kidneybeaning kenne ich eigentlich nur von einem günstigen Zoom-Okular, das bei meinem Spektiv dabei war und etwa 40-60° Gesichtsfeld hat. Wie das entsteht (bzw., warum es nur manche Okulare zeigen), habe ich bis heute nicht verstanden - nur dass es mit schief ins Okular schauen zusammen hängt.

Seit ich Augenmuscheln etc. nicht mehr als störend beiseite lege, sondern so wie vom Okulardesigner gedacht einsetze, habe ich da auch mit Okularen mit wesentlich größerem Augenabstand keine Probleme. Die 35mm Baader Eudiaskopisch von unserem Verein fand ich immer gruslig, weil die Augenmuscheln verschwunden waren. Seit wir sie wieder gefunden und bei den Okularen verstaut haben, machen die Okulare viel mehr Spaß!

Von daher ist ein großer Augenabstand wunderbar, solange es die passenden Augenmuscheln gibt.

Beste Grüße,
Alex
 

Demokrat

Aktives Mitglied
Wie das entsteht (bzw., warum es nur manche Okulare zeigen), habe ich bis heute nicht verstanden
Abberation der Austrittspupille...



astronomical optics, part 4: optical aberrations (Spherical Aberration of the Exit Pupil)


lg
Niki
 

Thiel

Mitglied
Danke Niki, dann hab ich den Kidneybean Effekt die ganze Zeit mit der lateralen Fehlausrichtung verwechselt :oops:
 
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