Wie lange dauert das Abkühlen einer gekühlten ASI-CMOS-Kamera?

#1
Hallo Astro-Kollegen,

da ich selbst noch mit keiner gekühlten Astrokamera gearbeitet habe, fehlen mir jegliche Anhaltspunkte, wie lange der Abkühlprozess bei einer solchen Kamera "round about" geht.

Konkret:
* ASI 178 cooled
* Umgebungstemperatur: 15°C
* Zieltemperatur: 0°C
* delta-T: 15K

Geht der Vorgang 2, 5, 10, 15 Minuten? Eine Hausnummer wäre schon ausreichend.

Viele Grüße
Martin
 
#3
Hallo Roger,

oha, das geht ja ordentlich schnell.

Dürfte ich noch eine Frage ergänzen?

Mir ist irgendwie unwohl, dass der Lüfter einer gekühlten Kamera Vibrationen auslöst. Dazu habe ich allerdings noch nichts Negatives gelesen. Ist dies also kein Problem?

Viele Grüße
Martin
 
#4
Hallo Martin, wenn das mit den Vibrationen so wäre, dann wären hunderte Kameras oder wohl tausende dieser Bauart schon mal jemandem negativ aufgefallen. Da auch in astrobin keine "verwackelten" Fotos auftauchen, dürfte erstens die Masse des Ventilators gegenüber der Kamera und dem restlichen Setup äußerst gering sein und zweitens müsste eine Unwucht groß genug sein, damit das zu schwingen beginnt. Bislang dürfte also da kein messbarer Einfluss entstehen. Meine 183er vibriert auch nicht, soweit ich es mit meinem Finger messen kann.

Eventuelle Schwingungen würden jedoch wohl auch über den starren Anschluß an den OAZ abgeleitet und von den Massen dort gedämpft - es könnte also nicht nur der Chip vibrieren und der Rest des Teleskops samt OAZ bliebe ruhig. :unsure:

lg
Niki
 
#5
Hallo Niki,

vielen Dank für Deine Rückmeldung.

Damit sind meine Bedenken bezüglich der Vibrationen ausgeräumt.

Wenn ich aber schon zwei Experten im Thread habe, erlaube ich mir noch eine weitere Frage:

Wie regelmäßig, beziehungsweise nach welchem Kriterium wechselt Ihr die Trockenpatronen? Erst wenn es Probleme gibt?

Viele Grüße
Martin
 
#6
Die Trockenpatronen sind ein eigenes Thema... manche nehmen schon bei der neuen Kamera die Patronen heraus und trocknen sie, andere trocknen sie, wenn die Kamera mal zutaut. Man kann sie auch 1-2 Mal im Jahr sicherheitshalber trocknen/tauschen, das kommt wohl auf die Lagerung an und die Einsatzhäufigkeit bei verschiedensten Temperaturen.

Ich würde mir eingangs da nicht viele Sorgen machen, aber ich fotografiere auch nicht so häufig - da können Dir die Fotografen hier mit ihren Erfahrungswerten sicher einen Anhaltspunkt geben. :cool:

lg
Niki
 
#7
Hallo Martin,

ich hatte tatsächlich ein Problem, das auf die Vibration des Lüfters zurückzuführen war. Diese Vibration erzeugte kurze Strichspuren bzw flächige Sterne. Die Kameras waren die neuen Horzions von Atik. Die haben einen sehr starken Lüfter im Gegensatz zu den Konkurenzprodukten von ZWO (ASI1600Pro). Nachdem ich die Schraubverbindung etwas gelöst hatte, waren die Vibrationsübertragungen weg, bzw reduziert. Das ist aber kein Zustand, mit dem man arbeiten kann. Mein Händler war so kulant und hat mir die Horizons gegen ASI1600Pro ausgetauscht. Damit bin ich zufrieden. Die Lüfter laufen leise und ruhig.

Im übrigen kann man mit " APT - Astro Photography Tool" die Kühlzeiten und Aufwarmzeiten einstellen, denn zu schnell sollte gerdae das Aufwärmen nicht passieren. Besser ist langsames kühlen und aufwärmen.

Gruß,
Peter
 
#8
Ich hatte noch nie Probleme mit Vibrationen des Ventilators und ich habe mehrere gekühlte Kameras (ASI, ATIK) im Einsatz. Falls Vibrationen da sind sollten die eigentlich zu hochfrequent sein um sichtbare Spuren zu hinterlassen.

Bei meiner ASI294MCPro kann ich relativ schnell kühlen ohne in Probleme zu kommen. Die ATIK muss ich etwas langsamer kühlen. Da gehe ich immer in 5° Schritten nach unten.

Bzgl. Trockentabletten. Die packe ich einmal im Jahr für ein/zwei Stunden bei etwa 80-90°C zum regenerieren in den Backofen und gut.
Meine älteste Kamera hat mittlerweile 6 Jahre auf dem Buckel und ich hatte noch keine Probleme mit den Trockentabletten.
Die Kameras packe ich direkt nach dem Einsatz in einen verschliessbaren Plastikbeutel und gebe einen Silicagelbeutel (50g über Web gekauft) dazu. Da bildet sich dann auch keine Feuchtigkeit. Gelagert sind die Kameras in einem wasserfesten Kunststoffkoffer. Auch die Silicagelbeutel gehen nach Gebrauch, und wenn sich ein paar angesammelt haben, in den Backofen.
 
#10
Hi,

interessant, dass es tatsächlich einen Fall gibt, bei dem eine gekühlte Kamera Vibrationen auslöste!
@Peter: Konnte man die Vibration durch Handanlegen spüren?

Der Gebrauch der Trockentabletten scheint ebenfalls händelbar zu sein. Da diese ja offensichtlich regeneriert werden können besteht auch langfristig kein Versorgungsproblem.

Super ist auch der Tipp, dass es Sinn machen kann, die Kamera nicht mit der Leistung max. auf Temperatur zu bringen.

So langsam bekommen ich Lust auf praktische Erfahrungen :)

Viele Grüße
Martin
 
#11
Hallo Martin,

ja, konnte man. Ich hatte die Horizon Mono- wie auch die Farb-Kamera. Beiden hatten einen sehr lauten und starken Lüfter, dessen Vibrationen in der Hand spürbar waren. Wobei die Farbkamera die "schlimmere" war.

Screenshot_20180822_233717.png

Man erkennt kleine "Donuts" bei den schwachen Sternen, bzw Verschmierung der hellen Sterne. Das ließ sich halbwegs beheben, wenn man die Ankopplung (Schraubverschluß) löste.

camera_fixed.png
Je nach Teleskopposition zeigten auch helle Sterne Strichspuren bei festgeschraubter Kamera.

Test_001.png


Zum Vergleich habe ich die Horizon durch die ungekühlte Guiding-Kamera von Atik ersetzt und die Sterne waren rund und klein. Wie sich das gehört.

Ich habe das dem Atik-Support gemeldet. Die haben aber erstaunlicherweise nie auf das Problem reagiert. Es gab noch andere Fehlfunktionen der Horizon-Kamera, die durch patchen bzw Raparatur behoben werden konnten. Glücklich war ich mit den Kameras nie.

Gruß,
Peter
 
#12
Hallo Peter,

vielen Dank, dass Du Deiner Erfahrungen mitteilst. Vielleicht korrelierten Lautstärke und Vibrationen ja zu einem gewissen Grad. Zum Beispiel durch eine Unwucht. Durch den Wechsel zu einer Kamera ohne Lüfter, bei sonst gleichem Setup, konntest Du die Ursache der fehlerhaften Sternabbildung eindeutig lokalisieren. Vielleicht hilft diese Info auch anderen Astrofotografen.

Sicherlich werde ich, wenn ich mir eine gekühlte Kamera zulege, ein Augenmerk auf diese Problematik haben.

Viele Grüße
MArtin
 
#13
Oder man wuchtet den Ventilatorflügel aus. eine 0,5mm Bohrung wo zuviel Masse ist... nur: ich könnte den Schlag daheim leider nicht messen. Und die Auswuchtmaschine für Autoreifen wäre etwas zu groß für einen ASI-Ventilator. :eek: Ich denke, dass aber bislang kaum Beschwerden darüber herumgeistern, was die ASI betrifft. Schon bei CN nachgeschaut?

lg
Niki
 
#14
Die Schwingungsresonanz zwischen Horizon-Kameras und Teleskop gab es aber nicht bei allen Konfigurationen. Das muß man zur "Ehrenrettung" noch erwähnen. Wenn ich den Focalreducer von Optec (0.63x) dazuwischen geschaltet habe, was ich anfänglich auch gemacht habe, war diese Konstellation schwingungsübertragungsfrei.

image_train.png


"Image train": C925EDH - Optec-Reducer - OAG+Kamera - Horizon. Dazwischen noch eine Reihe von Zwischenringen und Spacern, um in den optimalen Focus zu kommen, damit die Fokalebene auch eben ist. Mit dieser Anordung gelangen Aufnahmen ohne Schwingungsübertragung.

Ohne Optec Focalreducer traten die Schwingungen aber auf. Besonders bei der Farbkamera.


M101_RGBintegration_adjust_LRGB_HDR.png


Tasächlich ist mir genau eine Aufnahme mit beiden Horizon Kameras (Mono + Color) gelungen. Bildverarbeitungsmäßig kann man das sicher noch verbessern. Es war aber nur ein Test gewesen in der Anordung mit Focalreducer.

M51_integration_ABE_DBE_stars_final.png

Die Monokamera machte weniger Ärger. Die konnte ich ausgiebiger testen. Auch hier wieder in der Anordung mit Focalreducer. Das zeigt, dass die CMOS-Kameras sehr empfindlich geworden sind über die Jahre. Diese Aufnahme wurde in einer einzigen Nacht Anfang Mai 2018 gewonnen. Da sind die Nächte nicht mehr so lang. Ich schätze mal 4-5h Integrationszeit sind so zusammen gekommen. Und das mitten aus einer lichverschmutzten Großstadt (Bonn) heraus. Übrigens in Sichtweite zur alten Sternwarte von Argelander.

Mittlerweile habe ich mir den OAG von Celestron zugelegt. Der ist zwar etwas teurer, dafür lohnt sich die Anschaffung aber. Man muß aber den nötigen Backfocus haben. Damit kann man wesentlich leichter umgehen (auch im Dunklen) und auch wesentlich leichter und bequemer den Fokus der Guidingkamera finden.

Wie schon erwähnt, gibt es dererlei Problem mit den ASI1600Pro Kameras nicht. Erfreulicherweise gehören wichtige Zwischenringe und Spacer auch zum Lieferumfang dazu. Auch das erleichtert Fokusfinden extrem. Das gibt es von Atik nicht.
 
#15
M82_Flat_Median_DBE_USM.png


Hier noch ein Bild mit der ASI1600Pro Mono aufgenommen bei f/10, also ohne Focalreducer. Hier ist keine Schwingungsresonanz zu erkennen. Der Lüfter der Kamera läuft wesentlich ruhiger und leiser. Den spürt man nicht mit der Hand. Allerdings war diese Aufnahme im Herbst gewonnen und ich hatte mit Taubeschlag an der Sekundarspiegelhalterung zu kämpfen, was man an den helleren Sternen erkennen kann.
 

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