wozu exakte Uhrzeit eingeben? Homeposition?

#1
Hallo zusammen,

passend zur "fünften Jahreszeit" fühle ich mich heute instande, blöde Fragen zu stellen ;-)

Scherz beiseite: Was mich schon länger beschäftigt ist die Frage, wozu man in der Handsteuerung der Montierung die Uhrzeit eingeben muss. Bisher war ich der Meinung, man muss die Uhrzeit darüber hinaus sogar sekundengenau eingeben, da sich nach wenigen Sekunden sämtliche Himmelsobjekte einige Bogensekunden weiterbewegt haben. Beim Alignment MUSS aber die Montierung wissen, wo ZU WELCHER ZEIT welche Objekte stehen müssten, wenn die Ausrichtung perfekt wäre. Anderswo im Forum hatte ich aber gelesen, die Uhrzeit wäre nur notwendig, damit die Montierung keine Objekte unterhalb des Horizonts anfährt. Das erscheint mir aber nicht vollständig.....

Zweite Frage: Wie genau muss man denn die Homeposition der Montierung vor dem Alignment einstellen (Bei einer Montierung < 2000 € wo die Elektronik bei gelösten Feststellhebeln NICHT weiß, wohin das Teleskop gerade zeigt)?
Auch hier hätte ich gesagt: Sehr genau. 1°Grad Abweichung auf der DEC - oder RA - Achse verursacht bei einem ansonsten perfekt polausgerichtetem Teleskop eine Missweisung, die wie eine schlechte Ausrichtung wirksam wird.

Mal sehen, was die Fachleute sagen. Ganz lieben Dank schonmal im Voraus.....
 
#2
Moin Martin,

blöde Frage, blöde Antwort...

so isses! Du könntest ja die nächste Vollmondnacht mal probieren, die Zeiteingabe mit 3 Stunden Abweichung einzugeben und dann den Mond anzufahren. Im nächsten Versuch stellst du dann die Zeit richtig ein, verdrehst aber im abgeschalteten Zustand der Montierung das Teleskop um 5-10° und versucht erneut den Mond anzufahren...
 
#3
Hallo Markus!

....die einfachen Antworten findet man meist zuletzt....

Du hast Recht! da hätt' ich auch selbst drauf kommen können.

Das heißt umgekehrt: Gerade beim Anfahren von Objekten Nähe Meridian und geringer Deklination kann eine um 1 Minute abweichend eingegebene Uhrzeit schon zu falschem Goto und damit einer möglichen Fehlerquelle beim Alignment führen.
Das hatte mich seinerzeit dazu bewegt, mir das Celestron GPS-Modul zu kaufen, welches Ort und Zeit an die Montierung überträgt. Leider funktioniert das Teil nicht richtig - mal geht's, dann wieder net (trotz Laden des internen Akkkus über 48 h), so dass ich letztlich wieder bei der manuellen Eingabe gelandet bin. Meine AVX aus 2014 hat leider keine RTC - Ich meine, die später gebauten Modelle hätten eine Echtzeituhr.
 
#4
Hallo Martin,

anhand der Zeit und Position bestimmt die Steuerung, welche Sterne wo zu finden sein sollten. Aber wie Du bemerkt hast sind die Achsen der Montierung ja erst mal vollkommen frei in der Ausrichtung. Daher gibt es eine definierte Nullposition auf die sich der Startzustand bezieht. Entweder über Schalter festgelegt, ober über eine Markierung. Dazu gehört natürlich noch, dass die Montierung wagerecht (mit Wasserwage) ausgerichtet wird. Hier gibt es bereits genug Ungenauigkeiten, die eine Abweichung im Grad Bereich verursachen können. Wird jetzt noch die Zeit ungenau eingegeben, so kommt hier noch ein Fehler dazu. Für 4 Minuten etwa in der Größenordnung des Vollmonddurchmessers.

All diese Angaben dienen in erster Linie zum Anfahren der ersten Alignment Sterne. Solange man den jeweiligen Alignment Stern findet ist die Größe des Fehlers aber egal. Durch das Kalibrieren mit mehreren Sternen bringt die Steuerung jetzt das gespeicherte Modell mit der Position der Montierung zusammen und die zuerst gemachten Fehler sind damit ohne weitere Bedeutung.
Die Zeit und Koordinaten haben noch eine zweite Funktion, da mit ihrer Hilfe der sichtbare Horizont bestimmt wird. Hier gibt es die selben Fehler wie oben genannt. Der Horizont ist aber astronomisch eher uninteressant (von Auf- und Untergängen abgesehen), sodass Fehler hier kaum stören.

Gruss und cs,
Bernd
 
#5
hallo,

ich mache nur eine genaue Einnordung, extra das Tripod nach Wasserwaage ausrichten ist überhaupt nicht nötig. Auch Datum und Uhrzeit genügen ungefähr - die Alignmentsterne müssen sowieso zentriert werden. Meist mach ich auch nur ein schnelles 1 Star Align, in der Umgebung bzw derselben Meridianhälfte ist es dann genau genug. Spart enorm Zeit und Nerven ;-)

lg Tommy
 
#6
Zitat von martinvoelkel:
Meine AVX aus 2014 hat leider keine RTC - Ich meine, die später gebauten Modelle hätten eine Echtzeituhr.
Hi!

Such mal im Menü unter Einstellungen oder Utilities nach RTC – wenn's eine AVX ist und nicht der Vorgänger, dann muss sie eigentlich eine Uhr haben. Die ist nur zum Akku sparen standardmäßig aus.

Zum Thema: Zumindest das genaue Datum ist noch für die Berechnung der Planetenpositionen relevant. Ein paar Jahre hin oder her fallen da schon auf. Das gilt auch für so Scherze wie Objektvorschläge und Filtergrenzen in den Katalogen: Wenn die Steuerung glaubt, Objekte stehen unter dem Horizont oder zu niedrig, zeigt/fährt sie sie nicht an.

Das Treffen der Home-Position sollte vermutlich ähnlich exakt erfolgen wie das der Referenzsterne, da die Position beim automatischen 2-Star-Alignment meines Wissens nach als einer der drei Referenzsterne genutzt wird (sonst könnte sie den ersten Referenzstern ja nicht automatisch anfahren). Wobei wie üblich weitere Referenzsterne das Alignment verbessern, und leichte Fehler beim Goto auch nur wirklich stören, wenn man ein Objekt auf einem kleinen Kamerachip positionieren will. Im Übersichtsokular stören ein paar Bogenminuten in der Praxis nicht, solange das Objekt noch im Gesichtsfeld ist. Sogar im C14 kann ich ein halbes Grad überblicken.

Ein paar Minuten hin oder her sollten aber kein Problem sein, genau wie ein paar 100 km hin oder her beim Standort – viel genauer ist die Städtedatenbank ja auch nicht, die in den Steuerungen hinterlegt ist. Früher waren es drei Städte für Deutschland.

Und wenn du in erster Linie nur die Nachführung brauchst und Objekte selbst einstelst, ist das alles grad egal.

Beste Grüße,
Alex
 
#7
Vielen Dank Alex, Tommy und Bernd für die wertvollen Tipps. Klar, das meiste davon hat man schon mal gehört - aber manche Dinge verfestigen sich erst so richtig im Kopf, wenn man alle Puzzleteile korrekt zusammensetzt!
Ich habe Eure Tipps mal folgendermassen zusammengefasst:

Allgemeines zur Polausrichtung und zum Alignment:
Man könnte im Idealfall auch OHNE Guider sofort nach dem Einschalten mit der Astrofotografie beginnen.
Leider führen folgende Fehlerquellen zwingend dazu, dass korrigiert werden MUSS:
1. Polhöhe ist nicht korrekt eingestellt. Unvermeidbar, da Skala nicht sehr genau und Montierung auch nicht 100% eben auf Säule sitzt.
2. Azimut ist nicht korrekt eingestellt (Kompass zeigt nur magnetisch Nord -benötigt wäre geografisch Nord- und ist zudem sehr ungenau).
3. Uhrzeit nicht korrekt angegeben (eine Minute Abweichung ist schon viel!)
4. Koordinateneingabe des Standorts
5. Homeposition kann nicht exakt getroffen werden.

Daher muss man dem Teleskop durch das Alignment zunächst mitteilen, welche Objekte am Himmel wo stehen. Die Software vergleicht diese Eingaben dann mit einem idealen Modell um zu erfassen, wohin der Tubus tatsächlich zeigt. Je mehr Alignmentpunkte vorhanden sind, desto genauer kann die Abweichung ermittelt werden.
Ist das Alignment abgeschlossen, erfolgt die Polausrichtung, um die Punkte 1. Und 2. (von oben) dauerhaft zu beseitigen.
Punkt 4) kann bei Eingabe von exakten Werten (oder Verwendung von GPS) ebenfalls dauerhaft verbessert werden.
Nach der Polausrichtung wieder ein Alignment, damit Teleskop neue Ausrichtung erfassen kann.
Da Punkte 3) und 5) in jeder Beobachtungssession wieder etwas variieren, ist auch bei theoretisch perfekter Polausrichtung bei jeder Session zunächst ein neues Alignment (ohne nachfolgende Polausrichtung!) nötig!

Ich hoffe, alles in Eurem Sinne beschrieben zu haben. Herzlichen Dank und "clear skies"!
 

Neustes Astronomie Foto

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