Durch das Projekt "Galilean Nights" (
http://www.galileannights.org/) das im Rahmen des Internationalen Jahres der Astronomie veranstaltet wurde, sollte möglichst vielen Menschen einen Blick durch ein Teleskop ermöglicht werden. Dazu wurden zahlreiche öffentliche Führungen in Sternwarten veranstaltet.
Über die Projektseite erfuhr ich auch, dass es einige Betreiber von sog. Onlineteleskopen, also Sternwarten die man über das Internet fernsteuern kann, kostenlose Teleskopzeit anboten.
Ich entschied mich für den ersten Eintrag in der Liste: "LightBuckets online telesope rentals" (
http://www.lightbuckets.com/), einen amerikanischen Anbieter in New Mexiko.
Das LightBuckets Telescope Network besteht aus fünf, auf der ganzen Welt verteilten, online fernsteuerbaren Sternwarten. Nach dem Anlegen eines Benutzerkontos wurde ich freigeschaltet und konnte mir eine Sternwarte aussuchen. Da es schon nach 18:00 Uhr MESZ war und der amerikanische Kontinent sich gerade auf der Tagseite des Planeten befand, entschied ich mich für "LB-0005" ein Spiegelteleskop in Cobaw Plateau, im Südwesten Australiens.
Teleskopdaten:
Öffnung: 406 mm, Brennweite: 3654mm also ein Öffnungsverhältnis von f/9. Die eingesetzte Kamera war eine "Apogee U9000" mit einem CCD-Chip und 3056x3056 Px Auflösung (9,3 Megapixel).
Es standen auch einige Filter zur Verfügung. Ich entschied mich für den H-Alpha-Filter, da dieser im Videotutorial empfohlen wurde. (
http://www.lightbuckets.com/play/video/4/)
Das tolle an der Webseite war, dass man wirklich alle möglichen Daten in Echtzeit vom jeweiligen Teleskop abrufen konnte: Liveansicht des gesamten Nachthimmels (Froschauge), Wetterfilme, Wolkenbedeckung, Temperaturverlauf uvm.
Die Einstellung des gewünschten Objektes erfolgte über ein Suchfeld, in das man die gewünschte Objektnr. eingeben könnte. Zusätzlich wird eine Grafik mit den momentan über dem Standort sichtbaren Objekten angezeigt, was bei der Auswahl hilft. Ich entschied mich für M43, den Orionnebel. Über eine weitere Grafik des ausgewählten Zielgebiets um M43 wurde einem das Sichtfeld des CCD-Chips und das des Guidingfernrohrs als Rechteck eingeblendet. Hier konnte man seinen Guiding-Stern auswählen und das genaue Sichtfeld um das Zielobjekt festlegen.
Nun wählte ich meinen H-Alpha-Filter aus der eingesetzt werden sollte und die Anzahl der Bilderserien die gemacht werden sollten. Außerdem die Dauer der einzelnen Serien. Hier lies mein Probezugang nur 1 Bild mit 300s Belichtungszeit zu. Insgesamt wurden mir durch das Galilean Nights Projekt zwar 15 Minuten zugesprochen, es ging aber auch die Zeit für das Umpositionieren des Teleskops, das automatische Scharfstellen und das Wechseln des Filters davon ab.
Nach dem Einstellen des sog. "Imaging plans" (in das man prinzipiell auch mehrere Objekte eintragen kann) muss man sich einen freien Beobachtungszeitraum auf der Zeitachse heraussuchen.
Nachdem das Teleskop die Bilder aufgenommen hatte, informierte es mich via Email und ich konnte das Bildmaterial herunterladen:
RAW-M43-S001-R001-C001-Hydrogen-Alpha.fts (ca. 30MB)
M43-S001-R001-C001-Hydrogen-Alpha.fts (ca. 60MB)
Dark_Bin1x1_Temp-30C_ExpTime1800s.fit (ca. 60MB)
Bias_Bin1x1_Temp-30C.fit (ca. 60MB)
sowie ein Previewbild in schwarz-weiß.
Ich will mit meinem Bericht keine Werbung für diesen speziellen Dienst machen, sondern nur neutral über meine Erfahrung mit solch einer Art der Beobachtung berichten.
Eine Frage die sich mir noch stellt ist: Kann ich aus den Rohdaten (*.fts) mit Giotto oder einer anderen Software noch ein Farbbild "stacken" oder kann ich bei 100s Belichtungszeit noch keine Farbe bei M42 erwarten?
Liebe Grüße,
Max