Capella mit langem Atem und den großen Brüdern der sieben Schwestern

JPoepsel

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Hallo Astro-Nerds!

Woran merkt man nun eher, dass man älter wird? Daran, dass der Hoster, der seit 23 Jahren für die Webseite zuständig ist, in Rente geht (kein Scherz, www.capella-observatory.com musste aus genanntem Grund umziehen. Wir hoffen, Ihr merkt nichts davon) oder dass man ein neues Bild zeigt und es mit einem alten blinkt, dass man vor 19 Jahren selbst gemacht hat? (Oder, ganz aktuell beim Tippen dieses Beitrages: dass die Leertaste quietscht und einen Tropen Öl braucht ;-)

Zum 19-Jahre Bild:

2006 habe wir aus Namibia mit unserem 60er SN 1006 R belichtet. Wie sich damals erst nachher herausstellte, auf den Tag genau 1000 Jahre nach deren erster Sichtung (übrigens wohl die scheinbar hellste SN in den letzten paar tausend Jahren). Das Bild von damals hier.

Nun, 19 Jahre später, war der SNR noch einmal Ziel. Dieses mal mit dem DeltaRho 350 richtig tief (gut 52 Stunden Belichtungszeit) und mit Kontinuum-Subtraktion in der Nachbearbeitung am Start. Herausgekommen ist der vollständige Ring der SNR, unseres Wissens ist das seine erste Echtfarb-Darstellung. Wir hatten zwar auf ein OIII-Signal auch in den dunkleren Bereichen des Rings gehofft, wurden aber leider enttäuscht.

SN 1006 R:
SN1006R.jpg

Das Bild größer und Infos hier, die 62 Mega-Pixel Varianten ("normal", annotiert und Kontinuum-subtrahiertes Ha in S/W) hier, hier, und hier.

Und hier der Vergleich der Bilder von 2006 und 2025 mit der schön sichtbaren Expansion des SNR:
SN1006R_blink.gif




Die großen Brüder der sieben Schwestern ist Copelands Septett. Es sind zwar weder sieben Sterne noch sieben Galaxien, aber wer nimmt das schon genau ;-) Die Aufnahme dieser doch recht kleinen Galaxien gelang mit dem 1m ASA mit 7m Brennweite von Kreta aus bei exzellentem Seeing.

Copelands Septett:
NGC3748.jpg

Das Bild größer und Infos hier, noch größer hier, annotiert hier.

Wie immer wünschen wir viel Spaß beim Schauen,

Josef & Rainer & Stefan & Frank

www.capella-observatory.com
 
Hallo Josef, Rainer, Stefan & Frank
Was für Leckerbissen, die Ihr hier wieder präsentiert. Das Copelands Septett alleine wäre schon ein tolles Posting. Aber dieser SNR ist ein Hammer! Diese zarten Strukuren, noch dazu vor einem Hintergrund, in dem es jede Menge Ha gibt. Trotzdem hebt sich der SNR schön davon ab. Und dann noch die Animation, die ist die Kirsche oben auf!

Respekt!
Manfred
 
Hallo Josef, Rainer, Stefan & Frank,

das sind wieder ganz hervorragende Aufnahmen. Mit die größte Galaxie in Copelands Septett ist NGC 3753, das Teil hat eine sagenhafte Winkelabmessung von ca. 1.70'x0.5'. Da helfen die 7m Brennweite schon ungemein weiter, vor allem wenn man so tolles Seeing hat. Die Details in diesen "Mini-Galaxien" sind 1A!
Der SNR ist auch klasse, die Expansion in den fast 20 Jahren ist schon bemerkenswert - super Animation!

Viele Grüße
Michael
 
Hallo Capella-Team,

wieder sehr beeindruckende Aufnahmen. Der Vergleich der beiden Bilder der SNR ist sehr interessant und in der Animation erkennt man wunderbar, außer der Expansion des Supernovarests, die Expansion der Aufnahme- und Bildbearbeitugstechnik im Verlauf der 19 Jahre!
Die Aufnahme von Copelands Septett ist aussergewöhnlich und sicher nur mit einem derart großen Instrument bei gutem Seeing zu erzielen. Sieht ein bisschen so aus, als hätte man die Galaxien mit einem Würfelbecher ausgeschüttet! ;)

CS Dietmar
 
Die Animation ist sehr interessant. Manche Sterne haben sich bewegt und wurden mit Pfeilchen gekennzeichnet.
Jedoch finde ich auch ganze Gruppen von helleren Sternen und Nebelchen (Galaxien?), die gar nicht auf der älteren Aufnahme sichbar sind. Was ist da passiert?

Claus
 
Hallo und Danke für Eure netten Kommentare!


Jedoch finde ich auch ganze Gruppen von helleren Sternen und Nebelchen (Galaxien?), die gar nicht auf der älteren Aufnahme sichbar sind. Was ist da passiert?
Das ist halt der Unterschied zwischen weniger als drei und mehr als 50 Stunden Belichtungszeit bei etwa gleich schnellen Teleskopen. 2006 sind diese Features einfach "im Rauschen untergegangen".

CS

Josef
www.capella-observatory.com
 
Hallo und Danke für Eure netten Kommentare!



Das ist halt der Unterschied zwischen weniger als drei und mehr als 50 Stunden Belichtungszeit bei etwa gleich schnellen Teleskopen. 2006 sind diese Features einfach "im Rauschen untergegangen".

CS

Josef
www.capella-observatory.com

Ich würde eher vermuten, dass das ein Effekt der Filterung, der spektral unterschiedlichen Empfindlichkeit der Kameras und der Bildverarbeitung ist, denn es gibt auch Sterne, die auf beiden Aufnahmen ähnlich gut sichbar sind. Warum sollen die einen konsistent erscheinen und die anderen verschwinden? Vielleicht gibt es noch die Rohbilder?
Das ist wirklich ein spannender Vergleich zweier toller Aufnahmen, die unglaublich viel Information enthalten.
Übrigens hat meine Frau noch mehr Sterne gefunden, die ihre Position sichtbar verändert haben, aber Vollständigkeit war wohl nicht das Ziel;-)

Viele Grüße und in großer Bewunderung eurer Arbeit, Claus
 
Ich würde eher vermuten, dass das ein Effekt der Filterung, der spektral unterschiedlichen Empfindlichkeit der Kameras und der Bildverarbeitung ist, denn es gibt auch Sterne, die auf beiden Aufnahmen ähnlich gut sichbar sind. Warum sollen die einen konsistent erscheinen und die anderen verschwinden? Vielleicht gibt es noch die Rohbilder?
Das ist wirklich ein spannender Vergleich zweier toller Aufnahmen, die unglaublich viel Information enthalten.
Übrigens hat meine Frau noch mehr Sterne gefunden, die ihre Position sichtbar verändert haben, aber Vollständigkeit war wohl nicht das Ziel;-)

Viele Grüße und in großer Bewunderung eurer Arbeit, Claus
Hallo Claus,

Vielen Dank für die anerkennenden Worte!
Ich mische mich als Erzeuger des GIFs mal ein. Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen der alten und der neuen Bearbeitung, sowie bei der Erzeugung des geblinkten Bildes. Der Vergleich zwischen 2006 und 2025 ist quantitativ sicher fraglich und hat nur in Bezug auf Positionen eine einigermaßen belastbare Aussage.

In 2006 gab es Effekte der Beseitigung von Blooming-Artefakten, weil noch mit CCD aufgenommen. Dagegen ist die Situation mit der Technik in 2025 sehr luxuriös. Außerdem haben beide Bilder sehr unterschiedliche Tiefe/Streckung in allen Kanälen. Dadurch sind insbesondere auch die Sterne im Verhältnis zu den schwachen Strukturen sehr unterschiedlich.

Der Unterschied beim Blinken war durch die unterschiedliche Tiefe anfangs zu sehr dominiert, was die eigentliche Bewegung verdeckt hat. Um das für das Blinken etwas anzugleichen, habe ich beide Bilder in "starless" und "den Rest" (durch negative Division) zerlegt, um separate Kurven und Sättigung anzuwenden. Aber natürlich ist die Sternentfernung der AI nicht korrekt. Ein neg. Multiplizieren der beiden Anteile ist zunächst wieder dasselbe, unabhängig ob die Sternentfernung stimmt oder nicht. Aber durch separate Bearbeitung der Anteile entsteht bei falscher Klassifizierung ein Bias in die eine oder andere Richtung, wenn die Klassifikation nicht richtig ist. (Das ist übrigens noch einmal eine Warnung für die leider populär gewordene Technik einer frühen Zerlegung in starless/stars und dann separates Strecken, die deutliche Auswirkungen der Halluzinationen der AI verursacht und willkürlich veränderte Bilder zur Folge hat. Im Gegensatz zur Sternentfernung + Rest, um z.B. Artefakte im Hintergrund besser entfernen zu können und dann direkt wieder zu rekombinieren. Aber ich schweife ab, das ist ein anderes Thema.)
Für die Angleichung ist bei 2025 das "starless" in der Streckung abgesenkt, bei 2006 angehoben, bei den "Sternen" als Rest genau umgekehrt. Falsch klassifizierte Features werden dadurch möglicherweise in die falsche Richtung gezogen. Das trifft mindestens auf Teile des Filaments zu, die falsch klassifiziert werden, aber auch auf Galaxien. Ganz verschwinden sollten sie dadurch nicht, aber in ihrer Intensität relativ zum Rest möglicherweise stark beeinflusst werden.

Da das Blinken im wesentlichen der Darstellung der Positionsänderungen dienen sollte, ist diese Angleichung so vorgenommen. Für ein ehrliches Bild im Sinne der Darstellung von Intensitäten wäre das unzulässig.

Vollkommen richtig, es springen definitiv noch mehr Sterne, wenn man die Animation länger betrachtet. Markiert sind nur einige wenige, die mir zuerst aufgefallen sind, bis ich gemerkt habe, dass ich sowieso nicht alle markieren kann. ;)

Viele Grüße und CS, Rainer
 
Danke für die ausführliche Beschreibung.
Schade, dass doch so viel an wissenschaftlicher Information geopfert gehen musste, das Ziel die Bewegungen aufzuzeigen ist wirklich eindrucksvoll gelungen.

VIele Astrogrüße, Claus
 
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