starway to heaven
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Astronomisches Zeichnen ist eine spirituelle Übung zwischen momentaner Wahrnehmung und dem dauerhaften Festhalten. Eine Übung des Blickwechsels von Schauen und Suchen im Okular und Wiedergeben auf dem Zeichenbrett. Nach oben schauen, das Bild "einatmen" und einprägen, dann das Bild "ausatmen" und versuchen an der richtigen Stelle das richtige wiederzugeben. Es braucht Ruhe und Konzentration und führt nach ein paar Minuten in eine Art Versenkung.
Der Blick entspannt und es stellt sich die nötige Lässigkeit ein, eine Balance zwischen Ehrgeiz und Gnädigkeit mir selbst gegenüber. Es hat viel mit der Akzeptanz der eigenen Unzulänglichkeit zu tun. Es geht darum die Dinge als gegeben wahrzunehmen, sie so zu lassen wie sie sind und zu erkennen, dass es nur mäßig gelingt. Es ist eine Übung des Zufriedenseins mit dem eigenen Tun, das nie so ganz stimmt.
Es geht um Details und deren Zusammenhänge.
Es geht auch um den richtigen Druck, mit dem ich den Bleistift über das Papier ziehe. Feinheit im Sehen und Zartheit im Tun.
Im Fall der Sonne geht es auch darum zu akzeptieren, dass die Sonnenflecken da draußen größer als die Erde sind, und hier unten mit meinem Bleistift nur ein Hauch auf Papier. Dass kein Mensch sie beeinflussen kann. Dass sie kommen und gehen im eigenen Rhythmus. Dass sie wandern, wachsen, verschwinden. Und dass gleichzeitig alles ganz an mir liegt, weil ich sie zeichne. Nicht so sehr wie sie sind, sondern auch wie ich bin: An manchen Tagen ruhiger, an anderen hektischer, manchmal geduldig, manchmal mit mir im Reinen, manchmal auf der Suche. So wie ich sie zeichne, so sind sie auf dem Papier, mit meiner Handschrift, in meinem Stil, mit meinem Gelingen und meinen Fehlern.
Auch die Selbstüberwindung ist Teil der Übung, weil es Anstrengung und Konzentration kostet. Und weil ich statt dessen so viele andere angeblich sinnvolle Dinge tun könnte, die ich warten lasse und die dringend getan werden sollten. Es ist Luxus, mir die Zeit zu nehmen, etwas zu tun, was keinen direkten Nutzen hat als nur diesen: Es zu tun. Und es auch wieder zu beenden um mich dann doch auch dem Alltag zuzuwenden und die anderen Notwendigkeiten zu tun.
Grundsätzlich vergleiche ich meine Zeichnungen erst im Nachhinein mit den Satelliten-Bildern der NASA oder ESA.
Satelliten haben immer freie Sicht, nie Wolken oder Dunst und keine flirrende Atmosphäre. Ihr Blick ist unbestechlich. Für sie ist es keine spirituelle Übung. Sie staunen nicht. Sie suchen nicht. Sie spüren keinen Kampf. Sie sind nicht enttäuscht und nicht stolz. Ihr Blick ist unbestechlich.
In den Fotos der Weltraumbehörden sehe ich die Flecken. In meinen Zeichnungen auch mich. Ich kann keine Flecken zeichnen ohne auch etwas von mir preiszugeben.
Satellitenbilder dienen zur Dokumentation und Messung. Mir dient das Zeichnen weniger dem Festhalten, sondern dem Feststellen der Veränderung. Diese Flecken werde ich nie wieder sehen. Vielleicht - wenn es denn so sein soll - werde ich morgen wieder Punkte auf der Sonne beobachten können. Aber sie werden andere sein. Weil sie sich verändert haben.
Und: Weil ich sie gezeichnet habe.
Gestern waren es Flecken. Heute sind es Flecken, die ich gezeichnet habe. Es macht einen Unterschied.
Bild 1: Meine Zeichnung der Sonnenflecken heute.
Bild 2 und 3: Fotos des NASA-Satelliten (mit verschiedenen Filtern).
Ich bin zufrieden mit meiner Zeichnung heute. Am schwierigsten ist die richtige Position und Orientierung einer Fleckengruppe auf der Sonnenscheibe zu treffen. Die Form der Flecken ist meist einfacher (wenn ich auch da kleine Fehler hatte, zum Beispiel sind die Flecken in der Mitte etwas verzerrt).
(Fotos: NASA)
Der Blick entspannt und es stellt sich die nötige Lässigkeit ein, eine Balance zwischen Ehrgeiz und Gnädigkeit mir selbst gegenüber. Es hat viel mit der Akzeptanz der eigenen Unzulänglichkeit zu tun. Es geht darum die Dinge als gegeben wahrzunehmen, sie so zu lassen wie sie sind und zu erkennen, dass es nur mäßig gelingt. Es ist eine Übung des Zufriedenseins mit dem eigenen Tun, das nie so ganz stimmt.
Es geht um Details und deren Zusammenhänge.
Es geht auch um den richtigen Druck, mit dem ich den Bleistift über das Papier ziehe. Feinheit im Sehen und Zartheit im Tun.
Im Fall der Sonne geht es auch darum zu akzeptieren, dass die Sonnenflecken da draußen größer als die Erde sind, und hier unten mit meinem Bleistift nur ein Hauch auf Papier. Dass kein Mensch sie beeinflussen kann. Dass sie kommen und gehen im eigenen Rhythmus. Dass sie wandern, wachsen, verschwinden. Und dass gleichzeitig alles ganz an mir liegt, weil ich sie zeichne. Nicht so sehr wie sie sind, sondern auch wie ich bin: An manchen Tagen ruhiger, an anderen hektischer, manchmal geduldig, manchmal mit mir im Reinen, manchmal auf der Suche. So wie ich sie zeichne, so sind sie auf dem Papier, mit meiner Handschrift, in meinem Stil, mit meinem Gelingen und meinen Fehlern.
Auch die Selbstüberwindung ist Teil der Übung, weil es Anstrengung und Konzentration kostet. Und weil ich statt dessen so viele andere angeblich sinnvolle Dinge tun könnte, die ich warten lasse und die dringend getan werden sollten. Es ist Luxus, mir die Zeit zu nehmen, etwas zu tun, was keinen direkten Nutzen hat als nur diesen: Es zu tun. Und es auch wieder zu beenden um mich dann doch auch dem Alltag zuzuwenden und die anderen Notwendigkeiten zu tun.
Grundsätzlich vergleiche ich meine Zeichnungen erst im Nachhinein mit den Satelliten-Bildern der NASA oder ESA.
Satelliten haben immer freie Sicht, nie Wolken oder Dunst und keine flirrende Atmosphäre. Ihr Blick ist unbestechlich. Für sie ist es keine spirituelle Übung. Sie staunen nicht. Sie suchen nicht. Sie spüren keinen Kampf. Sie sind nicht enttäuscht und nicht stolz. Ihr Blick ist unbestechlich.
In den Fotos der Weltraumbehörden sehe ich die Flecken. In meinen Zeichnungen auch mich. Ich kann keine Flecken zeichnen ohne auch etwas von mir preiszugeben.
Satellitenbilder dienen zur Dokumentation und Messung. Mir dient das Zeichnen weniger dem Festhalten, sondern dem Feststellen der Veränderung. Diese Flecken werde ich nie wieder sehen. Vielleicht - wenn es denn so sein soll - werde ich morgen wieder Punkte auf der Sonne beobachten können. Aber sie werden andere sein. Weil sie sich verändert haben.
Und: Weil ich sie gezeichnet habe.
Gestern waren es Flecken. Heute sind es Flecken, die ich gezeichnet habe. Es macht einen Unterschied.
Bild 1: Meine Zeichnung der Sonnenflecken heute.
Bild 2 und 3: Fotos des NASA-Satelliten (mit verschiedenen Filtern).
Ich bin zufrieden mit meiner Zeichnung heute. Am schwierigsten ist die richtige Position und Orientierung einer Fleckengruppe auf der Sonnenscheibe zu treffen. Die Form der Flecken ist meist einfacher (wenn ich auch da kleine Fehler hatte, zum Beispiel sind die Flecken in der Mitte etwas verzerrt).
(Fotos: NASA)