Ein neuer Refraktor in der Stadt : First Light unter Bortle 5

fotofreund

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Hallo Forum,
ich möchte allen visuellen Stadtlichtbeobachtern und natürlich auch allen anderen kurz von meinen gestrigen Beobachtungen berichten. Benutzt wurde mein neues Teleskop, das ich gebührend einweihen wollte.

Das Setup für die Nacht :
Teleskop: SVBony ED Refraktor 102/714mm
Montierung/Stativ: Gabelmontierung auf einem stabilen Manfrotto 058b Kurbelstativ
Sucher: 40/160mm mit einem 15mm Okular (ca. 11-fache Vergrößerung)
Okulare: 26mm (72°), 15mm (80°), 9mm (68°) und 6mm (68°)

Die Bedingungen :
Zeit : Freitag, 02. Okt. 2026, ab ca. 21:45 Uhr
Ort : Stadtrand auf dem Balkon im 3. Stock
Himmel : Bortle 5, wenige sehr leichte Schleierwolken, Durchsicht insgesamt gut.

Nach etwa 45 Minuten Auskühlzeit war der Refraktor bereit. Eines vorweg : Das Aufsuchen erfolgte bei allen Objekten mit dem 26mm Okular. Für mich hat sich diese Brennweite als das absolute Ideal an diesem Teleskop und für meinen Standort herauskristallisiert. Nicht nur zum Suchen, sondern auch zum Genießen klasse !

Hier sind meine Eindrücke der Nacht, gestartet bei noch nicht ganz "dunklem" Himmel (sofern man Bortle 5 überhaupt als dunkel bezeichnen darf. ) 😉

Die Kugelsternhaufen (M13, M92, M56, M71)

Messier 13: Im 26mm Okular stand der Klassiker wunderschön im Feld , ein heller Kern mit feiner "Wattebauschoptik". Beim Wechsel auf 15mm wurde die Struktur bereits körnig, und die beiden auffälligen Umgebungssterne leuchteten in einem tollen Orange- und Blau-Kontrast. Das Highlight war das 9mm Okular: Mit indirektem Sehen blitzten in der Körnigkeit eindeutig helle Einzelsterne auf. Der Helligkeitsunterschied zwischen dem Kernbereich und der Gesamtkugel war enorm und deutlich.

Messier 92: Mit dem 26mm Okular schnell gefunden, zeigte er sich beim Wechsel auf 15mm als gut brauchbarer, kompakter Nebelfleck.

Messier 56: Dieser kleinere Kugelsternhaufen war für das Stadtlicht noch brauchbar zu sehen. Er kam am besten im 15mm Okular zur Geltung, blieb visuell aber ein eher schwacher Nebelfleck.

Messier 71: Im 26mm Okular zeigte er sich als kleine, aber deutlich erkennbare Aufhellung im Feld. Hier habe ich es dann auch bei der Übersichtsbrennweite belassen.

Die Nebel (M57 & M27)

Messier 57 (Ringnebel): Ein echter Genuss im 9mm Okular! Sehr hell und deutlich zu sehen. Bei indirekter Beobachtung zeigte sich die Ringform extrem scharf abgegrenzt und kontrastreich vor dem Himmelshintergrund. Auch das 6mm Okular zeigt ihn prima.

Messier 27 (Hantelnebel): Aufgesucht und genossen mit dem 26mm – eine wirklich schöne, große Erscheinung im Feld. Der Nebel verträgt aber auch Vergrößerung: Sowohl im 15mm als auch im 9mm machte er eine prima Figur. Im 15mm Okular war die charakteristische Hantelform toll abgegrenzt zu sehen.

Highlights im Cygnus & Umgebung

Albireo: Der Doppelstern-Klassiker war im 15mm Okular eine Wucht. Die Farben (Orange und Blau) kamen wunderbar ( und natürlich ) bei meiner Konfiguration natürlich auch problemlos, sauber und getrennt zur Geltung.

Asterismus "Kleiderhaken" (Collinder 399): Das war ein reiner Genuss für den Sucher! Bei ca. 11-facher Vergrößerung passte die markante Form perfekt ins Feld. Prima Anblick!

Fazit:
Der neue SVBony ED Refraktor macht am Stadtrand richtig Spaß. Auch unter Bortle 5 und vom Balkon aus geht visuell einiges, wenn Optik und Okulare gut harmonieren. Das 26mm ist mein heimlicher Star der Nacht geworden. Nach ca. zwei Stunden habe ich mit der schönen Ansicht von Albireo meine Beobachtungen beendet.

Wie sind eure Erfahrungen mit 4-Zoll-Refraktoren aus der Stadt heraus ?
Clear Skies,
Marco
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Marco,

toller Bericht mit schönen Zielen - so ähnlich sehen meine Abende auf dem Balkon auch aus - momentan leider mit schwingenden Holzdielen.

Ich nutze überwiegend meinen 4" Vixen ED und finde diese Öffnungsgröße für die Stadt einen guten Kompromiss zwischen Mobilität, Lichtsammelvermögen, Auskühlzeit und seeinganfälligkeit. Für mich mein Allrounder-Teleskop.

CS
Stephan
 
Hallo Stephan ...
Alle Deine Anmerkungen kann ich 1:1 unterschreiben. Bei mir sind es bzgl. Schwingungen eine vielbefahrene Strasse vor dem Haus. Busse und Lastzüge sind bei mir eindeutig die ( eine zusätzliche ) Ursache für Licht und " Unruhe ".
Mich stört so etwas aber " mittlerweile " nicht mehr. :cool:

Nachts sind sie kaum unterwegs. Ausserdem werde ich mit jedem Jahr im " Alter " gelassener. Ob das gesehene nun einen Moment mehr oder weniger " wackelt ", ... vollkommen egal !

Es sind genug ruhige Momente ( auch bzgl. Seeing ) vorhanden die mich meht interessieren.

Gestern war so ein Abend, an welchem ich wieder " gespührt " habe warum ich seit ca. 35 ( ? ) Jahren durch Tekeskope schaue.

Es ist der Moment welchen man nie im Voraus planen kann. Er kommt, bereitet Freude und bleibt in Erinnerung !

Gruss an alle die solche Momemte auch kennen ...
sendet
Marco
 
Dürfte ich nur einen meiner SD-Refraktoren (72/432, 102/714, 125/975) behalten, wäre es der 4Zöller, der im Gegensatz zum 5Zöller für mich noch ein echtes "Grab and Go" Teleskop ist, und das obschon der 5" nochmal merklich mehr Details zeigt...

Gruß Horst
 
Servus Marco,

das war ja ein schönes First Light! Danke fürs virtuelle Mitnehmen! Ich hätte eine Anmerkung zu Collinder 399. Am Ostrand des Kleiderbügels befindet sich mit NGC 6802 ein "echter" Offener Sternhaufen. Hast du auf ihn geachtet? Da könntest du einen länglichen Nebelfleck erkennen. Der Haufen ist 8m8 hell und durch Gezeitenkräft etwas zerrissen worden. Falls du nicht auf ihn geachtet hast, ist das vielleicht ein Beobachtungtipp für dich.

Liebe Grüße,
Christoph
 
Hallo Christoph @Lucifugus ...
Danke für die Info ! Werde ich mir auf jeden Fall ansehen.
Ich war ( im Sucher bei 11x ) so vom " Kleiderhaken " angetan und habe nicht weiter im Teleskop geschaut .

Werde ich aber ganz sicher nachholen !

Tatsächlich bekannt war mir der Sternhaufen aber auch nicht. :cry:
Ich muss später am PC dann mal in Guide 9 nachsehen. Da sollte er aufgeführt sein.

Gruss
Marco
 
Hallo Marco,

ich schliesse mich der Empfehlung vom Christoph an, was NGC 6802 betrifft. Ich mag ihn sehr, beisse mir oft die Zähne daran aus unter meinem Vorstadthimmel (schwächster sichtbarer Sterne mit bloßem Auge im Zenit in den allerbesten Nächten ist 5m5) wegen seiner geringen Flächenhelligkeit. Unter aufgehelltem Himmel sauft er ab sobald die Transparenz nachlässt. Gute Transparenz ist der Schlüssel, und eine Austrittspupille (für mich jedenfalls) um 1,5mm, d.h. im 4zöller ca. 60x.

Der Haufen heisst auch "DNA Haufen" - das erschliesst sich auf Fotos, auf denen er wirklich frappierend wie ein DNA-Strang wirken kann, sowie visuell in größere Teleskope, mindestens 10 Zoll. Mit kleineren Öffnungen ist er ein länglicher Nebelstrich sofern die Transparenz es zulässt.

Beste Grüße, Christopher
 
Hi, ... Christopher
Hallo Marco,

... beisse mir oft die Zähne daran aus unter meinem Vorstadthimmel ...
Das kenn ich nur zu gut ! ( an vielen anderen Objekten ). Was unter " guten Stadtbedingungen " ein mal funktioniert hat kann bei leichten Schleierwolken oder anderen, geringsten Änderungen am Standort schon wieder nicht mehr funktionieren.

Ich versuche, wie hier beschrieben ( Albireo ), immer mit einer schönen, einfachen Beobachtung zu beenden.

Das " Auffinden " ist aber auch ein schöner Teil der Spass machen kann, wenn es eben funktioniert :).

Ich bin also nun bzgl. NGC 6802 " vorgewarnt " =》;)
Guss
Marco
 
Wie Christopher schon andeutete, oft ist gute Transparenz mindestens so hilfreich wie ein dunkler Himmel.

Gruß Horst
 
Guten Morgen Forum ...
Vielen Dank an alle für das Interesse an meinem Beitrag !
Das hat mich sehr gefreut.

Im Zusammenhang mit dieser Optik hatte ich hier => SVBONY 102/714 ED – Ein vielseitiger Begleiter für die visuelle Beobachtung ( ? ) einige Infos zur Optik bzw. meine persönliche Einschätzung dazu zusammengestellt.

Für alle die dann mal ( später hier lesen ) bzw. Infos zu dieser Optik suchen, event. auch noch nützlich.

Meine "nächsten" Beobachtungen werde ich sicher wieder mit Euch teilen ...

Gruß
Marco
 
Servus Marco,

das war ja ein schönes First Light! Danke fürs virtuelle Mitnehmen! Ich hätte eine Anmerkung zu Collinder 399. Am Ostrand des Kleiderbügels befindet sich mit NGC 6802 ein "echter" Offener Sternhaufen. Hast du auf ihn geachtet? Da könntest du einen länglichen Nebelfleck erkennen. Der Haufen ist 8m8 hell und durch Gezeitenkräft etwas zerrissen worden. Falls du nicht auf ihn geachtet hast, ist das vielleicht ein Beobachtungtipp für dich.

Liebe Grüße,
Christoph
Hallo Christoph,

vielen Dank für den Tipp mit dem offenen Sternhaufen NGC 6802!

Dieser ist mir bisher tatsächlich entgangen, obwohl er wunderschön ist.
Seine ungewöhnliche etwas zerrissene Form regt die Fantasie an.

Anbei meine Beobachtungsnotizen von gestern Abend:

20:26Uhr – NGC 6802:

Mit dem 30mm Übersichtsokular ließ sich NGC 6802 schnell auffinden.
Bei einer Vergrößerung von 75-Fach zeigte sich ein schöner Gesamtanblick des offenen Sternhaufens.

Bei 167-facher Vergrößerung wurden zahlreiche feine Sternchen sichtbar.

Die verzerrte Form des Sternhaufens erinnert mich an einen Salamander:

Der Kopf wird durch den verdichteten Kern gebildet. Nach Süden hin ist ein geschwungener Rücken erkennbar, an dessen Seiten sich die „Füße“ abzeichnen.

Im 9mm Okular bei 167x Vergrößerung füllt der Salamander das komplette Gesichtsfeld mit 0,35° aus.

Nochmals vielen Dank für den schönen Tipp!

Beste Grüße
Florian
 
Hallo Florian, welche Öffnung hast Du verwendet?
Christian Busch führt aus, dass die meisten Sterne im Haufen 14mag oder schwächer sind. Daher nehme ich an, dass Du mindestens 6 Zoll verwendet hast, für den Salamander-Eindruck eher 12 Zoll? Schaut hier:
 
Messier 71: Im 26mm Okular zeigte er sich als kleine, aber deutlich erkennbare Aufhellung im Feld. Hier habe ich es dann auch bei der Übersichtsbrennweite belassen.

Messier 57 (Ringnebel): Ein echter Genuss im 9mm Okular! Sehr hell und deutlich zu sehen. Bei indirekter Beobachtung zeigte sich die Ringform extrem scharf abgegrenzt und kontrastreich vor dem Himmelshintergrund. Auch das 6mm Okular zeigt ihn prima.
Hallo,

sehr schöner Bericht und Glückwunsch zum 4" Apo.

Zu M71 möchte ich anmerken, dass im 4" Apo (bei mir Vixen FL102) bei guter Transparenz und dunklem Himmel relativ hoch vergrößert werden kann (90x-180x).
Dann kommen viele Einzelsterne und die Dreiecksform dieses sehr lockeren KS zu Geltung.

Bei M57 kann man (als Grenzbeobachtung) bei guten Bedingungen den 13mag Feldstern im 4" Apo sehen (meistens indirekt, oft auch direkt), siehe Foto im Anhang (gelb umrandet, den blauen 14.1mag zeigt mein 5" Apo...).

Eine weitere Herausforderung ist Caroline´s Rose oder Caroline´s Haystack (NGC 7789, in Cassiopeia). Hier kommt ein 4-Zöller auch an die Grenzen seiner Auflösung, und mittlere Vergrößerungen sind hilfreich.

M57 field stars.jpg
 
@Steinheil ...
Auch Dir danke für diese Infos.
Ich werde versuchen auch diese schwachen " Mag.- Objekte " je nach Wetter, Himmel und Sichtbarkeit auch bei mir mal zu beobachten. Ich denke aber mag 13 wird ( bei mir ) eher ( ein ) beim " Versuch " bleiben => :unsure: ... da ist eher Bortle < 3 notwendig.
Gruss
Marco
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Florian, welche Öffnung hast Du verwendet?
Christian Busch führt aus, dass die meisten Sterne im Haufen 14mag oder schwächer sind. Daher nehme ich an, dass Du mindestens 6 Zoll verwendet hast, für den Salamander-Eindruck eher 12 Zoll? Schaut hier:
Hallo Christopher,

beobachtet wurde mit einem 12″ f/5 Dobson.

Trotz der hohen Luftfeuchtigkeit war die Transparenz des Himmels sehr gut.

CS
Florian
 
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