HelmutLang
Aktives Mitglied
Hallo Astrogemeinde!
Nachdem es kaum Erfahrungsberichte über 45° bzw 90° Großbinos gibt und auch Nachfragen zu diesen in diesem Forum unbeantwortet blieben, habe ich mich durchgerungen, einen ersten Erfahrungsbericht zu schreiben, in der Hoffnung, dass die Beteiligung und Resonanz dazu groß sind.
Seit kurzem bin ich Besitzer eines 20x (und 40x) 100mm Großbinos mit 45° Einblick von APM.
Eigentlich hätte es ursprünglich ein Eigenbau aus 2 FH 150/750 und EMS von Matsumoto werden sollen, doch die EMS-Einheiten mit Fokusierung kosten allein schon über 2000.- Euro.
Das neue 150mm Großbino von APM und TS war mir ebenfalls preislich zu hoch und so suchte ich also schon seit längerem nach einem gebrauchten 100mm mit Schrägeinblick.
Leider gab es auch nach lägerem Wartens keinen gebrauchten Miyauchiklon mit 90° Einblick auf dem Markt, (da passen alle 1 1/4" Okulare dran!)
Überhaupt ist der Markt zu Großbinos genau so spärlich wie die Threads zu selbigen! Werden die so wenig gekauft, sind alle Besitzer (potenziellen Verkäufer) so zufrieden damit??
So erwarb ich schließlich vergangene Woche o.g. Fernglas, welches als "gebraucht" deklariert war und dessen Normalpreis knappe 1000.- Euro beträgt (derzeit 895.- Euro Aktionspreis bei APM) für 595.- Euro.
Der Alukoffer kam mit dem Fernglas und den zwei Okularsätzen in einwandfreiem Zustand bei mir an und hätte ruhig als "neuwertig" (auch alle optischen Flächen) bezeichnet werden können. Ich war positiv überrascht.
Meine größte Befürchtung - mit einem Doppelbild überrascht zu werden, erwies sich zum Glück als unbefürchtet. Die Prismen waren diesbezüglich sauber justiert, was sich nach Erhalt, bei Tag, sogleich überprüfen ließ.
Unangenehm war das Fehlen jeglicher Objektiv/Okulardeckel.
Das Bino besitzt ein Fotostativgewinde und wurde auf meinem stabilen Dreibein derart montiert.
Nach längerer Schlechtwetterperiode bot sich gestern Nacht ein klarer Himmel zum Test der Optik an. Das SQML zeigte zw. 22 und 1 Uhr 21,15 an was fst 6,2 mag entspricht. Die Temperatur war um den Gefrierpunkt.
Bei 20x passen gerade noch die 3 Gürtelsterne des Orion ins Gf, was, aus der Urano herausgemessen, auf die vom Hersteller angegebenen 2,7° Gf hinausläuft.
(Wer kann es mit einem Sky-programm besser bestimmen?).
Bei 40x passen die beiden nördlicheren Gürtelsterne Alnilam und Mintaka noch ins Gf.
Blickt man in M 42, so sind bereits bei 20x die 4 Trapezsterne deutlich voneinander getrennt und der Nebel erscheint in seiner bekannt grünlichen Farbe.
Sind bei 20x die Sterne bis zum Bildfeldrand noch weitgehend feine, nadelige Punkte, so sind bei 40x nur noch ca 70% des Gf sauber, zum Rand hin werden die Sterne zunehmens als radiale Striche abgebildet. Da läßt die Optik zu wünschen übrig.
Bei 20x (AP=5mm) zeigten 2 Sterne der Plejaden (Merope und der südwestlichste) leichten Nebelschimmer.
H und chi standen ziemlich im Zenit, doch erweist sich das Beobachten mit 45° - eine neue Erfahrung für mich - als überraschend erträglich. jedoch wurde ich auf den Umstand der Zenitbeobachtung darauf aufmerksam, dass die 40x Okulare nicht so fest im OAZ steckten wie die 20x und daher, mangels Klemmvorrichtung nicht in ihrer Position verblieben, sondern nach unten herausrutschten. Ein sehr ärgerlicher Umstand, den ich jedoch mit Ummantelung der Okulare (Klebeband) beseitigen werde.
Das Fotostativ erwies sich auch bei zenitnaher Beobachtung als ausreichend standfest, immerhin wiegt das Bino knappe 7,5 kg.
Im großen und ganzen bin ich mit meinem erworbenen Gerät zufrieden, stellt es doch eine erwünschte Ergänzung meiner Gerätschaft dar, als da wären:
1.5x32mm Miyauchi, genannt "Gaia"
2. 7x50mm Fujinon, genannt "Nero"
-3. eben vorgestelltes 20x und 40x 100mm Bino, 45°
4. ein 150/750mm FH, genannt "Nachtauge"
5. ein 18" Dobson-Selbstbau, genannt "Monocoloss"
Die Lücke des Großbinos wurde einst von einem 16x70mm Fujinon gefüllt, den ich aber wieder verkaufte.
Er mußte montiert werden und hatte nur 4,4mm AP. Ich liebe aber große APs, da die Himmel hier ziemlich dunkel (fst meist zw. 6,2 und 6,5mag) sind. Bei einem 10x70 Gerät, wäre ich vielleicht hängen geblieben!?
Mit der jetzigen AP des Großbinos von 5mm, war ich mit der Abbildung des Orionnebels recht zufrieden. Weiteres wird sich zeigen.
Derzeit weilt meine große Ayo-montierung und der 150mm FH noch auf der Südhalbkugel, doch wenn ich sie wieder hier habe, wird die Ayo das Großbino tragen und ich bin auch schon gespannt auf den direkten Vergleich Großbino - 150mm RFT!
Aber das wird noch ein paar Monate dauern!
Grüsse aus dem Allgäu und klare Himmel, wünscht euch Helmut
Nachdem es kaum Erfahrungsberichte über 45° bzw 90° Großbinos gibt und auch Nachfragen zu diesen in diesem Forum unbeantwortet blieben, habe ich mich durchgerungen, einen ersten Erfahrungsbericht zu schreiben, in der Hoffnung, dass die Beteiligung und Resonanz dazu groß sind.
Seit kurzem bin ich Besitzer eines 20x (und 40x) 100mm Großbinos mit 45° Einblick von APM.
Eigentlich hätte es ursprünglich ein Eigenbau aus 2 FH 150/750 und EMS von Matsumoto werden sollen, doch die EMS-Einheiten mit Fokusierung kosten allein schon über 2000.- Euro.
Das neue 150mm Großbino von APM und TS war mir ebenfalls preislich zu hoch und so suchte ich also schon seit längerem nach einem gebrauchten 100mm mit Schrägeinblick.
Leider gab es auch nach lägerem Wartens keinen gebrauchten Miyauchiklon mit 90° Einblick auf dem Markt, (da passen alle 1 1/4" Okulare dran!)
Überhaupt ist der Markt zu Großbinos genau so spärlich wie die Threads zu selbigen! Werden die so wenig gekauft, sind alle Besitzer (potenziellen Verkäufer) so zufrieden damit??
So erwarb ich schließlich vergangene Woche o.g. Fernglas, welches als "gebraucht" deklariert war und dessen Normalpreis knappe 1000.- Euro beträgt (derzeit 895.- Euro Aktionspreis bei APM) für 595.- Euro.
Der Alukoffer kam mit dem Fernglas und den zwei Okularsätzen in einwandfreiem Zustand bei mir an und hätte ruhig als "neuwertig" (auch alle optischen Flächen) bezeichnet werden können. Ich war positiv überrascht.
Meine größte Befürchtung - mit einem Doppelbild überrascht zu werden, erwies sich zum Glück als unbefürchtet. Die Prismen waren diesbezüglich sauber justiert, was sich nach Erhalt, bei Tag, sogleich überprüfen ließ.
Unangenehm war das Fehlen jeglicher Objektiv/Okulardeckel.
Das Bino besitzt ein Fotostativgewinde und wurde auf meinem stabilen Dreibein derart montiert.
Nach längerer Schlechtwetterperiode bot sich gestern Nacht ein klarer Himmel zum Test der Optik an. Das SQML zeigte zw. 22 und 1 Uhr 21,15 an was fst 6,2 mag entspricht. Die Temperatur war um den Gefrierpunkt.
Bei 20x passen gerade noch die 3 Gürtelsterne des Orion ins Gf, was, aus der Urano herausgemessen, auf die vom Hersteller angegebenen 2,7° Gf hinausläuft.
(Wer kann es mit einem Sky-programm besser bestimmen?).
Bei 40x passen die beiden nördlicheren Gürtelsterne Alnilam und Mintaka noch ins Gf.
Blickt man in M 42, so sind bereits bei 20x die 4 Trapezsterne deutlich voneinander getrennt und der Nebel erscheint in seiner bekannt grünlichen Farbe.
Sind bei 20x die Sterne bis zum Bildfeldrand noch weitgehend feine, nadelige Punkte, so sind bei 40x nur noch ca 70% des Gf sauber, zum Rand hin werden die Sterne zunehmens als radiale Striche abgebildet. Da läßt die Optik zu wünschen übrig.
Bei 20x (AP=5mm) zeigten 2 Sterne der Plejaden (Merope und der südwestlichste) leichten Nebelschimmer.
H und chi standen ziemlich im Zenit, doch erweist sich das Beobachten mit 45° - eine neue Erfahrung für mich - als überraschend erträglich. jedoch wurde ich auf den Umstand der Zenitbeobachtung darauf aufmerksam, dass die 40x Okulare nicht so fest im OAZ steckten wie die 20x und daher, mangels Klemmvorrichtung nicht in ihrer Position verblieben, sondern nach unten herausrutschten. Ein sehr ärgerlicher Umstand, den ich jedoch mit Ummantelung der Okulare (Klebeband) beseitigen werde.
Das Fotostativ erwies sich auch bei zenitnaher Beobachtung als ausreichend standfest, immerhin wiegt das Bino knappe 7,5 kg.
Im großen und ganzen bin ich mit meinem erworbenen Gerät zufrieden, stellt es doch eine erwünschte Ergänzung meiner Gerätschaft dar, als da wären:
1.5x32mm Miyauchi, genannt "Gaia"
2. 7x50mm Fujinon, genannt "Nero"
-3. eben vorgestelltes 20x und 40x 100mm Bino, 45°
4. ein 150/750mm FH, genannt "Nachtauge"
5. ein 18" Dobson-Selbstbau, genannt "Monocoloss"
Die Lücke des Großbinos wurde einst von einem 16x70mm Fujinon gefüllt, den ich aber wieder verkaufte.
Er mußte montiert werden und hatte nur 4,4mm AP. Ich liebe aber große APs, da die Himmel hier ziemlich dunkel (fst meist zw. 6,2 und 6,5mag) sind. Bei einem 10x70 Gerät, wäre ich vielleicht hängen geblieben!?
Mit der jetzigen AP des Großbinos von 5mm, war ich mit der Abbildung des Orionnebels recht zufrieden. Weiteres wird sich zeigen.
Derzeit weilt meine große Ayo-montierung und der 150mm FH noch auf der Südhalbkugel, doch wenn ich sie wieder hier habe, wird die Ayo das Großbino tragen und ich bin auch schon gespannt auf den direkten Vergleich Großbino - 150mm RFT!
Aber das wird noch ein paar Monate dauern!
Grüsse aus dem Allgäu und klare Himmel, wünscht euch Helmut