10x32 oder 10x42? Ultravid oder Victory FL?

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Andreas_Zimmer

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Hallo!
Frage an die Experten:
Ich beschäftige mich seit kurzem mit Birdwatching und schaue des öfteren auch in den Nachthimmel. Jetzt möchte ich mir ein möglichst gutes All-round Fernglas zulegen. Meist will ich es zur Vogel- und Naturbeobachtung einsetzen, aber es soll mich auch häufig bei Spaziergängen, Wanderungen und auf Reisen begleiten.Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob die kleinere Austrittspupille eines 32er Auswirkungen auf die Detailerkennbarkeit hat, wenn ich z.B. Vögel im schattigen Uferbereich der Westerwälder Seenplatte beobachte und ob die Helligkeit auch für die frühe Dämmerung hinreichend ist. Anders herum bin ich nicht sicher, ob ein 42er FL oder Ultravid nicht für Wanderungen und Spaziergänge auf die Dauer als zu schwer und unhandlich empfunden wird und eher im Quartier bleibt, weil es im Wege ist. Bringt die größere AP sehr viel mehr Helligkeit und wie ist der Unterschied im Seekomfort?
Das Beste währe sicher ein persönlicher Vergleich, aber in meiner näheren Umgebung finde ich keinen Händler, der beide Firmen gleichzeitig auf Lager hat, geschweige denn alle vier in Frage kommenden Modelle.Ich kenne die 42er Modelle beider Hersteller, aber nicht im direkten Vergleich, sondern in wochenlagem Abstand. Beide scheinen sehr gut zu sein, aber welches ist besser? Und- gilt das für die 32er ebenso? Wenn man darum bittet, die Vergleichsmodelle zur Ansicht zu bestellen, entsteht sofort eine gewisse Verbindlichkeit, auch will niemand in einer kleineren Stadt sich alle vier teuren Teile auf Lager legen, ohne dass man sich verbindlich vorher zum Kauf bereit erklärt. Eine Reise zu einem größeren Fachhändler, z. B. nach Frankfurt wäre wegen des Zeitaufwandes und der Entfernung erst in einigen Monaten an einem Urlaubstag möglich.
Deshalb bitte ich euch um euren Rat. Ich bin auch nicht sicher ob Zeiss oder Leica die bessere Wahl ist. Wie verhalten sich beide bei astronoischen Beobachtungen?

Vielen Dank!
Gruss

Andreas Zimmer
 
Hallo Andreas,
Ich habe eigentlich das gleiche Problem/die Ähnlichen Anforderungen an ein Glas, wie Du. Favorit ist nun das Zeiss 10*32. Ich denke von der optischen Qualität her nehmen sich das Zeiss und das Leica nicht viel. Im folgendem Beitrag werden den 42-er Zeiss-Geräten sogar leichte Vorteile eingeräumt:

http://www.juelich-bonn.com/forum/read.php?f=2&i=638&t=638

Bei ebay wird das Zeiss 10*32 und das 8*42 für 999 bis 1099 als Neuware angeboten. Nachdem ich nun noch einige Monate sparen werde, werde ich mir dort ein Glas bestellen. Falls es mir dann nicht zusagt (optisch werde ich sicher nicht entäuscht, unter Umständen aber vom Einblickverhalten bzw. vom Handling), dann sollte ich doch von meinem 14-tägigen Rückgaberecht Gebrauch machen können. Mir ist diese Prozedur mit dem "zur Ansicht bestellen" auch zu verpflichtend, da erscheint mir eine Bestellung mit der Option zur Rückgabe auch dem Händler gegenüber als fairer.

Folgende Formel habe ich zur Bestimmung der Grenzgrenze bei Sternen gefunden. Die Formel wurde (hier?) irgendwo in Zusammenhang mit Teleskopen veröffentlicht, aber sie gilt wahrscheinlich auch bei Fernglässern?! Wenn nicht dann hoffe ich, jemand kann freundlicherweise korrigieren.

mag = mag.auge + 2,5 * log ((D/d)^2) wobei
D = Durchmesser Objektiv
d = Durchmesser der Puppile

mag.auge würde ich in Köln auf höchstens 4 setzen, d vorsichtshalber auf 7 mm. Mir zeigt das dann, das der Unterschied zwischen 42-er und 32-er Durchmesser so Gewaltig nicht ist:
32-er: mag = mag.auge + 3,3
42-er: mag = mag.auge + 3,9

Vielleicht beantwortet das Deine Frage nach der Astronomie-tauglichkeit? Für mich ist es ebenfalls sehr wichtig, das das Glas kompakt ist. Letztlich gibt das bei meinen Anforderungen den Ausschlag für ein 32-er.
Gruß, Peter
 
Vielen Dank für deine Stellungnahme Peter!
Die Formel bezüglich der Astronomietauglichkeit verstehe ich leider nicht. Was sagen die einzelnen Zahlen aus und vor allem: wofür stehen die Dezimalzahlen im Ergebnis?

Was mir auch grundsätzlich noch nicht klar geworden ist bezüglich meiner Frage zur Lichtstärke eines 32er,ist ob diese für Beobachtungen im schattigen Uferbereich und in der Dämmerung ausreichend ist. Hat die Größe der AP auch etwas mit der Detailerkennbarkeit schlechthin zu tun?

Speziell an Walter E. Schön : Wenn ich dich richtig verstanden habe (in einem füheren Thread vom August) bevorzugst du das 32er Ultravid. Stehst du dazu auch noch nach Erscheinen des Zeiss FL?
Ich weiß nicht ob du damit Vögel beobachtest und ob das Glas dafür hell genug ist, wenn die Viecher sich im Schatten aufhalten.
Hat irgend jemand schon Vergleiche zwischen den Ultras und FL`s angestellt ausser der von Peter angegeben Quelle, eventuell auch für 32er? Wie ist das Handling und Einblickverhalten im Vergleich?
Oder sollte man doch ein 42er nehmen? Die neue Generation ist ja etwas leichter. Aber dann ist da ja auch noch die Frage der Größe. Werden die größeren Abmessungen des Zeiss gegenüber dem Leica als hinderlich empfunden? Eignen sich 42er überhaupt als "immer dabei Glas?"

Andreas
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Andreas,
ich kann Dir nichts zu Ultravid oder Victory FL sagen, aber zur Größe des Fernglases. Wenn ich nur Vögel beobachte reicht mir mein 8x30 Conquest aus, das ist auch ideal für Wanderungen weil klein und leicht. Wenn ich nur in die Sterne schaue, nehme ich mein Leica Trinovid 10x50, weil es noch mehr zeigt als mein 10x40 Porroglas. Wenn ich aus Platz-und Gewichtsgründen in den Urlaub nur ein Glas mitnehmen will, dann ist es mmer das große schwere Leica 10x50, weil ich, wenns drauf ankommt eben doch am meisten damit sehe, sowohl bei Tag als auch bei Nacht. Dafür schleppe ich gerne etwas mehr.
Gruß,
Peter
 
Über viele Jahre (es dürften 10 Jahre gewesen sein) war das Leica Tronovid 10x32 BA mein bevorzugtes Fernglas, das einerseits außerordentlich kompakt und mit ca. 670 g auch recht leicht war und andererseits nicht nur gut zu handhaben, robust und waserdicht war, sondern eine hervorragende Schärfe, sehr guten Kontrast und ein für mich als Brillenträger (bei meiner Gesichtsanatomie und meiner Brillenform) sehr gutes Einblickverhalten bot.

Dann habe ich zu einem Ultravid 10x42 und 12x50 gewechselt. Aber das Ultravid 10x42 war zwar wunderbar hell, für seine höhere Lichtstärke sehr leicht und durchaus immer noch kompakt, aber ich war ein wenig von der von mir als merkliche Randunschärfe empfundenen Bildfeldwölbung enttäuscht (aufgrund meiner alterbedingt schon geringeren Akkomodationsfähigkeit kann mein Auge den aufgrund der Bildfeldwölbung in einer anderen Entfernung abgebildeten Bildrand nicht scharf sehen). Wer noch jüngere Augen mit guter Akkomodationsfähigkeit hat, wird damit keine oder zumindest geringere Probleme haben und müßte von diesem Ultravid 10x42 eigentlich sehr angetan sein. Das Ultravid 12x50 wiederum hatte zwar auch erkennbare und von mir als Randunschärfe wahrgenommene Bildfeldwölbung, aber nicht so störend, zumal der scheinbare Sehwinkel mit ca. 68° wirklich riesig und ein leicht unscharfer Rand dann nicht mehr kritisch ist. Aber ich habe mich auch von diesem Fernglas wieder getrennt, weil es mir zum Mitnehmen einfach zu schwer war (ich bin bandscheibengeschädigt und schleppe außer einem Fernglas auch noch eine Fotoausrüstung mit mir herum, und die Gewichte addieren sich!).

Nachdem ich dann Gelegehiet hatte, die Nikon-Ferngläser 8x32 HG und 10x32 HG selbst zu testen, war ich von diesen so begeistert, daß ich mich trotz des relativ zum Trinovid 10x32 etwas höheren Gewichts (ca. 715 g) für diese beiden Ferngläser entschied. Beide haben ein etwas kleineres Sehfeld als die entsprechenden Trinovids und Ultravids, aber der Unterschied ist nicht gravierend. Für mich war die aufgrund sehr guter Bildfeldebnung deutlich bessere Randschärfe der entscheidende Punkt. Das Nikon 10x32 HG ist darin besonders gut (Sehfeld ca. 114 m auf 1000 m gegenüber 120 m beim Trinovid und Umtravid 10x32). Beim Nikon 8x32 HG ist die Randschärfe eine Spur geringer, aber für einen, der nicht mehr gut akkomodieren kann, immer noch deutlich besser als beim Leica Trinovid oder Ultravid 8x32.

Anläßlich der letzten „photokina” in Köln hatte ich Gelegenheit, das Zeiss 10x42 FL (nicht das 10x32 FL) auszuprobieren, leider aber nicht im Vergleich mit anderen Ferngläsern. Ich hatte hinsichtlich Einblickverhalten, Helligkeit und Mittenschärfe einen sehr guten Eindruck, stellte aber auch hier – ähnlich wie beim Trinovid und Ultravid – nicht ganz zufriedenstellende Randschärfe fest, die ebenfalls auf eine (von mir durch Akkomodation nicht auszugleichende) Bildfeldwölbung zurückzuführen ist. Somit kam auch das Zeiss FL für mich nicht in Frage. Ansonsten meine ich, daß Leica Ultravid und Zeiss FL wohl auf ziemlich gleichem Niveau liegen, in manchem Einzelkriterium das eine, in anderen das andere Glas eine Spur besser und daher je nach individuellen Vorlieben so oder so einzustufen. Welches der beiden also „besser” ist, muß jeder selbst für sich enstcheiden. Aber da die Unterschiede nur minimal sind, wäre auch eine „falsche” Entscheidung kein Beinbruch. Wer wie ich nur noch eine reduzierte Akkomodationsbreite hat (also alle ab ca. 50-55 Jahre), sollte auch das etwas schwerere Nikon HG mit geringfügig kleinerem Sehfeld in Erwägung ziehen. Wem dann Randschärfe wichtiger ist als ca. 100 g Mehrgewicht und wenige Meter kleineres Sehfeld, der sollte Nikon wählen, im umgekehrten Falle Leica oder Zeiss.

Was nun die andere Frage zur Bildhelligkeit und zum Objektivdurchmesser betrifft, so hängt die Antwort doch sehr davon ab, bis zu welcher Dämmerungshelligkeit man beobachten will. Mir hat die Objektivgröße 32 mm eigentlich immer ausgereicht; nur bei Astroeinsatz merkte ich eine deutliche Verbesserung bei 42 mm und erst recht bei 50 mm. Beim Einsatz in der Naturbeobachtung (inkl. Vogelbeobachtung) war mir immer 32 mm am liebsten, weil ich hier den idealen Kompromiß aus Handlichkeit und geringem Gewicht einerseits und Detailerkennbarkeit andererseits sehe. Außerdem habe ich bei den 32er-Ferngläsern immer ein deutlich größeres Sehfeld als bei den 42ern gleichen Fabrikats (gilt für Leica, Nikon, Swarovski und Zeiss gleichermaßen). Ich empfinde die 32er bei Tageshelligkeit auch durchwegs als eine Spur schärfer als die entsprechenden 42er. Das beruht teils auf dem geringeren Öffnungsverhältnis bei den kleineren Objektiven, das eine bessere Korrektion der Abbildungsfehler ermöglicht, aber teils auch darauf, daß man bei diesen Modellen die Augenpupille zwangsläufig besser zur Austrittspupille zentriert (man merkt es besser, wenn der Abstand der Okularachsen nicht mit dem der Augenachsen übereinstimmt und korrigiert nach, während man bei größerer Austrittspupille oft unbemerkt „exzentrisch” und damit zwangsläufig mit Asymmetriefehlern betrachtet, welche die Bildschärfe etwas herabsetzen und auch Farbsäume fördern.

Wenn ich mal die Pupillengrößen bei den Ferngläsern 10x32 und 10x42 vergleiche, ergibt sich folgendes: Das „durchschnittliche” Auge vergrößert die Augenpupille auf 3,2 mm etwa bei einer Leuchtdichte von 60 cd/mˆ2. Erst bei geringerer Helligkeit wird die Augenpupille größer und somit die größere Austrittspupille des 10x42-Fernglases nutzbar (in vollem Umfang erst unterhalb ca. 18 cd/mˆ2). Die Grenzhelligkeit von 60 cd/mˆ2 liegt ungefähr dann vor, wenn ein auf die Filmempfindlichkeit ISO 100/21° eingestellter Belichtungsmesser einen Lichtwert (EV = exposure value) von 9 anzeigt, was z.B. bei Blende 2,8 einer Belichtungszeit von 1/60 s entspricht. Die Helligkeit 18 cd/mˆ2 entspricht analog dazu einem Lichtwert knapp über 7 oder einer Belichtungszeit knapp über 1/15 s bei Blende 2,8 und ISO 100/21°. Wer eine Kamera mit Belichtungsmesser oder besser noch einen separaten Belichtungsmesser besitzt, kann mal unter seinen individuellen Beobachtungsbedingungen (bitte am Ort des Motivs, nicht des Beobachters!) messen, was der Belichtungsmesser anzeigt. Gibt er in der relevanten Dämmerung für ISO 100/21° und Blende 2,8 eine deutlich längere Zeit als 1/60 s an, dann wäre ein Fernglas 10x42 von Vorteil, andernfalls reicht ein 10x32 und zeigt unter diesen Bedingungen die gleiche Bildhelligkeit.

Alles andere ist eine Frage individueller Gewichtung. Was mir noch als kompakt und idealer Kompromiß aus Gewicht und Leistung erscheint, mag ein anderer nicht so sehen. Jeder muß das für sich selbst durch Ausprobieren herausfinden. Empfehlungen anderer können nur einen groben Richtwert angeben. Und der ist im Falle Leica Ultravid gegen Zeiss FL wegen der tatsächlich nur minimalen Unterschiede nicht sehr aussagekräftig. Mit anderen Worten: 1. Wer das Leica Ultravid kauft, kann damit glücklich werden, weil er damit ein exzellentes Fernglas besitzt, das wirklich fast perfekte Beobachtung ermöglicht. 2. Wer das Zeiss FL kauft, kann damit ebenfalls glücklich werden, weil … (weiter wie oben). 3. Wer das Nikon HG kauft, kann auch damit glücklich werden, weil … (dito).

Wer aber eines dieser drei Modelle kauft und, statt damit schöne Beobachtungen anzustellen, fortlaufend in Selbstzweifeln herauszufinden versucht, ob er (oder sie) nicht doch das nur zweit- oder drittbeste Fernglas gekauft hat, ist selber schuld, wenn er (oder sie) darüber unglücklich wird.

Das war leider keine ganz eindeutige Stellungsnahme, wie vielleicht erwartet, aber ein guter Rat.

Zum Schluß noch kurz zu der nicht direkt an mich gerichteten Frage, was denn die Formeln und die sich daraus ergebenden Dezimalzahlen bedeuten: Es handelt sich bei den mit „mag” bezeichneten Zahlen um die scheinbare Helligkeit (Fachausdruck „Magnitude”) der gerade noch mit bloßem Auge (in der Formel „mag.auge” genannt) bzw. durchs Fernglas erkennbaren schwächsten Sterne. Wenn man also bei einem bestimmten dunklen oder auch lichtverschmutzten Himmel Sterne bis zu einer gewissen Magnitude mit bloßem Auge erkennt, dann erkennt man gemäß der angegebenen Näherungsformel mit einem 32er-Fernglas unter identischen Sichtbedingungen Sterne mit einer um 3,3 größeren Magnitude und mit einem 42er-Fernglas mit einer um 3,9 größeren Magnitude. Die Formel ist aber nur eine Näherungsformel, weil z.B. die Transmission des Fernglases, seine Abbildungsschärfe und auch die Vergrößerung darin unberücksichtigt bleiben (bei stärkerer Vergrößerung wird den Himmelshintergrund dunkler, so daß auch noch etwas schwächere Sterne erkennbar werden). Sie ist aber zumindest zur groben Abschätzung bzw. beim Vergleich von Ferngläsern gleicher Vergrößerung und ähnlicher Transission und Abbildungsgüte durchaus brauchbar. Allerdings sollte der Formelteil „2,5 · log ((D/d)ˆ2)” vereinfacht werden zu „5 · log (D/d)”, also durch Herausnehmen der Hochzahl 2 als Faktor vor den Logarithmus.

Zu ergänzen ist für Nicht-Hobbyastronomen noch, daß eine größere Magnitude nicht größere, sondern geringere Helligkeit bedeutet. Das beruht auf einer etwas unglücklich gewählten historischen Definition der Magnitude, die später trotzdem beibehalten wurde: Die Helligkeit des Sterns Wega im Sternbild Leier wurde als Magnitude 0 definiert, und dann hat man eine mathematische Formel zur weiteren Berechnung aufgestellt, die ein Strahlungsleistungsverhältnis von 1:100 in 5 Stufen einer geometrischen Folge teilt und in etwa den Größenklassen der „alten Griechen” entsprach, welche für die mit bloßem Auge bei sehr dunklem Himmel sichtbaren Sterne 6 Größenklassen umfaßte. Man muß es halt nur wissen, daß eine größere Magnitude geringerer und nicht größerer Helligkeit entspricht, dann spielt es keine Rolle, daß die Festlegung ehemals hinsichtlich des Vorzeichens unglücklich war.

Walter E. Schön
 
Hallo Andreas,

die von Peter verwendete Formel sagt nichts anderes aus, als dass Du mit dem licht- und vergrösserungsstärkerem 10x42 Sterne von etwa einer halben Grössenklasse mehr siehst als mit einem 8x32.

Ich habe mich damals für das 10x42 FL von Zeiss entschieden. Es ist das beste Fernglas, das ich je besessen habe, seitdem ich mein Hobby vor 18 Jahren begonnen habe. Ich muss allerdings auch sagen, dass ich in den 18 Jahren mit zwei Ferngläsern bisher ausgekommen bin und deshalb nicht allzu grosse Vergleichserfahrung habe.

Von meinen Instrumenten benutze ich das Zeiss insgesamt am häufigsten, noch häufiger als mein Teleskop. Es ist für meine Zwecke handlich genug, um auch auf längeren Fussstrecken dabeizusein.

Besonders die terrestische Stärke des Glases in der Dämmerung beeindruckt mich immer wieder, insbesondere wenn ich den Gamsblick in den frühen Morgenstunden oder zur Dämmerung am Abend schweifen lassen kann.

Wenig Technik und viel Emotion von mir also, aber meine Vorredner haben ja schon angedeutet, dass am Ende wahrscheinlich Dein Gefühl den Aussschlag geben wird.

Grüsse,

Tom
 
Vielen Dank an alle, die mir hier mit ihrem Rat weitergeholfen haben. Besonders danke ich Walter E. Schön für die umfangreichen Erläuterungen.
Ihr habt mir einige Aspekte aufgezeigt, die mir bei der Kaufentscheidung weiterhelfen. Ich denke, ich lasse das Ganze erst noch einige Tage reifen, bis ich mich entscheide.
Wegen der Höhe der Investition wäre mir eigentlich ein direkter Vergleich lieber als blind zu bestellen, aber wie ihr schon festgestellt habt, kann man in dieser Preisklasse bei der Optik wohl keine entscheidenden Fehler mehr machen.

MfG Andreas Zimmer
 
Hast Du schon mal durch ein Canon 10x30 IS geschaut? Ist meiner Meinung nach bei Vögeln eindeutig das Beste
(durch den Stabi kannst Du die feinen Details viel besser sehen als in einem unstabilisierten Glas) - außer Du beobachtest
viel bei Regen und Mistwetter.

Nachteile: nicht wasserdicht, ziemlich klobig für ein 10x30, schlechte Augenmuscheln, keine Objektivdeckel, nur 2 Jahre Garantie
Vorteile: schau mal durch!!!

Gruß

PS: an Walter Schön: den Vergleich hast Du SUPER geschrieben! So geht das halt bloß, wenn man selbst die Erfahrung gemacht hat.
 
Hallo!
Ich wollte Euch kurz berichten, wie ich mich zuletzt entschieden habe. Es ist ein 10x42 FL geworden.
Frank Schäfer hat mich wegen des Objektivdurchmessers nochmal zum Nachdenken gebracht, und das war gut so. Vielen Dank, Frank.
Ich habe mich doch noch zu einer Fahrt zu einem größeren Händler aufgerappelt, der mir Vergleichsmöglichkeiten bot.
Leider war das Wetter an dem Tag spitzenmäßig, etwas schlechtere Bedingungen wären mir für den Vergleich lieber gewesen.
Ich habe dann knapp zwei Stunden lang jeweils ein 10 x 32 Ultravid, Victory FL und die entsprechenden 42er Modelle draußen vor der Tür miteinander verglichen. Die beiden FL-Gläser waren dabei jeweils einen Tick heller als die Leicas. Diese zeigten eine ganz leicht gelbliche Einfärbung, das 42er etwas mehr als das 32er.
Die Mittenschärfe war bei allen 4 Gläsern excellent. Auch die Randschärfe war sehr gut bei allen Testkandidaten, bei den Leicas noch etwas besser als bei den Victorys. Vor allem beim 32er Fl hatte ich am äußersten linken Rand den Eindruch, das eine leicht kissenförmige Verzeichnung zu erkennen sei. Kann aber auch an mir gelegen haben, man muß dafür schon die Augen extrem zur Seite verdrehen und wer tut dies schon bei normalem Benutzen.
Der Farbeindruck war leicht warm bei den Leicas, eventuell wegen des leichten Gelbstichs. Ich könnte mir denken, daß das im Sommer bei starkem UV-Licht den blauen Dunst besser herausfiltert , ähnlich einem Sky-Light-Filter in der Fotografie und das das Glas gegenüber Sonnenreflexen etwas unempfindlicher ist als die FL´s. Das sind aber nur Vermutungen meinerseits.
Die FL´s wirken auf mich etwas farbneutraler aber auch etwas kühler. Das Einblickverhalten wirkt auf mich bei den Fl´s wie bei den Ultras´s hervorragend.
Die Leicas wirken vom Augenschein etwas robuster als die Zeiss, aber das kann täuschen. Das 42er Leica ist etwas kompakter als das Zeiss, bei den 32ern ist da kaum ein Unterschied.
Beim Blick in schattige Ecken wirkt das 42er FL einen Hauch heller als das 32er, ansonsten konnte ich bei Tageslicht keinen Helligkeitsunterschied erkennen, weder bei Leica, noch bei Zeiss.
Beide Firmen liegen optisch sehr nahe zusammen.
Später konnte ich mir bei einem anderen Händler zwei Gläser für zwei Tage ausleihen. Leider war dieser Vergleich etwas unfair, weil nur ein 8 x 42 FL und ein 10 x 42 Ultravid zur Verfügung standen. Nach meinem subjektiven Empfinden war das 8er FL aber dem 10er FL in den optischen Eigenschaften sehr ähnlich.
Diese Gläser konnte ich auch in der freien Natur testen. Hier hatte ich den Eindruck, daß das Zeiss die Farben etwas natürlicher wiedergibt als das Leica, zumindest in dieser Jahreszeit. Im Sommer kann das eventuell aber anders herum sein, ich würde dann einen solchen Test gerne wiederholen.
Ein Vogel, vermutlich eine Rohrdommel, der zwischen den Zweigen herumhopste, zeigte mit Schnee im Hintergrund beim Leica einen deutlichen Farbsaum zwischen seinem Bauch und dem Schnee (blau-grünlich zum Bauch hin auch leicht rötlich-violett). Beim Zeiss war nur ein sehr schwacher bläulicher Saum vorhanden.
Beide Gläser fassen sich gut an, die Ergonomie ist beim Leica ein Hauch besser als beim Zeiss, aber nicht ausschlaggebend.
Die Entscheidung zwischen den beiden Firmen war nicht leicht, aber am Ende war der Eindruck der etwas natürlicheren Farben und vor allem der Farbsaum für mich entscheidend.
Für ein 42er habe ich mich entschieden, weil ich doch das Gefühl hatte, im Schatten und in der Dämmerung etwas mehr zu erkennen und etwas länger schauen zu können. Der Unterschied betrug vielleicht knapp 10 Minuten, ansonsten ist man mit einem 32er gleich welcher Firma, gleich gut bedient.
Wie gesagt, in der freien Natur war der Vergleich wegen der unterschiedlichen Vergrößerung etwas unfair. In der Dämmerung war hier das Zeiss natürlich auch wegen der größeren AP überlegen, so daß hier kein wirklicher Vergleich möglich war.
Ich bin mit meinem Victory FL sehr zufrieden, aber mit einem entsprechenden Ultravid kann man es ebenso sein und die Unterschiede sind hauchdünn. Es kommt hier wirklich darauf an, welche optischen und mechanischen Eigenschaften man bevorzugt, beide Gläser haben ihre Stärken und Schwächen und wenn der Geldbeutel es erlauben würde, könnte ich mir vorstellen auch ein Leica zusätzlich zu erwerben, aber da wäre dann noch die Sache mit dem Hausfrieden...

Gruß

Andreas
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Nur ein kleiner Tipp, den Herr Schön vor einiger Zeit gegeben hat: Der Farbsaum könnte dadurch entstanden sein, dass Sie Ihre Pupillen nicht exakt durch die optische Achsen der beiden Tuben übereingebracht haben. Dazu muss als Erstes der Augenabstand exakt eingestellt sein, und zum anderen müssen Sie darauf achen, dass die beiden Achsen auch in vertikaler Hinsicht genau mit Ihren Pupillen fluchten.
 
Hallo Andreas,

bezüglich der kissenförmigen Verzeichnung kann ich Dich beruhigen. Diese ist nämlich bei vielen Ferngläsern sogar gewollt und kommt beim Berechnen des Okulars sozusagen kostenlos zu Stande, d.h. ohne dass man dafür etwas tun muss.

"Gewollt" deshalb, weil es Untersuchungen mit verzeichnungsfrei korrigierten Okularen gab, die beim Schwenken des Fernglases einen unangenehmen Eindruck wie ein sich drehender Globus ergaben und nicht den Eindruck eines ebenen Bildes. Dabei hatte man erkannt, dass etwas Verzeichnung dem Bildeindruck beim Schwenken gut tut. Seitdem haben viele Ferngläser absichtlich kissenförmige Verzeichnung in bestimmtem Maße.

So wird einem beim Schwenken des Fernglases wenigstens nicht schlecht...

Nachzulesen im Standardwerk für Ferngläser: König-Köhler, "Die Fernrohre und Entfernungsmesser", 3. Auflage 1959, Springer-Verlag (leider nur noch antiquarisch).

Ansonsten denke ich, dass Du mit dem Victory 10x42 FL eine gute Wahl getroffen hast! Durch die fluoridhaltigen Glassorten im Objektiv sind die Farbsäume deutlich herabgesetzt.

Viele Grüße,
Infinity

 
Na dann, viel Spaß!

Hallo Andreas,

Glückwunsch zu dem schönen Fernglas! Ich kann mir gut vorstellen, daß die Entscheidung nicht leicht war. Die Unterschiede zwischen den Zeiss und Leica Gläsern sind nicht so groß, daß man spontan eins auswählen könnte. Beim Zeiss 10x32 hatte ich auch das Gefühl, daß es einen Tick heller ist. Dafür erschien mir beim Leica Ultravid der Kontrast einen Tick satter. Aber hier kann man sich kräftig vertun. Die individuelle Wahrnehmung von Helligkeit, Kontrast und Farbwiedergabe variiert zwischen verschiedenen Exemplaren der Gattung Mensch wahrscheinlich in größerem Maß wie die genannten Eigenschaften zwischen einem Leica und einem Zeiss Glas. Deutlicher ist da schon der Vorsprung von Zeiss bei der Reduzierung der Farbfehler. Bei den 32-er Gläsern fällt es noch nicht so sehr ins Gewicht, bei den 42-er Modellen fand ich den Unterschied schon auffälliger. Mal schauen, ob auch noch 56-er Ferngläser mit einem FL im Namen folgen. Jetzt wo es das Zeiss ClassiC 15x60 nicht mehr gibt, wäre die Zeit für ein Victory FL 15x56 eigentlich reif <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />. Huhu, liest hier einer von Zeiss mit? Interesse habe ich, nur Geld habe ich keins <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Aber man kann ja sparen ...

Am 16.1 hast Du geschrieben:

> aber in meiner näheren Umgebung finde ich keinen Händler, der beide Firmen gleichzeitig auf Lager hat, geschweige denn alle vier in Frage kommenden Modelle.

Heute schreibst Du:

> Ich habe dann knapp zwei Stunden lang jeweils ein 10 x 32 Ultravid, Victory FL und die entsprechenden 42er Modelle draußen vor der Tür miteinander verglichen.

Darf man fragen, welchem Händler es so gut geht, daß er so viele Gläser auf Lager hat? So einen muß man erstmal finden.

Nun würde mich noch interessieren, wie das 10x42 FL am Sternhimmel abschneidet. Wenn Du die ersten Nächte hinter Dir hast, kannst Du doch mal hier im Forum Deine Eindrücke schildern. Astronomische Erfahrungsberichte zu den Zeiss FL und Ultravid Gläsern scheinen derzeit noch Mangelware zu sein.

Viel Freude am neuen Fernglas wünscht, Frank.
 
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