Christian_P
Aktives Mitglied
12 Doppelsterne im Herkules, ein Beobachtungsbericht
Ausrüstung
Teleskop: TAL100RS auf Losmandy GM8 mit DSC
Okulare: 25mm TAL Plössl; 12,5mm Vixen Ortho; 7mm Genuine Ortho
Ort: Berliner Südbalkon
Zeit: 20/21.07.2013 23 bis 02Uhr.
Seeing: 4/10; Transparenz: 5/10
Nach dem ich das Teleskop mit all seinen Kabeln aufgebaut hatte überlegte ich, was ich eigentlich beobachten möchte. Saturn war schon nicht mehr zu sehen und der fast Vollmond (Phase 0.95) schlich sich langsam über die Häuserdächer. Also spontan erst mal auf den Mond gehalten. 25mm Plössl gibt 40x… aua, das ist zu hell… auf dem rechten Auge wird alles dunkel wenn ich in der Gegend umher guck… da muss ein Graufilter rein. Dann hab ich das schöne Mondbild bestaunt und bin hier und da ziellos über die Mondoberfläche gewandert. Schön! Das Seeing war echt schlecht, das konnte man hier deutlich erkennen. Und nun? Das Auge war ja nun verblitzt also erst mal warten und überlegen. Da dachte ich: Ach guckste doch einfach Doppelsterne. Das ist nett und einfach und bei dem Seeing auch noch halbwegs machbar, solange die Kandidaten nicht zu eng beieinander stehen.
Da ich gar nichts vorbereitet hatte nutze ich einfach die Datenbank der DSC. Ein Einsternalignment hatte ich schon an Arcturus (BOO) 0.0mag gemacht. Da die Montierung gut eingescheinert ist, geht das so problemlos. Das Stativ steht ja immer an der gleichen Stelle, also kann man davon ausgehen, dass eingestellte Objekte auch in der Bildmitte aufzufinden sind.
Liste der beobachteten Doppelsterne im Herkules mit den Daten aus DSC:
KAPPA (5/ 6/ 28“) also erst die Größenklassen und dann der Abstand
Struve 2063 (5.5/ 8/ 16“)
42 (4/ 10/ 26“) die Antwort auf alles
56 (5.5/ 10/ 18“)
Struve 2120 (6.5/ 9/ 17“)
ALPHA (3/ 5.5/ 5“)
DELTA (3/ 8.5/ 9“)
RHO (4.5/ 5.5/ 4“)
MU (3.5/ 9.5/ 34“)
90 (5/ 8/ 2“)!*
95 (5/ 5/ 6“)
100 (6/ 6/ 14“)
Nun aber los und mal gucken wie sich das alles darstellte:
Fangen wir mit KAPPA (5/ 6/ 28“) an. Hier haben wir einen gelblichen Hauptstern (HS) und einen weißlich erscheinenden Begleiter. Beide Komponenten sind hell und somit kann man die Farben gut erkennen. Ich habe festgestellt, dass man Sternfarben so bis zu einer Größenklasse von 6 bis 7 noch erkennen kann. Das gilt aber natürlich nur für meine Bedingungen. Meine Augen sind in der Stadt ja nie völlig dunkeladaptiert und es stören hier und da Lichter. Auch ist der Himmelshintergrund ja immer etwas aufgehellt.
Der nächste Kandidat Struve 2063 (5.5/ 8/ 16“) ist schon ein typisches Beispiel für einen Doppelstern mit hellem HS und schwachem Begleiter. Hier reichte 40x aus um das Paar locker zu erkennen. Der HS ist hier eher weiß. Generell versuche ich schon möglichst viel mit möglichst geringer Vergrößerung zu sehen. Erstaunlicherweise gelingt das mit dem 25mm Plössl sehr gut.
42 (4/ 10/ 26“) war wieder schön im 25mm Oku zu erkennen. Der Begleiter 10ter Größe war wirklich nur ganz schwach und nadelfein neben dem hellen orange/gelblichen HS zu sehen. Mir gefällt diese Kombination sehr gut.
56 (5.5/ 10/ 18“) ist 42 ähnlich nur das hier die Komponenten enger stehen. Es ist wieder ein orange/gelblicher HS mit schwachem, punktförmigen Begleiter daneben stehend. Das alles ist im 25mm Okular wirklich sehr fein aber klein zu sehen.
Struve 2120 (6.5/ 9/ 17“) war dann wieder gut erkennbar und eigentlich nichts Neues. Gelblich erscheinender HS.
Nun kam ich zum hellsten Stern im Herkules. ALPHA (3/ 5.5/ 5“) hat einen orange ja fast schon rötlichen HS mit einem ich würde sagen grünlich/blauen Begleiter dicht bei. Der Schwierigkeitsindex (DI aus dem Programm LADIC) ist hier nur ca. DI = 72. Es handelt dich also um einen leicht trennbaren Stern für mein Teleskop. Dazu gleich noch mehr.
Ein sehr schönes Paar ist auch DELTA (3/ 8.5/ 9“), hier steht der Begleiter schon recht dicht am gelblich/weißen HS, sodass es für 40fach (25mm Oku) schon etwas herausfordernd ist, beide Komponenten richtig zu erfassen, aber es geht. Im 12,5mm Ortho war das natürlich eindeutig.
Weiter ging es mit RHO (4.5/ 5.5/ 4“). Hier hat man ein Paar mit geringem Helligkeitsunterschied der Komponenten aber dennoch schon mit weniger Abstand. Dieses Paar kann man aber mit 40x ebenfalls auflösen! Man sieht hier, dass die Differenz in den Helligkeiten und der Abstand zusammenspielen und so sich auf die Trennbarkeit auswirken. Bei einem extremeren Beispiel wird das gleich noch mal deutlicher.
MU (3.5/ 9.5/ 34“) war natürlich keine Herausforderung, außer das der Begleiter recht schwach ist. Der HS ist hier orange/gelb.
Bei 90 (5/ 8/ 2“)!* war keine Trennung möglich. Der DI ist hier fast 97! Das ist ein wirklich schweres Paar. Da war hier auch mit dem 7mm + Barlow nichts zu machen. IZAR (2.5/ 5/ 3“) im Boo ist ein ähnlicher aber leichterer Kandidat mit einem DI von ca. 89. Also schätze ich meine Schwelle bei knapp über 90 ein. Bei weiteren Beobachtungen kann ich das dann noch weiter eingrenzen.
Zu Abschluss noch mal zwei schöne Paare 95 (5/ 5/ 6“) und 100 (6/ 6/ 14“). 95 ist auch bei 40x schon trennbar, dann aber bei 80x deutlich. Hier stehen zwei gleich helle gelblich/orange Sterne beieinander. 100 hat zwei gelblich/weiße Komponenten, die man schon bei 40x locker und schön anschauen kann. Dieser Doppelstern bot damit einen schönen Abschluss der Session und zufrieden konnte ich abbauen.
Noch was zu den Okularen und der Sternabbildung: Im 25mm Plössl erscheinen helle Sterne größer mit eher undefiniertem Rand. So kleine Spikes sind zu sehen. Das ganze ist aber nicht schlimm sondern nur ganz fein zu erkennen. Das wird dann immer weniger, bis hin zu ganz schwachen Sternen so 8 bis 10mag, die nur noch fast nadelfein abgebildet werden. Bei höherer Vergrößerung (80x) sieht man dann schon eher die Beugungseffekte und man hat den Nadelfeineindruck nur noch bei schwächeren Sternen. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ganz Sternförmig also punktförmig ist die Abbildung bei mir bei 40x nicht, aber es ist schon fast Ideal.
Langsam sehe ich alles doppelt :/ also tschüss.
Gruß,
Christian
Ausrüstung
Teleskop: TAL100RS auf Losmandy GM8 mit DSC
Okulare: 25mm TAL Plössl; 12,5mm Vixen Ortho; 7mm Genuine Ortho
Ort: Berliner Südbalkon
Zeit: 20/21.07.2013 23 bis 02Uhr.
Seeing: 4/10; Transparenz: 5/10
Nach dem ich das Teleskop mit all seinen Kabeln aufgebaut hatte überlegte ich, was ich eigentlich beobachten möchte. Saturn war schon nicht mehr zu sehen und der fast Vollmond (Phase 0.95) schlich sich langsam über die Häuserdächer. Also spontan erst mal auf den Mond gehalten. 25mm Plössl gibt 40x… aua, das ist zu hell… auf dem rechten Auge wird alles dunkel wenn ich in der Gegend umher guck… da muss ein Graufilter rein. Dann hab ich das schöne Mondbild bestaunt und bin hier und da ziellos über die Mondoberfläche gewandert. Schön! Das Seeing war echt schlecht, das konnte man hier deutlich erkennen. Und nun? Das Auge war ja nun verblitzt also erst mal warten und überlegen. Da dachte ich: Ach guckste doch einfach Doppelsterne. Das ist nett und einfach und bei dem Seeing auch noch halbwegs machbar, solange die Kandidaten nicht zu eng beieinander stehen.
Da ich gar nichts vorbereitet hatte nutze ich einfach die Datenbank der DSC. Ein Einsternalignment hatte ich schon an Arcturus (BOO) 0.0mag gemacht. Da die Montierung gut eingescheinert ist, geht das so problemlos. Das Stativ steht ja immer an der gleichen Stelle, also kann man davon ausgehen, dass eingestellte Objekte auch in der Bildmitte aufzufinden sind.
Liste der beobachteten Doppelsterne im Herkules mit den Daten aus DSC:
KAPPA (5/ 6/ 28“) also erst die Größenklassen und dann der Abstand
Struve 2063 (5.5/ 8/ 16“)
42 (4/ 10/ 26“) die Antwort auf alles
56 (5.5/ 10/ 18“)
Struve 2120 (6.5/ 9/ 17“)
ALPHA (3/ 5.5/ 5“)
DELTA (3/ 8.5/ 9“)
RHO (4.5/ 5.5/ 4“)
MU (3.5/ 9.5/ 34“)
90 (5/ 8/ 2“)!*
95 (5/ 5/ 6“)
100 (6/ 6/ 14“)
Nun aber los und mal gucken wie sich das alles darstellte:
Fangen wir mit KAPPA (5/ 6/ 28“) an. Hier haben wir einen gelblichen Hauptstern (HS) und einen weißlich erscheinenden Begleiter. Beide Komponenten sind hell und somit kann man die Farben gut erkennen. Ich habe festgestellt, dass man Sternfarben so bis zu einer Größenklasse von 6 bis 7 noch erkennen kann. Das gilt aber natürlich nur für meine Bedingungen. Meine Augen sind in der Stadt ja nie völlig dunkeladaptiert und es stören hier und da Lichter. Auch ist der Himmelshintergrund ja immer etwas aufgehellt.
Der nächste Kandidat Struve 2063 (5.5/ 8/ 16“) ist schon ein typisches Beispiel für einen Doppelstern mit hellem HS und schwachem Begleiter. Hier reichte 40x aus um das Paar locker zu erkennen. Der HS ist hier eher weiß. Generell versuche ich schon möglichst viel mit möglichst geringer Vergrößerung zu sehen. Erstaunlicherweise gelingt das mit dem 25mm Plössl sehr gut.
42 (4/ 10/ 26“) war wieder schön im 25mm Oku zu erkennen. Der Begleiter 10ter Größe war wirklich nur ganz schwach und nadelfein neben dem hellen orange/gelblichen HS zu sehen. Mir gefällt diese Kombination sehr gut.
56 (5.5/ 10/ 18“) ist 42 ähnlich nur das hier die Komponenten enger stehen. Es ist wieder ein orange/gelblicher HS mit schwachem, punktförmigen Begleiter daneben stehend. Das alles ist im 25mm Okular wirklich sehr fein aber klein zu sehen.
Struve 2120 (6.5/ 9/ 17“) war dann wieder gut erkennbar und eigentlich nichts Neues. Gelblich erscheinender HS.
Nun kam ich zum hellsten Stern im Herkules. ALPHA (3/ 5.5/ 5“) hat einen orange ja fast schon rötlichen HS mit einem ich würde sagen grünlich/blauen Begleiter dicht bei. Der Schwierigkeitsindex (DI aus dem Programm LADIC) ist hier nur ca. DI = 72. Es handelt dich also um einen leicht trennbaren Stern für mein Teleskop. Dazu gleich noch mehr.
Ein sehr schönes Paar ist auch DELTA (3/ 8.5/ 9“), hier steht der Begleiter schon recht dicht am gelblich/weißen HS, sodass es für 40fach (25mm Oku) schon etwas herausfordernd ist, beide Komponenten richtig zu erfassen, aber es geht. Im 12,5mm Ortho war das natürlich eindeutig.
Weiter ging es mit RHO (4.5/ 5.5/ 4“). Hier hat man ein Paar mit geringem Helligkeitsunterschied der Komponenten aber dennoch schon mit weniger Abstand. Dieses Paar kann man aber mit 40x ebenfalls auflösen! Man sieht hier, dass die Differenz in den Helligkeiten und der Abstand zusammenspielen und so sich auf die Trennbarkeit auswirken. Bei einem extremeren Beispiel wird das gleich noch mal deutlicher.
MU (3.5/ 9.5/ 34“) war natürlich keine Herausforderung, außer das der Begleiter recht schwach ist. Der HS ist hier orange/gelb.
Bei 90 (5/ 8/ 2“)!* war keine Trennung möglich. Der DI ist hier fast 97! Das ist ein wirklich schweres Paar. Da war hier auch mit dem 7mm + Barlow nichts zu machen. IZAR (2.5/ 5/ 3“) im Boo ist ein ähnlicher aber leichterer Kandidat mit einem DI von ca. 89. Also schätze ich meine Schwelle bei knapp über 90 ein. Bei weiteren Beobachtungen kann ich das dann noch weiter eingrenzen.
Zu Abschluss noch mal zwei schöne Paare 95 (5/ 5/ 6“) und 100 (6/ 6/ 14“). 95 ist auch bei 40x schon trennbar, dann aber bei 80x deutlich. Hier stehen zwei gleich helle gelblich/orange Sterne beieinander. 100 hat zwei gelblich/weiße Komponenten, die man schon bei 40x locker und schön anschauen kann. Dieser Doppelstern bot damit einen schönen Abschluss der Session und zufrieden konnte ich abbauen.
Noch was zu den Okularen und der Sternabbildung: Im 25mm Plössl erscheinen helle Sterne größer mit eher undefiniertem Rand. So kleine Spikes sind zu sehen. Das ganze ist aber nicht schlimm sondern nur ganz fein zu erkennen. Das wird dann immer weniger, bis hin zu ganz schwachen Sternen so 8 bis 10mag, die nur noch fast nadelfein abgebildet werden. Bei höherer Vergrößerung (80x) sieht man dann schon eher die Beugungseffekte und man hat den Nadelfeineindruck nur noch bei schwächeren Sternen. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ganz Sternförmig also punktförmig ist die Abbildung bei mir bei 40x nicht, aber es ist schon fast Ideal.
Langsam sehe ich alles doppelt :/ also tschüss.
Gruß,
Christian