KlausZott
Aktives Mitglied
Liebe Deep Sky Freunde,
zur Traumnacht letzten Samstag (siehe Bericht unten "Bärentatzen") möchte ich noch eine detailliertere Einzelbeobachtung zur "Frühlingsnadel" 4565 nachreichen.
Gerät: 6"/f5 Bino mit 8mm Radian (95-fach)
Nach meiner Glx-Runde in UMa nahm ich mir für dieses Sahnestück etwas mehr Zeit, um eine Zeichenskizze anzufertigen. Dabei konnte ich recht anschaulich die schrittweise Entstehung einer Beobachtung bzw eines Bildes nachvollziehen:
1.Schritt: Objekt ziemlich schnell gefunden (war nicht zum ersten Mal dort zu Besuch), ja da ist sie! Beim ersten direkten Anschauen natürlich der helle, leicht verdickte Zentralteil (Bulge) mit auslaufenden Fortsätzen.
2.Schritt: Indirekter Blick, wechselnd rechts und links, Bulge heller, etwas dicker werdend und vor allem die Fortsätze weit (mehr als doppelt) in den Raum ausgreifend, in feinen Spitzen endend, so kennt man die Nadel.
3.Schritt: Zentrales Staubband, wieder abgewandte Blickweise rund um den Bulge, einige Versuche, tatsächlich ein schwacher, unruhig wirkender dunklerer Streifen erscheint innerhalb der zentralen Aufhellung. Einbildung? Ich weiß ja, dass dort das Dunkelband sitzen muss. Nein, wohl nicht, der Streifen lässt sich wiederholt bei indirekter Sichtweise reproduzieren, bei direktem Anschauen verschwindet er sofort.
4.Schritt: Assymmetrische Halbierung des Kerns, einige indirekte Versuche lassen die ungleichen Hälften eher nur erahnen, bin immer wieder geneigt direkt hinzuschauen, damit verschwindet aber das Staubband, Sichtung also fraglich.
Diese Erfahrungen bei grenzwertigen Beobachtungen habe ich schon oft gemacht (z.B. Staubband in 891 oder Spiralarme in M 51). Wenn Auflösung und/oder Lichtstärke des Geräts nicht mehr ausreichen, bringt zwar die indirekte Blickweise einen erheblichen Wahrnehmungsgewinn, doch die entsprechenden Details wirken mangels Schärfe beim indirekten Sehen oft etwas unruhig oder verschwommen. Vorwissen oder Erwartungen ergänzen dann manchmal unbewusst Strukturen, die tatsächlich gar nicht gesehen werden. Am stärksten ist diese Tendenz bei Spiralarmen. Binokulares Sehen hat jedoch auch hier große Vorzüge, das Bild wirkt auch bei abgewandter Blickweise insgesamt ruhiger, vielleicht einfach, weil das Beobachten mit beiden Augen entspannender ist.
Aus meiner schrittweisen Betrachtung von 4565 ist am Ende ähnlich wie in der digitalen Fotografie ein Summenbild entstanden, das ich noch nachträglich in Paint Shop verfeinert und geglättet habe.
Link zur Grafik: [url=http://www.img4host.de][img]http://www.img4host.de/upload/com45658HUSN.jpg[/url][/img]
Erfolg- und genussreiches Beobachten
wünscht Klaus
zur Traumnacht letzten Samstag (siehe Bericht unten "Bärentatzen") möchte ich noch eine detailliertere Einzelbeobachtung zur "Frühlingsnadel" 4565 nachreichen.
Gerät: 6"/f5 Bino mit 8mm Radian (95-fach)
Nach meiner Glx-Runde in UMa nahm ich mir für dieses Sahnestück etwas mehr Zeit, um eine Zeichenskizze anzufertigen. Dabei konnte ich recht anschaulich die schrittweise Entstehung einer Beobachtung bzw eines Bildes nachvollziehen:
1.Schritt: Objekt ziemlich schnell gefunden (war nicht zum ersten Mal dort zu Besuch), ja da ist sie! Beim ersten direkten Anschauen natürlich der helle, leicht verdickte Zentralteil (Bulge) mit auslaufenden Fortsätzen.
2.Schritt: Indirekter Blick, wechselnd rechts und links, Bulge heller, etwas dicker werdend und vor allem die Fortsätze weit (mehr als doppelt) in den Raum ausgreifend, in feinen Spitzen endend, so kennt man die Nadel.
3.Schritt: Zentrales Staubband, wieder abgewandte Blickweise rund um den Bulge, einige Versuche, tatsächlich ein schwacher, unruhig wirkender dunklerer Streifen erscheint innerhalb der zentralen Aufhellung. Einbildung? Ich weiß ja, dass dort das Dunkelband sitzen muss. Nein, wohl nicht, der Streifen lässt sich wiederholt bei indirekter Sichtweise reproduzieren, bei direktem Anschauen verschwindet er sofort.
4.Schritt: Assymmetrische Halbierung des Kerns, einige indirekte Versuche lassen die ungleichen Hälften eher nur erahnen, bin immer wieder geneigt direkt hinzuschauen, damit verschwindet aber das Staubband, Sichtung also fraglich.
Diese Erfahrungen bei grenzwertigen Beobachtungen habe ich schon oft gemacht (z.B. Staubband in 891 oder Spiralarme in M 51). Wenn Auflösung und/oder Lichtstärke des Geräts nicht mehr ausreichen, bringt zwar die indirekte Blickweise einen erheblichen Wahrnehmungsgewinn, doch die entsprechenden Details wirken mangels Schärfe beim indirekten Sehen oft etwas unruhig oder verschwommen. Vorwissen oder Erwartungen ergänzen dann manchmal unbewusst Strukturen, die tatsächlich gar nicht gesehen werden. Am stärksten ist diese Tendenz bei Spiralarmen. Binokulares Sehen hat jedoch auch hier große Vorzüge, das Bild wirkt auch bei abgewandter Blickweise insgesamt ruhiger, vielleicht einfach, weil das Beobachten mit beiden Augen entspannender ist.
Aus meiner schrittweisen Betrachtung von 4565 ist am Ende ähnlich wie in der digitalen Fotografie ein Summenbild entstanden, das ich noch nachträglich in Paint Shop verfeinert und geglättet habe.
Link zur Grafik: [url=http://www.img4host.de][img]http://www.img4host.de/upload/com45658HUSN.jpg[/url][/img]
Erfolg- und genussreiches Beobachten
wünscht Klaus