Hallo Peter,
es mutet schon etwas seltsam an, eine "Kurztipp-Sammlung" eines Händlers - im Sinne einer Einsteiger-Beratung verstanden - aus Sicht der Foren-User kritisch auseinandergesetzt bekommen zu wollen. (Beratung --> "Kunden-Konfiguration" bis -Lenkung?) Nun denn, so kurz ich kann:
Es gibt viele gutgemeinte Tipps im Internet zum Thema Teleskopkauf. Diese Tipps sind von "alten Hasen"
geschrieben und mit Fachjargon überhäuft. Deshalb möchte ich mich im folgenden in 5 kurzen Punkten ohne
Fachausdrücke dem Thema Einsteigerteleskop widmen.
Welche Tipps sind gutgemeint, welche wirkich gut? Was sind die Kriterien? Welche "alten Hasen" sollen das hier (hab schon bis zuende gelesen) bitte verfasst haben? Was soll diese Einleitung bewirken? Verwirrung? Wo ist das sachlich (ziel-)führende? Sind Einleitungen von "alten Hasen", die nicht gleichzeitig in den Fachjargon zur nötigen Tiefe einführen können, geeignet? Wer hat da wie recherchiert, ohne wenigstens Google und die Suchfunktion hier zu bemühen? Die Entscheidung des Verantwortlichen, nicht mein Ding... Ob das so ganz ohne Fachausdrücke was wird... ("Thema Werbung und Kurzversprechungen")
1. Öffnung
Der wichtigste Parameter überhaupt.
Oweh, verwickelte Details (AP, Flächenhelligkeit vs. Punktquellen, Lichtverschmutzung etc.) werden unzulässig (sinnentstellend) verkürzt. Überhaupt: warum kein Hinweis auf mögliche andere Prioritäten (z. B. Transportabilität). Im folgenden ist es für das Lichtsammeln (nur) primär die unobstruierte Apertur ("freie Öffnung"), nicht ein eventuell extra durch Blenden hingetunter Extra-Big-Tube bei "kleiner Scherbe". Abbildungsqualität ergibt sich im komplexen Beobachtungsgeschehen aus zahlreichen Parametern.
Im weiter folgenden zur Rechnung: Entweder richtige Zahlen und gleich vierfach schreiben oder mehr als vierfach bzw. weniger als. (76 ist ja nicht die Hälfte von 150)
Weiter ist der Vergleich bei gleichem Preisniveau sehr unglücklich formuliert bis sachlich total falsch. ("Niedrigstpreisige kleine Newtons schlagen gleichpreisige Linser, weil diese winzig sind; größere Newtons schlagen dann immer Linser durch ihre schiere Größe, egal wie teuer.")
Aus solchen Ansichten quasi den Schluß ziehen zu wollen, "SOMIT sei ein Reflektor einsteiger-geeigneter", würde mich eher davon abhalten. Zwar in der Sache akzeptabel, aber Argumentation schwach, Herleitung unvollständig, Ausdruck verbesserungsfähig. Was der Hinweis auf die professionellen Extremgeräte und deren Design hier verloren im Zusammenhang soll, verrät uns vielleicht der Urheber - ein stichhaltiges Pro-Argument hätte es wohl auch getan.
"Die Brennweite sei eher sekundär." Wo ist der Smilie, der mit seinem Kopf gegen die Wand donnert? Beim Refraktor ist sie bei Allroundern superwichtig, bei sehr günstigen Reflektoren mittlerweile ebenfalls. Wenn wir kurzbauende Systeme außer acht lassen, bedarf es bei längerer Brennweite einer deutlich tragfähigeren und kostspieligeren Montierung. Nur zum Beispiel. Auch Stativhöhe kann eine Rolle spielen.
Jetzt die Stelle, wo die "alten Hasen" allzu alt daherkommen, ihre aktive Zeit mag schon jenseits ihrer Erinnerung liegen: Lichtstärke und visuelle Beobachtung. Bitte dringend Suchfunktion benutzen, im Optik-Buch nachschauen, unbedingt verstehen versuchen. Ich erklär das nicht mehr en detail, schlicht AP=Okularbrennweite/Blende ("Blende" ist 1/Öffnungsverhältnis). Sehr kurze Newtons sind oft fotographisch (oder richtig groooß!)
4. Montierung
Eine stabile Montierung ist genauso wichtig wie eine gute Optik.
Nein, wieder falsch. Die Montierung ist wichtiger. Das ist sicher keine Einzelmeinung. (Wenn auch die tollste Optik wackelt, nervts.) Als Fachmann kennst Du die Fakten.
Zur Bewertung des Montierungstyps kann man stehen wie man will, man sollte nur 1. erwähnen, daß andere das anders sehen und erleben und 2. sauber argumentativ begründen (LEUTE!). Beim Dobsonieren, welches schnell intuitiv erlernt wird, solls also viel Übung und aufwendig ständig 2-achsig erfordern? Ich habe eher erlebt, daß ich um Planetenkulmi herum nur die Az-Drehung brauche und je besser das Teil tatsächlich gebaut ist (Rockerbox/Teflon/Reibungsunterschied) umso besser. Technisch nicht so begeisterungsfreudige Einsteiger - die hier ja richtig sind, wir brauchen ja auch keinen Fachjargon - müssen nur mal eben die parallaktische Montierung einschl. der notwendigen Himmelsmechanik kennenlernen, Polblockjustage, Schnell-Einnordung, Rekt/Dek-Einstellung aufs Objekt und SCHON ist die gaar nicht so technische Aufstellung und Einrichtung perfekt - untechnischer als beim Dobson auf jeden Fall, wenn ich der "Argumentation" des Textes folgen will.
Mit der (unbegründeten) Okularempfehlung und den Abschlußbemerkungen findet dieses "Gruselstück gutgemeinter Einführung" sein etwas in der Luft hängendes Ende; da haben ja schon die Kollegen treffendes zu kritisiert, allein den Mondfilter, den ich auch in meiner Kiste habe ("auch reingefallen"), den hab ich noch nie benutzt, entweder höher vergrößert oder Licht angemacht, oder abgeblendet, demnächst per Binoansatz... Ich persönlich würde den Mondfilter als das Verzichtbarste an Astroequipment für den Einsteiger bezeichnen.
Sorry, Peter, ich hoffe meine kritische Auseinandersetzung mit dem Text war nicht zu krass, ich wollte aber ehrlich und verständlich sein. Da ist wirklich noch viel Platz für Verbesserungen. Vielleicht helfen die geläufigen knappen Einführungen, sozusagen aus mehreren die eigene stricken?
Wünsche klare Himmel und Top-Bedingungen,
Matthias.