8x30 geignet?

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Estrella

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Hallo,

nachdem ich mir die ganzen Threads über die verschiedensten
Gläser angeguckt hab, habe ich bemerkt, dass das alte rus-
sische 8x30 FG meines Vaters zum spechteln wohl gar nicht
so schlecht geeignet ist. Bisher bin ich nur abgeschreckt
gewesen, weil ich gehört hab, ein 8x30 Glas sei nur was für
Tagbeobachtungen; was haltet ihr davon?
Ich habe keine Vergleichsmöglichkeiten, aber es erscheint mir gut geeignet, zumindest bemerke ich keine Randunschär-
fe, Reflexe oder Farbsäume (am Tag). Wie groß das Sehfeld ist, weiß ich nicht. Weiß jemand wie man das bestimmen kann?

mfg Estrella
 
Hallo Estrella,

Bisher bin ich nur abgeschreckt
gewesen, weil ich gehört hab, ein 8x30 Glas sei nur was für
Tagbeobachtungen
Wer erzählt denn einen solchen Unsinn? Natürlich ist auch ein 8x30 Glas für nächtliche Beobachtung geeignet. Wer ein solches Glas schon besitzt, sollte es unbedingt auch benutzen, denn es zeigt schon erheblich mehr, als mit bloßem Auge sichtbar ist. Schließlich ist seine Eintrittspupille schon ca. 16x so groß (auf die Fläche bezogen) wie die des menschlichen Auges. Wenn man ausgehend vom 8x30 Glas nochmal einen ebenso großen Schritt in der lichtsammelnden Fläche machen möchte, ist man immerhin schon bei 10"! Wenn die Qualität des Glases gut ist, kann man damit schon einiges entdecken.
Was anderes ist es, wenn jemand nach einem geeigneten Glas im Falle einer Neuanschaffung fragt, da hätte ich eher zum 10x50 geraten. Aber wie gesagt, wenn Du ein 8x30 Glas schon zur Verfügung hast, unbedingt benutzen!

Wie groß das Sehfeld ist, weiß ich nicht. Weiß jemand wie man das bestimmen kann?
Manchmal gibt es auf dem Glas Angaben zum Sehfeld entweder direkt in Grad oder in der Art 120/1000m, d.h. das Sehfeld umspannt einen Kreis mit 120m Durchmesser in einer Distanz von 1000m. Das kann man dann mit Hilfe der Trigonometrie auf ein Sehfeld in Grad umrechnen.
Wenn beide Angaben fehlen, kann man z.B. das Fernglas irgendwo fest montieren (z.B. auf ein Stativ) und die Durchlaufzeit eines Sterns messen, der möglichst nahe am Himmelsäquator liegt. Das trifft beispielsweise auf den rechten (westlichsten) Gürtelstern des Orion zu, der ja leicht zu finden ist. Du mußt nun das Fernglas so ausrichten, daß der Stern mitten durch dein Gesichtsfeld läuft (also über den vollen Durchmesser Deines Gesichtsfeldes) und die Zeit messen. Die gemessene Zeit in Minuten dividiert durch 4 ergibt das Gesichtsfeld in Grad. Achtung: bei dem großen Gesichtsfeld des Fernglases dauert der Durchlauf eines Sternes schon eine ganze Weile, mit 25 min. und mehr solltest Du rechnen!
Alternativ kannst Du am Tag einen ausgefahrenen Zollstock anpeilen, z.B. aus der minimalen Entfernung, auf die sich das Fernglas scharfstellen läßt. Wenn Du nun zum einen die Entfernung vom Fernglas zum Zollstock mißt und zum anderen abliest, wieviel Zentimeter auf dem Zollstock das Gesichtsfeld umfaßt, kannst Du wiederum trigonometrisch das Gesichtsfeld berechnen.
 
Hallo Meinolf

Sehr guter Beitrag, mit viel Inhalt.
Kurz, praktikabel und ohne viel drum herum, für alle verständlich geschrieben.
Viele Grüße
Alois
 
Es ist völlig richtig, dass im Grunde jedes Glas besser geeignet ist als gar keins.
Wenn du aber erstmal z.B. ein 7x50 hast, und dann beide im direkten Vergleich ausprobieren kannst, wirst du das 8x30 weglegen und wahrscheinlich wirklich nur noch am Tage benutzen. Selbst ein 10x50 dürfte dem 8x30 in der Lichtstärke deutlich überlegen sein. Seit dem Tage, seit ich mein 7x50 besitze, war ich nie mehr mit dem 8x30 zur Himmelsbeobachtung unterwegs. Dafür ist das 8x30 bei Tage in allen Punkten besser, nur bei Dunkelheit ist es eben umgekehrt.

Also das 8x30 ist für den Anfang schon ok, aber um ein besser geeignetes "Astroglas" (7x50, 10x50, 8x56, 9x63, 11x80, 15x70 etc.) wirst du auf lange Sicht nicht herum kommen, das werden dir alle hier bestätigen, die ebenfalls mit FG's angefangen haben. Ich habe hier sogar schon von Anfängern gelesen, die sogar nur mit einem 20er-Objektiv-Glas angefangen haben, also noch eine Nummer kleiner.
 
hier muß unbedingt mal die Gegenfrage gestellt werden: für was geeignet? was willst Du eigentlich sehen?
Der Katalog der am Himmel sichtbaren Objekte ist seitenlang. Die üblichen Kategorien sind:

Planeten: alle Ferngläser eigentlich nur zum Auffinden geeignet, nicht zum Beobachten (dafür braucht man
halt wirklich minimal ein 8" Teleskop wenn man Details sehen will), etwas zu sehen gibt es sowieso eigentlich nur bei
Jupiter und Saturn, evtl. noch Mars.

Mond: dasselbe, aber hier bringt bereits jeder kleine Refraktor mehr als das teuerste Fernglas.

Milchstraße, Sterne: hier bringt schon das 8x30 wirklich viel mehr als das bloße Auge, vor allem bei optimalem Himmel

Sternhaufen, Nebel: geht ab 10x50 wirklich gut - 11x80 bringt noch deutlich mehr bei dunklem Himmel. Auch hier
Fernglas hauptsächlich zum Finden, zum Angucken dann Teleskop. 8x30 ist etwas mickrig, aber besser als gar nichts.
Such mal im Krebs Praesaepe, im Herkules M13, im Stier die Plejaden, in Andromeda den Andromeda-Nebel, im Perseus
den Doppelhaufen h und chi (=Hatschi), im Orion den Orion-Nebel...
Viele Nebel sind allerdings überhaupt nur auf Fotografien (Langzeitbelichtung) sichtbar.

Galaxien außer Andromeda: die große Enttäuschung - auch mit besserer Ausrüstung. Mehr als finden ist wohl leider
nicht drin!!!

kauf Dir am besten erst ein schönes Buch über den Himmel (z.B. Kosmos Himmelsatlas - den mit den Photoseiten
und den darüber klappbaren Erklärungsfolien zu 30€ und fang an, die Objekte am Himmel zu suchen. Damit Du die
Sternbilder findest, brauchst Du wahrscheinlich noch eine "Kosmos drehbare Sternkarte", am besten die
nachtleuchtende.

Für das, was Du mit dem 8x30 dann nicht findest, brauchst Du ein besseres Astrofernglas (optimal aus meiner Sicht ein 11x80,
aber teuer und schwer und braucht dunklen Himmel - 10x50 viel billiger,leichter und bei schlechtem Himmel genau so gut,
guter Himmel = alle 4 Kastensterne des kleinen Bären gut sichtbar). Wenn Du ein Objekt im Fernglas gefunden hast,
kannst Du es im Teleskop näher betrachten oder gleich im Internet die Fotos dazu. Für ein gutes 8" Teleskop mit
Montierung und Okularen mußt Du ab ca. 2000€ rechnen - kleinere leihst Du Dir am besten mal zuerst aus (haben viele als Zweitgerät noch unbenutzt rumstehen), ein 8" Dobson ist ab ca.700€ mit Okularen zu haben, aber bei
hoher Vergrößerung (Planeten) schwierig zu bedienen.

Gruß



 
Hallo Hans,
so ganz kann ich das nicht nachvollziehen. Ich finde schon, dass man mit einem Fernglas nicht nur Objekte auffinden, sondern auch beobachten kann, zumindest mit dem zum Objekt gehörigen Umfeld. Das ist einfach nicht zu vergessen und übt einen besonderen Reiz aus.

Als ich mein Jenoptem 7x50 erstmalig an einem späten Abend mit bester Sicht gen Cassiopeia richtete (es war noch nicht richtig dunkel!), hatte ich so viele Objekte gefunden, dass ich erst mal im Karkoschka nachschauen mußte. Aber auch alle im Karkoschka aufgeführten Objekte sind mir ohne "meines Wissens" <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> sofort aufgefallen, mit einem Teleskop hatte ich die noch nie gesehen, bzw. hatten keinen so faszinierenden Eindruck hinterlassen, wie im Fernglas.

Ich hab dann nach drei Jahren Teleskopie (ein Fernglas hatte ich bis dahin nicht für notwendig erachtet <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" /> ) die Fernglasspechtelei nachgeholt. Viele Messierobjekte, insbesonder M33, hab ich erst im Fernglas auf anhieb gefunden und betrachten können. Nun zeichnet das Jenoptem im 60% Zentralbereich des Gesichtsfeld natürlich sehr scharf und kontrastreich ab und ist enorm lichtstark. Aber auch nicht so optimale Ferngläser mit sehr kleinen Austrittspupillen (<= 3mm) kann man verwenden.

Ich möchte auf ein Fernglas nicht mehr verzichten, es hat mir eine Menge großflächiger Objekte erst zugänglich gemacht.

Gruß Burkhard

 
Re: Fernglas oder Teleskop oder Internet

Für mich eigentlich klar:

man braucht alle. Fernglas zum Finden, Kennenlernen und schnellen freihändig Suchen, Teleskop zum Details sehen,
Internet zum Sehen, was ein 5-10m Spiegel unter optimalen Bedingungen am Objekt fotografisch zeigen kann
oder ein Spezialgerät wie SOHO (tolle website!!!).
Und Literatur, um zu begreifen, was man da eigentlich sieht.

Es ist wie bei den Tierfreunden: das Erlebnis zählt ( Nordamerika-Nebel gesehen), nicht daß man viel weniger gesehen hat
als auf jedem Hubble-Foto. Schließlich ist das ja auch ein Teil unserer Orientierung in dieser Welt (Welt-Bild).

Das Fernglas ist für mich meist Brücke zu den anderen Ansichten (deshalb extrem wichtig).






 
8x30 auf dem Berg besser als 10x50 in der Stadt

Guten Tag Estrella,

vor allem die erste Antwort auf Deine Frage finde ich wirklich gut, und sie sollte Dir Mut gemacht haben. Die Hinweise auf den Vorteil größerer Austrittspupillen bei 7x50 oder 10x50 sind natürlich richtig. Da ich selbst ein 8x25, ein 10x32 und ein 10x50 habe, sind mir die Steigerungsmöglichkeiten durchaus auch aus der Praxis bekannt. Ich kann daher nur empfehlen, langfristig auf ein hochwertiges 10x50 hinzuarbeiten.

ABER das darf Dich keineswegs entmutigen. Ich wohne am Rand von München, aber nicht außerhalb der Lichtverschmutzungs-Dunstwolke und leider relativ nahe am Lichtverschmutzer "Kunstpark Ost", der mit fürchterlichen Flak-Suchscheinwerfern schon bei geringstem Dunst störende Lichtkegel erzeugt. Wenn ich hier mit dem 10x50 den Nachthimmel betrachte, sehe ich weniger als mit dem 10x32 nur etwa 10 km östlich der Stadtgrenze. Dein 8x30 hat zwar geringfügig weniger Vergrößerung, aber eine etwas größere Austrittspupille als mein 10x32, so daß man damit wohl ungefähr gleich gut und viel sehen dürfte.

Mein Tipp: Solange Du kein lichtstärkeres Fernglas hast, gehe hinaus aufs Land (sofern Du nicht ohnehin dort wohnst) und freue Dich, daß Du dort mit Deinem Glas mehr sehen kannst als ein Beobachter in der Stadt mit einem 10x50 oder 10x60. Auf einem Berg, der höher aus den trüben Luftschichten herausragt, wäre es noch viel besser.

Übrigens: Es gibt einige gute Bücher zur Himmelsbeobachtung mit dem Fernglas, die den Spaß an diesem Hobby noch beträchtlich steigern können, weil sich damit die Chancen für große Erfolgserlebnisse stark erhöhen! Andere Bücher zur Himmelsbeobachtung mit Teleskopen sind kein Ersatz, weil sie eher frustrieren, da die dort beschriebenen Beobachtungen mit dem Fernglas nicht oder nur sehr eingeschränkt nachvollziehbar sind.

Zum Schluß noch eine kleine Ergänzung zu Meinolfs letztem Satz. Bei der Zollstock-Methode sollte man nicht unbedingt die kürzeszmögliche Distanz wählen, weil sich mit kürzer werdender Entfernung der Sehwinkel einengt (Grund: die Bildweite verlängert sich gegenüber der Brennweite). Besser ist es, eine möglichst große Entfernung zu wählen. Ich schlage ca. 15 m vor, weil bei dieser Entfernung bei fast allen Ferngläsern der 2 m lange Zollstock zur Messung des Objektfeld-Durchmessers noch ausreicht und diese Entfernung noch bequem und genau mit dem Zollstock meßbar ist. Ferner möchte ich anmerken, daß die Trigonometrie nur bemüht werden muß, wenn man den Sehwinkel in Grad berechnen möchte. Da bei Ferngläsern in der Regel das Sehfeld auf 1000 m das übliche Maß und als Vergleichsgröße sowie für die konkrete Vorstellung von der Leistungsfähigkeit des Fernglases geeigneter ist, genügt schon der einfache "Dreisatz":

Als Sehfelddurchmesser sichtbarer Zollstockteil : Entfernung zum Zollstock x 1000 m = Sehrfeld auf 1000 m [Durchmesser und Entfernung in gleicher Einheit, am besten auch in Meter].

Beispiel: Wenn auf 15 m Entfernung 1,75 m vom Zollstock als Durchmesser im Fernglas sichtbar ist, beträgt das Sehfeld

1,75 m : 15 m x 1000 m = 117 m auf 1000 m.

MfG Walter E. Schön
 
Ein 8x30 kann auch auf Dauer sinnvoll sein - weil solche kompakten Gläser (zumal, wenn man sich im Falle einer Neuanschaffung für ein Dachkant-Glas entscheidet) auch problemlos in Jackentaschen oder Handschuhfächern transportiert werden können. So sind sie immer und überall verwendbar, während z.B. ein 7x50-Glas meistens nach einer separaten Tasche verlangt.
 
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