8x30 auf dem Berg besser als 10x50 in der Stadt
Guten Tag Estrella,
vor allem die erste Antwort auf Deine Frage finde ich wirklich gut, und sie sollte Dir Mut gemacht haben. Die Hinweise auf den Vorteil größerer Austrittspupillen bei 7x50 oder 10x50 sind natürlich richtig. Da ich selbst ein 8x25, ein 10x32 und ein 10x50 habe, sind mir die Steigerungsmöglichkeiten durchaus auch aus der Praxis bekannt. Ich kann daher nur empfehlen, langfristig auf ein hochwertiges 10x50 hinzuarbeiten.
ABER das darf Dich keineswegs entmutigen. Ich wohne am Rand von München, aber nicht außerhalb der Lichtverschmutzungs-Dunstwolke und leider relativ nahe am Lichtverschmutzer "Kunstpark Ost", der mit fürchterlichen Flak-Suchscheinwerfern schon bei geringstem Dunst störende Lichtkegel erzeugt. Wenn ich hier mit dem 10x50 den Nachthimmel betrachte, sehe ich weniger als mit dem 10x32 nur etwa 10 km östlich der Stadtgrenze. Dein 8x30 hat zwar geringfügig weniger Vergrößerung, aber eine etwas größere Austrittspupille als mein 10x32, so daß man damit wohl ungefähr gleich gut und viel sehen dürfte.
Mein Tipp: Solange Du kein lichtstärkeres Fernglas hast, gehe hinaus aufs Land (sofern Du nicht ohnehin dort wohnst) und freue Dich, daß Du dort mit Deinem Glas mehr sehen kannst als ein Beobachter in der Stadt mit einem 10x50 oder 10x60. Auf einem Berg, der höher aus den trüben Luftschichten herausragt, wäre es noch viel besser.
Übrigens: Es gibt einige gute Bücher zur Himmelsbeobachtung mit dem Fernglas, die den Spaß an diesem Hobby noch beträchtlich steigern können, weil sich damit die Chancen für große Erfolgserlebnisse stark erhöhen! Andere Bücher zur Himmelsbeobachtung mit Teleskopen sind kein Ersatz, weil sie eher frustrieren, da die dort beschriebenen Beobachtungen mit dem Fernglas nicht oder nur sehr eingeschränkt nachvollziehbar sind.
Zum Schluß noch eine kleine Ergänzung zu Meinolfs letztem Satz. Bei der Zollstock-Methode sollte man nicht unbedingt die kürzeszmögliche Distanz wählen, weil sich mit kürzer werdender Entfernung der Sehwinkel einengt (Grund: die Bildweite verlängert sich gegenüber der Brennweite). Besser ist es, eine möglichst große Entfernung zu wählen. Ich schlage ca. 15 m vor, weil bei dieser Entfernung bei fast allen Ferngläsern der 2 m lange Zollstock zur Messung des Objektfeld-Durchmessers noch ausreicht und diese Entfernung noch bequem und genau mit dem Zollstock meßbar ist. Ferner möchte ich anmerken, daß die Trigonometrie nur bemüht werden muß, wenn man den Sehwinkel in Grad berechnen möchte. Da bei Ferngläsern in der Regel das Sehfeld auf 1000 m das übliche Maß und als Vergleichsgröße sowie für die konkrete Vorstellung von der Leistungsfähigkeit des Fernglases geeigneter ist, genügt schon der einfache "Dreisatz":
Als Sehfelddurchmesser sichtbarer Zollstockteil : Entfernung zum Zollstock x 1000 m = Sehrfeld auf 1000 m [Durchmesser und Entfernung in gleicher Einheit, am besten auch in Meter].
Beispiel: Wenn auf 15 m Entfernung 1,75 m vom Zollstock als Durchmesser im Fernglas sichtbar ist, beträgt das Sehfeld
1,75 m : 15 m x 1000 m = 117 m auf 1000 m.
MfG Walter E. Schön