Allround Fernglas fürs Wandern + Sternebeobachten

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Elmaro

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Guten Abend miteinand' !

Bin gerade dabei, in die Astronomie einzusteigen. Eines meiner bisherigen Hobbies ist das Bergwandern.

Mir ist bekannt, dass man zum Sternebeobachten am besten ein Teleskop verwendet (will ich mir auch noch anschaffen), mir geht es aber darum, ein Wanderfernglas (am liebsten ein Zoom-Fernglas) zu finden, mit dem ich auch Sterne gut beobachten kann, gerade wenn ich abends in den Bergen bin

Ich besitze ein No-Name-Zoom-Fernglas mit den Maßen 10-30x50. Mit den 900 Gramm-Gewicht kome ich gut zurecht.

Gern möchte ich noch mehr in die Ferne sehen. Deshalb wäre 10-40 wünschenswer bzw. 10-70facher Zoom optimal.

Bis 1,2 kg kann ich gut halten

Nun meine Fragen:
1. Würde Ihr mir, um mehr in die Ferne sehen zu können, zu einem Fernglas mit 60er Objektiv raten ?
2. Welcher Zoom (bei 50 oder 60 mm) ist realistisch ?
3. Was haltet Ihr von einem Spektiv als Alternative zum Fernglas ? Bei ebay wird gerade das Seben HZS II angeboten.
Es hat 20-50fachen Zoom bei 50 mm Objektiv und wiegt nur 700 g (dazu gibt es ein kleines Tischstativ) und soll nur 20 cm lang sein .

Gerne würde ich ein besseres Fernglas/Spektiv haben als
bisher, mit dem ich abends AUCH DEN STERNENHIMMEL betrachten kann.

Über Euren Rat wäre ich Euch sehr dankbar. Vielleicht wisst Ihr mir auch das richtige Allround-Fernglas für mich (bis ebay-Preis 150 Euro/Fachhandelspreis 250 Euro).

Vielen Dank im Voraus.

Grüße

Elmaro aus Singen
 
Morgen, Elmaro!
Ich habe die selben beiden Hobbies: Astronomie und Bergwandern.
Ich habe zwei Zoom-Ferngläser, das Nikon 7-15x35 und das Soligor 12-60x70 und bin mit beiden zufrieden. Zum Wandern nehme ich das Nikon immer mit; das Soligor ist zu groß und sperrig, und zum freihändig nutzen ist es auch nicht geeignet. Da braucht man schon unbedingt einen Stativ.
Beide Gläser benutze ich zum Sternegucken und ich bin vor allem von der Qualität des Nikon begeistert. Ich habe es mit anderen Ferngläser verglichen (Leica Trinovid 8x40 und Vixen Foresta 8x42), das Soligor hatte ich auch dabei. Von allen vier fand ich den Nikon in fast allen Punkten überlegen! (Das darf ich hier im Forum gar nicht so laut sagen, sonst werde ich bestimmt plattgewalzt.)
Deshalb kann ich das Nikon-Glas unter den von dir geschilderten Gesichtspunkten (Mitnehmen auf die Wanderung und Sternenhimmel) ohne Einschränkung empfehlen!
Ich muss jetzt aus zeitlichen Gründen schluss machen, wenn ich noch dazu komme, melde ich mich noch einmal!

Schönen Gruß und sternenklare Nächte,
Gabriel
 
Guten Abend Elmaro,
Hier bin ich wieder, um meine Gedanken weiterzuspinnen und Antworte auf deine Fragen zu geben.
Bevor du weiterliest, unbedingt das hier lesen!
Jetzt kann ich meinen Senf dazugeben.
* Ein Fernglas ist ein ideales Instrument, um in die Astronomie einzusteigen. Wenn man dann richtig Apettit bekommen hat, erübrigt sich das Fernglas nicht sondern ergänzt weiterhin in idealer Weise ein Teleskop. Das Fernglas kann man außerdem wunderbar auch bei Wanderungen benutzen. (Manche verwenden das Fernglas sogar, um die Nachbarin besser zu sehen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> )
* Punkt 1 zur Vergrößerung. Du bist mit deinem Fernglas nicht zufrieden. Das wird eher an der niedrigen Qualität (Optik, Vergütung der Linsen, Reflexe, Farbuntreue) liegen als an der Vergrößerung! Mit einer guten Optik sieht man viel mehr Details auch bei einer relativ kleinen Vergrößerung! (denk nur daran, wie es ist, wenn Du ein Blatt mit einer winzig kleinen Schrift in die Sonne hältst, man kann die Schrift viel besser lesen!)
* Punkt 2 zur Vergrößerung: Bei einer hohen vergrößerung vergrößert man das Zittern der Hände mit, dadurch kann man trotz hoher Vergrößerung nicht mehr Details erkennen. Ich würde die Grenzgröße am Tag bei 15x und in der Nacht auf 8x setzen. Das ist individuell unterschiedlich, manche können ein Fernglas sehr ruhig halten. Allerdings ist auch bein den ruhigsten Händen in der Nacht so bei 12x schluss. Tagsüber sieht man ganze Bilder (Bäume, Berge, Häuser etc.) und diese sieht man auch bei zittrigen Händen besser als Bilder. In der Nacht tanzen aber die Sterne als Lichtpunkte im Gesichtsfeld herum, und da kann man nicht mehr Doppelsterne oder Sternhaufen von einzelnen Sternen unterscheiden. Fazit: alles über 10x gehört in der Nacht auf ein Stativ! Das ist dann aber auf jeden Fall mit zusätzlichen Kosten verbunden. Man braucht ein stabiles Stativ mit höhenverstellbarer und stabiler Mittelsäule, und man soll das Ungleichgewicht nicht vergessen, das bei Betrachtung im Zenit enststeht. Dann kippt nämlich das Stativ sehr schnell um und das Fernglas ist Futsch. Also: bei schweren Ferngläsern Gegengewicht oder noch besser eine Parallelogramm-Montierung. Kostenpunkt: ab 300 Euro (nur für Montierung und Stativ).
* Punkt 3 zur Vergrößerung: je höher die Vergrößerung, desto dunkler das Bild! Das stört am Tag überhaupt nicht (man merkt es kaum), aber in der Nacht ist es sofort merkbar. Daher sieht man bei hoher Vergrößerung in der Nacht die schwachen Deep-Sky-Objekte (Gasnebel, Galaxien) nicht mehr. Es steht auch in jedem Sternführer: "möglichst niedrig vergrößern"! Eine hohe Vergrößerung ist hingegen bei helleren Objekten (Mond, Planeten, Orion-Nebel) sinnvoll.
* Ein Wort zum Objektiv-Durchmesser: Je größer das Durchmesser des Objektivs, desto heller das Bild. Mit einem größeren Durchmesser sieht man also keineswegs besser in die Ferne, davon wird nur das Bild nur heller und deshalb benutzen vorzugsweise Astronomiebegeisterte aber auch Jäger und Ornithologen Gläser ab 50mm Durchmesser, um besser in der Dämmerung und in der Nacht zu sehen.
Nun zu deinen Fragen:
1. ein Fernglas mit 60mm Objektiv ist schon ganz gut für die Nacht, für die Wanderung aber etwas zu groß. Im Prinzip wäre dagegen nichts einzuwenden, wenn Du das über 1 kg schwere Stück mitschleppen willst. Allerdings kenne ich kein Zoom-Fernglas mit 60mm Durchmesser.
2. Gute Zoom-Ferngläser sind wie bereits gesagt die Nikon-Gläser (7-15x35 und 10-22x50), die Vixen Ultima-Gläser (7-18x42, 9-22x50). Wie gesagt habe ich außer dem Nikon noch das Soligor-Fernglas, das ist aber tagsüber weniger interessant als nachts. Die 60x-Vergrößerung kann ausschließlich auf Stativ genutzt werden, und wer möchte auf die Wanderung ein Stativ mitschleppen?
3. Beim Spektiv musst Du bedenken, dass man nur mit einem Auge beobachtet. Schließ ein Auge und beobachte nur mit dem anderen und Du wirst verstehen, warum so viele gerne mit Fernglas beobachten. Wenn schon Spektiv, dann kann man schon direkt ein richtiges Teleskop kaufen.
Es gibt auch begeisterte Spektiv-Anhänger unter den Amateurastronomen, ich persönlich würde dann lieber zu einem Teleskop raten.
Von der Firma Seben halte ich wegen ihrer Werbemethoden und leeren Versprechungen in den Beschreibungstexten nicht sehr viel, fairerweise muss ich aber zugeben, dass ich noch nie durch ein Seben-Instrument durchgeschaut habe.

Als Abschluss eine kurze Zusammenfassung der Fakten, die für und wider ein Zoom-Fernglas sprechen:
* Pro-Argumente:
- Durch die variable Vergrößerung sowohl für Deep-Sky-Objekte als auch für Mond und Planeten geeignet (gilt eigentlich nur für das Soligor, denn eine 15x-Vergrößerung bringt bei Planeten nichts, nur beim Mond)
- bei Tagesbeobachtungen sieht man mehr Details bei der höheren Vergrößerung
- man hat "mehrere Ferngläser in einem"
* Nachteile:
- kleineres Gesichtsfeld
- beim Zoomen kommt man aus dem Fokus raus und man muss nachfokussieren
- nicht Brillenträgerfreundlich
- nicht druckwasserdicht

Hoffentlich habe ich Dir ein bisschen weitergeholfen.

Sternenklare Nächte wünscht Dir

Gabriel
 
Guten Tag in die Runde!

Entschuldigt bitte wenn ich so hereinplatze!
Ich möchte nicht vom Anliegen von Elmaro ablenken - es ist sein Traid.

Ich möchte nur fragen: Was müsste kommen wenn man im obigen Beitrag von Gabriel auf "hier" klickt?
Bekomme hier mir unerklärliche Informationen!!! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />

Das wars schon! Entschuldigt noch mal!!

Alexander
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Sorry, es hat sich ein falscher Link eingeschlichen. Ich habe mit "hier" die Seiten fon Dr. Frank Schäfer auf dieser Homepage unter Technik -> Einsteigerseiten -> Ferngläser für die Himmelsbeobachtung gemeint. Jetzt müsste es auch mit dem Link klappen.

CS und vielen Dank für den Hinweis,

Gabriel
 
Hallo Elmaro,

Nun - an ein Fernglas zum Wandern und zum Sternegucken werden völlig verschiedene Anforderungen gestellt. Das läuft immer auf einen problematischen Kompromiss heraus, will man beide Bereiche mit einem Gerät abdecken.

Das Wanderglas müsste zunächst leicht sein, damit man möglichst wenig zu schleppen hat. Ist auch eigentlich kein Problem, da man üblicherweise meist am Tage wandert und daher genug Licht zur Verfügung hat. Daher wäre hier ein gutes 8x30 o. 10x30 optimal. Wie bereits angedeutet gehen bei Vergrösserungen über 10x bei der Beobachtung aus freier Hand durch das unvermeidliche Zittern eher Deteils verloren und das Sehfeld wird kleiner. Und ein Stativ möchte man beim Wandern ja auch nicht mitschleppen.

Nachts hingegen wäre dieses Glas jedoch von der Öffnung (30mm) zu knapp. Hier werden erst Öffnungen ab 40mm, besser 50,56 oder 60mm interessant. Hier gilt erst recht, daß man beim Beobachten aus freier Hand die Vergrösserung von 10x nicht überschreiten sollte. Diese Ferngläser kann man zwar auch beim Wandern benutzen, aber man schleppt halt eine Menge unsinniges Gewicht und Volumen herum. Noch grössere Gläser mit ggf. höheren Vergrösserungen scheiden aus, da man Diese ausschliesslich auf einem Stativ nutzen kann und daher nicht zum Wandern geeignet sind!

Sie sehen also, dass man eigentlich mit einem Glas nicht hinkommt, will man für die jeweilige Gelegenheit etwas Optimales haben. Zwei Ferngläser sind jedoch für ein Budget von max. 250,-EUR nicht machbar, wenn man auf einen Rest von Qualität besteht. Ebay bietet zwar theoretisch eine Möglichkeit, jedoch würde ich auf einen Test des Glases vor dem Kauf (der nach meiner Meinung unbedingt erforderlich ist!) ungerne verzichten.

Also eben doch das "Universalglas".

Da bleiben eigentlich nur Gläser der Grössenordnung von etwa 8x40 bis 10x50 übrig. Ich habe ein Vixen New Ascot 10x50. Das Glas hat für ein Mittelklassegerät eine ganz manierliche Abbildungsleistung, Tagsüber wie auch am Sternenhimmel. Das Handling ist gut und die Focussierung läuft butterweich. Das Gerät ist vollvergütet und brillenträgertauglich. Das Gewicht beträgt 890g. Nachteilig ist das etwas enge Sehfeld, eine gewisse Anfälligkeit für Gegenlicht und das Glas ist nicht wasserdicht. Aber für einen Neupreis von etwa 180,-EUR ist es meiner Meinung nach sehr brauchbar. Wenn Sie bislang nur Ihr No-Name-Zoom kennn, wird Sie das Vixen möglicherweise von der Qualität her umhauen! Von Zoomgläsern halte ich überhaupt nichts. Es soll zwar das eine oder andere brauchbare geben, aber keinesfalles in der von Ihnen angestrebten Preisklasse. Ein Zoomglas ist viel auswändiger in der Konstruktion und müssen daher im Vergleich zu ähnlich guten Festbrennweiten um ein Vielfaches teurer sein. Ist es dennoch "billig", dann kann man sicher sein, dass irgentwo gewaltig an der Qualität gespart wurde. Daher würde ich Ihnen raten, sich bei einem guten Händler einmal eine der von mir genannten Festbrennweiten im Vergleich anzuschauen und zu Testen. Wahrscheinlich wird Sie der Qualitätssprung begeistern!

Wenn Sie hohe Vergrösserungen anstreben (Planetenbeobachtung), dann sollten Sie einmal über die Anschaffung eines Teleskops nachdenken. Ein Fernglas ist dagegen für grossflächige Sternfeldbeobachtungen geeignet, und das ist auch die Stärke dieser Geräte. Selbst Besitzer hochwertiger und grosser Teleskope sind immer wieder begeistert von "Wanderungen" durch die Milchstrasse mit dem Feldstecher.


Viel Erfolg:
Thomas
 
Hallo Elmaro,

möchte Dir Dein Zoomglas eigentlich nicht ausreden, aber ich sehe es selbst eher so:

Hohe Vergrößerungen, Mond und Planeten: die kannst Du besser von zu Hause mit "richtigem" Gerät anschauen
(meiner Meinung nach Minimum Lidl Refraktor 70/700 mit so 100facher Vergrößerung), das braucht nicht auf der
Wanderung zu sein.

Geringe Vergrößerungen/lichtschwache Objekte : da spielen die Ferngläser ihre Vorteile aus und da ist bei Wanderungen
(vor allem im Gebirge) auch viel mehr zu sehen als zu Hause. Dafür braucht man jedoch ein weites Gesichtsfeld
und eine relativ große Austrittspupille (AP = Öffnung/Vergrößerung = "helles Glas" wenn so 5-7; 7 ist MAximum).
Und damit sind wir bei den im letzten Beitrag schon empfohlenen 8x40 Gläsern (oder 7x50 - letzteres ist aber dann
eigentlich schon wieder zu groß/schwer und gibt es auch nicht mit weitem Gesichtsfeld).

Gruß
 
Hallo Hanz,
Ohne Zweifel sind 8x40 - Gläser ideal für die freihändige Beobachtung des Sternenhimmels. Ich habe gerade ein Vixen Foresta 8x42 zurückgegeben, das von den technischen Werten her eigentlich optimal in dieser Kategorie sein müsste. Leider war ich aber mit der optischen Leistung nicht zufrieden (da war mein Nikon Zoom 7-15x35 besser!). Aber bedenke mal:
- am Tage suche ich mir mit dem Fernglas in der Ferne eine Hütte aus, bei 7x habe ich noch eine gute Übersicht, dann erhöhe ich die Vergrößerung auf 15x und kann schon die Schrift oder die Flagge an der Hütte sehen! Und in der Nacht kann man mit dem Zoom die Austrittspupille optimal an die Gegebenheiten anpassen (dunkler Himmel -> große AP, aufgehellter Himmel -> kleine AP). Das Zoom-Fernglas hat auch seine Vorteile. Eins kann es definitiv nicht bieten: ein großes Gesichtsfeld. Aber 5,8° am Himmel bei 7x ist gar nicht sooo wenig.
Übrigens: heute ist bei ebay ein nagelneues Nikon 7-15x35 für 30 Euro weggegangen! (Auflösung Lagerbestand bei einem Fotohändler) Leider war nicht ich der Käufer (habe gar nicht mitgeboten!)

CS,
Gabriel
 
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