MKern
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Hallo miteinander
Schon ein Weilchen treibe ich mich auf dieser Seite herum. Besonders die Beobachtungsberichte haben es mir angetan. Jetzt, nach ersten eigenen, vorsichtigen Schritten dachte ich, ich könnte mich mal bei all den eifrigen Spechtlern und nicht minder ambitionierten Schreibern revanchieren und von eigenen Taten berichten. Der folgende Bericht kann also als Ausdruck eines schlechten Gewissens betrachtet werden (oder eines gesunden Geltungsbedürfnisses <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ).
Nach Jahren theoretischer Auseinandersetzung mit nichts geringerem als dem Universum und all den Absonderlichkeiten, die in ihm so kreuchen und fleuchen, schaffte ich im Februar 2003 vom bitter verdienten Militärsold ein C8 an, das im Sommer einige Male zum Einsatz kam (nach einer kurzen und unglücklichen Affäre mit einem Kaufhausrohr). Als etwas transportablere Variante kam diesen Februar ein NexStar 130 dazu (finanziert durch den Sold der Unteroffiziersschule; staatlich subventioniert also, die komplette Ausrüstung). Beobachtet wurde mit letzterem in den Skiferien im Wallis (Schweiz), auf 2000 m.ü.M. Zu meiner Genugtuung benötigte ich den NexStar kein einziges Mal. Alles selbst gefunden, mit Karkoschka und mir. Aber es war beruhigend, einen versierten Automaten zur Seite zu wissen, falls ich mich allzu ungeschickt anstellen würde.
Nach ein paar Probeläufen vom Balkon aus (der Nachbar beobachtete überaus argwöhnisch meine Übungen) war klar, dass die Technik funktionierte (von Geisterhand bewegt fand das Teil treffsicher das gewünschte Objekt; faszinierend).
Am 14. Februar um 2030 ging’s dann richtig raus. Ich arbeitet mich von „links nach rechts“ über den Himmel, beginnend bei M 108 im Ursa Major (ohne NexStar Gehilfe, falls ich das nicht schon erwähnt habe <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ). Dachte, was gesehen zu haben. War aber sehr unsicher. Weiter ging’s zu M 51 in den Jagdhunden. Von der Galaxie hatte ich schon meine Erwartungen (wie bescheiden!). Und da war sie. Alle beide. Ein rundes Nebelfleckchen mit Begleiterchen. Wunderbar. M 65 und M 66 im Löwen waren die nächsten Kandidaten. Leicht gefunden, schwebten sie im gleichen Gesichtsfeld. Ich war begeistert. Auf ging’s Richtung Stier. M1, Krebsnebel. Gleich gefunden. Anfangs eher rund und langweilig, wurde er nach ein paar Minuten etwas „charaktervoller“. Und der Gedanke faszinierte, dass da vor „ein paar Jahren“ ein Stern platzte. Nächstes Ziel war M 38 im Auriga. Über eine Sternenformation, die ich die „Doppel-Dreierkette“ getauft hatte, hüpfte ich in das Sternengesprengsel. Schön. An M 36 und M 37 scheiterte ich dann allerdings. Zurück ging’s zum Grossen Bären. M 81 und M 82 wollte ich kennen lernen. Nachdem ich zuerst ypsilon UMa und 23 UMa miteinander verwechselt hatte, klappte es dann zu guter Letzt doch noch. Da schwebte das Galaxienpaar. Die Kantenlage von M 82 war schön zu sehen, dagegen M 81 wenig spektakulär. Weiter kam ich in wieder etwas heimischere Gefilde. Jupiter flehte mich strahlend geradezu an, auch noch einen Blick auf ihn zu werfen. Es blieb allerdings bei einer nur kurzen Inspektion. Zwei Staubbänder. Drei Monde, sehr nahe am Planeten. Die Zehen waren klamm. Die Finger spürte ich bereits kaum mehr. Und ausserdem war es schon 2330. Schluss für heute. To be continued…
Die Fortsetzung kam am 16. Februar. Auch etwas organisierter. Mit einer vorgefertigten Objektliste stapfte ich um 2000 entschlossen zu meinem Beobachtungsplatz. Keine Improvisation wie letztes Mal, dafür ein ausgeklügelter Routenplan. Und ich war nicht mehr ganz alleine. Zwei Pistenfahrzeuge rumpelten die Piste rauf und runter, und bei jedem Wenden strahlten ihre Lichtkanonen in den Tubus. Füchse schrieen aus dem nahen Wald (mit einem hatte ich einige Tage vorher vom Balkon aus bereits Bekanntschaft geschlossen).
Ich startete von der Venus. Etwa 2/3 voll, flatterte sie umher. War schon tief am Horizont (den eine nahe Felswand bildete; Horizont ist ein ziemlich relativer Begriff). Trommelwirbel!! Es folgte das Paradeobjekt im Orion: M 42. Schon oft beobachtet. Diesmal aber ganz, ganz, ganz, ganz spektakulär. Bei mässig hoher Vergrösserung konnte man geradezu durch die Nebelschwaden fahren. Prachtvoll (in Zürich dagegen ärgere ich mich jeweils tödlich auf über den grauen Herbsthochnebel; aber das ist wohl was ganz anderes <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ). Obwohl bereits etwas ausserhalb der Saison, wollte ich den Weihnachtsbaum in den Zwillingen finden. Drollig. Den Eskimonebel dagegen konnte ich nicht ausmachen.
M 109 im UMa war schwach, aber sicher gefunden. Wenn ich schon in der Nähe war, galt es eine offene Rechnung zu begleichen. M 108. Diesmal sicher gesehen (lag wohl an der Übung). Angespornt, machte ich mich auch gleich noch auf die Pirsch nach dem Eulennebel (irgendwas uhute sowieso gerade aus dem Wald). Und plötzlich flog ein runder Nebel ins Okular. War nett anzusehen, Eulennebel und die Galaxie in einem Okularfeld.
NGC 4490 in den Jagdhunden rasch gefunden, aber nicht sehr interessant. M 94 dagegen war lustig. Ein Stern mit einer Halo. M 51… hmmpaa!!! Es folgte M 41. Bereits ein alter Bekannter von früheren Begegnungen. Aber eher langweilig (verglichen mit M 13 im Sommer und M 35). Eben dieser M 35 bietet auch hier einen überwältigenden Anblick. Nach einem Batterienwechsel heulte der Motor auf wie ein übermotorisiertes ferngesteuertes Rennauto. M „verflixt noch mal“, aka M 37 sollte auch noch zu schaffen sein. Wie hingeworfene Reiskörner.
Zum Schluss mein Lieblingsdoppelstern, Mizar und Alcor. Und ganz zum Schluss die Landung auf dem Jupiter. Vier Monde, einige Bänder. 2330.
Fazit: Eine Sternenfahrt, wie ich sie noch nie erlebt habe. Trotz Eiseskälte, skeptisch blickenden Nachtwanderern, Schneemonstern (der Verstand sagte Füchse, das Gefühl hingegen…) und einer warmen Stube, die lockte, entschädigte die Reise durch Raum und Zeit für alle erduldete Unbill.
CS
Schon ein Weilchen treibe ich mich auf dieser Seite herum. Besonders die Beobachtungsberichte haben es mir angetan. Jetzt, nach ersten eigenen, vorsichtigen Schritten dachte ich, ich könnte mich mal bei all den eifrigen Spechtlern und nicht minder ambitionierten Schreibern revanchieren und von eigenen Taten berichten. Der folgende Bericht kann also als Ausdruck eines schlechten Gewissens betrachtet werden (oder eines gesunden Geltungsbedürfnisses <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ).
Nach Jahren theoretischer Auseinandersetzung mit nichts geringerem als dem Universum und all den Absonderlichkeiten, die in ihm so kreuchen und fleuchen, schaffte ich im Februar 2003 vom bitter verdienten Militärsold ein C8 an, das im Sommer einige Male zum Einsatz kam (nach einer kurzen und unglücklichen Affäre mit einem Kaufhausrohr). Als etwas transportablere Variante kam diesen Februar ein NexStar 130 dazu (finanziert durch den Sold der Unteroffiziersschule; staatlich subventioniert also, die komplette Ausrüstung). Beobachtet wurde mit letzterem in den Skiferien im Wallis (Schweiz), auf 2000 m.ü.M. Zu meiner Genugtuung benötigte ich den NexStar kein einziges Mal. Alles selbst gefunden, mit Karkoschka und mir. Aber es war beruhigend, einen versierten Automaten zur Seite zu wissen, falls ich mich allzu ungeschickt anstellen würde.
Nach ein paar Probeläufen vom Balkon aus (der Nachbar beobachtete überaus argwöhnisch meine Übungen) war klar, dass die Technik funktionierte (von Geisterhand bewegt fand das Teil treffsicher das gewünschte Objekt; faszinierend).
Am 14. Februar um 2030 ging’s dann richtig raus. Ich arbeitet mich von „links nach rechts“ über den Himmel, beginnend bei M 108 im Ursa Major (ohne NexStar Gehilfe, falls ich das nicht schon erwähnt habe <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ). Dachte, was gesehen zu haben. War aber sehr unsicher. Weiter ging’s zu M 51 in den Jagdhunden. Von der Galaxie hatte ich schon meine Erwartungen (wie bescheiden!). Und da war sie. Alle beide. Ein rundes Nebelfleckchen mit Begleiterchen. Wunderbar. M 65 und M 66 im Löwen waren die nächsten Kandidaten. Leicht gefunden, schwebten sie im gleichen Gesichtsfeld. Ich war begeistert. Auf ging’s Richtung Stier. M1, Krebsnebel. Gleich gefunden. Anfangs eher rund und langweilig, wurde er nach ein paar Minuten etwas „charaktervoller“. Und der Gedanke faszinierte, dass da vor „ein paar Jahren“ ein Stern platzte. Nächstes Ziel war M 38 im Auriga. Über eine Sternenformation, die ich die „Doppel-Dreierkette“ getauft hatte, hüpfte ich in das Sternengesprengsel. Schön. An M 36 und M 37 scheiterte ich dann allerdings. Zurück ging’s zum Grossen Bären. M 81 und M 82 wollte ich kennen lernen. Nachdem ich zuerst ypsilon UMa und 23 UMa miteinander verwechselt hatte, klappte es dann zu guter Letzt doch noch. Da schwebte das Galaxienpaar. Die Kantenlage von M 82 war schön zu sehen, dagegen M 81 wenig spektakulär. Weiter kam ich in wieder etwas heimischere Gefilde. Jupiter flehte mich strahlend geradezu an, auch noch einen Blick auf ihn zu werfen. Es blieb allerdings bei einer nur kurzen Inspektion. Zwei Staubbänder. Drei Monde, sehr nahe am Planeten. Die Zehen waren klamm. Die Finger spürte ich bereits kaum mehr. Und ausserdem war es schon 2330. Schluss für heute. To be continued…
Die Fortsetzung kam am 16. Februar. Auch etwas organisierter. Mit einer vorgefertigten Objektliste stapfte ich um 2000 entschlossen zu meinem Beobachtungsplatz. Keine Improvisation wie letztes Mal, dafür ein ausgeklügelter Routenplan. Und ich war nicht mehr ganz alleine. Zwei Pistenfahrzeuge rumpelten die Piste rauf und runter, und bei jedem Wenden strahlten ihre Lichtkanonen in den Tubus. Füchse schrieen aus dem nahen Wald (mit einem hatte ich einige Tage vorher vom Balkon aus bereits Bekanntschaft geschlossen).
Ich startete von der Venus. Etwa 2/3 voll, flatterte sie umher. War schon tief am Horizont (den eine nahe Felswand bildete; Horizont ist ein ziemlich relativer Begriff). Trommelwirbel!! Es folgte das Paradeobjekt im Orion: M 42. Schon oft beobachtet. Diesmal aber ganz, ganz, ganz, ganz spektakulär. Bei mässig hoher Vergrösserung konnte man geradezu durch die Nebelschwaden fahren. Prachtvoll (in Zürich dagegen ärgere ich mich jeweils tödlich auf über den grauen Herbsthochnebel; aber das ist wohl was ganz anderes <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ). Obwohl bereits etwas ausserhalb der Saison, wollte ich den Weihnachtsbaum in den Zwillingen finden. Drollig. Den Eskimonebel dagegen konnte ich nicht ausmachen.
M 109 im UMa war schwach, aber sicher gefunden. Wenn ich schon in der Nähe war, galt es eine offene Rechnung zu begleichen. M 108. Diesmal sicher gesehen (lag wohl an der Übung). Angespornt, machte ich mich auch gleich noch auf die Pirsch nach dem Eulennebel (irgendwas uhute sowieso gerade aus dem Wald). Und plötzlich flog ein runder Nebel ins Okular. War nett anzusehen, Eulennebel und die Galaxie in einem Okularfeld.
NGC 4490 in den Jagdhunden rasch gefunden, aber nicht sehr interessant. M 94 dagegen war lustig. Ein Stern mit einer Halo. M 51… hmmpaa!!! Es folgte M 41. Bereits ein alter Bekannter von früheren Begegnungen. Aber eher langweilig (verglichen mit M 13 im Sommer und M 35). Eben dieser M 35 bietet auch hier einen überwältigenden Anblick. Nach einem Batterienwechsel heulte der Motor auf wie ein übermotorisiertes ferngesteuertes Rennauto. M „verflixt noch mal“, aka M 37 sollte auch noch zu schaffen sein. Wie hingeworfene Reiskörner.
Zum Schluss mein Lieblingsdoppelstern, Mizar und Alcor. Und ganz zum Schluss die Landung auf dem Jupiter. Vier Monde, einige Bänder. 2330.
Fazit: Eine Sternenfahrt, wie ich sie noch nie erlebt habe. Trotz Eiseskälte, skeptisch blickenden Nachtwanderern, Schneemonstern (der Verstand sagte Füchse, das Gefühl hingegen…) und einer warmen Stube, die lockte, entschädigte die Reise durch Raum und Zeit für alle erduldete Unbill.
CS