Altes Fernglas ! Kennt es jemand ?

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Orion300177

Aktives Mitglied
Hallo
Ich bin über Weihnachten bei meinen Schwiegereltern
im Vogtland. Gestern habe ich mich mit dem Opa über Ferngläser unterhalen,und dabei stellte sich raus das
er noch ein sehr altes Glas besitzt. Jetzt würde ich gern
Eure Meinung dazu hören, weil auch nichts auf dem Glas steht.Der Objektivdurchmesser beträgt ca. 40mm ( habe ich gemessen ). Habe Bilder gemacht, aber ich weiß nicht wie ich die hochladen kann, kann mir das mal jemand sagen wie das geht ?
MfG Jan
 
Hallo Jan,
das ist ein sog. "holländisches" Fernglas, optischer Aufbau Konvexlinse als Objektiv und Konkavlinse als Okular.
Dieser Typ braucht keine Prismen zur Bildumkehr, liefert aber auch nur geringe Vergrößerungen. Meist wurde sowas als "Opernglas" eingestzt oder heutzutage auch als Spielzeugfernglas für Kinder im Plastikgehäuse.
War schon früher billiger in der Herstellung als Prismengläser und daher eher als "Fernglas fürs Volk" zu betrachten.
 
Hallo Jan,
zu diesem Fernglastyp findest Du ergänzend zu den Ausführungen von Detlev hier noch ein paar Angaben. Wie Detlev schon geschrieben hat, sind diese Gläser nicht sehr leistungsfähig und technisch überholt.

CS. Frank
 
Sowas hab ich vor 30 Jahren auch bei Oma auf dem Dachboden gefunden. Sah in etwa genauso aus, holländische Fernrohre bescheidener Qualität. Davon hatte sie gleich 4 oder 5 herumliegen.

Gruß
Adson
 
Hallo Jan, Adson, Frank, Detlev und Andreas.

Da habe ich auch noch ein unbekanntes Uralt-Glas. Das Glas hat leider nur noch ein Okluar. Schlechter Zustand. Es steht keine Firmenbezeichnung darauf. Nur "Nachtglas" und "4,5 x 40".....

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Kennt es jemand vielleicht von Euch? Könnte es Zeiss sein? Muß wohl irre alt sein. So wie ich das sehe wurde Messing, Aluminium und echtes Leder verbaut. Das Glas ist mehr als nur einfach abgegriffen. Es wird wohl viel erlebt haben... Hmmmm.

Frohe Weihnachten.

Grüße,
Oliver
 
Hallo

Vielen Dank für Eure schnellen Antworten, habe die Informationen gerne weitergegeben.
Ich wünsche hier an dieser Stelle allen Lesern ein wunderschönes Weihnachtsfest und besinnliche Feiertage.
Liebe Grüße Jan
 
Hallo Andreas,

als ich die Dinger gefunden habe, war ich eher im "damit spielen und zerlegen" - Alter. Das durfte ich damals und das hat mich schon seinerzeit skeptisch gemacht :) Meine Oma bezeichnete diese Dinger als "Operngläser", ich schätze die hatten nicht mal 3x Vergrößerung. Aussehen exakt so wie auf den Bildern von Jan, allerdings etwas besser erhalten ... bevor sie mir in die Hände fielen. Aber wie gesagt, lang ist's her.

Gruß
Adson
 
Hallo Oliver,
Dein Fernglas dürfte in den dreissiger Jahren des 20.Jh hergestellt worden sein. Von Zeiss ist es sicher nicht. Zeiss hatte z.B. eine andere Anordnung des Fukussierrades ( hier zu sehen). Aufgrund des Fokussierrades und der Okularkonstruktion könnte es von den Gebr. Nitschke Rathenow hergestellt worden sein. Das ist aber nicht sicher. In den mir zur Verfügung stehenden Katalogen habe ich dieses Fernrohr nicht gefunden.

CS. Frank
 
Hallo Frank.

Vielen Dank das Du Dich gemeldet hast. Ich habe gerade schon einen Blick auf Deine ganz tolle Webseite geworfen. Da werde ich heute wohl länger darin herum blättern. Das Theaterglas "Theatis" habe ich gerade dort auch schon bewundert. :)

Ich habe nochmal dort nachgefragt, wo ich das Ferglas es her habe. Angeblich soll der damalige Besitzer es 1902 schon mit nach Afrika genommen haben, es also vor 1902 erworben haben. Ich habe mehrmals nachgefragt aber "auf jedenfall 1902". Vor dem 1. WW sowieso. Bin da jetzt total durcheinander. Sollte es wirklich schon über 100 Jahre alt sein? Der Herr Carl Zeiss hat ja im 19. Jahrhundert auch Ferngläser produziert. Das steht sinngemäß zumindest so in Wikipedia. Aufgrund der Umrahmung von dem Schriftzug "Nachtglas" habe ich zumindest vermutet, das es aus dem "Umfeld" von Carl Zeiss kommt. Aber allerhöchsten aus 1939 oder später. 1902 oder früher - kann ich gar nicht glauben.

Hier noch ein Bild vom Fokussierrad.

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Vielleicht erkennt jemand anders ja dieses Fernglas?

Grüße und CS,
Oliver

 
Hallo Oliver,
von Zeiss und aus dem Jahr 1902 ist das Glas mit einiger Sicherheit nicht. Ältere Zeiss-Gläser haben alle eine Fokussierung über Einzelokulareinstellung. Der Mitteltrieb wurde bei Zeiss erst 1909 eingeführt. Ein anderer Hersteller, der das Glas 1902 hergestellt hat, dürfte auch ausscheiden. Zeiss hatte bis 1908 ein Patent auf Gläser mit erweitertem Objektivabstand - und hat wohl auch ziemlich konsequent seine Patentansprüche durchgesetzt. Die Prismengläser von Mitbewerbern hatten so einen nicht erweiterten Objektivabstand (so wie z.B. dieses Glas - das ist zwar ein etwas untypisches Glas von Zeiss, ich habe aber keine andere Abbildung im Netz gefunden).
Wenn auch meine Einschätzung der Herstellung in den dreißiger Jahren vielleicht etwas konservativ war - von 1902 ist das Glas aber nicht. Alte Ferngläser werden manchmal mit Mythen weitergegeben, die oft mit der Realität nichts zu tun haben. Deshalb solte man auch vorsichtig sein und beim Kauf solcher Gläser nicht zu viel bezahlen (die Preisbildung auf diesem Sammlermarkt ist eh ziemlich schwierig - vorsichtig ausgedrückt).

CS. Frank
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Frank.

Ja, das klingt nachvollziehbar. Wenn Zeiss bis 1908 ein Patent zu dem erweiterten Objektivabstand hatte, dann wird es wohl kaum jemand anderes gewagt haben, es zu bauen. Ich habe inzwischen eine eingestanzte Nummer entdeckt. Unheimlich klein und kaum sichtbar. "27452". Entweder ist das die Seriennummer oder das Datum der Herstellung.

Hier noch weitere Bilder:


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Wenn ich den Dioptrien-Ausgleich so betrachte, habe ich das Gefühl das dieses Glas sogar aus den 50er oder 60er Jahren stammen könnte. Ich habe für das Glas aber kaum etwas etwas bezahlt. Ist nur für das Regal. Durchschauen kann man eh kaum noch, da ja ein Oklular fehlt. Ich habe aber wirklich überhaupt keine Ahnung wer es hergestellt hat. Auch finde ich in Suchmaschinen keine Ferngläser mit der Bezeichnung: "7 1/2 x 40" oder "7,5 x 40".

Schönen 2. Weihnachtstag,
Oliver
 
Hallo Oliver,

offensichtlich bist Du hier der Einzige, der ein solches Glas kennt, bzw. besitzt.
Ich kann deshalb über die Herkunft auch nur Vermutungen anstellen. Da ein Markenname fehlt, habe ich nur zwei Möglichkeiten anzubieten :

1. Es handelt sich um eine Auftragsfertigung eines deutschen Herstellers für eine andere Firma. Normalerweise lässt der Auftraggeber aber dann auch seinen Namen eingravieren, was hier nicht der Fall ist, weswegen ich Nummer 2. bevorzuge.

2. Es handelt sich um ein ausländisches Glas, welches für den deutschen Markt hergestellt wurde. Sehr fleißig waren hier die Franzosen. Da sich "No-name" sicher auch damals nur über einen günstigen Preis an den Mann bringen ließ, dürfte die Qualität eher einfach sein(optisch u.mechanisch). Zeitlich würde ich es zwischen 1910 und 1920 einordnen.

Theoretisch gibt es natürlich noch die Möglichkeit, daß z.B. der auch schon von FrankZ ins Spiel gebrachte und auch von mir wegen des Aussehens favorisierte Hersteller Nitschke einen Teil seiner Produktion ohne Markennamen auslieferte. Aber das war in Deutschland, bei Ferngläsern jedenfalls, damals nicht üblich. Wenn dem so gewesen wäre, müssten wesentlich mehr "No-name"-Ferngläser auf dem Markt sein.

Es gibt Sammler, die sammeln alles, was sie in die Finger kriegen können. Aber selbst bei denen dürfte es schwer sein, mehr als 15 Euro für dieses nicht mehr vollständige Teil locker zu machen. Als Ersatzteilspender ist es wegen mangelnder Austauschbarkeit wohl auch ungeeignet. Falls die Objektive nicht verkratzt sind, könnte man sie abschrauben und samt Fassung als Lupen benutzen.
Ansonsten gibt es bei Ebay jede Menge Ferngläser aus der Zeit für 15-30 Euro, die nicht kaputt und mit etwas Glück sogar von Zeiss sind. ( DF 6x, Silvamar, Turact, Telex usw.)

Viele Grüße

Klaus


 
Hallo Klaus.

Vielen Dank für Deine Hinweise. Möglicherweise ist es wirklich eine Auftragsfertigung für den damaligen deutschen Markt gewesen. Allerdings gibt es immer noch meinen Gedanken, das es doch ein Stück "Zeiss-Geschichte" sein könnte. Wie ja schon oben kurz erwähnt, habe ich eine kleine Seriennummer gefunden. 27452 ist eingestanzt. Nach dieser

Liste

stammt das Fernglas aus dem Jahr 1900. Dazu kommt, das mir gesagt wurde, das der damalige Besitzer es 1902 mit nach Afrika genommen hat. Ich hatte nochmals nachgefragt aber es fiel immer das Jahr 1902. Vielleicht wurden einige Gläser absichtlich ohne die Angabe "Zeiss" hergestellt. So etwas gab es ja auch später immer mal wieder. Ich habe z.B. ein Fernglas, wo nur draufsteht: "Aus Jena". Das waren die Ost-Gläser, die für den West-Export gebaut wurden. "Zeiss Jena" durfte hier in der BRD ja wegen dem Namensstreit um "Zeiss" ja nicht drauf stehen. Das Glas ist ein Jenoptem/Binoctem 7x50 - es steht aber nicht drauf.

Diese 5 stellige Nummer ist doch mit hoher Warscheinlichkeit eine Seriennummer - wohl fortlaufend, wie üblich. Wer hat den um 1910 schon 27 Tausend Ferngläser produziert, wenn nicht Hensoldt/Zeiss?. Die Franzosen? Allerdings spricht gegen die Annahme, das es aus 1900 und von zeiss stammen könnte, das Frank weiter oben schrieb, das Zeiss den Mitteltrieb erst 1909 eingeführt hat. ?)

Auf jedenfall lese ich mich seit Tagen in die "deutsche Fernglasgeschichte" im Internet ein. Alles sehr interessant. Das Glas war mir 20 Euro Wert. Halt zum Anschauen. Ich mag so "alten" "Kram".

Vielleicht liest irgendwann jemand in ein paar Jahren diesen Tread und erkennt das obige Glas. Ob dann die Bilder allerdings noch gehostet werden ist natürlich nicht sicher. Dann einfach eine "PM" an mich schreiben. Ich würde mich sehr freuen.

Grüße,
Oliver



 
Jo Oliver,
häufig werden solche Gläser mit dem Hinweis verschlitzt, dass es der Opa im Russlandfeldzug mit hatte - der schlechte Zustand wird dann damit begründet, dass es schließlich im "Einsatz" war.
Da ist die Afrikageschichte schon wesentlich besser :applaus: - so hast Du die 20 Teuronen also wenigstens für ne gute Story hingelegt :Trost:.

CS. Frank
 
Hallo Frank.

Hehe - klasse, daran habe ich noch gar nicht gedacht aber die "Afrika-Story" wurde mir recht gut vermittelt. So wie das Glas aussieht, lag es wohl auch mehrere Jahre im Wüstensand und wurde dort möglicherweise 40 Jahre später gefunden und "hektisch" nach Deutschland zurück gebracht. Das würde vielleicht auch das fehlende Okular erklären...

Na - ich bin gespannt wer es demnächst hier vielleicht erkennt und die Afrika-Story definitiv ausschließen kann :totlach2:

Grüße,
Oliver
:)



 
Der Vollständigkeit halber:
Der Bilderlink für meine obig genannten Fotos ist schon Tod. Halt kostenloses Angebot mit 3 Wochen Haltbarkeit. Ich habe die Bilder mal auf eine schnell errichtete Homepage bei Beepworld gesetzt.

Hier

Gruß, Oliver
 
Ich konnte noch jemanden dazu gewinnen, das er sich die Fotos, hier über diesen Eintrag, anschaut. Er schrieb, das es sich auf jedenfall um ein Doppelglas mit Porro I-Prismensystem und Mitteltrieb handelt. Das Material des Gehäusedeckel ist vermutlich Aluminium oder vielleicht auch Zink. Justierung erfolgt vermutlich über kleine seitliche Schräubchen, über die die Lage der Prismen verändert wird. Der Form nach würde er das Glas (ebenfalls) zwischen 1910 und 1920 einordnen. Hersteller vielleicht eine Rathenower Fa. Nitschke o. ä. Die Beschriftung mit "Nachtglas" diente wohl in erster Linie Werbezwecken und sollte mögliche Käufer anlocken. (Vielen Dank für die Einschätzung.)

Soweit das neuste zu diesem unbekannten Fernglas. Vielleicht findet sich ja hier mal jemand, der es definitiv einem Hersteller zuordnen kann.

Grüße,
Oliver

 
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