Asteroiden 2007 TD140 und 2011 SQ118

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axelm

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Hallo Asteroidenfreunde,

analog zu Manfred, der sich ja bisher nur auf die reine Darstellung der Objekte beschränkt, möchte ich Euch heute einmal zwei meiner Aufnahmeserien präsentieren, die vielleicht den Einen oder Anderen von Euch auch zu "etwas weiter gehenden" eigenen Kleinplanetenbeobachtungen anregen...

Beobachtet wurde von unserer Sternwarte im Ruhrgebiet aus mit einem 12"- bzw. einem 14"-Newton und CCD-Kamera. ...o.k. nicht gerade durchschnittliches Amateurequipment, aber auch bereits mit deutlich kleineren Gerätschaften ist auf diesem Betätigungsfeld einiges zu erreichen.

Ziel unserer Beobachtungen war die Astrometrie zur Bahnverbesserung der Objekte - wobei man als Beobachter natürlich auch immer die Möglichkeit einer potentiellen zufälligen Neuentdeckung im gleichen Bildfeld im Hinterkopf hat. :/

Erstellt wurden die Bilder über MaxIm DL (noch in der Version 4.61), die Auswahl der Objekte bzw. die Positionierung des Teleskops erfolgte über das für die Kleinplantenbeobachtung sehr gut geeignete Planetariumsprogramm EasySky und die anschließende Auswertung mit dem Programm Astrometrica.

Erstes Objekt des gestrigen Abends war der Kleinplanet 2007 TD[Sub]140[/Sub], der zurzeit bei einer Entfernung von 0,84 AE mit knapp 18,5 mag im Sternbild "Schlangenträger" zu finden ist. Die Eigenbewegung lag bei schon recht zügigen 1,36"/min.

Zum Einsatz kam unser 14"-Newton mit Baader-Korrektor bei f=1610mm. Kamera: ST10-XME mit IDAS LPS-Filter. Die Einzelbilder der Animation bestehen aus jeweils 26 Aufnahmen à 90s im 2x2-Binning, die mit Astrometrica auf die Eigenbewegung des Asteroiden gestackt wurden.

Link zur Grafik: http://www.bph.ruhr-uni-bochum.de/~axelm/tso/temp/K07TE0D.gif

Das zweite Objekt des Abends war der Kleinplanet 2011 SQ[Sub]118[/Sub], der zurzeit bei einer Entfernung von 1,23 AE mit knapp 19,0 mag im Sternbild "Schlangenträger" zu finden ist. Die Eigenbewegung lag bei moderate 0,75"/min.

Hierbei kam unser 12"-Newton mit Paracorr-Korrektor bei f=1730mm zum Einsatz. Kamera: ST8-XME mit IDAS LPS-Filter. Die Einzelbilder der Animation bestehen aus jeweils 10 Aufnahmen à 240s im 2x2-Binning, die ebenfalls mit Astrometrica auf die Eigenbewegung des Asteroiden gestackt wurden.

Link zur Grafik: http://www.bph.ruhr-uni-bochum.de/~axelm/tso/temp/K11SB8Q.gif

Diese Bilder sind natürlich nur ein "Abfallprodukt" unserer eigentlichen Messung!

Diese erfolgte mittels Astrometrica, wobei der bis zu einer Grenzgröße von ca. 17,5 mag herunter reichende URAT1 Sternkatalog zum Einsatz kam.

Als Ergebnis konnten folgende Daten an das Minor Planet Center (MPC) in den USA übermittelt werden:

K07TE0D KC2015 06 09.91842 18 11 54.90 +12 38 24.8 18.2 R 628
K07TE0D KC2015 06 09.94866 18 11 53.55 +12 39 20.4 17.8 R 628
K07TE0D KC2015 06 09.97891 18 11 52.27 +12 40 16.6 18.1 R 628
K11SB8Q KC2015 06 09.92217 18 10 26.58 +06 50 34.0 18.7 R 628
K11SB8Q KC2015 06 09.95122 18 10 25.23 +06 50 58.3 18.7 R 628
K11SB8Q KC2015 06 09.98028 18 10 23.96 +06 51 23.4 18.5 R 628


Zur Erklärung:

In der Tabelle finden sich (nach Spalten sortiert):

  • Objektbezeichnung
  • Jahr
  • Monat
  • Tag (mit Dezimale)
  • R.A. Sunden
  • R.A. Minuten
  • R.A. Sekunden (mit Dezimale)
  • Deklination Grad
  • Deklination Minuten
  • Deklination Sekunden (mit Dezimale)
  • Helligkeit (in mag incl. Spektralbereich in dem gemessen wurde)
  • der Stationscode (628)

Clear Skies,
Axel
 
Hallo Axel,

danke für Deinen ausführlichen Bericht, sehr spannend.
Das wäre durchaus ein Bereich, in dem ich mir auch vorstellen könnte mitzuwirken.
 
Hallo Axel, das find ich wirklich schön zusammengefasst. Auf jeden Fall ein Thema was man genauer anschauen kann :)

Eine Frage dazu: Du schreibst mit Astrometrica gestackt. Die Aufnahme selbst ist aber schon auf die Sterne nachgeführt, oder?

Vg
Torsten
 
Hallo Ralf, hallo Torsten,

Das wäre durchaus ein Bereich, in dem ich mir auch vorstellen könnte mitzuwirken.
Auf jeden Fall ein Thema was man genauer anschauen kann

Es würde mich freuen, wenn der Eine oder Andere hier im Forum seine (vielleicht auch zu einem völlig anderen Zweck erstellten) Aufnahmen auf das Vorhandensein von Kleinplaneten hin untersuchen würde. Die anschließende Vermessung mit Programmen wie Astrometrica ist nicht aufwändig und nimmt auch ohne großartige Übung pro Bildserie nicht mehr als vielleicht 15min in Anspruch.

Wer speziell Interesse an Kleinplaneten hat, hat in zwei Wochen zudem die Gelegenheit an der entsprechenden VdS-Fachgruppentagung teil zu nehmen. Infos und Anmeldemöglichkeit gibt es auf der Tagungs-Homepage.

@Torsten:

Eine Frage dazu: Du schreibst mit Astrometrica gestackt. Die Aufnahme selbst ist aber schon auf die Sterne nachgeführt, oder?

Ja, die Einzelbilder sind ganz normal auf die Sterne nachgeführt worden. Wenn man gezielt auf Kleinplaneten geht, sollte man hierzu aber die Belichtungszeit der Einzelbilder so wählen, dass das Zielobjekt auf den Aufnahmen noch nicht zu sehr zur Strichspur auseinander gezogen ist.

Gute Planetariumsprogramme bieten hierfür Informationen zur Eigenbewegung der Kleinplaneten an. Zusammen mit der Pixelgröße der verwendeten Teleskop/Kamera-Kombination kann man so die maximale theoretisch sinnvolle Belichtungszeit für bereits bekannte Objekte im Bildfeld abschätzen.


Beispiel:

Wir haben an unseren Teleskopen eine Pixelgröße von knapp 2", wobei das Seeing während einer typischen Belichtung bei uns in der Stadt meist um die 3" liegt. Bewegt sich der KP mit 1"/min wäre er also auch noch nach 3 min punktförmig auf dem Bild. Nimmt einen minimal länglichen KP in Kauf (das lässt sich auch noch gut vermessen), könnte man die Belichtungszeit durchaus auf 5 min ausdehnen. - Ob das bei der evtl. vorhandenen Himmelsaufhellung noch machbar ist, steht auf einem anderen Blatt...


Untersucht man verschiedene Himmelsareale auf die Eigenbewegung der in Ihnen stehenden Kleinplaneten hin, wird man dabei übrigens auch feststellen, dass diese fast alle eine sehr ähnliche Geschwindigkeit besitzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bisher unentdecktes Objekt also ebenfalls noch punktförmig abgebildet wird, ist daher auch für Neuentdeckungen sehr hoch.

Für das Stacking in Astrometrica greift die Software übrigens auf die KP-Datenbank des Minor Planet Centers (MPC) und auf den FITS-Header der Bilddatei zurück.

Aus dem Header berechnet sich die Mitte der Einzel- bzw. Serienbelichtung, woraus dann anhand der Datenbank Geschwindigkeit und Richtung der Eigenbewegung berechnet werden.

Nachdem der exakte Bildmaßstab anhand der Vergleichsterne (auf den Einzelbildern) bestimmt wurde, werden diese entsprechend der Eigenbewegung gegeneinander versetzt und erst dann miteinander zum Endbild kombiniert.

Der Nutzer kann dann den KP mittels der Maus markieren und die Software ermittelt die genaue Position und Helligkeit anhand der zuvor vermessenen Vergleichssterne.

Als Hilfe kann Astrometrica auf Wunsch auch die Positionen ALLER in der KP-Datenbank enthaltenen Objekte im Bildfeld einblenden, so dass man die Aufnahmen dann direkt mit den entsprechenden anderen Eigenbewegungen noch einmal stacken und vermessen kann.

Bis dann,
Axel
 
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