Astroeinstieg mit 10x50

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TiScho

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Hallo!

Ich berichte mal kurz über meine ersten Beobachtungen am Sternenhimmel:

Zum Einstieg habe ich mich aus Gründen der Mobilität und der guten Übersicht gegen ein Teleskop und für ein 10x50 Fernglas entschieden.

Auf einem Acker nahe Bremen habe ich, mit Gary Seroniks "Binocular Highlights" bewaffnet, zunachst einmal mit dem Schwertgehänge Orions angefangen. Ich war wirklich angenehm überrascht, was sich mir für ein Anblick bot: M42/43 waren tatsächlich als Nebel zu erkennen und auch NGC1981 konnte ich identifizieren. Anschließend schaute ich mir noch den schönen Farbgegensatz von Beteigeuze und Rigel an. Dieses rot und bläulich war mir mit bloßem Auge nie wirklich aufgefallen.
Der nächste Klassiker auf meiner Liste waren die Plejaden. Hier war ich von der tollen Abbildung im Fernglas besonders angetan. Alle sieben Sterne des Siebengestirns leuchteten mir klar und bläulichweiß entgegen und auch noch zahlreiche kleinere Hintergrundsterne waren zu sehen. Meine unscharfen Augen zeigen mir sonst nur einen milchigen Fleck am Himmel.

Die Hyaden zu finden war schon etwas schwieriger für mich, da der Himmel keineswegs perfekt war. Ich konnte mich aber gut an Aldebaran orientieren, den ich mit bloßem Auge sehen konnte. Kaum hatte ich ihn dann im Fernglas, füllten die Hyaden mein gesamtes Sichtfeld, wirklich ein schöner Anblick.

Als nächstes nahm ich mir die Cassiopeia vor, konnte aber keinen der in meinem Buch beschriebenen Nebel finden. Dies lag vor allem an mangelnder Übung, denn Cassiopeia stand eigentlich an einem sehr dunklen Abschnitt des Himmels. Das Problem waren einfach zu viele Sterne. Im Fernglas verschwanden nämlich die markanten Strukturen der Cassiopeia, so daß ich zwar unzählige Sterne sah, aber leider nicht wußte welche.

Dafür habe ich aber dann noch M35 gefunden, indem ich mich am Fuß der Zwillinge entlanggehangelt habe. Der Nebel war zwar recht blaß, aber durch knappes Vorbeischauen ganz gut zu erkennnen.

Schließlich waren meine Finger fast taubgefroren und ich habe mich auf den Heimweg gemacht, wo mich die eigentlich größte Überraschung noch erwartete. Als ich nämlich mit dem Fernglas noch ein wenig vom Balkon aus durch den Himmel schwenkte, stellte ich fest, daß ein relativ unauffälliger Stern knapp über einem gegenüberliegenden Hausdach nicht richtig scharf zu stellen war. Nach einigem Nachfokussieren und genauerer Betrachtung meinte ich zu erkennen, daß dieser "Stern" einfach nicht ganz rund war und fragte mich, ob es sich wohl um Saturn handeln könnte. Schnell fuhr ich meinen Compi hoch und checkte den aktuellen Saturnstand - es paßte. Also richtete ich kurzerhand meinen kleinen Aldirefraktor darauf aus - und siehe da... Saturn! Ein winziger, farbloser Punkt mit einem kleinen Strich hindurch.
Ich hatte Saturn zuvor noch nie gesehen und war trotz der unspektakulären Abbildung ganz begeistert. Auch meine eilends herbeigeholte und astronomisch vollkommen desinteressierte Frau konnte einen Laut der Begeisterung nicht unterdrücken. Der nochmalige Test im Fernglas bewies es, Saturn war tatsächlich von Sternen zu unterscheiden.
Das hätte ich nie gedacht!

So, jetzt aber genug!

Viele Grüße und guten Rutsch

Tim
 
Hallo Tim -
bin auch gebürtiger Bremer und habe früher als Kind mit einem Kaufhausfernrohr im elterlichen Garten geguckt. Schöner Einstandsbericht. Habe auch deinen Thread bei Ferngläser verfolgt, welches ist es jetzt geworden?

Saturn: Ja, das ist ein ziemliches "Irrlicht" - der macht die Sternbilder kaputt (wenn man nicht so genau hinschaut), weil er ungefähr die gleiche Helligkeit hat wie ein heller Gerüststern. Auf einem Stativ hättest du evtl. die ovale Ringform entdecken können. Am besten geht's aber ab 20x auf Stativ.

M42 / 43: Ja, ein Paradestück. Da wäre ein Stativ zum langen Beobachten sicherlich auch angebracht. Ist ja auch mit bloßem Auge schon ein toller Anblick, dieses neblige Wölkchen.

Cassiopeia: Warte bis du einen besseren Himmel hast. Nimm auch deine Sternkarte und ein Rotlicht mit. Cassiopeia ist für eine gute Stunde Beobachten allemal gut. Am Besten bequem aus einem Liegestuhl heraus. Du brauchst also Geduld - dann wirst du auch belohnt.

Plejaden / Hyaden: Und ähnliche nahe Sternhaufen (z.B. auch der Sternhaufen Mel 20 bei Mirfak im Perseus) sind am Besten im Fernglas zu beobachten.

M35: Glückwunsch! Bei schlechtem Himmel macht er vielleicht nicht so viel her. Bei gutem Landhimmel (den merkst du wenn die Sterne so richtig leuchten) sieht's ganz anders aus. Wichtig: entspannt beobachten (Liegestuhl), damit du das FG schön ruhig halten kannst. Wenn du M35 beobachtet hast, solltest du auch gleich "nebenan" im Fuhrmann die Sternhaufen M36, 37, 38 beobachten.

Deine Begeisterung kann ich gut nachvollziehen - Fernglasbeobachten macht einfach Spaß.

Thomas

P.S. Ach, das Docter Nobilem 10x50! Herzlichen Glückwunsch - und dann noch zu Weihnachten! ;)

 
Hallo Thomas aka Dr. Seltsam!

Was die Sache mit dem Stativ angeht, hast Du wirklich recht. Für kurzes Beobachten wie in meinem Bericht kann ich ein (schweres) 10x Glas ganz gut halten, wenn es aber darum geht, auch kleine Einzelheiten wirklich zu sehen, braucht man schon ein Stativ. Werde ich wohl bald mal anschaffen.
Das Gewicht eines Fernglases macht tatsächlich viel aus, ich kann mein 10x50 definitiv ruhiger halten, als mein 8x24.

Gruß und Danke für Deinen Tipp, beim nächsten mal nehme ich mir den Fuhrmann vor!

Tim
 
Hallo Tim!

Ich danke dir für den schönen Spaziergang, zu dem du uns, mit deinem Fernglas, unter nächtlichem Winterhimmel, mit genommen hast!

-"Zum Einstieg habe ich mich aus Gründen der Mobilität und der guten Übersicht gegen ein Teleskop und für ein 10x50 Fernglas entschieden."

Eine weise Entscheidung, sich so dem Himmel zu nähern!
Ich denke, du wirst sie nicht bereuen!

-"Als nächstes nahm ich mir die Cassiopeia vor, konnte aber keinen der in meinem Buch beschriebenen Nebel finden. Dies lag vor allem an mangelnder Übung, denn Cassiopeia stand eigentlich an einem sehr dunklen Abschnitt des Himmels. Das Problem waren einfach zu viele Sterne. Im Fernglas verschwanden nämlich die markanten Strukturen der Cassiopeia, so daß ich zwar unzählige Sterne sah, aber leider nicht wußte welche."

Erst einmal die vier Geraden des W´s öfter "abfahren", um ein Gefühl für das Gesichtsfeld zu bekommen und Orientierung zu erlangen, bzw sich einprägen zu können!
Diese fünf hellsten Sterne sind markant und deren Linien und Ecken Ausgangspunkte für die Nebel!

"Schließlich waren meine Finger fast taubgefroren und ..."

Hattest du keine Handschuhe mitgenommen? Fehler!
Da ist ein Fernglas toll (wenn man es alleine benutzt):
Man stellt (fokusiert) auf jedes Auge scharf (das am besten auf Stativ, auch wenn man es dann nicht weiter nimmt!), später, bei guter Dunkeladaption, überprüft man die beiden foci nochmals. Dabei sind zwei schwergängige Einzeltriebe m.E. gut, da sie sich einmal genau eingestellt, nicht (so leicht) verstellen, wie ein leichtgängiger Mitteltrieb.
Das Fernglas ist für einen Beobachter quasi immer auch bei der nächsten Beobachtungsnacht,(fast)perfekt (auf Unendlich) eingestellt.
Die Hände können also (abgesehen vom Umgang mit Kartenmaterial) in den Handschuhen bleiben, schön warm, ohne dass ein Fingerspitzengefühl abgeht!

Ich kann dir und Binobruder Thomas nur zustimmen:
Fernglasbeobachten macht einfach Spaß!

KH und Gruß aus dem Allgäu!

Helmut


 
Hallo Helmut!

So ein Ärger, soeben versuche ich, nochmal die Cassiopeia anzuvisieren, da ziehen Wolken auf. Naja, kann man nichts machen. Immerhin habe ich mir als Anhaltspunkt jetzt ausgelotet, daß mein Sichtfeld ungefähr drei Finger breit ist. Ich denke, das wird schon ein wenig helfen.

In Bremen gibts halt nur Wolken und Licht, im Allgäu mußte man wohnen...

Viele Grüße

Tim
 
Hallo!

Gestern Abend gegen 23 Uhr stand der Fuhrmann hoch über meinem Balkon. Trotz schlechter Sicht und erstem Schwarzpulvernebel, griff ich einfach mal schnell zum Fernglas und schaute hoch. Eigentlich hatte ich nicht erwartet, irgendetwas erkennen zu können, doch geelang es mir tatsächlich M36 und M37 einzufangen. Mars war ein guter Anhaltspunkt, denn er stand etwas südlich des Fuhrmanns. Von dort aus hangelte ich mich zu Alnath/B Tauri, von wo aus es dann zum nächsten Stern des Fuhrmanns weiterging. Auf halber Strecke waren dann beide Nebel gleichzeitig als kleine milchige Flecken im Sichtfeld zu erkennen.
Der "Deep Sky Reiseführer" stellt beide Nebel als geeignete Fernglasobjekte mit aufgelösten Sternen dar. Dafür waren meine Bedingungen gestern definitiv zu schlecht - aber immerhin!

Gruß

Tim
 
Hallo Tim - Gute Suchstrategie! Und hättest du das Fernglas noch etwas höher gehalten, hättest du M38 auch noch erwischt, zusammen mit M36.

Bessere Sicht wünschend,
Thomas (z.Z. Darmstadt)
 
Hi Thomas!

M38 nehme ich mir dann beim nächsten mal vor. Besonders gespannt bin ich, was ein wirklich guter Himmel aus diesen Nebeln macht. Ich denke, bei der nächsten guten Gelegenheit mache ich mir mal die Mühe, ein bisschen rauszufahren. Versucht habe ich es bisher wie gesagt vom Balkon aus der Bremer Neustadt(...), von der Ochtum und vom Park links der Weser (beim Roland Center). Vielleicht kennst Du die Ecken ja noch aus Deiner Bremer Zeit. Es geht dort zwar einigermaßen, aber wirklich dunkel ist es natürlich nicht (Flughafen).

Ich berichte dann mal.

Bis bald

Tim
 
Hallo Tim -
komme ursprünglich aus Bremen-Nord, genauer gesagt einer kleinen nieders. Randgemeinde. Da wurd's nachts immer recht dunkel. Die Stadt würde ich an deiner Stelle ganz meiden und auf's flache Land, vielleicht Richtung Fischerhude und Teufelsmoor, rausfahren. Das Blockland wird wohl noch zu stadtnah sein.

Thomas
 
Genau, werde ich auch demnächst tun. Das Teufelsmoor bei Nacht allerdings... da braucht man schon Nerven aus Stahl...
 
Nerven aus Stahl - wenn der Name Teufelsmoor Programm ist, dann kann ich mir das gut vorstellen.

Mir graut es auch immer, wenn ich irgendwo alleine im Dunkeln in der Landschaft stehe und irgendwelche unidentifizierten Geräusche höre.
 
Ach, das Teufelsmoor ist im wesentlichen kultiviert, leider! Aber es ist eine schöne ländliche Gegend mit alten Torfkanälen. Das berühmte Künstlerdorf Worpswede (Paula Modersohn Becker und andere lebten dort) ist in der Nähe. Außerdem gibt es den höchsten Berg der ganzen Umgebung hier, den Weyerberg in Worpswede mit 54m über N.N.!

Thomas (Heimat ist was schönes! - :seufz:)
 
Hallo Tim,

probiere auch mal Holmes und Tuttle zu erwischen. Als ebenfalls Bremer kann ich dir sagen, die gehen auch vom Balkon aus - zumindest von hier aus dem Stadtteil Findorff. Und Gratulation zum 10x50. Ich war übrigens eine Woche nach dir mit Carsten im "Vogelhäuschen" im Blockland. Bei mir ist es das Swift geworden, allerdings in der ED Version. Jetzt brauchen wir hier nur noch klaren Himmel.

In diesem Sinne, clear skies.

Klaus
 
Hallo!

25x100 nur bei gutem Preis. Ich baue das Geld leider auch nicht am Weserdeich an...

Ja, an die beiden Kometen habe ich auch schon gedacht, hatte aber angenommen, die wären viel zu lichtschwach. Danke für den Tipp, ich werde es bei nächster Gelegenheit auf jeden Fall mal probieren.

Sag mal Klaus, hast Du die Audubon ohne/mit ED auch direkt miteinander verglichen? Die Gelegenheit hatte ich nämlich nicht. Wie sind die Unterschiede? Muß man bei beiden so nah an die Okulare?

Viele Grüße und bis bald

Tim
 
Hallo Tim,

direkt miteinander konnte ich beide leider nicht vergleichen, damals war ja nur die normale Version dabei, aber beide sind bis auf das ED-Element exakt baugleich.
Ich hatte aufgrund der vielen Berichte über das Swift und dessen problematischen Einblickverhaltens auch so meine Befürchtungen. Umso erfreuter war ich dann, als ich selber durchblicken konnte. Für mich und meinen Schädel (und meine Augen) passt das Glas einfach optimal. Nach kurzer Rücksprache mit Simone habe ich mich dann für die ED-Variante entschieden (ich hatte eh schon immer mit dem ED geliebäugelt). Am meisten störten mich die etwas harten Augenmuscheln, aber Simone schickt mir noch ein Paar Baader Okularmuscheln zum Austausch, mit denen soll es besser gehen (es geht nichts über guten Service). Leider kam das Glas erst heute früh, da es erhebliche Probleme mit der Post gab, aber das ist eine andere Geschichte ... . Der Sternentest steht also noch aus. Vielleicht schreibe dann noch mal einen kurzen Bericht im Fernglas-Forum.

Soweit, viele Grüße, Klaus
 
Das wäre toll! Viel Spaß wünsche ich Dir auf jeden Fall mit dem Glas. Du wirst es bestimmt nicht bereuen..

Gruß

Tim
 
Hallo Tim!
Ich wohne in Achim.Fahre doch mal in die Achimer Marsch,oder nach Achim-Bollen ( gleich in der Nähe der A1 ).
Dort ist es herrlich dunkel!
Ansonsten gibt es zwischen Achim und Embsen auch noch einige Felder ( direkt neben der Landstrasse ),wo Wege abgehen,die Du mit dem Auto befahren kannst.Auch schön für Beobachtungen.

C.S.
Kerstin
 
Hi Kerstin,

vielen Dank für den Tipp. Ich beneide all jene, die in ländlichen Gebieten leben und nicht immer erst ins Auto steigen müssen. Dabei habe ich mein halbes Leben auf dem Lande gelebt und nicht ein einziges mal mit dem Fernglas in den Himmel geschaut...

Gruß
Tim
 
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