Astrotauglichkeit NOBILEM 10x50 B/GA?

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Hallo Peter,

allgemeinverständlich habe ich das alles verstanden, auch ohne Test. Die individuelle Sehleistung ist aus Sicht der Augenoptik starken Schwankungen unterlegen.

Die Frage nach dem asymmetrischen unscharfen Zonenring bleibt dennoch offen, speziell unverständlich.

12 vs. 7 = 5 = eindeutig zu viel.

Für mich eine Zahl, die alle anderen Zahlen in Frage stellt, ohne aber den Grundsatz der personenabhängigen Sehleistung anzutasten.

Fazit nach Zahlen:

Suchst du ein Glas unter Berücksichtigung der Werte aus dem Nobilem für einen dich akzeptablen Schärfebereich, müsste dies abzüglich deine Werte 100% GF scharf abbilden um dir die evtl. nun von mir angedachten 80% zu bieten.

Das wird dann teuer - z.B. Swaro EL 10x50 SV.

 
Liebe Fernglasfreunde,

der ausführliche Test des Nobilem 10x50 B/GA ist seit ein paar Wochen beendet. In der Abschlußbetrachtung des Testberichtes möchte ich noch die Kurzbewertungen von 5 weiteren 10x50 bzw. 10x56-Gläsern bis ca. 500 Euro einbauen, um mögliche Alternativen zum Nobilem für den einen oder anderen aufzuzeigen.

Das letzte Glas - ein "Barr & Stroud Savannah 10x56 ED" - bekomme ich Anfang der Woche, so daß dann in Kürze der ausführliche Testbericht des Nobilem erscheint.

Allen eine angenehme Woche und beste Grüße -

Peter aus Sachsen

 
Erfahrungsbericht NOBILEM 10x50 B/GA – Teil 1

Nachfolgende Ausführungen enthalten kaum Angaben, die in Shopbeschreibungen zu lesen sind. Vielmehr möchte ich praktische Erfahrungen bei der Benutzung des Glases weitergeben, die dem Interessenten bei einer Kaufentscheidung nützlich sein können. Unbedingt zu erwähnen ist noch die Tatsache, daß Erfahrungen immer persönlich und subjektiv sind und nicht in jedem Fall für andere relevant sein müssen.

Der Hersteller Analytik Jena AG hat mir für ca. 4 Wochen ein Glas und einen Stativadapter kostenfrei ausgeliehen – ein beachtenswerter Service! An dieser Stelle herzlichen Dank dafür.

Von den Abmessungen ist das NOBILEM für ein 10x50 groß und wuchtig, auch bedingt durch einen großen Objektivabstand. Die dicke, schwarze Gummierung tut ihr übriges. Mit ca. 1,2 kg ist das Glas auch kein Leichtgewicht.

Als sehr hochwertig kann die Verarbeitung bezeichnet werden, alles robust und aus Metall – Gehäuse Magnesiumdruckguß. Die an Gummibändern befestigten Objektivdeckel enthalten einen Metallring zur Formstabilität auf Dauer – eine gute Lösung. Aus einer Einheit besteht der Gummi-Okularschutz zum überstülpen. Der Schutz kann am Trageriemen befestigt werden. Leicht umstülpbar sind die Augenmuscheln.

Es bedarf großer Hände um den etwas schwergängigen Mitteltrieb zu betätigen. Wer die hat, dem liegt das Glas dann gut in den Händen. Bemerkenswert ist die „Innenschwärzung“: eine graue, stumpfe und raue Oberfläche, die kaum Licht reflektiert. Ich habe noch keine vergleichbare bis zu dieser Preisklasse gesehen!
Stativanschluß: Leider kein handelsüblicher verwendbar. Ein spezieller 2-teiliger aus Metall und ca. 80 Euro teurer, der vom Prinzip her gut angedacht ist – ähnlich einer Wäscheklammer, die auf einen am Fernglas angeschraubten Metallzapfen geklemmt wird. Das Fernglas sitzt zwar fest, aber mit dem klassischen Metall-Adapter schwingt das Glas sogar etwas weniger. Bei 15-facher Vergrößerung wird das Glas mit dem Docter-Adapter zum „Wackel-Dackel“. Die Auflagefläche des Adapters zur Stativplatte ist mit Durchmesser 22mm zu klein; möglich wäre 24x30mm – fast die doppelte Fläche. Mir wäre die klassische Befestigungsvariante lieber, und deutlich preiswerter ist sie ohnehin.

30 Jahre DOCTER Garantie – was bedeutet das konkret? Kosten für Material- und Verarbeitungsfehler incl. Arbeitslohn werden in den ersten 5 Jahren übernommen. Für die folgenden 25 Jahre nur Materialkosten, ausgenommen sind Verschleißteile wie z. B. Gummierung, Trageriemen, Augenmuscheln, … Die Zusendung an die Service-Vertretung trägt stets der Kunde. Für eine umfassende Information bitte die vollständigen Garantiebedingungen lesen!

Zur Optik allgemein: Laut allbinos.com sind 2 Linsen im Objektiv und 4 je Okular verbaut. In der Tat ist das NOBILEM ein außergewöhnliches Porro mit höchster Transmission (Lichtdurchlässigkeit), exzellenter Feldschärfe und Kontrast. Auch die räumliche Abbildung im Nahbereich – ab 5,50 Meter – ist mir sofort positiv aufgefallen. Größtes Manko für diese Preisklasse ist der relativ große und deutliche Unschärfebereich am Rand. Bei terrestrischer Nutzung spielt das keine große Rolle, da ein sehr großes Sehfeld – 6,7 Grad – gegeben ist, aber bei Sternfeldbeobachtungen stört es mich sehr – gut, es ist kein Astroglas! Der Wahrheit halber muß ich aber sagen, daß das Schärfefeld-Sehvermögen bei einzelnen Menschen STARK schwankt – meine Frau sieht z. B. ca. 70 Prozent Schärfebereich, ich nur ca. 50 Prozent! In relevanten Testberichten wird auch von 70 Prozent gesprochen – hier bleibt nur der eigene Test. Relativ genau kann das mit einem an der Wand stehenden 2m-Zollstock gemessen werden. Stativ mit Fernglas im Abstand Naheinstellgrenze aufstellen und an der cm-Skala das Bildfeld bzw. das scharfe Feld vermessen. Der Rest ist einfache Mathematik.

Das gesamte Gesichtsfeld bei nicht umgestülpten Augenmuscheln kann ohne Brille überblickt werden; mit Brille kann ich es nicht beurteilen. Einblickverhalten und Augenabstand zum Okular ist angenehm. Wenn möglich sollten aber die Augenmuscheln bei Himmelsbeobachtungen umgestülpt werden, da die Okularlinse beschlagen kann.

Allgemein kann der Farbfehler als moderat beschrieben werden – für mich ist er nicht störend. Bildverzerrungen treten nur minimal auf. Auflösung: Laut Druckbild Auflösungstest.pdf zeigt sich auf der Skala 15 Bogensekunden eine klare Strichtrennung. Nur teilweise kann ich die Striche auf der 10 Bogensekunden-Skala trennen. Damit würde ich die Auflösung bei ca. 13 Bogensekunden sehen. Plus/Minus 3 Dioptrien können am rechten Okular eingestellt werden. Angebracht sind nur Striche und keine Zahlen. Mit über 360 Grad Drehwinkel bietet der Mitteltrieb genügend Spielraum für eine bequeme Scharfstellung.

In einem 2. Teil möchte ich über meine Erfahrungen beim Nachteinsatz schreiben, eine Bewertung des Preis-Leistungsverhältnisses vornehmen und mögliche Alternativen zum NOBILEM aufzeigen.

Bis in Kürze verbleibt

Peter aus dem Erzgebirge


 
Hallo Peter,

danke für deinen Erfahrungsbericht. Wie ich schon weiter oben schrieb, kenne ich das Nobilem 10x50 B/GA nicht gut genug, um deine Ausführungen zu kommentieren. Allerdings besitze ich den zweiteiligen Stativadapter und benutze ihn vor allem am CZJ Dodecarem 12x50B und dem Nobilem 15x60B.

Zitat von Apollo17:
Stativanschluß: Leider kein handelsüblicher verwendbar. Ein spezieller 2-teiliger aus Metall und ca. 80 Euro teurer, der vom Prinzip her gut angedacht ist – ähnlich einer Wäscheklammer, die auf einen am Fernglas angeschraubten Metallzapfen geklemmt wird. Das Fernglas sitzt zwar fest, aber mit dem klassischen Metall-Adapter schwingt das Glas sogar etwas weniger. Bei 15-facher Vergrößerung wird das Glas mit dem Docter-Adapter zum „Wackel-Dackel“.
Deine Kritik am Stativadapter teile ich allerdings nicht. Bei mir wackelt nichts, selbst beim 15x60. Der Adapter sitzt bombenfest auf meinem Berlebach-Neiger. Das zweite Teil sitzt fest am Fernglas und man kann, dank des Wäscheklammer-Prinzips, das Fernglas ohne fummelige Schrauberei zwischen den Tuben aufsetzen. Übrigens, viele Ferngläser wie z.B. die älteren von Zeiss Jena, lassen sich wunderbar mit dem ersten Teil des Adapters an der Mittelachse befestigen.
 
Erfahrungsbericht NOBILEM 10x50 B/GA – Teil 2

Beobachtung am Nachthimmel: Sterne werden punktförmig, aber leicht ausgefranzt abgebildet. Der unscharfe Randbereich mit radialen Sternstrichen ist vom Gesamteindruck für mich sehr störend! Wer einen deutlich größeren Feldschärfebereich wie ich wahrnimmt – siehe auch Teil 1, bewertet das vielleicht anders.

Mond, nahezu voll, hochstehend, wenig Luftunruhe: scharfe, detailreiche Abbildung, je nach Einblick geringer Farbfehler – nicht störend. Minimale Reflexionen sichtbar, wenn der Erdtrabant im Randbereich des Gesichtsfeldes steht – aber wer beobachtet schon so den Mond? Steht das Objekt gerade außerhalb des Gesichtsfeldes, kann ich nur ein aufgehelltes Bildfeld mit zahlreichen Sternen - auch sehr kleinen (im Sinne der Abb.), erkennen.

Jupiter: klare, runde Abbildung mit deutlich Farbe. Da bei 10x50 ohnehin keine Einzelheiten erkennbar sind, ist das Objekt für eine nähere Betrachtung kaum interessant.

Venus: Sichelform überstrahlt, etwas Farbe.

Straßenlaternentest: astreine, scharfe Abbildung ohne störende Reflexionen oder Farbe. Auch keinerlei Bildbeeinträchtigung wenn die Laterne gerade aus dem Gesichtsfeld verschwunden ist.

Terrestrisch kann das Glas uneingeschränkt im Preis-/Leistungsverhältnis empfohlen werden. Der Unterschied zu 200 Euro-Gläsern ist deutlich spürbar, wobei die Fertigung in Deutschland (so meine Kenntnis) das Glas teurer wie nötig macht. Sicher, das ist jetzt eine reine Kundenmeinung, und die ist sehr einseitig!

Wenn Analytik-Jena, der Hersteller, den Schärfebereich des Feldes vergrößern und/oder die Randunschärfe abschwächen könnte sowie die Stativadapterlösung verbessert, dabei unter 1000 Euro-Kaufpreis bleibt, sehe ich verbesserte Absatzchancen gerade im Astrobereich.

Jetzt meine Antwort auf die Frage des Threads: Ist das NOBILEM astrotauglich? Grundsätzlich ja, aber für meine Augen mit ca. 50 Prozent Feldschärfe eher nicht. Wer das Fernglas primär terrestrisch einsetzt, ist es ein „Glas fürs Leben“! Wenngleich meine Leihfrist nur 4 Wochen betrug glaube ich sagen zu können, daß dieses „Teil“ unverwüstbar ist. Wer absoluter Porrofan ist wird meines Wissens bis zur 800 Euro-Preisklasse auch keine ebenbürdigen Kandidaten zur Auswahl finden! Ein 500/600 Euro-Glas aus Asien mit Mitteltrieb (also terrestrisch und Astro) hätte aus meiner Sicht einen guten Markt – nur mal so als Anregung.

Warum habe ich mir das NOBILEM nicht gekauft? Grund ist im wesentlichen der große, deutlich unscharfe Randbereich! Bei Sternfeldbeobachtungen würde ich mich immer wieder darüber ärgern.

Ausführliche Testergebnisse zum Glas könnt ihr auch lesen unter:

http://www.optyczne.pl/58-Test_Lornetki_Docter_Nobilem_10x50_B_GA.html

So, nun suchte ich immer noch das 10x50 für den Rest meines irdischen Daseins. Einen 4-stelligen Preis kann und will ich dafür nicht ausgeben. Dieser Erfahrungsbericht hat sich vor allem deshalb verzögert, weil ich noch eine Reihe preiswerterer Gläser über dem Billigsegment ausprobiert habe. Um welche Gläser es sich dabei handelt und für welches ich mich entschieden habe, folgt im Schlußteil – sorry, sollte eigentlich mit hier rein, schaffe ich jetzt aber nicht!

Bis bald –

Peter aus dem Sachsenland


 
Hallo Peter,

danke fuer den interessanten Bericht! Wenn Du sehr anfaellig auf Randunschaerfe reagierst, dann waere in diesem Preissektor das Fujinon zu nennen. Leider ohne Mitteltrieb; alternativ das 12x50 Nikon SE, wobei 12x fuer viele Leute schon etwas wackelig wird. Solltest Du im Juli im Raum Dresden unterwegs sein, koenntest Du Dir beide Geraete bei mir anschauen.

Viele Gruesse,
Holger
 
Erfahrungsbericht NOBILEM 10x50 B/GA – Teil 3 und Schluß

Alternativ zum NOBILEM bestellte ich:

1. Nikon Action EX 10x50 CF (162,00 Euro),
2. TS Wildlife 10x50 (166,50 Euro),
3. Eschenbach trophy AS/P 10x50 B Ww (200,96 Euro),
4. Barr & Stroud Savannah 10x56 ED (254,90 Euro) und
5. Celestron Granite 10x50 ED plus Stativadapter für Dachkantgläser (499,00 Euro plus 11,99 Euro gebraucht).

Warum habe ich gerade diese Gläser ausgewählt? Als absoluter Porrofan kam anfangs kein Dachkant in frage. Bedingung war eine sehr hohe Feldschärfe, hohe Transmission, guter Kontrast, großes Sehfeld, geringer Naheinstellbereich, kein extrem unscharfer Randbereich, möglichst geringe Reflexionen und ein Kaufpreis bis max. des Nobilem. Maßstab war eben das zuvor getestete Docter-Glas!

Nikon und Eschenbach sind sauber gefertigt, die Bildqualität gut aber für mich nicht ausreichend.

Mit Doppelbild und kleineren Mängeln kam das TS Wildlife bei mir an – sagte letztlich auch nicht zu.

In der Preisklasse war mit Porro nun Schluß, verblieb nur das große Angebot Dachkantgläser. Die Tatsache, daß Dachkant zu Porro im Preis-/Leistungsvergleich etwas ungünstiger ist, war auch mir bekannt. Jetzt kam das schon zuvor einmal gecheckte Celestron Granite 10x50 ED für 500 Euro wieder ins Spiel; laut Shop-beschreibungen ohne Farbsäume und Schärfe bis zum Rand – geradezu verlockend.Tatsache ist, daß die Feldschärfe ausgezeichnet ist und der Schärfeabfall zum Rand hin deutlich moderater wie beim NOBILEM. Das ausgeglichenere Blickfeld des Granite gefällt mir gerade am Nachthimmel deutlich besser wie beim NOBILEM, wobei das Docter-Glas in Sachen Sternabbildung etwas brillianter ist. Je nach Beobachtungsgegebenheiten sind am Granite auch moderat Farbsäume zu sehen, die mich aber nicht stören. Dagegen stören mich am Celestron-Glas bei Nacht starke Reflexionen von hellen Objekten – z. B. Mond oder Laternen, die geringfügig außerhalb des Gesichtfeldes sind. Klar, davon steht natürlich nichts in den Shop-Beschreibungen.

In Abwägung aller Vor- und Nachteile des NOBILEM und Granite habe ich mich für das Celestron-Glas entschieden! Obwohl das Docter-Glas ca. 250 Euro teurer ist, hätte ich bei moderaterer Randunschärfe das NOBILEM gekauft. Bin mit meiner Entscheidung – Granite – aber auch zufrieden, da sehr gute Bildqualität, geringes Gewicht von ca. 800 Gramm, Naheinstellgrenze ca. 3 Meter – für Natur sehr vorteilhaft, großes Gesichtsfeld und großer Augenabstand überzeugende Parameter sind. Mit 58 Jahren will und muß ich auch endlich mal eine Entscheidung für ein gutes 10x50 fällen – wie fast immer im Leben ist es ein Kompromiss!

Der Vollständigkeit halber noch: Barr & Stroud 10x56 ED ist auch ein schönes Glas, aber bei 50 Prozent Kaufpreis zum Granite nicht vergleichbar. Die oft gelesene Erfahrung – du bekommst so viel wie du bezahlst – ist i. d. R. zutreffend.

In der Hoffnung, auch für andere 10x50- Fernglas-Freunde einen kleinen Beitrag geleistet zu haben, verbleibt

mit herzlichen Grüßen

Peter aus dem Sachsenland
 
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