Anette_Aslan
Aktives Mitglied
Liebes Sternenvolk,
Dank der Asterismen-Jägerin Anne (Amsel: www.astronomie-schoenebeck.de) die ich hier im Small-talk Forum kennengelernt habe, erfuhr ich von sehr einsamen Regionen im All, von Gegenden wohin sich kaum jemand verirrt, es sei denn sehr bewusst und mit viel Bedachtheit. Sie selbst hat schon unzählige, will sagen beeindruckend viele Asterismen beobachtet und gezeichnet. Ich wollte diesen Enthusiasmus für eher unscheinbare Sternmuster nachempfinden und begab mich gestern in der Nacht der Nächte auf höchst unkonventionelle Pfade.
Das mächtige Hoch über der Ostsee schaufelte gestern trocken-kontinentale Luft aus Nordost über Österreich, die Frühtemperaturen wiesen schon den ersten Frost mit minus 1,8 Grad auf aber keinen Reifbeschlag. Tagsüber brillierte der legendäre Goldene Herbst mit stahlblauem Himmel und leuchtend bunter Blätterpracht, kein Kondensstreifen hielt sich länger als 2 Minuten, eine leichte Briese aus Ost, wenn auch sehr frisch, versprach ein sehr gutes Seeing und ich baute den 6 FH dann noch in Tageshelligeit so gegen 18h auf. Leider noch immer an der eher ungünstigen Stelle Richtung Nord-West, weil die Bauarbeiten in meiner Ekliptikgegend des Gartens noch nicht abgeschlossen sind. Doch ich hab rausgeholt was eben möglich war.
Bei 6 Grad Celsius und 75% Feuchte eichte ich die Goto am Fraunhofer so gegen 20h an drei Alignsternen, damit ich die empfindlichen Regionen dieser Asterismen, die ja keine physikalischen Zusammenhänge haben müssen, auch gezielt ansteuern kann, denn ich wusste ja noch nicht, was mich erwarten würde. Ist der M13 mal am Rande des Okulars, hol ich den mit den direction-keys in die Mitte. Nun geht das nicht so einfach bei unbekannten Objekten.
Ich hatte zuvor Annes Liste ausgedruckt und mir die Koordinaten jener Asterismen notiert, die ich unter meinem Himmel auch sinnvoll erreichen kann. Ihre Zeichnungen dazu brannte ich mir ins Gedächtnis, doch sie beobachtet durch einen 16 Zöller Spiegel und ich hab da nun den Refraktor, d.h. auch hier umdenken.
Mein erstes Objekt war Teutsch 1554 + 74 im UMI, die Zahlen sind auch gleich die Koordinaten in Rec. und Decl. Hier stellte sich die benutzerdefinierte Anwendung der Goto als genial heraus, denn ich bin diesem Objekt auch schon mit dem 16ner hinterhergejagt und war sehr verunsichert. Trotzdem habe ich die markante Sternformation wieder erkannt, meine Goto steuerte direkt drauf an, diesmal seitenverkehrt aber eindeutig erkennbar.
Hm, was soll ich sagen? Asterismen sind Haufen wohl gleich alter Sterne, die vermutlich eine gleiche chemische Zusammensetzung oder Herkunft haben und eben eine gewisse Dichte aufweisen müssen. In der Tat erwies sich Teutsch 15 als ein Sternmuster, welches deutlich erkennbar war. Ich habe es gezeichnet, kann hier aber noch nichts einstellen, weil ich das nicht kapiere.
Mein nächstes Objekt war dann Teutsch 1825 +2602 im Herkules. Anne´s Favorit. Ich hab´s mir beim Anblick schon gedacht, dass man hier entzückt sein kann. Eine geheimnisvolle Hieroglyphe, ein Chiffre....sehr mystisch anmutend! Hallo Anne, wann bist du mal wieder da oben, wollen wir uns treffen? Hab auch diesen wie überhaupt alle Objekte gezeichnet, um Nummer Sicher zu gehen.
Die Mini-Cassiopeia Kemble2 ist ja bekannt, hatte die zufällig schon öfter im Visier, ohne allerdings zu wissen, dass das auch eine bekannte Asterisme ist. Ja, auch da dachte ich schon, dass sich manche Muster im Kleinen irgendwie wiederholen und lag nicht falsch, das Ding hieß bei mir auch immer Mini-Cassiopeia. Ein wirklich schönes Erlebnis die Cassiopeia als ganzes im Gesichtsfeld zu haben, ich beobachtete übrigens alles mit dem 32mm Weitwinkel von TS.
Patrick 29 auf 1803.06 +2357.5 im Herkules war ebenfalls eine nette Überraschung, ganz eindeutig zeichnet sich hier ein individuelles Muster ab.
Mit Riddle3 auf 2005.50 +3557.3 schloss ich meine Reise in den einsamen Regionen des Alls ab und bei Riddle3 im Schwan kam mir auch ein spontanes "OH" aus der Seele, einfach nur schön, so eine geballte Zartheit von Muster! Von Riddle konnte ich nur die hellsten Sterne zeichnen, im Hintergrund waren noch zu viele.
Das Seeing war ein guter 5er! UMI war zwar für diese Orientierung nicht mehr geeignet, weil der im Nordwesten absoff, aber die Milchstraße war deutlich zu erkennen und das 29km vor Wien! Die Sterne zeigten sich gestochen scharf und nadelfein im Refraktor. Ich machte dann noch eine guidet Tour auf eben das was ich von meiner unseligen Position her erreichen konnte. M27 zeigte sich glasklar und sehr kontrastreich, M92 zeigte im 32mm Oku schon die Randsterne, hier vergrößerte ich auf 100x und es waren knackscharf Randsterne erennbar, mein Baader Hyp kam zu seinem seltenen Einsatz, auch hier bei 250x nicht ganz bis in Zentrum zwar, aber klar aufgelöste Randsterne und beeindruckend scharf abgebildet.
Ja, so gegen 21:45h kommt mein ausgehungerter Gatte heim, dem ich schnell Gemüt und Magen wärmen möchte, als dieser sagt: Ach, du bist ja in Wintermontour? Warst bestimmt Draussen, ist ja eine so dunkle Nacht heute, die Strassenlaternen sind auch alle aus, was ist denn da los?
Ich lies den Guten dann doch lieber verhungern und raste vor´s Haus! Jaaaaaaaa, aus waren sie, sämtliche Stadtbeleuchtung hatte einen Blackout...und mein Teleskop steht auf freier Wildbahn, nix wie ran...will mal endlich was an Galaxien versuchen und wuuuuuuuuuumkawummm sind alle Lichter wider an. Ich tankte mich noch schnell mit ha und chi im Perseus voll, nahm ne Volldusche sozusagen und bin rein, den Ursus zu besänftigen. Von erbeuteten Asterismen kann keiner satt werden...außer ...also ich schon ...schaut´s mal vorbei dort und guten Appetit.
Gruss von Anette
Dank der Asterismen-Jägerin Anne (Amsel: www.astronomie-schoenebeck.de) die ich hier im Small-talk Forum kennengelernt habe, erfuhr ich von sehr einsamen Regionen im All, von Gegenden wohin sich kaum jemand verirrt, es sei denn sehr bewusst und mit viel Bedachtheit. Sie selbst hat schon unzählige, will sagen beeindruckend viele Asterismen beobachtet und gezeichnet. Ich wollte diesen Enthusiasmus für eher unscheinbare Sternmuster nachempfinden und begab mich gestern in der Nacht der Nächte auf höchst unkonventionelle Pfade.
Das mächtige Hoch über der Ostsee schaufelte gestern trocken-kontinentale Luft aus Nordost über Österreich, die Frühtemperaturen wiesen schon den ersten Frost mit minus 1,8 Grad auf aber keinen Reifbeschlag. Tagsüber brillierte der legendäre Goldene Herbst mit stahlblauem Himmel und leuchtend bunter Blätterpracht, kein Kondensstreifen hielt sich länger als 2 Minuten, eine leichte Briese aus Ost, wenn auch sehr frisch, versprach ein sehr gutes Seeing und ich baute den 6 FH dann noch in Tageshelligeit so gegen 18h auf. Leider noch immer an der eher ungünstigen Stelle Richtung Nord-West, weil die Bauarbeiten in meiner Ekliptikgegend des Gartens noch nicht abgeschlossen sind. Doch ich hab rausgeholt was eben möglich war.
Bei 6 Grad Celsius und 75% Feuchte eichte ich die Goto am Fraunhofer so gegen 20h an drei Alignsternen, damit ich die empfindlichen Regionen dieser Asterismen, die ja keine physikalischen Zusammenhänge haben müssen, auch gezielt ansteuern kann, denn ich wusste ja noch nicht, was mich erwarten würde. Ist der M13 mal am Rande des Okulars, hol ich den mit den direction-keys in die Mitte. Nun geht das nicht so einfach bei unbekannten Objekten.
Ich hatte zuvor Annes Liste ausgedruckt und mir die Koordinaten jener Asterismen notiert, die ich unter meinem Himmel auch sinnvoll erreichen kann. Ihre Zeichnungen dazu brannte ich mir ins Gedächtnis, doch sie beobachtet durch einen 16 Zöller Spiegel und ich hab da nun den Refraktor, d.h. auch hier umdenken.
Mein erstes Objekt war Teutsch 1554 + 74 im UMI, die Zahlen sind auch gleich die Koordinaten in Rec. und Decl. Hier stellte sich die benutzerdefinierte Anwendung der Goto als genial heraus, denn ich bin diesem Objekt auch schon mit dem 16ner hinterhergejagt und war sehr verunsichert. Trotzdem habe ich die markante Sternformation wieder erkannt, meine Goto steuerte direkt drauf an, diesmal seitenverkehrt aber eindeutig erkennbar.
Hm, was soll ich sagen? Asterismen sind Haufen wohl gleich alter Sterne, die vermutlich eine gleiche chemische Zusammensetzung oder Herkunft haben und eben eine gewisse Dichte aufweisen müssen. In der Tat erwies sich Teutsch 15 als ein Sternmuster, welches deutlich erkennbar war. Ich habe es gezeichnet, kann hier aber noch nichts einstellen, weil ich das nicht kapiere.
Mein nächstes Objekt war dann Teutsch 1825 +2602 im Herkules. Anne´s Favorit. Ich hab´s mir beim Anblick schon gedacht, dass man hier entzückt sein kann. Eine geheimnisvolle Hieroglyphe, ein Chiffre....sehr mystisch anmutend! Hallo Anne, wann bist du mal wieder da oben, wollen wir uns treffen? Hab auch diesen wie überhaupt alle Objekte gezeichnet, um Nummer Sicher zu gehen.
Die Mini-Cassiopeia Kemble2 ist ja bekannt, hatte die zufällig schon öfter im Visier, ohne allerdings zu wissen, dass das auch eine bekannte Asterisme ist. Ja, auch da dachte ich schon, dass sich manche Muster im Kleinen irgendwie wiederholen und lag nicht falsch, das Ding hieß bei mir auch immer Mini-Cassiopeia. Ein wirklich schönes Erlebnis die Cassiopeia als ganzes im Gesichtsfeld zu haben, ich beobachtete übrigens alles mit dem 32mm Weitwinkel von TS.
Patrick 29 auf 1803.06 +2357.5 im Herkules war ebenfalls eine nette Überraschung, ganz eindeutig zeichnet sich hier ein individuelles Muster ab.
Mit Riddle3 auf 2005.50 +3557.3 schloss ich meine Reise in den einsamen Regionen des Alls ab und bei Riddle3 im Schwan kam mir auch ein spontanes "OH" aus der Seele, einfach nur schön, so eine geballte Zartheit von Muster! Von Riddle konnte ich nur die hellsten Sterne zeichnen, im Hintergrund waren noch zu viele.
Das Seeing war ein guter 5er! UMI war zwar für diese Orientierung nicht mehr geeignet, weil der im Nordwesten absoff, aber die Milchstraße war deutlich zu erkennen und das 29km vor Wien! Die Sterne zeigten sich gestochen scharf und nadelfein im Refraktor. Ich machte dann noch eine guidet Tour auf eben das was ich von meiner unseligen Position her erreichen konnte. M27 zeigte sich glasklar und sehr kontrastreich, M92 zeigte im 32mm Oku schon die Randsterne, hier vergrößerte ich auf 100x und es waren knackscharf Randsterne erennbar, mein Baader Hyp kam zu seinem seltenen Einsatz, auch hier bei 250x nicht ganz bis in Zentrum zwar, aber klar aufgelöste Randsterne und beeindruckend scharf abgebildet.
Ja, so gegen 21:45h kommt mein ausgehungerter Gatte heim, dem ich schnell Gemüt und Magen wärmen möchte, als dieser sagt: Ach, du bist ja in Wintermontour? Warst bestimmt Draussen, ist ja eine so dunkle Nacht heute, die Strassenlaternen sind auch alle aus, was ist denn da los?
Ich lies den Guten dann doch lieber verhungern und raste vor´s Haus! Jaaaaaaaa, aus waren sie, sämtliche Stadtbeleuchtung hatte einen Blackout...und mein Teleskop steht auf freier Wildbahn, nix wie ran...will mal endlich was an Galaxien versuchen und wuuuuuuuuuumkawummm sind alle Lichter wider an. Ich tankte mich noch schnell mit ha und chi im Perseus voll, nahm ne Volldusche sozusagen und bin rein, den Ursus zu besänftigen. Von erbeuteten Asterismen kann keiner satt werden...außer ...also ich schon ...schaut´s mal vorbei dort und guten Appetit.
Gruss von Anette
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