BB: Die Erdnuss ist geknackt...!

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andre_christian

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Hallo allerseits !

Am Freitag morgen habe ich schon immer aus dem Fenster meines Arbeitszimmers geschaut und dabei den Beschluss gefasst, dass dieser Tag mit einer Spechtelnacht beendet werden soll. Das dies die ultimative Nacht werden soll, hätte ich mir zu dem Zeitpunkt noch nicht träumen lassen, aber der Reihe nach.....

Zeit: 8/9.02.08 20.00 - 1.00 Uhr
Ort: Nähe Holzkirchen
Gerät: 8'/f6 Dobson
fst: mind. 5,5 mag (Zwillinge)

Nach Aufbau des Equipments und Anlegen der entsprechenden Kleidung (diesmal 2 Paar Socken mehr..!!)schweift mein Blick in die Runde.Im Süden "thront" Orion auf dem Hase. Der Fuhrmann mit seinem Gastspieler Mars und den Zwillingen, in denen ich noch ein "Lesezeichen" hatte: Aber beginnen wir mit alten Bekannten:

M 42 GN Ori Probehalber probiere ich das 8er Hyp, was einer 150 fachen Vergrößerung entspricht. Keine Probleme mit dem scharfstellen.Ob da noch mehr geht..? Flugs die Zwischenringe eingebaut und , hallo , wir sind schon bei 240x Vergrößerung und bis auf ein kleineres Bildfeld habe ich keine Probleme. Verduzt schraube ich das 5er Hyp hinein und spanne den Bogen bis zu 296 facher Vergrößerung.
Na ja solangsam geht´s an die Substanz; hier ist Ende der Fahnenstange.Ich belasse es bei 150 facher Vergrößerung. Hier ist der Nebel in seiner ganzen Schönheit gut im Gesichtsfeld. Spasseshalber schraube ich den UHC; bzw. O III Filter ein, aber das puristische Bild ist einfach am schönsten !
Und so lasse ich den Nebel immer wieder durch das Blickfeld gleiten und jedesmal entdeckt man neue Strukturen oder Details darin. In guten Momenten trenne auch ich Theta 1 ,den Doppelstern im Trapez.Als der Nacken anfängt zu schmerzen schaue ich auf die Uhr; Uuups; 90 Minuten nur M 42 beobachtet ? Das ist fast Meditation !
Beim Anpeilen des nächsten Objekts registriere ich das Sirius ruhig leuchtet; das nervöse Flackern ist nicht vorhanden; Ein Zeichen für ruhige Luftschichten....?

seta Ori (DS) ist mein nächstes Ziel.Alnitak kann ich mit 150 x trennen, ich würde sagen, dass beide Komponenten weiß sind, aber die hellere ist schon sehr dominant und bügelt den kleinen visuell nieder.
Weil ich grad in der Gegend bin versuche ich NGC 2024 zu erwischen, aber trotz meiner Bemühungen Alnitak am Rande des Gesichtsfelds zu platzieren,habe ich nicht das nötige Glück.

Ich schalte den Lüfter des Hauptspiegels aus, da ich ihn in Verdacht habe Vibrationen zu übertragen, die ich bei den heutigen Vergrößerungen nicht brauchen kann.Sirius strahlt weiter in ruhigem Licht und das ganze Firmament erscheint wie ein sommersprossiges Gesicht, in dem nicht nur hellere Sterne vorhanden sind.Eine fast mythische Ruhe umgibt mich, nur aus dem Osten wird , bedingt durch den leichten Ostwind, die Geräusche der Geräusche der Autobahn sacht angetragen. Auch meine "Feldmäuse-Nachbarn" sind nicht zu hören. Vielleicht habe ich sie beim letztem Mal so nachhaltig erschreckt, das sie mich nun als "temporäres Übel" aussitzen.

Nun aber zum Wunschobjekt in den Zwillingen..

NGC 2392 PN Gem Als Startpunkt wähle ich delta Gem und mache mich mit dem 8er Hyp in östliche Richtung vorsichtig auf die Suche, bis plötzlich ein rundes Nebelfleckchen in meinen Gesichtsfeld erscheint. Ach Gott ist der niedlich und klein. Da wundert mich nicht, dass ich ihn beim letzten mal glatt "überfahren" habe. Ich traue mich mit 185x dem Eskimo auf den Pelz zu rücken. Der Zentralstern ist gut erkennbar, mit UHC ist er weg und der Kontrastgewinn ist marginal.Die Form ist kreisrund, wobei die SW-Ecke etwas heller erscheint. Die Ränder sind nicht scharf begrenzt sonder ufern eher diffus aus.Ich kenne keine Bilder vom Eskimo, wahrscheinlich erkennt man ein "Gesicht" innerhalb des PN und der umgebene Nebel ist die Fellkapuze. Aber solche Details, so sie vorhanden, konnte ich nicht beobachten.

Aus meinem Auto kommen seltsame Gerausche: Das Handy vibriert und meine bessere Hälfte erkundigt sich nach dem Grad meiner Erfrierungen. Freudig berichte ich:.. ich habe den Eskimo gefunden..! "...na dann grüß ihn mal schön von mir!"
Sie hat schon manchmal einen sehr trockenen Humor; meine bessere Hälfte.
Mit breiter Brust peile ich meinen nächsten Wunschkandidaten an.Die Stellung der Zwillinge ist günstig; ich kann zwischen rho und iota Gem senkrecht hin und hersausen und muss keine zweidimensinale Bewegung ausführen um zum Ziel zu gelangen. Mit dem 8er Hyp glaube ich zuerst an einen Doppelstern aber bei 185x bin ich sicher, das ich
NGC 2371/2 PN Gem eingefangen habe.Vergleiche mit dem Kartenmaterial und dem Anblick im Telrad lassen keinen Zweifel zu. Ich habe die Erdnuss geknackt! Es präsentieren sich genügend Feldsterne um scharf zu stellen, überhaubt erinnert mich der Anblick im Oku an den kleinen Wagen.Wobei der PN Bestandteil des Kastens ist und der nördliche Nachbar, ein Doppelstern, der Ausgangspunkt der Westen weisenden Deichsel darstellt. Der PN erscheint in Ost-West Richtung angeordnet, wobei 2 Lichtknoten auszumachen sind, welche durch einen nicht sehr hellen Punkt verbunden scheinen. Ich verzichte auf den Einsatz von Filtern und denke, das der Nebel nicht scharf abgegrenzt ist und in bevorzugt südliche Richtung "ausfranst".
Nach langem Betrachten, beginne ich einfach mit der Kür; spazierenfahren am Firmament !Vorbei an den OH des Fuhrmannes; M35 und NGC 2158 Ein bischen Honig naschen im Bienenkorb (M44) zu den Galaxien des Löwen; der Coma Haufen und dem Herr der Ringe; Saturn......!

Um 1.00 Uhr, als alles verstaut ist zur Heimreise, ist noch ein Tropfen Tee übrig. Prost lieber Sirius, der jetzt wieder blitzt und funkelt und sich dem Westen zuneigt, und "danke" an die verantwortlichen Wettergötter, für diese wunderschöne Beobachtungsnacht, mögen ihr noch viele nachfolgen....

In diesem Sinne !

Andi
 
Hi Andi,

meinen Glückwunsch zum Nuss Knacken! Beim Punkt zwischen den beiden Aufhellungen handelt es sich tatsächlich um den Zentralstern des Nebels.

Ich war in der gleichen Nacht auch am Beobachten, und hatte dabei Bedingungen, wie man sich diese erträumt. Rausfahren hatte sich definitiv gelohnt.

Ich wünsche noch weitere klare Nächte, danke für deinen Bericht

Achim
 
Hallo Andi -
wieder ein schöner, interessant geschriebener Bericht! Wir haben ja z.Z. super Beobachtungsbedingungen. Das muss man ausnutzen, um aus seinem Gerät das Optimum herauszukitzeln. Den Eskimonebel habe ich gestern im 10x50 beobachtet. 10x ist natürlich ein bischen wenig ;) Aber immerhin. Musste ihn von einem 8,8m hellen Nachbarstern trennen. Eine Nacht zuvor versuchte ich mich irrtümlicherweise an NGC 2371. Hatte ihn bei Rotlicht im mitgeführten Starguide-Atlas mit dem Eskimonebel verwechselt. Natürlich nix gefunden (außer ein paar interessanten Sternmustern) - aber das Suchen macht ja auch Spaß.

Hoffentlich noch mehr solche Berichte!

Thomas

 
Hi Andi,

Glückwunsch! Wir hatten hier das gleich gute Wetter und eine absolut ruhige Atmosphäre. Konnte seit langer Zeit endlich mal Mars in der Dämmerung beobachten, da war er am deutlichsten. Voll in zarten Pastelltönen und mit allen Formationen. Je dunkler es wurde, desto weniger Details zeigte er bis er dann nur noch als weiße Scheibe mit ganz schwachen Details zu sehen war. (Meade 12" SC, 650-fach mit 4,7mm UWA).

An Saturn konnte ich dank der Luftruhe ebenso auf 650 fach hochfahren und er war ein Gedicht! - Alles übrigens mal seit langer Zeit wieder mit dem 12" Meade SC.
Schattenwurf der Ringstruktur auf dem Saturn, 2-3 Bänder gut und in Farbe sichtbar, erstes leicht gelblich, das breitere rostrot-bräunlich. Ein erhabener Anblick. Um den Saturn herum 5 Monde deutlich sichtbar.

Da wir 4 Personen waren (2 unbedarfte Gäste, die erst einmal durch meine Teleskope geschaut hatten und begeistert waren), kamen hauptsächlich die Highlights dran. Orion im 12" und 8" Dobson, mal mit, mal ohne Filter. - Ja, ohne sieht er immernoch am besten aus. Nur bei 8,8mm UWA und 0-III, da knallen einfach die filigranen Strukturen und Wirbel heraus, die man ohne Filter nur sehr schwach sieht. Dafür fehlen die filigranen Übergänge, der Rand des Nebels stürzt unvermittelt in die Dunkelheit des Alls ab.

Auf Anregung hier in den Foren haben wir uns auch mal den "running man" angeschaut, ein nettes Bild.

Die Galaxien des Leo waren wunderbar auch von unseren Gästen zu sehen und hinterließen einen bleibenden Eindruck.

Völlig begeistern waren die beiden aber von M81 und M82. Der 90-Grad Winkel, in dem sie zueinander stehen, bringt einfach sehr viel Dynamik in das Bild. Auch die 3. Galaxie, die ngc xyz (?) war sehe gut zu sehen.

Um 3 Uhr morgens haben wir erst eingepackt. Ich musste ja nur das Dach der Warte schließen und die Dob`s verstauen.

CS
Winfried
 
Hallo, ich erblasse wieder vor Neid, die Galaxien im Leo!!!Komme da einfach nicht ran.....manchmal könnt man wie Rumpelstielzchen, wenn man die tollen Berichte hier so liest....Grüssle von Anette
 
Hallo Anette,Achim,Thomas und Winfried !

Freut mich, wenn mein Bericht Euren Geschmack findet !

@Thomas: Ja da warst Du wohl etwas in der falschen Ecke !Du arbeitest mit dem Starguide-Atlas !? Ist das der von dem ungarischen Autor im DIN A4 Format? Wie bist Du zufrieden damit ?

@Winfried: Wo ist der running man? Ist das der Bruder vom muscle man in der Cassiopeia :biggrin: ?

In der Nacht auf Sonntag war ich wieder draußen; gleicher Ort, gleiche Zeit. Qualitativ war sie aber nicht mehr so toll, insgesamt feuchter, denn von den umliegenden Dörfer "sprossen" die Lichtdome wie Pilze in den Himmel. Trotzdem habe ich 2 Neuheiten die ich kurz vorstellen möchte:

NGC 2420 OH Gem die 20 hellsten Sterne orientieren sich bogenförmig, wobei in nördlichen Bereich mehr davon anzutreffen sind. In moderater Konzentration sind aber viel mehr Sterne geringerer Helligkeit im Zentrum anzutreffen. Auffällige Ketten oder assoziationen fehlen; ebenso ein Nebel. Bei 92x ist der Haufen gut erkennbar. Die Form ist eher länglich. Die Anzahl der versammelten Sterne sollte zwischen 50 - 100 liegen

NGC 2331 OH Gem ein sehr dezenter Haufen; etwa 30 Sterne in v-förmiger Anordnung treffen in Nord-Süd-Ausrichtung aufeinander. der interessantere Teil liegt im östlichen teil, eine quadratische Anordnung aus 5 Sternen. Eine große Anzahl der Sterne sind gleich hell, es gibt aber auch einige wenige dunklere "Kollegen"; keine Konzentration, kein Nebel. Idendifikation als OH benötigt etwas genaueres Hinschauen, weil die Anordnung nur gering dichter ist als die Verteilung der Umgebungssterne. Der Haufen wurde bei 92 facher Vergrößerung beobachtet.

cs

Andi

 
Zitat von andre_christian:
@Thomas: Ja da warst Du wohl etwas in der falschen Ecke !Du arbeitest mit dem Starguide-Atlas !? Ist das der von dem ungarischen Autor im DIN A4 Format? Wie bist Du zufrieden damit ?

Ja, genau. Bin sehr mit ihm zufrieden. Er geht bis zur 9. Größe (Sterne) und das ist etwa das, was man für FG-Beobachtungen braucht. Ich habe ihn bei allen Beobachtungen dabei und es macht richtig Spaß damit, die Objekte aufzuspüren.

NGC 2420 und 2331 habe ich auch im FG beobachtet - sind schon recht schwache Funzeln, die sich kaum vom Hintergrund abheben (besonders 2331).

Wenn du mal wieder in den Zwillingen beobachtest, schau dir mal NGC2266 an, der könnte sehr interessant sein.

Thomas
 
Hi Andi,

der "running man", ich weiß nicht, ob man ihn wirklich so nennt, stammt hier aus den Foren, liegt am Hals von Orion, rechts oben von Beteigeuze. (der obere des Dreiecks). Bekannt ist der Doppelstern WDS 4179 und unterhalb SAO 112914, beide gehören dazu. Sieht recht nett aus, ist auch was für`s 20x77 Miyauchi und andere Gläser, schon ab 10x sehr schön.

Zu Annette:
Sind Deine Bedingungen denn wirklich so schlecht in Sturget?
Alle 6 Galaxien im Leo, die 100er Serie und die 60er gehen auch schon herrlich im 8" f6. Dürften ansich kein Problem darstellen, man sieht sie ja schon im Fernglas.
Ansonsten kommt doch einfach mal an die "Nordküste" von Baden-Württemberg, zu uns, zum Beobachten....

CS
Winfried
 
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